So ruhig war es in Hütteldorf schon lange nicht.
Es scheint, als hätten die letzten beiden Saisonen doch Eindruck hinterlassen: Der Kampf um die Meistergruppe, in Folge jener um das letzte Europacup-Ticket im Playoff waren der Alltag beim SK Rapid. Beides erst auf den letzten Drücker geschafft.
Da werden besser keine Kampfansagen gemacht. Die würden auch nicht dem skandinavischen Stil entsprechen, der mit Johannes Hoff Thorup Einzug gehalten hat.
Hat es der Däne dennoch geschafft, auch ohne große Transfers für klare Fortschritte zu sorgen?
Die Transfers:
Zugänge | Abgänge |
|---|---|
Nicolas Bajlicz (SV Ried) | Janis Antiste (US Sassuolo/Leih-Ende) |
Tonni Adamsen (Silkeborg) | Tobias Börkeeiet (vereinslos) |
Moritz Oswald (SCR Altach/Leih-Ende) | Lukas Grgic (vereinslos) |
Andrija Radulovic (Hapoel Haifa/Leih-Ende) | Andreas Weimann (vereinslos) |
Dominic Vincze (TSV Hartberg/Leih-Ende) | Dominik Weixelbraun (SC Austria Lustenau/Leihe) |
Benjamin Böckle (SCR Altach) |
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Die Kader-Bewertung:
Tor:
Keine Änderungen am Gespann Niklas Hedl, Paul Gartler und Lorenz Orgler, die Hierarchie ist klar in dieser Reihenfolge geordnet. Hedl hatte in der Vorsaison ein Tief zu überwinden, das ihm den Platz im Tor vorübergehend kostete, aber Gartler agierte auch nur seinem braven Nummer-2-Status entsprechend. Spannend: Hedl und Gartler gehen ins letzte Vertragsjahr und müssen sich weiter empfehlen.
Fazit: Wie stark die Position bewertet werden kann, bleibt sehr formabhängig. An guten Tagen kann Hedl stark sein, an schlechten für schwere Patzer gut. In der Vorbereitung hat er zumindest einmal seine bessere Seite gezeigt.
Abwehr:
Das Innen-Duo Nenad Cvetkovic und Serge-Philippe Raux-Yao hat im Vorjahr stark abgebaut, nachdem es zuvor das stärkste Tandem der Liga war. In der Fünferkette war noch Platz für alle drei, nun wird Jakob Schöller einen der Beiden verdrängen - auf den 20-Jährigen werden so hohe Stücke gehalten, dass er zum Vize-Kapitän aufgestiegen ist. Dahinter gibt es mit Ange Ahoussou, Dominic Vincze, Amin Gröller und Jean Marcelin (bis zur schweren Verletzung stark) dichtes Gedränge.
Anders außen: Dort sind Jannes Horn links, Bendegúz Bolla rechts gesetzt. Allerdings gilt der Magyare noch als heiße Transferaktie. Jonas Auer war als Backup links unter Hoff Thorup bislang außen vor, ihm wurden sogar (gescheiterte) Experimente vorgezogen. Rechts wäre Furkan Demir da, auch er war bislang kein Liebkind des Dänen. Mit Eaden Roka schickt sich ein Youngster an, ihm den Rang abzulaufen.
Fazit: Quantitativ überbesetzt, ist die Innenverteidigung nicht mehr über jeden Zweifel erhaben, wenn sie nicht in Top-Form agiert. Zumindest passt der Konkurrenzkampf und Schöller entwickelt sich gut. Die Linksverteidigung könnte sich als Schwachstelle entpuppen - die rechte auch, sollte Bolla noch gehen.
Mittelfeld:
Bleibt Romeo Amane? Der Ivorer ist die heißeste Transferaktie. Ein Abgang würde ein mit vorhandenem Spielermaterial nicht zu schließendes Loch ins defensive Mittelfeld reißen, Martin Ndzie ist noch rekonvaleszent. An seiner Stelle wurde auch Matthias Seidl probiert. Für den etatmäßigen Kapitän steigt weiter vorn nämlich die Konkurrenz mit Rückkehrer Nicolas Bajlicz, auch von Rekordeinkauf Tobias Gulliksen wird eine Steigerung erwartet, Louis Schaub ist die routinierte Ergänzung. Andrija Radulovic ist nach der Leihe zurück, an seinem schweren Stand hat sich scheinbar nichts geändert. Sind hinten gar Moritz Oswald nach seiner Altach-Rückkehr oder Youngster Lorenz Szladits mögliche Alternativen?
Fazit: Wenn Gulliksen und Tilio endlich in Hütteldorf ankommen, ist das Mittelfeld vorne passend besetzt. Dahinter bräuchte es wohl einen weiteren Mann - im Falle eines Amane-Abgangs eher zwei. Lücken in der Zentrale lassen sich schon jetzt als Problemzone ausmachen.
Angriff:
Andreas Weimann lieferte Leadership, aber keine Scorerzahlen. An seiner Stelle ist mit Tonni Adamsen ein Zielspieler da, der in seiner Heimat Dänemark mit beiden Attributen glänzen konnte. Auf ihn werden hohe Stücke gehalten. Der 31-Jährige spielt auch gerne mal hinter einem Kollegen, etwa Ercan Kara? Der ist immer für das entscheidende Tor gut - oder dafür, völlig unterzutauchen. Claudy Mbuyi ist nach seinem guten Rapid-Start rekonvaleszent und wird den Konkurrenzkampf um den Platz ganz vorne anheizen.
Die offensiven Flügel werden Schlüsselpositionen sein. Links war Petter Nosa Dahl die Überraschung der letzten Saison, aber nur, wenn fit und in Form agierend. Aktuell ist er wohl auf der Suche. Der hinübergewanderte Nikolaus Wurmbrand müsste auch wieder einen Zahn zulegen. Rechts sieht es besser aus: Yusuf Demir hat physisch zugelegt und zeigt nicht nur damit, dass er etwas zu beweisen hat. Auch Marco Tilio war in der Vorbereitung aus dem Nichts überraschend stark. Mit Moulaye Haidara und Daniel Nunoo spitzen zwei Youngster auf ihren Durchbruch.
Fazit: Wenn Adamsen einschlägt und vor allem Demir das Angedeutete umsetzen kann, ist die Qualität gestiegen. Das wäre bitter nötig, war das Toreschießen letzte Saison doch nicht die große Stärke.
Wie würdest du aufstellen?
Der Trainer: Johannes Hoff Thorup
Im Frühjahr musste der neu angekommene Däne eine angeschlagene Truppe zusammenflicken und erreichte mit Bauchweh noch das Minimalziel Europacup-Platz.
Dabei unterstrich er schon skandinavische Eigenschaften: Überschwang und Krisenstimmung gibt es beim 37-Jährigen nicht, damit ist er ein charakterlicher Gegenpol zu dem, was bei Rapid sonst abgeht.
Ab jetzt kann seine Arbeit besser bewertet werden. In der Sommervorbereitung wurde seine Fußballidee von Grund auf neu implementiert, ein 4-3-3 soll das bevorzugte System sein - in den ersten Pflichtspielen war es doch wieder ein 4-2-3-1 oder 4-1-3-2.
Rapid soll sich dem Fußball annähern, der vor allem bei seiner Vorstation Norwich zu sehen war: Ab nach vorn, auch zulasten der defensiven Absicherung. Die Achillesferse "Toreschießen" sollte ausgeräumt sein, auf die letzte Reihe wartet dafür mehr Arbeit.
Die Trikots:
Worauf es 2026/27 ankommt:
Alles neu, ganz ohne Kader-Revolution? Keine leichte Angelegenheit. Johannes Hoff Thorup will das bewerkstelligen, allein über die Stellschrauben Spielidee, Fitness und Professionalisierung.
Was in der Saison als Ergebnis herausschaut, hängt sehr davon ab, wie gut das gelungen ist. Die Offensive muss auf jeden Fall wieder giftiger agieren, letztes Jahr verbuchte Rapid 36 Treffer - zusammen mit Altach der bundesligaweite Negativwert!
Den immerwährenden Anspruch, um den Titel mitzuspielen, wird Rapid auch dieses Jahr nicht erfüllen. Die Meistergruppe wird diesmal nicht zur Debatte stehen. Hinter der Ligaspitze ist Grün-Weiß "best of the rest".
Redakteure tippen die Endplatzierung:
Name | Tipp |
|---|---|
Daniel Sauer | 3. |
Florian Gabriel | 4. |
Harald Prantl | 4. |
Johannes Bauer | 4. |
Georg Sohler | 4. |
Simon Urhofer | 4. |
Jonas Pamperl | 4. |
Johannes Bauer