Jetzt gilt's.
Der SK Rapid steht am Ende der ersten kompletten Vorbereitung unter Johannes Hoff Thorup, der den Klub im Frühjahr gerade noch zum Minimalziel einer Europacup-Teilnahme führte.
Die muss ab Donnerstag beim FC Santa Coloma in Andorra manifestiert werden.
Dafür stehen bis dato erst zwei "waschechte" Neuzugänge zur Verfügung. Das heißt nicht, dass sich zu wenig geändert hätte. Mit neuem System und neuen Ideen sollen die Hütteldorfer wieder ein offensiveres Gesicht zeigen.
Darüber spricht der Cheftrainer im Interview vom Media Day der ADMIRAL Bundesliga:
90minuten: Die erste Sommer-Vorbereitungszeit unter Ihrer Führung ist nun fast vorbei. Was darf die Rapid-Fans optimistisch stimmen, dass die neue Saison besser laufen wird?
Johannes Hoff Thorup: Letzte Saison sind wir in einer Phase mit Druck hinzugekommen, in der die Stimmung völlig anders war. Jetzt haben wir gute neue Energie, die auch einige neue Gesichter einbringen. Unser Auftreten auf dem Platz ist auch etwas anders als zum Ende der letzten Saison. Außerdem haben wir viel Zeit mit dem Team abseits des Platzes verbracht, um daran zu arbeiten, wie wir mit verschiedenen Situationen umgehen und Führungsqualitäten und Verantwortung innerhalb der Gruppe aufbauen. Ich denke, wir haben es geschafft – in ein paar sehr, sehr intensiven Wochen –, den Großteil davon abzudecken.
90minuten: Was wird anders sein, wenn man Rapid zuschaut?
Hoff Thorup: Hoffentlich können wir die Spiele noch besser kontrollieren. Das war auch schon in der letzten Saison unsere Ambition. Zudem wollen wir höher pressen. Zuletzt ging es darum, etwas Kurzfristiges aufzubauen und im Hier und Jetzt zu arbeiten, um es zumindest in die Top-6 und in den Europacup schaffen. Das hat ein wenig die spielerische Entwicklung gebremst. Ich hoffe, das konnte jeder bereits in der Vorbereitung sehen.
90minuten: Bis jetzt gibt es mit Nicolas Bajlicz und Tonni Adamsen nur zwei komplett neue Spieler. Was bringen sie in die Mannschaft ein, was vorher gefehlt hat?
Hoff Thorup: Nico Bajlicz ist ein völlig anderer Typ als das, was wir bisher im Mittelfeld hatten. Er ist wirklich gut am Ball, bleibt unter Druck ruhig und kann sich auf engstem Raum bewegen, während andere Mittelfeldspieler ihre Qualitäten in anderen Bereichen hatten. Wir brauchten einen wie ihn. Und durch ihn sehen wir auch, dass einige der anderen Mittelfeldspieler in der Vorbereitung gute Schritte nach vorne gemacht haben. Tonni im Sturm gibt uns eine ganz neue Option. Er ist eher ein Zielspieler, so werden wir ihn auch einsetzen. Er will stark eingebunden sein, bewegt sich mehr und ist gut darin, gefährliche Räume zu finden und Momente zu nutzen, um seine Tore zu erzielen und Vorlagen zu geben. Er ergänzt unseren Kader wirklich gut. Das Wichtigste für uns war aber, den Kader so weit wie möglich zusammenzuhalten.
"Wenn man mit mehr offensiven Spielern auf dem Platz agiert, wird es immer diese defensiven Situationen geben, in denen man zwar nicht direkt schwimmt, aber vielleicht einen Spieler mehr gebrauchen könnte."
90minuten: Im Moment ist der groß, da auch einige junge Spieler aus der zweiten Mannschaft nachgerückt sind. Wie gehen Sie mit so einem großen Trainingskader um, und vor allem: Wie werden die jungen Spieler zu ihren Chancen kommen?
Hoff Thorup: Ich bin es gewohnt, in der Vorbereitung einen großen Kader zu haben, weil ich von anderen Vereinen komme – besonders aus Dänemark –, wo es ein wichtiger Teil unserer Strategie war, immer fünf, sechs, sieben junge Spieler zur Vorbereitung und vor allem ins Trainingslager mitzunehmen. Natürlich braucht es da viele Gespräche mit den Spielern, um ihnen ihre Situation genau zu erklären. Aber es gab in dieser Vorbereitung für alle jungen Spieler Einsatzzeiten, und bei einigen haben wir uns auch entschieden, sie noch etwas länger bei der ersten Mannschaft zu behalten.
90minuten: Im neuen System liegt mehr Betonung auf offensiven Flügelspielern. Welche Schwierigkeiten wirft das auf, besonders im Hinblick auf das zentrale Mittelfeld - das bei einem Abgang von Romeo Amane zur richtigen Baustelle wird?
Hoff Thorup: Ja, aber so ist das nun mal im Fußball. Man muss die besten Momente finden, um Risiken einzugehen, damit man am Ende auch belohnt wird. Ich finde, als Fußballmannschaft muss man mit Risiko spielen. Natürlich: Wenn man mit mehr offensiven Spielern auf dem Platz agiert, wird es immer diese defensiven Situationen geben, in denen man zwar nicht direkt schwimmt, aber vielleicht einen Spieler mehr gebrauchen könnte. Nur: so sehen wir den Fußball nicht. Wir wollen dominant sein, wenn wir den Ball haben, und um das zu schaffen, brauchen wir in der Offensive mindestens einen Spieler mehr als in den meisten Spielen der letzten Saison. Ich denke, wir haben die Wochen gut genutzt, sodass die Spieler genau wissen, wann wir was mit dem Ball machen, wann wir hoch pressen können und wann wir etwas tiefer verteidigen müssen. Aber unser Anspruch ist es, einen anderen Fußball zu spielen als zum Ende der letzten Saison.
"Da ist ein Spieler, der auf einer Mission ist, allen zu zeigen, dass die letzte Saison nicht gut genug war."
90minuten: Sie haben keine Angst davor, Spieler auf anderen Positionen auszuprobieren. Matthias Seidl könnte etwa eine defensivere Rolle einnehmen. Lassen sich mögliche Abgänge so wirklich abfangen?
Hoff Thorup: Auch hier gilt: Ich konzentriere mich nur auf die Spieler, die jetzt hier sind, und wir müssen das Beste aus ihnen herausholen. Um das zu sehen, muss ich sie manchmal in ein anderes Licht bringen, ihnen andere Aufgaben geben. Uns ist in dieser Vorbereitung gelungen, die Stärken jedes einzelnen Spielers herauszufinden. Wir haben eine gute Vorstellung davon, wo wir sie einsetzen können – auch davon, in welchen Spielen auf welchen Positionen. Unser Mittelfeld hat in den Tests stark agiert, auch in den letzten beiden intensiven Partien gegen Top-Teams (Panathinaikos und HSV, Anm.). Matti müssen wir mit seiner Laufleistung und Präsenz im Spiel in eine Richtung weiterentwickeln, in der er auch die Defensivarbeit miterledigen kann.
90minuten: Yusuf Demir wirkt sehr fit und befindet sich an einem entscheidenden Punkt in seiner Karriere. Er muss im nächsten Jahr wirklich liefern. Könnte er der wichtigste - oder beeindruckendste - Spieler in Rapids Spiel werden?
Hoff Thorup: Der wichtigste Spieler ist die Mannschaft, und jeder muss seine Rolle im Team verstehen. Wenn das nicht der Fall ist, haben wir absolut keine Chance auf Erfolg. Erst wenn das jeder verstanden hat, kann der Einzelne anfangen, sein Bestes zu zeigen. Ich kann Yussi für seine Einstellung nur loben: wie er in die Sommerpause gegangen ist und gesagt hat: "Okay, ich muss einige Dinge ändern. Ich muss in einer besseren Verfassung sein. Ich muss in der Lage sein, meine Qualitäten besser auf den Platz zu bringen". Tatsächlich habe ich nach ein paar Tagen mit dem Trainerteam gesprochen und gesagt: "Da ist ein Spieler, der auf einer Mission ist, allen zu zeigen, dass die letzte Saison nicht gut genug war". Allein die kleinen Dinge, die wir von ihm hier in der Vorbereitung gesehen haben, waren wirklich beeindruckend.
90minuten: Es gibt einige Verschiebungen in Sachen Führungsstruktur. Jakob Schöller übernahm schon ab und zu die Kapitänsrolle und ist nun quasi Seidls neuer "Vize". Was spricht dafür, ihm als jungen Spieler schon diese Verantwortung zu geben?
Hoff Thorup: Ich sehe ihn jeden Tag und er ist dafür vom Typ her perfekt. Seine Persönlichkeit, seine Professionalität, seine Vorbereitung und seine Qualitäten. Ich hatte keinen Grund, ihm nicht etwas Verantwortung im Team zu übertragen. Auch die Fans können sich daran gewöhnen, dass wir ein Verein sind, der die Schleife nicht nur an ältere, erfahrene Spieler gibt. Wir können auch Spieler aus unserem eigenen Akademie-System fördern und ihnen Verantwortung übertragen – denn genau das ist der Verein, der wir sein wollen.
90minuten: Danke für die Zeit!
Johannes Bauer