Der Aufsteiger der letzten Saison will sich mit einem neuen Trainer weiterentwickeln. Die Zeiten von sehr unangenehmem Fußball für den Gegner sollen der Vergangenheit angehören – Schuld sind Regeländerungen beim Einwurf, sichtbar war die spielerische Note schon in der Qualifikationsgruppe.
Die große Aufgabe wird sein, die Standard-Gefährlichkeit der Abwehrhünen sowie 14 Ligatore durch Kingstone Mutandwa zu ersetzen. Inwiefern der neue Trainer einschlägt, bleibt abzuwarten. Mario Despotovic hat lange keine erste Mannschaft betreut, soll aber Maximilian Senft von der Art her ähneln.
Ein wichtiger Punkt abseits des Sportlichen ist letztlich die Entwicklung der eigenen Talente. Dazu braucht es vor allem eines: Routiniers, die die Rieder in die Position bringen, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben.
Die Transfers
Zugänge | Abgänge |
|---|---|
Jussuf Nasrawe (Bayern München II) | Atonio Van Wyk (Sundowns) |
Stefan Schwab (Holstein Kiel) | Nikki Havenaar (Union St. Gilloise) |
Lukas Malicsek (Admira Wacker) | Nicolas Bajlicz (SK Rapid) |
Jaedin Rhodes (Cape Town City) | Christopher Wernitznig (Hertha Wels) |
Samuel Chukwudi (SJK Seinäjoki) | Marcel Köstenbauer (BW Linz) |
Oliver Sorg (FC Augsburg) | Philip Weissenbacher (SV Kapfenberg) |
Pape Sissoko (Stade Reims) | Saliou Sané (vereinslos) |
Tobias Lund Jensen (Club NXT) | Jonathan Scherzer (vereinslos) |
Sefiwu Abubakar (SV Ried II) | Loiange Ondoa (vereinslos) |
Raphael Pesu (SV Ried II) | |
Fabian Lechner ((SV Ried II) | |
Leonit Zeqiri (SV Ried II) | |
Alessandro Goiginger (AKA SV Ried U18) |
Die Kaderbewertung
Tor:
In einer zunehmend unsteten Welt gibt es im Vergleich zum ersten Spieltag der vergangenen Saison eine Konstante: Kapitän Andreas Leitner (32) steht zwischen den Pfosten der SV Ried. Mit dem aktuell verletzten 27-jährigen Felix Wimmer gibt es eine nicht weiter auffällige Nummer zwei. Als Dreier gibt es mit Dominik Stöger ein 19-jähriges Talent mit einem Gardemaß von zwei Metern. Er sammelte bereits vor drei Jahren erste Erfahrungen bei den Jungen Wikingern in der Regionalliga, musste sich dort aber öfters hinter dem diesen Sommer zu Blau-Weiß abgewanderten Marcel Köstenbauer anstellen.
Fazit: Wenn Leitner in der Früh aufstehen kann, steht er auch zwischen den Pfosten. Dahinter lauert eine wohl allein schon wegen der Größe von Stöger neue Generation an Keepern. An dem Routinier vorbeizukommen, wird aber wohl schwierig. Leitner reiht sich in die Riege sehr guter Ligatorhüter ein, denen für eine große internationale Karriere wohl hauptsächlich ein paar Zentimeter Körpergröße fehlen.
Abwehr:
Die Defensiv- und Offensivwaffe der Rieder ist etwas kleiner geworden. Der Abwehrhüne Niki Havenaar wechselte nach Belgien zu Union St. Gilloise, um einen mittleren sechsstelligen Eurobetrag. Als Ersatz kam der um fünf Zentimeter – aber noch immer 1,95 Meter große - Samuel Johansen Chukwudi (23) nach Ried. Er ist nigerianisch-stämmiger Nationalspieler der Färöer und war zeitweise bei St. Gilloise im Nachwuchs. Von Jugendklub Torshavn ging es 2025 in die finnische Veikkausliga, wo er für Seinäjoki nicht nur hinten aufräumte, sondern auch vorne mit vier Toren und zwei Assists zu überzeugen wusste. Mit 23 Jahren ist er zudem jung genug, um die Innviertler Vereinskassa in ein paar Jahren aufzufetten.
Die größere Änderung: In den Testspielen setzte Neo-Trainer Despotovic auf vier Mann ganz hinten. In Ermangelung echter Außenpracker – Oliver Sorg (18) kam erst später von Augsburg, er spielt links hinten – kickten junge Mittelfeldspieler auf den Außenbahnen. Die Dreierkette bleibt allerdings mit Sicherheit ein Mittel zur Wahl. Mit Alessandro Goiginger (17) durfte zuletzt auch ein Talent aus dem eigenen Nachwuchs reinschnuppern. Für die nötige Routine und Kadertiefe im Abwehrzentrum sorgen zudem Michael Sollbauer (36), Oliver Steurer (31) und Dominik Kirnbauer (23), während mit Nevio Zotz (19, rechte Außenbahn) ein weiteres Talent auf seine Chance lauert.
Fazit: Dreierkette kann Ried, mit Mario Despotovic soll die Ausrechenbarkeit sinken. In der Defensive gibt es mit Kickern von den Jungen Wikingern und spannenden Neuzugängen mit Sicherheit Möglichkeiten, die den Gegner vor Aufgaben stellen können. Ob die Qualität nach Havenaars Abgang aber reicht, wird sich zeigen.
Mittelfeld:
Das Mittelfeld ist wohl das neue Prunkstück der Rieder. Mit Ex-Rapid-Kapitän Stefan Schwab (35, Kiel) und Lukas Malicsek (27, Admira) holte man sich viel Erfahrung ins Innviertel. Der südafrikanische Neuzugang Jaedin Rhodes (23) fällt wohl wie Bayern-II-Kicker Jussef Nasrawe (19) unter "Talent, das man weiterverkaufen kann". Letzterer wurde nach einer Leihe nun fix verpflichtet.
Im in den ersten Testspielen praktizierten 4-2-3-1 werden die Positionen neben den Routiniers Schwab, Yusuf Maart (31), und eine Reihe weiter vorne Ante Bajic (30), wohl mit jungen Kickern besetzt werden. Während es in der Zentrale mit Martin Rasner (31) noch einen Routinier gibt – also vier erfahrene Kicker für zwei Plätze – sieht es im offensiven Mittelfeld mit Erfahrung nebst Bajic und Philipp Pomer (28) eher dünn aus. Schaut man sich aber den einen oder anderen Werdegang der Jungkicker aus der Akademie an – Stichwort Arjan Malic – könnte das kein Nachteil sein. Breite bringt eine ganze Garde hungriger Eigenbauspieler und Talente wie Jonas Mayer (22), Fabian Rossdorfer (20), Evan Eghosa Aisowieren (20), Leonit Zeqiri (17), Fabian Lechner (20), Conrad Scholl (18) und Nermin Mesic (20).
Fazit: Auf dem Papier hat die SV Ried hier ein Mittelfeld zusammengestellt, das eher Richtung Tabellenmittelfeld schielt. Inwiefern die doch feinere Klinge sich dann tatsächlich in Punkte ummünzen lässt, wird sich wie alles im Leben weisen.
Angriff:
Im vergangenen Jahr erzielte die SV Ried 38 Bundesliga-Tore. Der Großteil der dafür Verantwortlichen ist nicht mehr da. Insgesamt handelt es sich um 23 Treffer, die die Abgänge erzielt haben, mit alleine 14 bei Kingstone Mutandwa.
Vielleicht wird das der Malier Pape Sissoko (20), der von Stade Reims aus der Ligue 2 per Leihe kommt - Ried besitzt eine Kaufoption. Ein "Bulldozer", wie man ihn in Ried nennt: 1,87 Meter groß, wuchtig, kann Bälle halten. Erst seit kurzem beim Team ist Tobias Lund Jensen (20). Der Däne kommt von Club Brügge, die Rieder haben eine Kaufoption. Der Flügelspieler zeichnet sich durch einen starken linken Fuß und Kreativität im letzten Drittel aus.
Neu im Kampfmannschaftskader sind aktuell die beiden Talente Sefiwu Abubakar (20) und Raphael Pesu (17) sowie Joris Boguo (18). Abubakar wurde bei Vösendorf ausgebildet und kam letzten Sommer ins Innviertel, Pesu durchlief die Akademie. Mit vielen Toren sind sie bei der Zweier aber noch nicht aufgefallen.
Fazit: Inwiefern die zwei neuen Stürmer für Tore sorgen, muss abgewartet werden. Allerdings kann sich ein Jungspund schon mal gut entwickeln und – siehe Havenaar – die Tore muss nicht immer der Stoßstürmer schießen.
Wie würdest du aufstellen?
Der Trainer: Mario Despotovic
Der Kroate ist mit Sicherheit die spannendste Verpflichtung. Er kommt von Wadi Degla aus Kairo, wo er Sportchef war, hat im Nachwuchs von unter anderem Hajduk Split und Dinamo Zagreb gearbeitet. Taktisch soll er die Mannschaft weiterentwickeln, weg von dem doch recht erdigen Stil im ersten Halbjahr 2025/26. Dieser ist, siehe Out-Einwürfe, entweder nicht mehr in der Form möglich, oder wurde schon in der Qualifikationsgruppe weiterentwickelt.
Taktisch setzte er in den Testspielen zuweilen auf eine Viererkette mit zwei Abräumern davor und soll eben mehr spielerische Lösungen finden. Wichtig war bei der Verpflichtung vor allem sein Kommunikationsstil, der dem von Maximilian Senft ähneln soll.
Die Trikots
Worauf es 2026/27 ankommt:
Aufgrund der Fragezeichen hinter dem Ersatz wichtiger Leistungsträger und eines Trainers, für den dieses Niveau letztlich Neuland ist, ist die SV Ried in der Spielzeit 2026/27 eine Wundertüte – aber auch nur in gewissem Rahmen.
Dieser Rahmen dürfte aber eher Platz sechs bis zwölf sein, eine Teilnahme an der Meistergruppe erscheint da eher wenig realistisch. Dass Sportchef Wolfgang Fiala ein gutes Händchen hat, hat er zumindest in den vergangenen Spielzeiten bewiesen.
Redakteure tippen die Endplatzierung:
Name | Tipp |
|---|---|
Harald Prantl | 6. |
Johannes Bauer | 8. |
Georg Sohler | 8. |
Simon Urhofer | 9. |
Florian Gabriel | 10. |
Jonas Pamperl | 10. |
Daniel Sauer | 11. |
Georg Sohler