1.119.
So viele Tage sind seit dem letzten Titelgewinn des FC Red Bull Salzburg mittlerweile vergangen. Eine, angesichts der Möglichkeiten der Salzburger, inakzeptabel lange Zeit.
Jahr für Jahr ging man in Fußball-Österreich zuletzt davon aus, dass die jeweils neue Saison nun endgültig jene sein würde, in der der Liga-Krösus zurückschlagen würde. Tatsächlich entfernten sich die "Bullen" aber immer weiter von der Liga-Spitze.
Das ändert nichts an dem Umstand, dass Salzburg auch heuer wieder als der Top-Favorit auf die Meisterschaft gilt.
Sieben millionenschwere Neuzugänge, mit Danny Röhl ein neuer, hochspannender Trainer und ein durchaus zu spürender frischer Wind, der durch die Mozartstadt weht, sprechen dafür, dass der Meistertitel 2026/27 tatsächlich wieder zurück nach Salzburg wandern könnte.
Die Transfers:
Zugänge | Abgänge |
|---|---|
Kevin Boma (Estoril/POR) | Joane Gadou (Borussia Dortmund/GER) |
Bartosz Mazurek (Jagiellonia/POL) | Jannik Schuster (FC Brentford/ENG) |
Haris Tabakovic (TSG Hoffenheim/GER) | Mads Bidstrup (Olympique Lyon/FRA) |
Filip Matijasevic (Cukaricki/SRB) | Kerim Alajbegovic (Bayer Leverkusen/GER) |
Nikolas Veratschnig (Mainz/GER) | Bobby Clark (Derby County/ENG) |
Dominik Schmid (FC Basel/SUI) | Alexander Schlager (Werder Bremen/GER) |
Abubakr Barry (FK Austria Wien) | Douglas Mendes (Vila Nova FC/BRA) |
Johannes Moser (Liefering) | Moussa Yeo (Swanswea City/ENG) |
Valentin Zabransky (Liefering) | Salko Hamzic (WSG Tirol) |
Nikola Sarcevic (Liefering) | Takumu Kawamura (Sanfrecce Hiroshima/JAP) |
Aboubacar Camara (Liefering) | Valentin Sulzbacher (Excelsior Rotterdam/NED) |
Adam Daghim (VfL Wolfsburg/GER/Leih-Ende) | Philipp Verhounig (Wolfsberger AC) |
Lucas Gourna-Douath (Le Havre/FRA/Leih-Ende) | Oliver Lukic (TSV Hartberg/Leihe) |
Leandro Morgalla (Bochum/GER/Leih-Ende) | Clement Bischoff (NEC Nijmegen/NED/Leihe) |
Gaoussou Diakite (Lausanne/SUI/Leih-Ende) | Tim Trummer (GAK/Leihe) |
Hendry Blank (Hannover 96/GER/Leih-Ende) | Karim Onisiwo (vereinslos) |
Zeteny Jano (GAK/Leih-Ende) |
Bundesliga-Transferliste: Alle fixen Transfers und Gerüchte im Sommer 2026 >>>
Die Kader-Bewertung:
Tor:
Schon früh hat man sich auf Christian Zawieschitzky als neue Nummer eins festgelegt und sich damit gegen Alexander Schlager entschieden. Zawieschitzky gilt als riesiges Talent und als Österreichs größte Hoffnung auf einen internationalen Top-Torwart; in seinen bisherigen Profi-Einsätzen zeigte er überhaupt keine Nerven - egal, ob die Gegner SV Ried oder Real Madrid hießen. Er ist mit seinen 19 Jahren, speziell für einen Torhüter, aber noch sehr jung.
Die Suche nach einer routinierten Nummer zwei läuft weiterhin. Bis diese beendet ist, wird Nikola Sarcevic, der in der Vorbereitung einen guten Eindruck hinterließ, auf der Bank sitzen.
Fazit: Das Risiko, welches die "Bullen" im Tor eingehen, ist kein geringes. Einem Teenager in einer so richtungsweisenden Saison das Vertrauen als Nummer eins auszusprechen, ist durchaus mutig, zeugt aber vom nach wie vor vorhandenen Commitment zum "Salzburger Weg". Für eine endgültige Bewertung dieser Position fehlt noch die neue Nummer zwei.
Abwehr:
Gut möglich, dass Salzburg mit einer völlig neu gebildeten Viererkette in die neue Bundesliga-Saison gehen wird. Rechts hinten hat Österreich-Rückkehrer Nikolas Veratschnig klar die Nase vor Stefan Lainer. Der Kärntner zeigte sich in der Vorbereitung extrem stark sowie auch torgefährlich und ist ein heißer Tipp auf das noch vakante Salzburger Kapitänsamt.
Auf der Gegenseite dürfte es zwischen Neuzugang Dominik Schmid, der aufgrund seiner starken Flanken und Standards vor allem mit Haris Tabakovic gut harmonieren könnte, und Frans Krätzig ein deutlich engeres Match geben.
In der Innenverteidigung sollte mit Kevin Boma ein weiterer Einkauf zunächst gesetzt sein. Der togolesische Hüne bringt viel von der in der Mozartstadt zuletzt vermissten Körperlichkeit mit.
Neben Boma könnte durchaus überraschend der gerade erst hochgezogene Valentin Zabransky agieren. Der ebenfalls sehr groß gewachsene Wiener verfügt über ein mit beiden Beinen gutes Passspiel, überzeugte in der Sommervorbereitung und durfte deshalb im ÖFB-Cup gleich in der Startelf verteidigen.
John Mellberg hätte als Linksfuß ebenfalls gute Chancen auf einen Stammplatz gehabt. Der noch immer erst 19-jährige Schwede verpasste die gesamte Vorsaison verletzt und ist so etwas wie ein interner Neuzugang, im Laufe der Vorbereitung zog er sich aber erneut eine Verletzung zu und muss aktuell pausieren.
Tim Drexler war während der fast gesamten Vorbereitung verletzt. Der Deutsche ist, wenn fit, auch ein Kandidat auf einen Stammplatz und könnte auch als Rechtsverteidiger aushelfen.
Anrie Chase sammelte hingegen viele Testspielminuten. Bekommt der Japaner endlich Konstanz in sein Spiel, darf freilich auch er Ansprüche auf einen Stammplatz stellen.
Der von einer Leihe zurückgekehrte Leandro Morgalla war ebenfalls in dem ein oder anderen Testspiel im Einsatz, er ist aber kein ernsthafter Kandidat für Pflichtspielminuten. Selbiges gilt für Hendry Blank und Aleksa Terzic, die gar nicht erst mit ins Trainingslager genommen wurden. Blank trainiert momentan allerdings wieder mit der Mannschaft.
Fazit: Veratschnig hat seinen Platz sicher, die restlichen drei Positionen in der Abwehr sind noch umkämpft. Speziell in der Innenverteidigung bahnt sich ein harter Konkurrenzkampf an, der nur positiv für Salzburg sein kann.
Mittelfeld:
Voraussichtlich werden die "Bullen" in einem System mit zwei Sechserpositionen agieren, von denen eine fix für Abubakr Barry reserviert ist. Der Spielwitz und die Kreativität, die der Gambier mitbringt, sind Salzburg in den letzten Jahren auf dieser Position abgegangen.
Daneben ist Soumaila Diabate prädestiniert dafür, Barry den Rücken freizuhalten. Der malische Balleroberer hat sich in der Vorsaison als einer von ganz wenigen Salzburgern leistungstechnisch nichts zuschulden kommen lassen. Neuzugang Bartosz Mazurek ist die etwas offensivere Alternative, der laufstarke Pole könnte auch auf die Zehn rücken.
Das war es allerdings wohl auch schon mit den Optionen auf der Sechs. Maurits Kjaergaard wurde nicht ins Trainingslager mitgenommen, danach zwar wieder ins Mannschaftstraining eingegliedert, soll den Verein aber noch verlassen. Die "Bullen" werden sich auf dieser Position noch extern verstärken.
Auf der Zehn scheint es ein überraschend enges Duell zwischen Sota Kitano und Gaoussou Diakite zu geben. Letzterer kehrte nach einer starken Leih-Saison in der Schweiz zurück und dürfte zurzeit vor dem Japaner in der Rangordnung stehen. Zudem kann der Malier auf allen vier Offensivpositionen auflaufen.
Kitano vereint indes alle Tugenden, die den "Red-Bull-Fußball" ausmachen, und war einer der ganz wenigen Lichtblicke der abgelaufenen Horrorsaison. Hinter den beiden sind der serbische Neuzugang Filip Matijasevic und wie erwähnt Mazurek die Optionen.
Lucas Gourna-Douath, Mamady Diambou, Zeteny Jano und der schon wieder verletzte Justin Omoregie werden unter Röhl allesamt keine Rolle spielen.
Fazit: Die Einser-Besetzung im Salzburger Mittelfeld ist das Beste, was man in dieser Liga finden kann, allerdings darf speziell im defensiven Mittelfeld nicht viel passieren. Hier herrscht noch Handlungsbedarf.
Angriff:
Auf den Flügelpositionen gibt es noch viele Fragezeichen. Der in der Vorbereitung stark aufspielende Adam Daghim machte schon vor Wochen klar, nach seiner Leihe nicht mehr nach Salzburg zurückkehren zu wollen, stand im ÖFB-Cup allerdings in der Startelf.
Zuletzt kamen auch recht konkrete Gerüchte um einen Abgang von Edmund Baidoo auf, der pfeilschnelle Ghanaer hätte ansonsten gute Karten auf einen Stammplatz rechtsaußen. Salzburg ist bestrebt, sowohl Daghim als auch Baidoo zu halten.
Baidoos schärfster Konkurrent, Damir Redzic, zeigte bis auf ein Traumtor beim Debüt bis dato wenig, was die knapp fünf Millionen Euro, die die "Bullen" im Jänner für den Ungarn hinblätterten, rechtfertigen würde, konnte beim Saisonauftakt im ÖFB-Cup aber immerhin einen Doppelpack schnüren.
Links konnte der hochgezogene Aboubacar Camara in der Vorbereitung aufzeigen, für einen Kaderplatz reichte es im ersten Pflichtspiel aber noch nicht. Der mit einem spannenden Profil ausgestattete Enrique Aguilar wartet auch noch auf seine erste richtige Chance.
Johannes Moser war seit seinen Glanzleistungen bei der U17-WM kaum einmal über eine längere Zeit fit, erst im allerletzten Testspiel der Vorbereitung kam er erstmals zum Einsatz. Der Kärntner wird noch etwas brauchen, um zur ernsthaften Option für die Startelf zu avancieren. Wenn er so weit ist, könnte er auch den Zehner geben.
Im Mittelsturm verfügen die Salzburger über drei so unterschiedliche wie hochqualitative Optionen.
Haris Tabakovic ist sicherlich einer der untypischsten "Bullen"-Transfers seit Langem. Die Wucht und körperliche Präsenz, die der Bosnier ausstrahlt, ist allerdings genau das, was den Salzburgern zuletzt offensichtlicherweise fehlte.
Karim Konate ist die deutlich jüngere und wendigere Option. Der Ivorer war im Frühjahr nach seiner Kreuzbandverletzung sichtlich noch nicht der Alte - und traf dennoch häufig ins gegnerische Tor.
Yorbe Vertessen wird im Laufe der Saison wohl nur die dritte Wahl für die Salzburger Solo-Spitze sein. Der belgische Sprinter absolvierte aber manche seiner besten Spiele im Salzburg-Dress am Flügel und könnte auch dorthin ausweichen.
Fazit: Außen herrscht noch Ungewissheit - falls Daghim und/oder Baidoo den Verein verlassen, gibt es hier noch etwas zu tun. Die Pfeilspitze im Angriff ist hingegen top besetzt. Es ist schwer vorstellbar, dass es auch heuer keinem Salzburg-Stürmer gelingen wird, zweistellig in der Bundesliga anzuschreiben.
Wie würdest du aufstellen?
Der Trainer: Danny Röhl
Mit der Verpflichtung von Danny Röhl ist den Salzburgern durchaus ein Coup gelungen.
Der Deutsche passt mit seiner Red-Bull-Vergangenheit und ehemaligen Mentoren wie Ralf Rangnick oder Ralph Hasenhüttl wie die Faust aufs Auge nach Salzburg. Er wird international schon länger als heiße Traineraktie gehandelt.
Mit seinen 37 Jahren ist er freilich noch unerfahren, hat allerdings eine solche Aufgabe - nämlich einen Klub, der eigentlich den Anspruch hat, jedes Jahr Titel zu gewinnen - wieder auf die Beine zu stellen, erst kürzlich bei den Glasgow Rangers erlebt – und ist daran gescheitert.
Es wird spannend zu sehen sein, wie und ob ihm dieses Unterfangen nun in Salzburg gelingt.
Einerseits muss er eine Mannschaft, die zuletzt keine war, wieder zu einer solchen formen. Dafür hat Röhl mit Sascha Lense seit Jahren einen Assistenten in seinem Staff, der einzig und allein für die zwischenmenschlichen Aspekte im Team zuständig ist. Mannschaftspflege, Beziehungsmanagement und die Erstellung eines emotionalen Matchplans sind Lenses Aufgaben.
Sportlich hat Röhl in der Vorbereitung den Fokus auf das Spiel mit dem Ball gelegt. In diesem Aspekt habe die Mannschaft große Schritte gemacht, hört man aus Spielerkreisen.
Die Trikots:
Worauf es 2026/27 ankommt:
Ein Wort: Titel.
Alles andere wäre eine Riesenenttäuschung und könnte die sich ohnehin immer mehr abwendenden Salzburg-Fans endgültig aus der Red Bull Arena vertreiben.
Die "Bullen" verbuchen schon jetzt ihren ausgabenstärksten Transfersommer der Klub-Geschichte und verpflichteten teils Spieler, von denen die Liga-Konkurrenten nur träumen können. Das muss sich endlich auch wieder in sportlichen Erfolgen widerspiegeln.
Nicht zu vergessen ist, dass Salzburg auch noch eine Europacup-Ligaphase zu fixieren hat. Auch international blieb man in den letzten Jahren hinter den eigenen Erwartungen.
Redakteure tippen die Endplatzierung:
Name | Tipp |
|---|---|
Harald Prantl | 1. |
Florian Gabriel | 1. |
Simon Urhofer | 1. |
Georg Sohler | 1. |
Daniel Sauer | 1. |
Johannes Bauer | 1. |
Jonas Pamperl | 2. |
Simon Urhofer