Gleich vorweg: Bei der WSG Tirol weiß man, dass der aktuelle Kader für den Klassenerhalt kaum reichen kann. Bis zum Ende des Sommers soll sich daher noch in allen Mannschaftsteilen etwas tun.
Dass der Umbau nicht vollständig abgeschlossen ist, überrascht nicht. Aus der 'Abgänge'-Spalte der untenstehenden Tabelle lässt sich eine gesamte Startelf herauslesen. Valentino Müller, Topscorer der Vorsaison und Kapitän, ist weg. Gleiches gilt für viele andere Leistungsträger der Ära Philipp Semlic. Mit begrenzten finanziellen Mitteln braucht es bei der Nachbesetzung viel Geduld. Auf Nikolai Baden Frederiksen musste man in der Vorsaison sogar bis Anfang Oktober warten.
Trotzdem gibt es Grund für Zuversicht. Der Umzug zurück nach Wattens nimmt Form an. Alle Verantwortlichen sehen darin einen Katalysator, der die Tür in Richtung Meistergruppe weiter aufstoßen soll. Zuerst muss dafür aber der Klassenerhalt gelingen.
Die Transfers
Zugänge | Abgänge |
|---|---|
Marc Striednig (FC Liefering) | Valentino Müller (Vereinslos) |
Drew Murray (SC Freiburg II) | Jamie Lawrence (OH Leuven/BEL) |
Nemanja Celic (SKN St. Pölten) | Paul Schermer (FC Kufstein) |
Murat Satin (GAK) | Yannick Vötter (SKU Amstetten) |
Salko Hamzic (Red Bull Salzburg) | Thomas Geris (FAC) |
Michael Olakigbe (FC Brentford B) | Tobias Anselm (First Vienna FC) |
Husein Balic (Vereinslos) | Adam Stejskal (Vereinslos) |
Julian Margreiter (AKA Tirol U18) | Matthäus Taferner (Vereinslos) |
Felix Libiseller (WSG Tirol II) | Johannes Naschberger (Vereinslos) |
Lukas Sulzbacher (Vereinslos) | |
Christian Huetz (Austria Salzburg/Leihe) | |
Lukas Schweighofer (Austria Salzburg/Leihe) | |
Benjamin Böckle (SCR Altach) | |
Moritz Wels (Austria Wien) |
Die Kaderbewertung
Tor:
Der Nachfolger von Adam Stejskal heißt Salko Hamzic und kommt, wie der Tscheche vor drei Jahren, aus Salzburg. Damit geht die WSG im Tor erneut ein Experiment ein: Hamzic (19) hat gerade einmal 27 Zweitligaspiele für Liefering absolviert. Im Duell zweier Top-Talente im "Bullen"-Stall zog er gegen Christian Zawieschitzky letztlich den Kürzeren. Sollte er sein Potenzial im Lauf der Saison abrufen können, wäre der WSG ein Glücksgriff gelungen.
Als Backup bleibt Alexander Eckmayr an Bord. In seinem einzigen Einsatz der Vorsaison blieb er gegen Ried fehlerlos.
Fazit: Auf dem Platz steht Hamzic vor einer Feuertaufe. Das Auftaktprogramm verspricht viele Schüsse auf das eigene Tor. Das Umfeld der WSG sollte vereinzelte Aussetzer aber eher verzeihen können, als es in Salzburg der Fall wäre. Für die individuelle Entwicklung einer ÖFB-Nachwuchshoffnung ist der WSG-Wechsel vielversprechend.
Abwehr:
Wie in der Vorsaison sollen bei der WSG drei Innenverteidiger für Stabilität sorgen. 52 Gegentore - Ligaplatz 12 in dieser Kategorie - sind eine Benchmark, die man aufbessern will. Als Abwehrchef und Co-Kapitän ist Marco Boras gesetzt, der in seiner ersten Bundesliga-Saison mit wie gegen den Ball einen sehr souveränen Eindruck hinterlassen hat. Drew Murray, gekommen vom SC Freiburg, ist nach der Vorbereitung Anwärter auf einen Stammplatz. Der 20-Jährige war 2025/26 in der deutschen Regionalliga aktiv, wo ihm ein großer Entwicklungsschritt nachgesagt wurde. Mit Lukas Gugganig und David Kubatta stehen außerdem zwei Linksfüße zur Verfügung.
Die Außenbahnen - Trainer Semlic setzt auf Wing-Backs - bleiben vor Saisonstart mit einem Fragezeichen versehen. Quincy Butler kehrt nach einem Kreuzbandriss erst im Winter ins Team zurück. Als beste Optionen bleiben auf dem Papier daher Michael Neuner (19) ohne Profierfahrung und David Jaunegg (23) übrig. Letzterer sollte nach einer Schrecksekunde in einem Testspiel rechtzeitig für den Ligastart fit sein. Im ÖFB-Cup waren rechts Husein Balic und links Raphael Gschösser (20) in seinem Profidebüt im Einsatz.
Fazit: Die Kombination aus einem jungen, unerfahrenen Torwart und einer neu zusammengestellten Defensive mit wenig Erstligaroutine macht auf den ersten Blick Sorge. In der Vergangenheit hat die WSG gutes Gespür und kreative Lösungen gezeigt. Diese wird es auch 2026/27 brauchen.
Mittelfeld:
Die von Matthäus Taferner und Valentino Müller gerissene Lücke in der WSG-Zentrale klafft tief - selbst, wenn man die überdurchschnittlichen Scoring-Werte des Ex-Kapitäns außer Acht lässt. Beide Mittelfeldspieler mussten in der Vorsaison viel Raum bearbeiten, das eigene Spiel vorantreiben und gegen Angriffe absichern.
Es ist ein umfangreiches Paket an Verantwortungen, dem sich erfahrene Neuzugänge wie Rückkehrer Nemanja Celic und Murat Satin stellen sollen. Marc Striednig (20) konnte in der Vorbereitung einen positiven Eindruck hinterlassen, hat aber ebensowenig Bundesligaerfahrung vorzuweisen wie David Falkner (19).
Fazit: Ohne weitere Verpflichtungen zählt das vollkommen neu zusammengestellte WSG-Mittelfeld zu den schwächsten der Liga. Besonders schwer wiegt dieser Umstand, weil dieser Mannschaftsteil dank guter Abstimmung im Vorjahr für viel Schwung gesorgt hat. Diesen müsste man Stand jetzt anders generieren.
Angriff:
Wenn man so will, ist die Offensive das Prunkstück des WSG-Kaders. Mit Nikolai Baden Frederiksen steht einer der besten Stürmer der Liga zur Verfügung, zumindest abseits der großen Vereine. Nach einer längeren Eingewöhnungsphase ist auch Ademola Ola-Adebomi eine größere Rolle zuzutrauen. Routinier und Co-Kapitän Lukas Hinterseer (35) hängt noch ein Jahr an und sollte allfällige Ausfälle kompensieren können.
Über die Seiten kommen mit Thomas Sabitzer und Neuzugang Husein Balic zwei routinierte Bundesligaprofis. Letzterer könnte auch eine Reihe tiefer als Wing-Back zum Einsatz kommen. Mit Michael Olakigbe - geliehen von Brentford - steht auf Wunsch von Trainer Semlic zusätzlich ein Spieler im Kader, der vor allem Tempo mitbringt und flexibel eingesetzt werden kann. Nur Torgefahr hat den ehemaligen U-Teamspieler Englands bisher nicht ausgezeichnet.
Fazit: In der Vergangenheit gab es Spielzeiten, in denen man sich in Bezug auf die WSG Tirol fragen musste, welche Spieler im Kader für Torgefahr sorgen sollen. Diese Bedenken sind für die kommende Saison insofern ausgeräumt, als dass die Bestbesetzung die meisten Konkurrenten im direkten Vergleich aussticht. Baden Frederiksen lieferte trotz mangelnder Spielpraxis zwölf Scorerpunkte.
Wie würdest du aufstellen?
Der Trainer: Philipp Semlic
Es ist ein dicker Pluspunkt, den die WSG Tirol auf ihrer Habenseite verbuchen darf. Philipp Semlic geht mit dem Verein in die dritte gemeinsame Saison und plant, das Erbe von Thomas Silberberger künftig in die Nähe der Meistergruppe zu rücken. Obwohl zumindest loses Interesse größerer Vereine vorhanden gewesen sein soll, hat er seinen Vertrag im Frühjahr verlängert.
Im 90minuten-Gespräch vor Saisonbeginn konnte der 43-Jährige einen sehr positiv gestimmten Eindruck vermitteln. "Für mich macht das das Trainersein aus", meint er beispielsweise zur intensiven Grundlagenarbeit mit vielen Neuzugängen. Beschwerden über fehlendes Personal gab es keine.
Taktisch zeichnet sich die WSG unter Semlic durch große Disziplin und klare Ideen im Ballbesitz aus. Statt Umschaltfußball gibt es klar getimte Laufwege und strukturierte Raumaufteilung zu sehen, um möglichst viele Spieler in Abschlusspositionen zu bringen.
Die Trikots
Worauf es 2026/27 ankommt:
In der vergangenen Saison gelang der WSG Tirol ein sensationeller Saisonauftakt, dank dem man noch im September von der Tabellenspitze lachen durfte. Für 2026/27 sollte man sich nicht auf einen ähnlichen Lauf verlassen. In den ersten Runden warten Sturm Graz, Salzburg und die Wiener Austria.
Mangels Punkteteilung sollte die Grundlage für den Klassenerhalt trotzdem schon im Grunddurchgang gelegt werden. Knackpunkt für die WSG wird daher die Länderspielpause Ende September. Bis dahin sollten sämtliche Neuzugänge eingearbeitet und mögliche Startschwierigkeiten ausgemerzt sein. Spiele gegen Ried, WAC und den GAK in der folgenden Saisonphase sollten dann zeigen können, wohin die Reise wirklich geht.
Redakteure tippen die Endplatzierung:
Name | Tipp |
|---|---|
Daniel Sauer | 7. |
Georg Sohler | 10. |
Simon Urhofer | 11. |
Florian Gabriel | 12. |
Jonas Pamperl | 12. |
Johannes Bauer | 12. |
Harald Prantl | 12. |
Daniel Sauer