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Didi Kühbauer: "Man muss dieser Mannschaft Zeit geben"

Der Cheftrainer der Hütteldorfer war zu Gast bei der Sky-Sendung "Talk & Tore " und sprach über die momentane Situation und über die kommenden Spiele in der Europa League.

Dietmar Kühbauer (Trainer SK Rapid Wien):
...über die Gruppengegner und die kommenden Spiele in der UEFA Europa League: „Am Transfermarkt sind sei weit über uns zu stellen, aber trotzdem wollen wir mit einem guten Spiel starten. Genk ist eine gute Mannschaft, aber zuhause haben wir in der Europa League immer gute Leistungen erbracht und mit vollem Stadion wissen wir ganz genau, was machbar ist. Im Fußball ist alles möglich, aber natürlich wissen wir ganz genau, dass wir bei jedem Spiel Topleistungen brauchen.“

...über die momentane Situation bei SK Rapid Wien: „Wir sind nicht zufrieden momentan, aber es ist passiert. Wir waren gegen Altach und Admira in Führung und hätten ‚den Sack zumachen‘ müssen, aber haben es nicht getan. Bei Rapid ist es so, dass es, wenn es nicht funktioniert, wie es jetzt ist, dann ist der Druck immer da. Der Umbruch hat stattgefunden. Wir haben zwar sechs Spieler geholt, aber auch gute Spieler verloren. Man muss dieser Mannschaft Zeit geben, dass sie sich findet. Wir werden deswegen nicht unrund oder beginnen, die Nerven wegzuhauen, das wäre der falsche Weg. Es freut mich, dass Martin Bruckner (Präsident SK Rapid Wien, Anm.) mich angerufen hat und gemeint hat, wir werden die Arbeit der letzten zwei Jahre nicht in Frage stellen. Entscheidend ist, dass wir ruhig bleiben im Klub. Es werden Stimmen von außen kommen, aber wenn wir ruhig und klar bleiben, mache ich mir keine Sorgen, dass es in die richtige Richtung geht.“

...über die Belastung durch internationale Bewerbe: „Es bringt das Geld und jeder Spieler wird das wollen. In den letzten sechs Wochen war es eine unglaubliche Belastung. Ich habe nicht von Ausreden gesprochen sondern nur davon, dass die Beanspruchung nicht normal ist. Die Belastung, speziell seit Corona ist für die Spieler mehr geworden. Man muss akzeptieren, dass die Spieler keine Maschinen sind und Probleme bekommen aufgrund dieser Belastung. Man muss verstehen, dass diese Belastung nicht gut sein kann, für keinen Spieler der Welt. Es ist so, wie es ist, man muss es sowieso tun.“

"Eine Meinung zu haben, ist wichtig in der heutigen Zeit und das heißt nicht, dass es immer gut ankommt" - Didi Kühbauer

...über sein Gemüt: „Natürlich nimmt es die Öffentlichkeit noch immer nicht so war. Ich kann mich nicht ändern und ich kann es nicht allen sagen, dass ich weitaus ruhiger geworden bin. Wenn ich einmal einen Auszucker habe, wird er bei mir länger besprochen als bei Anderen. Ich glaube, dass ich heute mittlerweile in geordneten Bahnen bin. Das bedeutet nicht, dass man nicht einmal den einen oder anderen Auszucker hat. Es sind immer noch Emotionen im Fußball dabei, aber ich bin auf einem gutem Weg. Als Mensch habe ich mich nicht großartig verändert. Eine Meinung zu haben, ist wichtig in der heutigen Zeit und das heißt nicht, dass es immer gut ankommt. Ich versuche, mit den Medien besser auszukommen und es gelingt mir auch ganz gut.“

...darüber, dass er nicht als Nationalteam-Trainer im Gespräch ist: „Weil ich polarisiere, nach wie vor. Ich habe gute Arbeit abgeliefert, aber ich glaube, dass ich für den Einen oder Anderen nicht passe. Ich habe deswegen keine schlaflosen Nächte, aber Angst habe ich nicht davor.“

...über seine bisherige Karriere: „Rapid ist mein Klub schlechthin, Admira hat mir die Möglichkeit gegeben, dass ich groß werden kann und ich habe dort und beim WAC eine unglaublich schöne Zeit gehabt. Es war mir immer wichtig, dass ich mich mit dem Klub identifiziere, wo ich als Trainer tätig bin. Bei Sankt Pölten war es auch eine unglaublich schöne Zeit und dadurch habe ich die Möglichkeit bei Rapid bekommen. Ich hätte keine Ängste, irgendwo anders zu trainieren. Ich stehe jeden Tag gerne am Platz, egal ob ich 50 oder 60 Jahre alt bin. Mit 65 stehe ich nicht mehr am Platz, weil ich hoffe, dass meine Kinder auch schon Kinder haben und dass ich ein guter Großvater bin.“

...über den Umbau in diesem Jahr und die jungen Spieler: „In diesem Jahr hat bei uns wieder ein Umbau stattgefunden, das darf man nicht vergessen. Uns hat Corona am meisten geschadet, weil wir von den Zuschauern und den Zuschauereinnahmen leben. Wir setzen auf junge Spieler und man muss diesen Spielern Zeit geben, damit sie sich entwickeln können. Jetzt ist es aber leider so, dass einige junge Spieler zu uns gekommen sind, die schon funktionieren müssen. Das hat es früher nicht bei Rapid gegeben. Junge Spieler brauchen auch ihre Pausen und deswegen versuchen wir mit diesen jungen Spielern zu schauen, dass wir sie so stabil machen, dass sie für die Zukunft Stammspieler werden, Rapid weiterhelfen können und dann irgendwann ins Ausland wechseln können. Dass das nicht mir allen passiert, ist klar, aber wir müssen diesen Weg gehen.“

"Ich würde gerne Spieler von Salzburg holen, es ist aber anscheinend schwieriger, dass wir Spieler holen, als die anderen Klubs" - Didi Kühbauer

...über die Chancen von FC Red Bull Salzburg in der UEFA Champions League: „Ich traue Salzburg einiges zu. Ich glaube, dass sie gegen jede Mannschaft die Möglichkeit haben zu gewinnen. Ich würde es ihnen gönnen. Oftmals ist die Tagesverfassung enorm wichtig bei diesen Spielen. Ich würde mir für den österreichischen Fußball wünschen, dass sie bei solchen Spielen diese Tage haben, auch für uns (Rapid Wien, Anm.), Sturm, LASK, dass wir dem österreichischen Fußball helfen und Fans dazugewinnen können.“

...über die Möglichkeit, Spieler von Red Bull Salzburg zu holen: „Ich würde gerne Spieler von Salzburg holen, es ist aber anscheinend schwieriger, dass wir Spieler holen, als die anderen Klubs. Auch bei Rapid kann sich der eine oder andere Spieler weiterentwickeln.“

...über Taxiarchis Fountas: „Er hat auch seine Ausfälle gehabt. Taxi ist kein einfacher Spieler, aber du möchtest nicht nur Engel haben. Er ist ein Bengel und man braucht auch Menschen, die nicht immer stromlinienförmig unterwegs sind.“

...über Ercan Kara: „Ich habe Erci schon in der Regionalliga gesehen, aber da hat er an sich nicht gearbeitet. Er hat seine Einstellung zum Profisport geändert. Das war für ihn enorm wichtig. Dass er Qualität hat, war klar. Die Transfergeschichten haben ihn garantiert belastet, ich hoffe, dass sich das jetzt geändert hat.“

...über Yusuf Demir: „Unglaublich, was Yusuf geschafft hat. Es ist einmal der Anfang. Ich würde es mir wünschen, wenn wir in einem halben Jahr oder Jahr sagen, er hat es zum Stammspieler geschafft.“

...über die Einführung des VAR: „Der Mensch steht noch immer dahinter. Auch wenn es den VAR gibt, ist eine menschliche Entscheidung das Wichtigste. Was ich mir wünschen würde ist, dass ich es nicht so lange dauert. Wenn man zweieinhalb Minuten eine VAR-Entscheidung hat und vier Auswechslungen, dann können es keine vier Minuten Nachspielzeit sein. Es ist fairer geworden, aber der Mensch steht noch immer dahinter.“

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