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Milletichs wichtigste Aufgabe [Momentum am Montag]

Gerhard Milletich wurde erwartungsgemäß zum neuen ÖFB-Präsidenten gewählt. Seine wichtigste Aufgabe: Der Burgenländer sollte den Verband strukturell ins 21. Jahrhundert führen.

+ + 90minuten.at Exklusiv - Von Michael Fiala + +

 

Der Moment, als Gerhard Milletich mit 11:2-Stimmen zum neuen ÖFB-Präsident gewählt wurde, ist unser Momentum am Montag.

Auf den 71-jährigen Leo Windtner, der die Geschicke des Verbandes zwölf Jahre lang leitete, folgte nun also der 65-jährige Burgenländer Gerhard Milletich. Der vor wenigen Wochen noch titulierte Generationenwechsel sieht natürlich anders aus. Milletich machte daraus in seiner ersten Pressekonferenz auch gleich kein Geheimnis, als er betonte, dass er jahrzehntelange Erfahrung als Funktionär in dieses Amt mitbringe.

Kurz- und mittelfristig muss sich Milletich mit den pressierenden Themen Teamchef und neues Trainingszentrum beschäftigen. Langfristig wartet auf den Burgenländer eine andere, eine Mammutaufgabe: Er ist gefordert, den Verband vor allem strukturell ins 21. Jahrhundert zu führen. Eine Thema, das unter Leo Windtner leider nicht nachhaltig verfolgt wurde.

 

Beispiel Teamchef

Ein Beispiel der nicht modernen Struktur ist die vielseits diskutierte Teamchef-Entscheidung: Diese ist Chefsache. So weit, so normal. Die Frage ist nur, auf Basis welcher Informationen und vorangegangenen Prozessen dieser Teamchef ausgewählt wird bzw. wurde. Bei Franco Foda lief das damals - etwas verkürzt dargestellt - so ab: Der Sportdirektor wurde beauftragt eine Liste von potenziellen Kandidaten zu liefern. Übrig geblieben sind bekanntlich Foda, Andreas Herzog und Thorsten Fink. Allein diese uninspirierte Auswahl der ziemlich unterschiedlichen Trainertypen zeigte auf, dass man innerhalb des ÖFB nicht einmal genau wusste, was der Teamchef eigentlich können soll bzw. muss. Auf die Liste schafften es nur Personen, weil es bei allen drei persönliche Beziehungen zu gewissen Landespräsidenten oder anderen Präsidiumsmitgliedern (Bundesliga) gegeben hat. Der Schock, als einige Jahre zuvor mit Marcel Koller ein komplett „unbekannter“ Trainer geholt wurde, saß einigen Landespräsidenten damals offenbar noch tief in den Knochen.

" Der Trainer schießt keine Tore und er hält auch keinen Elfmeter." - Salzburgs Landespräsident Herbert Hübel

Als bräuchte es einen Beweis aus der Gegenwart dazu, hat sich Salzburgs Landespräsident Herbert Hübel in der ORF-Sendung „Sport am Sonntag“ zum Thema Teamchef-Suche zu Wort gemeldet und gemeint: „Ich mag vielleicht antiquiert klingen. (…) Der Trainer schießt keine Tore und er hält auch keinen Elfmeter.“ Ein erschreckender Offenbarungseid mangelnder sportlicher Kompetenz, zur Schau gestellt vor hunderttausenden SeherInnen. Wer nach Kriterien wie diesen eine Teamchefentscheidung trifft, darf sich nicht wundern, wenn man international zum Mitläufer wird.

 

Jeder verdient eine Chance

Die Wahl ist jedenfalls geschlagen, Milletich darf die nächsten vier Jahre die Verantwortung als ÖFB-Präsident übernehmen. Seine erste Pressekonferenz darf man nicht überbewerten, man kann diese aber natürlich schon auch als Indiz für seine Herangehensweise heranziehen: Seine Aussagen waren oftmals mehr als schwammig, beim Thema Teamchef nicht stringent, seine Betonung auf seine lange Funktionärsdauer sind hoffentlich nicht sein einziges Ass im Ärmel.

Seine erste Bewährungsprobe ist klarerweise der Umgang mit dem Thema „Teamchef“. Nach vier Jahren Foda von einem „Schnellschuss“ zu sprechen bzw. in Aussicht zu stellen, dass der Deutsche vielleicht in den nächsten beiden Spielen „quasi eh erfolgreich sein könnte“, haben jedoch ein wenig die Hoffnung gedämpft, dass sich der oberste Fußballfunktionär sportlich von einem Gremium beraten lässt.

Aber Milletich hat natürlich eine Chance verdient. Zuletzt fiel öfters das Wort „Sportkommission“ bzw. auch einer seiner Mitglieder: Christoph Freund. Milletich selbst erwähnte den erfolgreichen Salzburger Sportdirektor bei der Pressekonferenz. Die Sportkommission gibt es schon länger, fiel bisher im öffentlichen Diskurs aber nur wenig auf. Das Problem: Diese Kommission hatte bisher in Sachen Teamchef nur wenig Relevanz und ist zudem auch nicht durchgehend mit Sport-Experten besetzt.

Wenn es Milletich mit der sportlichen Expertise also ernst meint, dann müsste er einerseits die Sportkommission so besetzen, dass sie diesen Namen auch verdient hat und Namen wie Christoph Freund nicht wie ein Feigenblatt vor sich hertragen.

Man darf jedenfalls gespannt sein: Ein professioneller Teamchef-Bestellungsprozess wäre ein erster, kleiner und wichtiger Schritt in einen modernen Verband ins 21. Jahrhundert. Milletich kann hier bereits zeigen, ob er das Zeug und den Willen dazu hat, diesen – zugegeben mühsamen – Prozess einzuläuten.

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