Roland Daxl: "Diese Strategie bringt Unerfahrenheit mit sich" [Interview]
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Roland Daxl: "Diese Strategie bringt Unerfahrenheit mit sich" [Interview]

SV Ried-Präsident Roland Daxl hat den Verein aus dem Innviertel wieder in die Admiral Bundesliga geführt. Sich dort zu etablieren, ist schwierig. Nicht nur wegen der Liga an sich, wie er im 90minuten.at-Exklusiv-Interview verrät.

Wir sind ein sogenannter Dorfclub, weil wir aus einer kleinen Stadt sind. Wir wollen uns in der ersten Liga etablieren, wir wollen uns auch im Frühjahr nicht immer in der zweiten Gruppe befinden.

Roland Daxl

Wir sind ein Verein, es gibt bei uns keinen Mäzen. Eine Vereinigung von teilweise positiv Verrückten und Leuten, die dasselbe Interesse haben.

Roland Daxl

+ + 90minuten.at PLUS - Von Georg Sander und Daniel Sauer + +

 

90minuten.at: Was freut Sie derzeit an der SV Ried, Herr Daxl?

Roland Daxl: Zum einen freut mich, dass wir uns in der ersten Liga vor allem wirtschaftlich so gefestigt haben, dass wir wirklich wieder behaupten können, auch eine Dürrephase überstehen zu können. Mit Dürrephase meine ich: ein, zwei Saisonen in der zweiten Liga würden wir auch aushalten, so gefestigt sind wir. Zum anderen freut mich die Entwicklung, die wir bei den Jungen Wikingern machen, wo wir mit einer extrem jungen Mannschaft für die Regionalliga Mitte gut performen. Außerdem freut mich, dass wir personell sehr gut aufgestellt sind, dass wir unsere Säulen im Management so besetzt haben, dass nicht mehr alles am Präsidium hängt. Jetzt liegt es an uns, dort, wo unsere Visitenkarte am meisten gesehen wird – bei der ersten Mannschaft – nachzuziehen.

 

90minuten.at: Dort hätte der Saisonstart besser laufen müssen - Was hat man sich vorgenommen, wie steht man zum Saisonstart?

Daxl: Die Punkteausbeute in den ersten drei Spielen war in Ordnung. Wir haben dann leider drei Spiele gegen direkte Konkurrenten verloren, wobei wir zweimal das klar bessere Team waren. Es ist einfach so, dass wir eine gute Entwicklung machen. In der Defensive sieht man das auch anhand der geringen Anzahl an Gegentoren. Was uns natürlich fehlt, sind die Treffer. Da wollten wir auch im Transferfenster etwas tun, um uns zu verbessern. Dies auch aufgrund der Verletzung von drei Spielern, die nominell bei den ersten 15 dabei gewesen wären. Wir hoffen, dass wir mit der Verpflichtung von Oliver Kragl und Luca Kronberger in den letzten zwei Tagen vor Transferschluss, die Mannschaft noch richtig verstärkt haben und hoffen, dass wir diesen Weg, den wir in der Defensive erfolgreich gestaltet haben, in Zukunft auch in der Offensive sehen werden.

90minuten.at: Ried war früher wirklich ein unangenehmer Boden für die Gäste. Momentan geht es wieder in Richtung „Bottom Six“, wir haben die Punkteteilung, das heißt dann wieder Abstiegskampf. Der Trainer denkt an die nächsten drei Spiele, der Sportdirektor an die nächsten drei Monate, der Präsident muss längerfristig denken. Wofür soll denn die SV Ried stehen, wie kann Entwicklung stattfinden, damit die Fans wieder zu ….

Daxl: ...da muss ich unterbrechen. Unser sehr guter Zuschauerschnitt ist über ein Jahrzehnt aus. In diesem Jahrzehnt hat sich abseits vom Fußball mit Energie, Pandemie, Wirtschaftskrise und so weiter, auch sonst viel getan. Die Gesellschaft hat einen Wandel erlebt. Wenn ich mir anschaue, was unser Einzugsgebiet ist, dann müsste Rapid wahrscheinlich vor 150.000 Leuten spielen...

 

90minuten.at: Ich wollte gar nicht so sehr auf die konkreten Zuschauerzahlen hinaus. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass Ihre Vision – einem der langjährigsten Bundesligisten, das Rolemodel für „Dorfclubs“ – nicht sein kann, ewig im Abstiegskampf zu stecken.

Daxl: Da gebe ich Ihnen recht. Ich muss übrigens sagen, dass das Verhältnis mit den Fans – auch wenn wir nicht immer alles gutheißen, was da passiert – ein sehr, sehr gutes ist. Ich gebe Ihnen auch recht, wir waren das Rolemodel. Mittlerweile sind nicht nur wir ein Ausbildungsverein in einer tollen Liga, sondern die Liga ist eine Ausbildungsliga geworden – sogar Salzburg ist ein Ausbildungsverein. Da wird richtig Geld verdient, das ist keine glückliche Fügung, sondern beinharte Arbeit – da ist ein Weg gnadenlos verfolgt und Rahmenbedingungen geschaffen worden. Der Erfolg heiligt eigentlich die Mittel, weil die schlechten Zeiten vergessen werden. Das war bei uns nicht anders, als wir die glorreichen Zeiten unter Paul Gludovatz und Gerhard Schweitzer gehabt haben. Was kann das Ziel der SV Ried sein? Erstens sind wir von den Gegebenheiten nach wie vor ein Dorfclub, das ist so, auch wenn wir das in Relation sehr gut – gemeinsam mit unseren Sponsoren und Mitgliedern – schaffen. Aber wir sind ein sogenannter Dorfclub, weil wir aus einer kleinen Stadt sind. Wir wollen uns in der ersten Liga etablieren, wir wollen uns auch im Frühjahr nicht immer in der zweiten Gruppe befinden. Es muss das Ziel der SV Guntamatic Ried sein, hie und da – in die Top 6 kommen zu können. Letztes Jahr haben wir es ganz knapp um fünf Minuten verpasst. Wir haben ein Problem - und das nicht nur in Ried, sondern in der gesamten Liga - junge Österreicher in der nötigen Qualität selber auszubilden oder finden zu können.

90minuten.at: Ich würde da gerne einhaken und komme zum Kern der Frage. Man hat die zweite Mannschaft, hat sich personell breiter aufgestellt. Die Frage ist, welche fußballerische Vision gibt es? Ballbesitzfußball...

Daxl: ... ist natürlich immer auch eine Frage des Geldes. Ich bin kein Fußballprofessor, aber das ist einfach so. Das Geld, mit dem man sich das nachhaltig leisten kann, werden wir in Ried nicht zusammenbringen. Somit werden wir einen individuellen Weg gehen, müssen Geduld mitbringen. Diese Geduld haben wir uns heuer ins Stammbuch geschrieben – auch hinsichtlich Trainer. Da sind wir nicht die einzigen, die von diesen vielen Trainerwechseln betroffen waren, wo man natürlich immer selbst schuld ist. Jetzt haben wir einen und ich hoffe, dass wir ihn sehr lange haben werden und er langfristig bei uns arbeitet. Das ist Christian Heinle, den kennen wir sehr gut, den kennen wir in- und auswendig, da wissen wir, was wir kriegen – er weiß, was er bei uns für Möglichkeiten hat.

 

90minuten.at: Dann ist es im Endeffekt so, wie es Stefan Reiter mir vor zehn Jahren in seiner Funktion als Manager bei der SV Ried in einem Interview mit 90minuten.at gesagt hat: „Die Philosophie niederzuschreiben und irgendwo aufzuhängen wäre ein Fehler“.

Daxl: Wir wollen unsere Jungen ausbilden. Wir haben eine Akademie und investieren dort 1,2 Millionen jedes Jahr. Da wird in Zukunft wieder mehr rauskommen, ein Mehrwert für unseren Verein. Wir sind ein Verein, es gibt bei uns keinen Mäzen. Eine Vereinigung von teilweise positiv Verrückten und Leuten, die dasselbe Interesse haben. Zum Thema Spielphilosophie: da bin ich ganz der Meinung von Stefan Reiter. Da muss ich flexibel sein, weil ich nicht sagen kann:"Ich gebe einen Nutz, weil er sieben Runden keinen Scorerpunkt hat, sofort aus der Mannschaft". Dann wird der nie wieder Vertrauen so finden, dass er an die Leistung, zu der er imstande ist und die er auch schon unzählige Male gezeigt hat, wieder anknüpfen kann.Da muss man mit Sicherheit als kleiner Verein flexibler und manchmal auch nachsichtiger sein. .Wir haben auch aus Fehlern gelernt und geben Rahmenbedingungen klar vor.

 

90minuten.at: Wenn man sich hinsetzt und sich Leistungsdaten anschaut, könnte man sagen: „Probieren wir es mit einem anderen". Sie wollen langfristig mit ihm zusammenarbeiten, er ist jetzt auch im Pro-Lizenz Kurs. Dass die Reise wahrscheinlich für die Wikinger eine auf unruhiger See ist, zeigt derzeit die Tabelle.

Daxl: Haben wir einen Sieg mehr, sind wir in der Mitte.

 

>> Weiterlesen – Seite 2: Erwartungen an Heinle und die Kaderstrategie

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