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Eigentlich (fast) wurscht [Fünfjahreswertung]

Die gute Nachricht vorne weg: Es gibt auch für klare Niederlagen keine Haltungsnoten, ob 0:1 oder 0:6 oder 1:4, es sind immer null Punkte. Die Aussichten auf die KO-Phase sind bei zwei Mannschaften aus Österreich indes eigentlich gut.

+ + 90minuten.at PLUS - Von Georg Sander + +

 

Die Festung Hohensalzburg hat sich am Mittwoch quasi nach London transferiert. Nach der Anfangsphase hätte man sich statt einem 1:1 wohl eher ein 6:0 oder 4:1 erwartet. Doch Red Bull Salzburg hielten dagegen und schlugen zurück. Respektabel. Anders erging es Sturm Graz. Die Ilzer-Elf wurde vom Europa Conference League-Finalisten Feyenoord Rotterdam in eigener Naivität durch den Fleischwolf gedreht. Vom Spielfilm her anders, aber trotzdem bitter: Die 4:1-Niederlage der Austria in Polen. Manfred Fischer hätte auf 2:1 stellen können, dann schlug Lech Posen eiskalt zu. Somit bleibt es bei einem Punkt aus drei Auswärtsspielen. Allerdings: Es gilt als altbekannte Binsenweisheit, dass man in Vierergruppen die Heimspiele positiv gestalten muss, um weiterzukommen. Dazu später mehr, das ist der aktuelle Stand:

 

 

Gute Nachricht aus Serbien

Österreich hat 0.200 Punkte mehr als letzte Woche, das gilt auch für die Serben. Partizan Belgrad erreichte in der Gruppe D der Europa Conference League ein 1:1 gegen OGC Nizza, liegt punktgleich mit den Franzosen auf Platz 2, dem Torverhältnis sei's gedankt. In der ECL gibt es den Aufstieg nur für die ersten beiden Plätze, wenn der Fußballgott nicht in der Witzkiste geschlafen hat, ergehen diese aber eben an die Südfranzosen und den Tabellenführer Köln.

Ein Aufstieg in der Europa League – oder als Dritter ein Umstieg in die ECL-Zwischenrunde – ist für Roter Stern Belgrad mittlerweile fast außer Reichweite. Ferencváros Budapest überraschte in der EL-Gruppe H nach Trabzonspor auch in Monaco und hat sechs Punkte. Die Serben verloren beide Spiele, just gegen die Türken und die Fürstentum-Kicker. Damit droht keine Gefahr von den Balkan-Kickern für Österreich. Die Norweger, die knapp vor Tschechien und der Schweiz dahinter lauern, sind acht Siege und ein Remis hinter Österreich.

 

Belgier und Schotten punkten mehr als Österreich

Die belgischen Vertreter, zuletzt punktgleich mit Österreich, ziehen ein bisschen davon. Anderlecht hat auswärts in Bukarest remisiert und liegt mit vier Punkten zwei hinter Favorit West Ham und drei vor den Rumänen. Silkebord konnte noch nicht anschreiben, es läuft wohl auf die Zwischenrunde hinaus. Noch besser sieht es für Gent in der Gruppe F aus. Nach dem Remis gegen Molde gewann man gegen Shamrock Rovers und führt punktgleich mit Djurgårdens die Gruppe an. Die Norweger und die Iren haben je einen Punkt, es sieht nach Aufstieg aus. Union Saint-Gilloise kann schon für die KO-Rund planen. So wie Braga konnten beide Spiele der EL-Gruppe D gewonnen werden, vor Union Berlin oder Malmö wird man schon bleiben. Überraschend ist Brügge in der Champions Legaue-Gruppe B: Nach dem Auftaktsieg gegen Leverkusen konnte in Porto mit 4:0 gewonnen werden. Wenn hier nicht alles schiefgeht, wird man zumindest Dritter. Macht insgessamt 1.400 Fünfjahreswertungs-Punkte.

Auch die Schotten konnten mit 0.600 mehr Zähler holen als Österreich. Heart of Midlothian gewann wie erwartet in Riga, Tabellenführer ist Başakşehir, das daheim die Fiorentina mit 3:0 besiegte. Entschieden ist die ECL-Gruppe A aber noch lang nicht. Schlechter schaut es in Glasgow aus. Die Rangers haben mit Napoli, Liverpool und Ajax eine Hammergruppe und halten nach zwei Spieltagen der CL-Gruppe A bei einem Torverhältnis von 0:7 und null Punkten. In der CL-Gruppe F ist es für Celtic nicht ganz so schlimm, gegen Schachtar konnte ein Punkt ergattert werden. Rang 3 wird dennoch schwer zu erreichen sein, heißen die anderen bei Klubs in der Gruppe F Real Madrid und RB Leipzig.

 

Rot-weiß-rote Aussichten

Wie sieht es nach zwei Spieltagen nun für die rot-weiß-roten Teams aus? Die Austria verpasste leider an Spieltag 1 schon den Sieg und liegt in der Gruppe C an letzter Stelle, punktgleich mit Hapoel Be'er Sheva. Ein Aufstieg ist noch nicht unmöglich, dazu müssen die Veilchen allerdings Zweiter werden. Das wird schwierig, selbst wenn beide Heimspiele gegen Posen (3 Punkte) und Villarreal (6) gewonnen werden. Vergangene Saison konnte sich nur Randers mit sieben Punkten auf Rang zwei hieven. Luhansk, Union Berlin und Tottenheim schieden mit dieser Anzahl aus. Eine Wette auf die Austria wäre demnach gewagt.

Anders sieht es für Sturm Graz aus. Zwar ist man nach der niederländischen Watsche Letzter, aber alle Teams halten bei gleich vielen Punkten und die Gruppe F ist überhaupt spannend, witzig oder defensiv mies. Während die Blackies gegen Midtjylland daheim nur ein Tor erzielten, hatte Lazio Feyenoord mit 4:2 besiegt. Die Dänen wiederum schenkten den Italienern fünf Tore ein. In der EL geht es auch für den Dritten weiter – das Torverhältnis kann entscheiden, aber bei derart verrückten Ergebnissen kann man dann doch nichts vorhersagen. Ein Aufstieg ist nicht ausgeschlossen, wenn die zwei Heimspiele positiv gestaltet werden.

Auch die Gruppe E der Champions League hat bislang unerwartete Ergebnisse erbracht. Salzburg holte nach dem Heimspiel gegen Milan auch gegen Chelsea einen Punkt. Es ist die Königsklasse, zwei Punkte nach ebenso vielen Spieltagen waren eigentlich kaum zu erwarten gewesen. Auch nicht, dass Dinamo daheim gegen Chelsea gewinnt. Wenn die Bullen mit ihrer überraschenden defensiven Stabilität und der bekannten offensiven Power nun die eigentlich einplanbaren sechs Zähler gegen Dinamo holen, kann man die letzten beiden Duelle entspannt angehen, denn acht Punkte reichen in jedem Fall zumindest für Platz drei.

 

Watschen bissl egal

Summa summarum sind die zwei deutlichen Niederlagen in der Europa- bzw. der Europa Conference League im Moment eigentlich egal. Schlagend wird es maximal, wenn es am letzten Spieltag knapp wird. Doch da fließt noch einiges Wasser die Salzach, Mur und Donau runter.

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