These: Rapid hat im Derby viel mehr Druck!
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These: Rapid hat im Derby viel mehr Druck!

Oder doch die Veilchen? Der Austria-Trainerwechsel kam gerade richtig? Und Yusuf Demir muss ins Nationalteam? Vor dem Wiener Derby diskutieren wir Ansichten:

Das 351. Wiener Derby ist schon vor seiner Austragung denkwürdig.

FK Austria Wien - SK Rapid, Sonntag, ab 17:00 Uhr im LIVE-Ticker >>>

Erster gegen Vorletzten, unglaubliche 20 Punkte Abstand zwischen Rapid und Austria - nach gerade einmal zehn Runden der ADMIRAL Bundesliga. Das hat es so noch nie gegeben.

Während eine Seite auf Wolke 33 schwebt, hat die andere einen Trainerwechsel frisch hinter sich gebracht, ist raus aus dem UNIQA ÖFB-Cup und sucht händeringend den Strohhalm nach Helm.

Eine aufgelegte Situation für ein paar Hot Takes der Redaktion, denen sich diesmal Johannes Bauer sowie Georg Sohler stellen müssen und wollen:


These #1: Rapid hat am Sonntag eindeutig mehr Druck. Selten zuvor war ein Derby-Sieg aus grün-weißer Sicht "aufgelegter", man darf sich aber auch beim angeschlagenen Rivalen keinen Fehler erlauben, die Bullen sitzen zu fest im Nacken.

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Johannes Bauer:

Das Derby hat eigene Gesetze! Ich hab's geschrieben, und verabschiede mich dafür von einem Zehner Richtung Tierschutz.

Fun Fact, der nur mich interessiert: 175 der 350 Duelle - und damit genau die Hälfte - fallen in meine Lebzeiten. Den Großteil davon habe ich noch mehr oder weniger im Kopf. So klar waren die Vorzeichen noch nie - aber einen Favoriten gibt es immer wieder, und immer wieder war diese Rolle im Duell um die Stadt nichts wert. Überhaupt auswärts.

Ein, zwei effektive Mittel, ein günstiger Spielverlauf, und schon kann wieder alles passieren. Dass auch Rapids Erfolgsformel gewisse Bruchstellen aufweist, bewies die erste halbe Stunde bei der Vienna: Es waren nur drei Umstellungen, aber ein glückloser Moulaye Haidara in der Offensive, Bendegúz Bolla auf der falschen Seite, Yusuf Demir wurde ein bisschen abgeklopft... schon war vom Klasse-Unterschied in dieser Phase nicht so viel zu merken, wie es hätte sein sollen.

Wirklichen Druck sehe ich auf keiner Seite. Die Austria kann nur überraschen, dazu muss Maximilian Uhlig eine Wirkungsfrist zugestanden werden. Und Rapids Fans würde ein Dämpfer im Derby schmerzen, Johannes Hoff Thorup und Team würden die Arbeit stoisch fortsetzen. Die Tabellenführung ist mit Salzburg im Nacken nicht selbstverständlich, nach einem Drittel der Saison aber nix wert.

Georg Sohler:

Ich nehme an, dass die Österreicher im Kader - allen voran natürlich Paul Gartler - jedem ab Tag eins im grün-weißen Dress klarmachen, welche Bedeutung jedes Derby gegen die Austria hat. Und selbst wenn Rapid den Meistertitel schon eingefahren hätte, wäre ein Derbysieg nach einer Meisterfeier ein Muss - so viel also zum Druck.

Hinsichtlich Anhang stimme ich Johannes dennoch zu: Ich halte die Wahrscheinlichkeit für hoch, dass die ansonsten hyper-mega-nervösen SCR-Fans nach diesem Saisonstart sogar eine Derby-Niederlage verschmerzen könnten.

Auch was die Bruchstellen betrifft, nicke ich zustimmend. Es gibt sie. Allerdings gibt es keine Taktik, die immer zieht. Fußball ist bekanntlich nicht nur ein Low-Score-Game, sondern auch ein "Fehlerspiel", wie Franco Foda es nannte. Gerade die hohe Wahrscheinlichkeit, dass ab Anpfiff auch vollkommen zufällig alles passieren kann, spielt eine große Rolle, dass Fußball und nicht Pfitschigogerl der größte Sport der Welt ist.

Ein Aber habe ich dennoch. Die Salzburger sind nur drei Punkte hinter den Hütteldorfern, haben das erste direkte Duell überdeutlich klar gewonnen. Das ist vielleicht jetzt eine Randnotiz, kann aber im Frühjahr entscheidend sein. Noch rumpelt es zwar in Wals-Siezenheim hin und wieder, aber...


These #2: Es war schon die richtige Entscheidung der Austria, noch vor dem Derby den Trainer zu wechseln und auf einen "Trainer-Effekt" zu hoffen. Mehr Pfeile hat die Austria derzeit ohnehin nicht im Köcher.

These #2: Es war schon die richtige Entscheidung der Austria, noch vor dem Derby den Trainer zu wechseln und auf einen "Trainer-Effekt" zu hoffen. Mehr Pfeile hat die Austria derzeit ohnehin nicht im Köcher.
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Georg Sohler:

Ich will jetzt nicht zum einunddrölfzigsten Mal drauf verweisen, dass die Wirkung von Trainerwechseln statistisch überschätzt wird. Ich hätte es Maximilian Uhlig auch nicht angetan, gegen ein gut spielendes Hartberg und den Tabellenführer zu starten - Besonnenheit ist aber in der Führungsriege der Veilchen keine allzu präsente Tugend.

Manfred Fischer hat im 90minuten-Interview angedeutet>>>, dass nun jeder gefordert ist - und gleichzeitig betont, dass Spieler mit hoher Qualität wie Barry oder Tabakovic dennoch nicht im Kader sind. Man möchte ihm im letzten Punkt durchaus zustimmen.

Aber Abwehrchef Aleksandar Dragovic hat 100 Länderspiele in den Beinen, Tae-seok Lee hat für Südkorea bei der WM im Sommer gespielt, dazu kommen noch arrivierte Spieler wie Valentino Müller und Johannes Eggestein und hoffnungsvolle Talente wie Hasan Deshishku oder Vasilije Markovic - dass dieser Kader Vorletzter ist, kann doch nicht nur am Trainer liegen.

Natürlich kann man den leichter vor die Tür setzen als 23 Spieler, aber mir kommen die Herren zu gut weg. Also ich widerspreche der These folglich: Die Austria hat viele Pfeile im Köcher.

Johannes Bauer:

Hat man sich nicht schon bei der Wahl des Coaches komplett vergriffen, sollte ein Trainerwechsel das letzte Mittel sein. Es ist immer das erste.

Stephan Helm hat eine marode Austria auf die Ränge drei und vier geführt. Er war keine falsche Wahl.

Damit wäre eigentlich genug gesagt. Das Problem: Wenn von oben nur ein Mittel zur Verfügung steht, um irgendwas Vermarktbares gemacht zu haben, ist es einerlei, ob es unter anderen Umständen das "erste" oder "letzte" wäre.

Es war ein angemessener Moment, um in den Panikmodus zu schalten. Dass dann erst einmal der Trainer fliegt, ist wenig verwunderlich. Wenn aber Maximilian Uhlig kein absoluter Wunderwuzzi sein sollte, werden die langen Gesichter folgen.

Für eine Trendwende darf der Trainerwechsel nicht der einzige Schritt bleiben. Wurscht, ob Ende Oktober oder erst in der Winterpause.


These #3: Yusuf Demir ist derzeit der beste Spieler der ADMIRAL Bundesliga. Ein Comeback im ÖFB-Nationalteam ist mittlerweile mehr als überfällig.

These #3: Yusuf Demir ist derzeit der beste Spieler der ADMIRAL Bundesliga. Ein Comeback im ÖFB-Nationalteam ist mittlerweile mehr als überfällig.
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Johannes Bauer:

Jüngst erlaubte ich mir nach "Yussis" Vorstellung gegen Lustenau die Frage auf der Pressekonferenz, ob sich ein Yusuf Demir in dieser Form beim FC Barcelona durchgesetzt hätte. Sie war mit einem Augenzwinkern gemeint und wurde auch nur mit einem Schmunzeln quittiert, aber halb ernst bedeutet eben auch zur Hälfte ernst gemeint.

Demir zeigt aktuell Ansätze dessen, was ihm schon vor seinem Aufstieg in den Profi-Bereich an Hoffnung entgegengebracht wurde. "Da ist ein Spieler auf einer Mission", sagte Johannes Hoff Thorup auf Demir angesprochen vor Saisonstart zu mir - und diese Mission scheint auf einem fantastischen Weg>>>.

Nach dem holprigen Start in seine Karriere, die entgleist schien, hat sich der 23-Jährige am Riemen gerissen. Verstanden, dass Talent alleine ihn überhaupt nirgends hinbringen wird, wenn er nichts daraus macht. Und hat vor allem in der Kraftkammer viele Stunden investiert. Jetzt zeigt er, was er kann. Und: Mit 23 muss er das Pickerl "Talent" längst von der Stirn gekletzelt haben, jung ist seine Karriere trotzdem noch.

Hat er sich binnen eines knappen Dutzend Spiele schon zum besten Mann der Liga gemausert? Das ist auch eine Geschmacksfrage und ich will jetzt noch kein klares Urteil fällen.

Dass ihn Ralf Rangnick wieder näher zur Brust zieht, ist auch vor dessen Projekt der Verjüngung im ÖFB-Team ein Muss, selbst wenn er im Konkurrenzkampf (noch) nicht die erste Wahl sein sollte. Geschadet hat Demir bis dato nur, mit Samthandschuhen angefasst zu werden - wie zu Beginn seiner Karriere, als er partout nicht in Rapids Startelf gepackt wurde.

Georg Sohler:

In der Wirtschaft gibt es sogenannte "Fuck-up-Nights". Da erzählen Unternehmer, wie sie mit einem Projekt baden gegangen sind, sich die Krone gerichtet und ihre Lehren aus den Pleiten gezogen haben. Und Demirs Krone glänzt derzeit sehr schön.

Glaubt man den Dingen, die hinter vorgehaltener Hand über ihn erzählt werden, war das entscheidende Training ohnehin nicht in der Kraftkammer, sondern im Kopf. Allerdings sollte man sich immer vergegenwärtigen, dass er für das am Papier gescheiterte Experiment Barcelona wenig kann - der damals klamme Klub musste sparen.

Dass du nachher haderst, schlingerst, taumelst, ist meiner Meinung nach komplett verständlich. Umso besser finde ich es, ihm derzeit zuzusehen, wie er viele Versprechen einlöst, auch wenn er mit 23 "nur" bei Rapid ist. Vielleicht lädt ihn ja nach einem Meistertitel und einem Wechsel in eine Top-Liga jemand zu einer "Fuck-up-Night" ein? Es sei ihm zu wünschen.

Sich nach einem Rückschlag wieder aufrichten zu können ist mit Sicherheit eine Qualität, die Ralf Rangnick gefällt - und dass Österreich nicht so viele Unterschiedspieler wie Innenverteidiger hat, sollte auch klar sein.


These #4: Nicht erst ein Klub dachte, er sei "too big to fail".  Die 2. Liga ist derzeit einfach keine weit entfernte Gefahr, sondern näher, als man denkt.

These #4: Nicht erst ein Klub dachte, er sei "too big to fail".  Die 2. Liga ist derzeit einfach keine weit entfernte Gefahr, sondern näher, als man denkt.
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Georg Sohler:

Ich recycle meinen Gedanken von These eins, also dass jeder Punkt zählt und das direkte Duell Nummer eins verloren wurde: Wer nach zehn Runden Vorletzter ist, kann nach 32 Runden Letzter sein.

Sieht man sich Fußballklubs an, die eigentlich traditionell zur nationalen Spitze gehörten, dann aber absteigen, so war nie ein Grund alleine schuld. Oft sind es finanzielle Probleme und schlechte Führungsstrukturen, die den Abstieg eines Großklubs letztlich bedingen. Beides trifft in gewissem Ausmaß auf die Austria zu.

Heißt dass, dass ich denke, dass die Veilchen am Ende der Saison 2026/27 erstmals in die Zweitklassigkeit müssen? Eigentlich nicht. Dagegen spricht die Qualität der Spieler und - noch basierend auf den Zahlen aus 2024/25 - der finanzielle Aufwand für den Kader. Geld spielt schon eine große Rolle im Fußball und mit diesem Aufwand sollte man zumindest nicht absteigen. Da ist der Abstand zwischen dem WAC und anderen "Qualigruppen-Kandidaten" schon geringer.

Man muss keine Angst verbreiten, aber gibt es in Wien-Favoriten Pläne für einen Abstieg? Was würde das für die Talenteschmiede und hinsichtlich Sponsoren bedeuten? Ich weiß nicht, ob man sich diese Frage ernsthaft stellt. Notwendig wäre es.

Denn wenn das einzige Argument für einen Ligaverbleib ist, dass das der Austria doch nie passieren wird, könnte das ein böses Erwachen geben...

Johannes Bauer:

Gespräche über einen möglichen Austria-Abstieg ziehen meine Aufmerksamkeit zum jetzigen Zeitpunkt ähnlich in den Bann, wie solche über einen Rapid-Meistertitel. Und meine erste Montagmorgen-Beschäftigung im Redaktionsraum war in den letzten Wochen nach Rapid-Siegen immer, Hannes Kristoferitsch und seine "Hypetrain"-Bemühungen auf den Fahrplan zu verweisen.

Aber wenn ich denn muss: Klar. Es hat in anderen Ländern schon größere Kaliber als einen der Wiener Großklubs erwischt. Niemand ist vor der nackten Realität der Zahlen geschützt, die eine Tabelle bilden. Schaut gerade so prickelnd aus, wie ein stundenlang geschütteltes Mineral.

Und Vereinsverantwortliche sind gut beraten, sich früher mit Super-GAUs auseinanderzusetzen, als ein Journalist, der als unüblicher Vertreter seiner Gattung an Sensationalismen wenig Interesse besitzt.

Das obere Playoff wird in dieser Saison ohne die Austria stattfinden, und wer in die Quali-Gruppe muss, kann auch absteigen. Selbst ohne Punkteteilung. Aber Zeit ist genug da, und Qualität im Kader auch, sich wenigstens da noch rauszuwinden. Ansonsten galt in den letzten Jahren für viele richtig schwache Teams auch: Zum Glück hat sich ein noch schwächerer gefunden...

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