Die To-Do-Liste von Maximilian Uhlig bei der Wiener Austria
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Die To-Do-Liste von Maximilian Uhlig bei der Wiener Austria

Am Ende einer intensiven ersten Woche als Austria-Cheftrainer wartet auf Maximilian Uhlig ausgerechnet das Wiener Derby. Welche Baustellen sind beim Cup-Aus gegen Hartberg besonders aufgefallen und sollten dringend korrigiert werden?

Selten waren die Karten so klar zwischen Austria Wien und SK Rapid verteilt, wie vor dem 351. Wiener Derby. Die einen aus Hütteldorf könnten am Sonntag ihre Tabellenführung verteidigen, die anderen aus Favoriten laufen Gefahr, weiter abzurutschen.

Vor dem Cup-Spiel gegen den TSV Hartberg unter der Woche zog man bei der Austria deshalb die Reißleine: Stephan Helm, der kaum noch Impulse setzen konnte, musste seinen Platz räumen. Nachrücker Maximilian Uhlig konnte die zweite Mannschaft Young Violets in dieser Saison der 2. Liga als erster "Verfolger" des Spitzenduos positionieren.

Auf dem Papier hat der Wechsel zumindest im Cup noch nicht den erhofften Effekt gehabt, die Austria schied im Elfmeterschießen vor eigenem Publikum aus.

An welchen Schrauben sollte der neue Coach mit mehr Trainingszeit am schnellsten drehen? 90minuten hat noch einmal genau hingeschaut.

Berechenbare Austria

Zu Beginn einige Zahlen: Rund 60 Prozent der kontrollierten Ballkontakte der Veilchen über die ersten 90 Minuten gegen Hartberg wurden im mittleren Drittel gesammelt. Der halbe Weg zum gegnerischen Tor wäre damit immerhin schon zurückgelegt. Weiter heruntergebrochen ergibt sich ein leichtes, aber an sich unproblematisches Übergewicht auf der rechten Seite. Was auf den ersten Blick ausgewogen erscheint, ist es aber nicht.

Wie in mehreren Ligaspielen dieser Saison spielte die Austria ihre Angriffe auch gegen Hartberg häufig über die Außenverteidiger. Vom Gegner wurde dieser Ansatz mit einem 4-6 Spieler starken Block im Zentrum gewissermaßen angeboten. Einmal an einer Seite angekommen gelingt es der Austria allerdings nur noch selten, die komprimierten Räume wieder zu öffnen. Vorstöße verenden häufig auf jener Außenbahn, auf der sie begonnen haben.

Verteilung der Ballkontakte gegen Hartberg bis zur Verlängerung:

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Probate Gegenmittel wären - je nach Spielsituation - lange Bälle oder schnelle Spielverlagerungen. Erstere gelingen der Austria nur im Ausnahmefall. Von 22 bewusst gespielten hohen und langen Pässen in die gegnerische Hälfte führten in der regulären Spielzeit gegen Hartberg nur fünf zu violettem Ballbesitz. Das sind keine 25 Prozent. Ballbesitz nach gewonnenen zweiten Bällen als direkte Folge sind in dieser Statistik bereits erfasst. Auch diese Tendenz zieht sich durch den Großteil der bisher absolvierten Spiele. Weder Mirko Kos noch Samuel Sahin-Radlinger konnten als mitspielende Torhüter mit präzisem Passspiel überzeugen, Abnehmer in vorderster Linie fehlen ebenfalls.

Auch schnelle Verlagerungen waren oft Mangelware. Zieht man eine Grenze bei maximal 10 Sekunden von links nach rechts oder umgekehrt, wurde das Spiel in den ersten 90 Minuten gegen Hartberg 15 Mal verschoben. Das Team von Markus Schopp hatte so in vielen Situationen nur die Hälfte des Feldes zu verteidigen und geriet selten unter Bedrängnis.

Gelungene Spielverlagerung in der ersten Halbzeit:


Überfixierung auf rechte Seite für Spielaufbau:


Individuelles Fehlverhalten

Das Ausgleichstor des TSV Hartberg entstand nach einem mustergültig vorgetragenen Angriff kurz vor der Halbzeit. Nach sieben Ballkontakten im rechten Drittel der gegnerischen Hälfte, 25 Kontakten im Zentrum und elf im linken Drittel öffnete sich eine Lücke in der Austria-Defensive.

Sanel Saljic registrierte den freistehenden Oliver Lukic, deckte den Passweg aber nicht ausreichend ab. Ibrahim Buhari reagierte zu spät auf den Doppelpass zwischen Lukic und dem frei laufenden Marco Hofmann im Zentrum. Tae-seok Lee hob zudem auf der linken Abwehrseite klar das Abseits auf.

Es ist eines von vielen Beispielen für bittere und kostspielige Aussetzer, die den FAK in dieser Saison mehrere Punkte gekostet haben.

Gegentor zum 1:1-Ausgleich:


Vakuum im Offensivzentrum

Positiv ist, dass Johannes Eggestein sich in den letzten Wochen wieder treffsicherer zeigen konnte. Der Leistungsträger aus der Vorsaison zählt ob seiner Rolle in dieser Saison zu den kontroversesten Personalien am Verteilerkreis. Kernproblem der offensiven Hemmungen bei der Austria ist aber weniger, dass Eggestein als Verbindungsspieler auf den Flügel rückt. Dort fühlt er sich nach eigener Aussage eigentlich wohl.

Fatal ist eher, dass das Zentrum dadurch beinahe konstant unterbesetzt bleibt. In der zweiten Halbzeit gegen Hartberg konnte Vasilije Markovic zwar einige Male gefährlich vor dem Tor auftauchen, muss seinen Abschluss allerdings noch verbessern. Zudem deckt er einen großen Radius ab und steht nicht bei jedem Vorstoß zur Verfügung. Sanel Saljic lässt sich häufig von der Zehnerposition fallen, statt als zweiter Angreifer Räume anzulaufen.

Kein Laufweg ins Zentrum:


Kein Nachstoßen in den Strafraum:


Neue Reize oder alte Muster?

Zwischen Cup und Wiener Derby stand Maximilian Uhlig häufig vor Mikrofonen. Viel Zeit für tiefergehende Anpassung hatte er nicht, mit kleinen Fortschritten zeigte er sich deshalb zufrieden. Für das Duell mit Rapid erwartet er sich einen mutigen Ansatz seiner Mannschaft - wohl in einer Abwandlung des bisherigen Konzeptes.

Mit einigen hohen Ballgewinnen gegen Hartberg und einem insgesamt besseren Verhalten gegen den Ball gab es im ersten Spiel der neuen Ära einige Tendenzen, die Hoffnung auf mehr Stabilität geben. Die Ziellosigkeit im Ballbesitz und Abstimmung der individuellen Rollen konnte Uhlig wie Vorgänger Helm noch nicht korrigieren. Einen idealeren Zeitpunkt für einen überfälligen Aha-Moment als das Spiel am Sonntag kann es aus Sicht der Austria aber eigentlich kaum geben.


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