Manfred Fischer: "Ich mache auch genug Fehler"
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Manfred Fischer: "Ich mache auch genug Fehler"

Acht Spiele, nur zwei Siege und ein Remis - die Austria ist nicht gut in die Saison gestartet. Im Interview mit 90minuten erklärt Kapitän und Routinier Manfred Fischer, wie er die Situation einschätzt.

Nur der GAK hat weniger oft getroffen als die Wiener Austria. Die Veilchen stellen mit 15 Gegentoren zudem die viertschwächste Defensive, nur die Rotjacken aus Graz, der TSV Hartberg und Tabellenschlusslicht Wolfsberg mussten mehr Gegentreffer hinnehmen. Kurz gesagt: Es läuft nicht in Favoriten.

Mit der SV Ried und dem SCR Altach in der ADMIRAL Bundesliga sowie dem TSV Hartberg im Cup warten im Oktober Gegner, die in der Tabelle theoretisch hinter der Austria zu erwarten wären. Und selbst wenn Rapid den GAK in Runde zwei mit 8:0 durch den Fleischwolf gedreht hat, meint Manfred Fischer: "Es ist kein Geheimnis, dass in der österreichischen Bundesliga keine Mannschaft eine andere einfach abschießt."

Aber woran hakt es nun konkret bei seinem Team, das in einigen Mannschaftsteilen eigentlich nachweislich Qualität, in anderen Potenzial besitzt? Darüber spricht er im 90minuten-Exklusiv-Interview, in dem er Besserung gelobt, aber auch sagt: "Es läuft nicht alles von null auf hundert perfekt, nur weil man es trainiert."

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90minuten: Der Trainer hat euch auf Augenhöhe mit dem Gegner erlebt, gewonnen hat dennoch Sturm Graz (0:2, Anm.). Wie lautet deine Einschätzung zum Spiel am vergangenen Wochenende?

Manfred Fischer: In unserem Sport geht es im Endeffekt um Tore und Sturm hat in den entscheidenden Phasen Qualität auf den Platz gebracht. In diesen Momenten waren wir nicht auf Augenhöhe, sonst hätten wir das Spiel nicht verloren. Ich denke aber schon, dass wir spielerisch auf einem ähnlichen Level waren und auch selbst genug Chancen hatten.

Das ist genau unser Thema aktuell: Hinten bekommen wir zu viele Tore und vorne tun wir uns zu schwer, überhaupt in Situationen zu kommen, in denen wir welche machen können – und wenn wir dann zu Abschlüssen kommen, treffen wir zu selten. Du musst dir ja nur unser Torverhältnis ansehen (Die Austria hat am zweitwenigsten Tore erzielt und stellt die viertschwächste Defensive, Anm.)

Jeder Einzelne von uns hat die Möglichkeit, in torgefährliche Situationen zu kommen und Scorerpunkte zu sammeln.

Manfred Fischer über die Torflaute

90minuten: Der Sommer war eigentlich in Ordnung. Ein Weiterkommen in der Conference-League-Qualifikation gegen Sporting Braga muss man sich nicht erwarten, es wäre von vielen Gesichtspunkten aus wichtig gewesen. Generell lässt es einen schon etwas ratlos zurück, warum es nicht laufen will. Wie siehst du das als Kapitän?

Fischer: Wir hatten aufgrund der vielen Qualifikationsspiele wenig Trainingszeit. So ist es für die jungen und die neuen Spieler nicht so einfach, die Abläufe unseres Spiels kennenzulernen. Jetzt, auch mit der langen Pause, gab es genug Zeit. Das darf also keine Ausrede mehr sein, weil wir in den drei Wochen während der Länderspiele sehr hart an uns gearbeitet haben. Der Trainer hat genau an den Punkten gearbeitet, in denen wir besser werden müssen. Was ich aufgrund meiner Erfahrung im Profifußball weiß, ist, dass nicht alles von null auf hundert perfekt läuft, nur weil man es trainiert. Das wäre ja vermessen. Was mich positiv stimmt, ist die Energie und dass wir brutal selbstkritisch sind – dann wird sich der Erfolg wieder einstellen. Das ist notwendig, um aus dem Strudel hinauszukommen.

90minuten: Fußball ist manchmal kompliziert, aber manchmal einfach. Ein Beispiel: Johannes Eggestein hatte Mitte Oktober letztes Jahr drei Tore und vier Assists. Aktuell hält er bei Null.

Fischer: Man darf das nicht an einem Spieler festmachen. Es gibt mehrere Spieler, die Tore schießen können und auch in der Pflicht sind, sich daran zu beteiligen. Ich habe auch ein Jahr auf der Holding Six gespielt und drei Tore und drei Assists gemacht. Jeder Einzelne von uns hat die Möglichkeit, in torgefährliche Situationen zu kommen und Scorerpunkte zu sammeln. So ist es einfach und das will ich auch so sagen. Das darf man nicht nur an Jojo Eggestein festmachen.

90minuten: Ich meinte das exemplarisch.

Fischer: Wenn er sich gerade schwer tut, muss es andere geben, die das kompensieren können. Daran müssen wir arbeiten, weil wir uns alle offensichtlich schwer tun.

So ist der Fußball: 2024/25 spielte die Austria unter Trainer Helm lange um den Titel mit, heute grundelt man am Tabellenende herum
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So ist der Fußball: 2024/25 spielte die Austria unter Trainer Helm lange um den Titel mit, heute grundelt man am Tabellenende herum

90minuten: Wird es vielleicht einfacher, gegen Ried und Altach sowie im Cup gegen Hartberg zu spielen?

Fischer: Es kann nicht immer in eine negative Richtung gehen. Dementsprechend ist es mir egal, wer der Gegner ist. Ich bin davon überzeugt, dass wir das mit der Arbeit unter der Woche – die wir seit zweieinhalb Jahren mit Stephan Helm machen – wieder in die richtige Richtung bringen. Es ist kein Geheimnis, dass in der österreichischen Bundesliga keine Mannschaft eine andere einfach abschießt, bis auf das Rapid-Spiel gegen den GAK. Das hat man seit Jahren nicht mehr gesehen.

Die Ergebnisse sind sonst extrem eng, und bis zur 32. Runde werden in jedem einzelnen Spiel Kleinigkeiten entscheiden. So war es in unserem Spiel gegen Sturm Graz. Und wenn es diesmal für sie ausgegangen ist, kann es gegen Ried schon wieder anders aussehen. Wir müssen die entscheidenden Situationen besser verteidigen und vorne die Chancen konsequent zu Ende spielen.

90minuten: Wie vielen Punkten muss man nachtrauern – oder steht ihr nach einem Viertel der Saison zurecht dort, wo ihr steht?

Fischer: Natürlich hätten wir gerne drei oder vier Punkte mehr, das ist kein Geheimnis. Wir wollen wieder dorthin kommen, wo wir uns selbst sehen, also in der Meistergruppe.

Bei einem Verein gibt es schöne Zeiten, aber manchmal musst du dich auch durchbeißen – gerade wenn du Kapitän bist bzw. in der Hierarchie weiter oben stehst.

90minuten: Die finanzielle Lage ist bekannt, man wird jetzt nicht den Torschützenkönig aus einer anderen Liga um mehrere Millionen holen können. Auf dem Papier ist das aber eigentlich ein guter Kader. Wie schätzt du eure Qualität ein?

Fischer: Man muss das alles schon richtig einordnen, was in den vergangenen Jahren passiert ist. Wir sind 2024/25 fast Meister geworden, mit Spielern wie Maurice Malone, Dominik Fitz, Marvin Potzmann, Lucas Galvao und Andreas Gruber. Wir waren eine richtig gute Mannschaft und insgesamt sehr stabil. Diese Spieler sind alle nicht mehr da. Letztes Jahr sind mit Tin Plavotic und Abubakr Barry wieder zwei wichtige Spieler gegangen. Tin war bei Standards gefährlich, seine Tore waren oft Dosenöffner, wenn es im Spiel selbst nicht so gut für uns gelaufen ist. Barry war seit Langem wieder ein Unterschiedsspieler.

Jetzt kann sich jeder die Frage stellen, ob solche Spieler heuer dazugekommen sind. Wir haben Spieler mit viel Potenzial dazubekommen, aber man kann eben nicht erwarten, dass sie von null auf hundert funktionieren, auch wenn der Stamm zusammengeblieben ist. Es will keiner hören, aber es braucht Zeit, bis die Spieler so integriert sind, dass sie das Spiel, wie wir es uns vorstellen, in allen Phasen intus haben.

90minuten: Inwiefern steigt der Druck auf routinierte Spieler wie dich oder Aleksandar Dragovic und Reinhold Ranftl, die ja weniger Fehler machen sollten als Junge?

Fischer: Bei einem Verein gibt es schöne Zeiten, aber manchmal musst du dich auch durchbeißen – gerade wenn du Kapitän bist bzw. in der Hierarchie weiter oben stehst. Dass aber erfahrene Spieler keine Fehler machen, ist auch Blödsinn, ich mache auch genug. Gerade weil wir nicht so viele Unterschiedsspieler haben, ist es wichtig, dass jeder seine Aufgabe wahrnimmt, um als Truppe zu funktionieren. Wir haben halt nicht mehr den Haris Tabakovic, der aus jeder Halbchance eine Hütte gemacht hat. Wenn das so ist, schaut jeder am Platz besser aus, man gewinnt Spiele und weiß dann wiederum nicht immer, wie man die Spiele gemacht hat.

90minuten: Und wie verändert sich das Spiel, wenn du neben dir junge Mitspieler hast statt erfahrenere?

Fischer: Als Führungsspieler müssen wir es den Jungen dennoch so leicht wie möglich machen. Unsere Gruppe ist sehr menschlich und wir werden jetzt niemanden für seine Fehler "bestrafen".

90minuten: Du hast mit 18 Jahren Landesliga gespielt und bist dann rasch in höhere Ligen gekommen. Was hast du anders gelernt als Burschen, die schon mit 14 oder 15 Jahren in einer Akademie sind?

Fischer: Ich habe relativ früh im Erwachsenenfußball gespielt. Das war zunächst in der Unterliga in der Obersteiermark. Was ich dort gelernt habe, war, dass der Erwachsenenfußball ganz anders ist als der Jugendfußball. Fußballerisch waren wir den Gegnern teilweise überlegen, haben trotzdem oft verloren, weil die Gegner im Zweikampfverhalten beziehungsweise körperlich mehr Präsenz zeigen konnten. Durch meinen Weg habe ich andere Facetten des Fußballs kennengelernt. Als ich mit 18 in der Landesliga war, konnte ich mich schnell anpassen. Zudem habe ich mich schnell entwickelt. Schon nach einem halben Jahr kam ich in die Regionalliga, habe unter Christian Peintinger gespielt – der ist heute Co-Trainer bei Adi Hütter.

Ich kann nur von mir selbst reden, aber mein Weg hat mir geholfen, mich in vielen Bereichen zu verbessern. In der Akademie ist das natürlich anders. Da kommen nur die drei, vier Besten weiter, alle anderen schaffen es nicht zur zweiten Mannschaft. Dann ist die Frage, was mit denen passiert. Bei mir wäre es so gewesen, denke ich, dass ich es damals nicht von der U18 in eine zweite Mannschaft geschafft hätte. Ich war einfach physisch noch nicht so weit.

Fischers Weg in die Bundesliga

Saison

Bewerb

Verein

2018/19

Bundesliga

SCR Altach

2017/18

2. Liga

SC Wiener Neustadt

2016/17

2. Liga

SC Wiener Neustadt

2016/17

2. Liga

SC Wiener Neustadt

2014/15

Regionalliga Mitte

SC Kalsdorf

2013/14

Landesliga

DSV Leoben


90minuten: Seit 2021 bist du bei der Austria. Was die Veilchen begleitet, sind leider auch finanzielle Nebengeräusche. Wie sehr ist das im Kader ein Thema?

Fischer: Grundsätzlich ist das nicht unser Thema, weil wir Sportler die wirtschaftliche Situation nie beeinflussen können. Jeder, der sich mit Fußball auskennt, wird bestätigen können, dass wir in den vergangenen zwei Jahren einen guten Job gemacht haben, im Rahmen der gegebenen finanziellen Möglichkeiten. Und du möchtest als Sportler immer Spiele gewinnen und so weit wie möglich vorne in der Tabelle sein – da ist dir die wirtschaftliche Situation egal. Schwierig wird es, wenn man die Qualität der Mannschaft nicht halten kann und wichtige Spieler ersetzen muss.

Es tut zwar weh, aber wenn die neuen bzw. die jungen Spieler Zeit brauchen, um in die Nähe des Niveaus zu kommen, ist das eine Herausforderung. Als Ausrede will ich das nicht gelten lassen, die Saison ist noch lang und wenn wir den Turnaround schaffen, werden wir unsere Punkte holen. Aktuell rede ich noch nicht von den Top sechs. Vielleicht kommen wir aber in einen Flow und gewinnen zwei, drei Spiele in Folge. Dann schaut das in der Tabelle schon wieder ganz anders aus.

90minuten: Wir danken für das Gespräch!


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