Über zwei Jahre, 94 Pflichtspiele. Stephan Helms Amtszeit als Trainer des FK Austria Wien ist vorbei.
Und sie hat sehr viel länger gedauert, als zu vermuten gewesen wäre. Der Burgenländer hat großes Talent bewiesen, seinen Kopf in letztem Moment immer wieder aus der Schlinge zu ziehen.
Nach vier Spielen angezählt
Schon bei seinem Amtsantritt wurde ihm wenig Liebe, dafür umso mehr Skepsis entgegengebracht. Nach vier Spielen – darunter das Europacup-Aus gegen Ilves Tampere und die Niederlage zum Liga-Start gegen BW Linz – galt er als angezählt.
Und das sollte sich nicht nur bei den beiden weiteren Saisonstarts wiederholen.
Helm gelang es aber auch in zwei Saisonen zwei Mal ganz klar überzuperformen, wenn man die Leistungsfähigkeit der Mannschaft oder das Budget für den Profifußball als Referenz heranzieht.
Wenn der "Prozess" stagniert
In seiner ersten Saison hatten die Veilchen am letzten Spieltag noch die theoretische Chance auf den Meistertitel, verpassten dann als Dritter aber den CL-Quali-Platz. Die zweite Saison wurde auf dem respektablen vierten Rang beendet.
Nach außen hin waren dem Trainer die nackten Resultate nie so wichtig, es ging ihm stets um den "Prozess". In den vergangenen Wochen stimmte beides nicht mehr – der "Prozess" glich maximal Stagnation, die Ergebnisse blieben aus.
Helm, die Konstante
Nichtsdestoweniger sind die Erfolge Helms als Austria-Trainer nicht geringzuschätzen, sie werden aber erst bei genauem Hinsehen sichtbar.
In den vergangenen zwei Jahren war der Burgenländer die Konstante in einer unsteten violetten Zeit. Sportlich Verantwortliche wurden gewechselt, die Gemengelage in Aufsichtsrat, Präsidium und Vorstand glich nicht selten einer Schlangengrube.
Der fehlende letzte Schritt
Helm aber gelang es, all diese Dinge von seiner Mannschaft wegzuhalten. Als pragmatischer Trainer, der nach oben hin keine großen Forderungen formulierte und nach außen hin stets die Ruhe bewahrte, dirigierte er den Umbau der Mannschaft hin zu – zumindest einigen – jungen Stammkräften, die Ablösen einbringen (können).
Nur der letzte Schritt wollte nicht gelingen. Die über zwei Jahre hinweg aufgebauten Youngster schafften es nicht, das Spiel der Austria in jener Phase zu tragen, in der sie es hätten müssen, weil auch die routinierten Kräfte mehr und mehr mit sich selbst zu kämpfen haben.
Dass vermutlich nicht immer das taktisch richtige Mittel gewählt wurde, ist unbestritten.
Interne Lösung
Nun darf sich mit Maximilian Uhlig ein Mann versuchen, der intern hohes Standing genießt. Obwohl erst 33 Jahre alt, hat der bisherige Violets-Coach beim FAK schon seine Spuren hinterlassen.
Er war federführend an der Entwicklung des "Playbooks" beteiligt, so ziemlich jedes Talent der aktuellen Generation ging durch seine Hände.
Doch Uhlig muss nun beweisen, dass er auch mit erfahrenen Spielern umgehen kann. Seine bisher einzige Station im Erwachsenenfußball war der SV Stripfing, wo es auch aufgrund der mitunter recht chaotischen Zustände innerhalb des Vereins nicht so recht klappen wollte.
Das Potenzial dazu hat Uhlig allemal, wenngleich auf ihn aufgrund seiner aktuellen Teilnahme am Pro-Lizenz-Kurs arbeitsreiche Wochen warten.
Harald Prantl