SKN St. Pölten: Wenn's sein muss, für immer 2. Liga
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SKN St. Pölten: Wenn's sein muss, für immer 2. Liga

Vor einem knappen Jahr stieg Investor FC32 aus, eine lokale Unternehmergruppe rund um den ehemaligen 11teamsports-Geschäftsführer Dietmar Wieser rettete den SKN St. Pölten. Mit schmalem Budget könnte man ein gutes Jahr später aufsteigen.

Der SKN St. Pölten ist Titelkandidat und will nach oben. Sportlich verantwortlich zeichnet sich Trainer Cem Sekerlioglu. 90minuten hätte gerne von ihm eine Einschätzung gehabt – aber verständlicherweise möchte er sich nicht äußern. Vielleicht liegt das daran, dass die ADMIRAL 2. Liga extrem eng ist und bis zum Saisonende bleiben wird.

Kurzum: Es ist alles möglich – für eine ganze Reihe an Klubs, die 2026/27 gerne oben mitspielen wollen. Die 2. Liga wird der Zuschreibung, dass hier jeder jeden schlagen kann, gerecht. Die letzten drei Niederlagen musste St. Pölten gegen Abstiegskandidat Schwarz-Weiß Bregenz, Mittelständler Vienna und Titelaspirant SKU Amstetten einstecken.

Ein Blick zurück zeigt, wie überraschend diese Entwicklung ist: Vor einem Jahr standen die Niederösterreicher plötzlich ohne Investor da. Die Investoren der US-amerikanischen Holdinggesellschaft stellten laut damaligen Medienberichten Ungereimtheiten in der FC32-Gruppe fest, entzogen Geschäftsführer und SKN-Vizepräsident Paul Francis das Vertrauen - das Geld für die Niederösterreicher floss nicht mehr.

Eine lokale Investorengruppe rund um den bekannten Manager und Ex-11teamsports-Geschäftsführer Dietmar Wieser stieg ein. Der Klub ist heute finanziell weitgehend gesundet. Mit diesem rasanten Aufschwung konnte man nicht rechnen, wie der nun als Vizepräsident fungierende Wieser gegenüber 90minuten betont: "Rational betrachtet konnte man damit nicht rechnen."

Aber ganz nach dem Motto "unverhofft kommt oft" sei es ja auch das Schöne am Fußball, dass er nicht immer planbar ist, so Wieser weiter. Doch wie sieht es abseits der sportlichen Entwicklung aus? Nebst Wieser beantwortete auch Sportchef Christoph Freitag die Fragen.

Anders kicken

Eine vielleicht wesentliche Rolle spielte eine im Pressingland Österreich eher ungewöhnliche Spielweise. Den wesentlichen Unterschied beschreibt Freitag so: "Wir verfolgen definitiv den Ansatz, Fußball zu spielen, und legen dementsprechend sehr viel Wert auf das Positionsspiel." Der Ex-Profi kam 2024 als Wawra-Nachfolger und setzte sich, so der Verein damals, dank seiner "Entwicklungsmentalität" im Auswahlprozess durch.

Der Klub hat sich im Sommer bewusst für diesen Weg entschieden und es auch in einem Strategiepapier verschriftlicht, weil "ich auch die Meinung vertrete, dass sich junge Spieler dadurch auch besser weiterentwickeln können". Dieser Ansatz deckt sich mittlerweile auch mit der Ausbildungsphilosophie des ÖFB.

Ein weiterer Vorteil dieses Spielstils sei aus seiner Sicht, dass sich die Wölfe "in der Bundesliga nicht großartig adaptieren" müssen, weil eine Liga höher spielerische Lösungen vermehrt im Fokus stehen. Der Übergang wäre aus seiner Sicht also einfacher. Nicht wenige Teams haben so ihre Probleme, wenn es nach einer Saison des Siegens und viel Feldüberlegenheit auf einmal gegen qualitativ deutlich bessere Mannschaften geht. Die St. Pöltner Grundidee soll hierbei bei der Anpassung helfen.

Man kann jetzt aber nicht pauschal sagen, wie viele Transfers wir machen müssten. Man kann aber davon ausgehen, dass es definitiv einige Änderungen im Kader geben würde.

Christoph Freitag, Sportdirektor

Das andere kann man aber auch, wie Wieser festhält. Denn Pressing und Gegenpressing sind durchaus "in unserer Wolfs-DNA" und wichtige Mittel. Das aber "kommt derzeit vielleicht nicht so rüber, da wir ein sehr ballbesitzorientiertes Spiel praktizieren und unsere Gegner uns meist nur wenige Möglichkeiten geben, ins Pressing zu gelangen".

Neben dem sportlichen Aufstieg zählen für die Bundesliga-Lizenz allerdings noch andere Themen.

Keine Sorgen-Arena

Ein früherer großer Hemmschuh war die Infrastruktur. Hierbei hat sich in Österreich generell viel entwickelt, attestiert der Vizepräsident: "In der Bundesliga hat sich in Sachen Infrastruktur in den letzten Jahren wirklich sehr viel Positives getan. Es wurde viel investiert, was die Attraktivität der Liga klar erhöht hat!"

Bewertet man nur die Stadien, dann sind die Niederösterreicher mit der Spielstätten-Situation nicht alleine. Das in die Jahre gekommene Admira-Stadion geht schon irgendwie, für den FAC findet sich in der Millionen-Metropole schon eine Arena und Austria Lustenau hat überhaupt einen Neubau.

Dietmar Wieser ist sich sicher, dass der Kurs des SKN stimmt
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Dietmar Wieser ist sich sicher, dass der Kurs des SKN stimmt

Die 2012 eröffnete NV-Arena in der Landeshauptstadt ist bundesligatauglich, auch wenn der Komplex in Ratzersdorf vielleicht nicht mehr die allerneuesten Stückln spielt. Das ist laut Wieser nicht überall so: "In der 2. Liga ist es aus meiner Sicht schon ein großes Thema, da gibt es noch viel Aufholbedarf für uns in Österreich."

Im Zuge der Lizenzierung sei dieses Defizit bei vielen Aufstiegskandidaten nicht gegeben, weil man es durch ein Ausweichstadion leicht umgehen kann, so Wieser, der weiter in den Raum stellt: "Deshalb muss sich kurzfristig keiner großartig Gedanken darüber machen. Ob diese Möglichkeit langfristig sinnvoll ist, bezweifle ich persönlich sehr stark."

Inwiefern das eine Spitze in irgendeine Richtung ist, bleibt unklar. Jedenfalls muss der FAC sein Heimstadion verlassen, wenn die Floridsdorfer am Ende von der Spitze lachen. Von der Hand zu weisen, ist die Kritik also nicht ganz – wiewohl der SKN das Stadion auch alles andere als selbst gebaut hat.

Personelles ist auch wichtig

Oftmals wird in Sachen Lizenz übersehen, dass personelle Kriterien ebenfalls erfüllt werden müssen. Dabei konzentriert sich vieles auf die Frage, ob der 2. Liga-Erfolgstrainer eine UEFA-Pro-Lizenz hat oder nicht.

Weniger Personal in der Geschäftsstelle führt dazu, dass man weniger an neuen Erlösmodellen oder an der generellen Entwicklung des Vereins arbeiten kann.

Dietmar Wieser, Vizepräsident SKN St. Pölten

Hierbei unterscheiden sich auch Zulassung und Lizenzierung hinsichtlich der erlangten Qualifikationen der Betreuer. Sekerlioglu hat die notwendige Pro-Lizenz und die Niederösterreicher erhielten letztes Jahr auch schon die Berechtigung, in der obersten Spielklasse mitzuspielen. Das heißt, dass alle sonstigen personellen Anforderungen erfüllt sein sollten.

Feststellen lässt sich ein Anstieg der Personalkosten. Für Wieser ist dieses das "herausforderndste" Thema und es gilt für den Geschäftsmann deshalb: "Ich kann nun einmal nur das ausgeben, was ich einnehme."

Ob das dann zu Lasten der Geschäftsstelle oder zu Lasten des Sports geht, ist jedem Verein selbst überlassen und hängt wohl auch von der Vereinsstrategie und -philosophie ab. Die Niederösterreicher konnten die Kosten allgemein senken.

Der eine oder andere sieht sich dadurch zu einem "Wettrüsten" verleitet, so Wieser. Dieses betreffe allerdings eher den Abstiegskampf. Nächstes Jahr gibt es nur noch zwei Absteiger, insofern könnte hier Druck herausgenommen werden. Das mit dem Einstieg vor einem Jahr nach unten korrigierte Sportbudget beim SKN St. Pölten muss jedenfalls für den allfälligen Aufstieg reichen.

Sportchef Christoph Freitag hat aktuell viel zu lachen
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Sportchef Christoph Freitag hat aktuell viel zu lachen

Die Finanzen

Der Vizepräsident sieht sogar Nachteile darin, alles in den Sport zu investieren: "Weniger Personal in der Geschäftsstelle führt dazu, dass man weniger an neuen Erlösmodellen oder an der generellen Entwicklung des Vereins arbeiten kann."

Darauf will man sich, wie erwähnt, nicht einlassen. Auf einen oder mehrere verpasste Aufstiege angesprochen, meint er, dass sich die Wölfe die 2. Liga "ewig" leisten können.

Aktuell hat der Klub etwas über vier Millionen Euro Budget, das sollte sich in der kommenden Saison verdoppeln lassen und dann in weiterer Folge weiter steigen.

Altlasten ausgenommen werde man so "auf Dauer einen gesicherten Profibetrieb gewährleisten können. Wir werden es verkraften und werden uns mit dem Thema Aufstieg nicht unter Druck setzen lassen."

Der große finanzielle Unterschied und die wohl späte Titelentscheidung haben aber dennoch Auswirkungen, meint wiederum Freitag. Er kündigt auf jeden Fall Änderungen im Kader an – diese kosten freilich auch Geld. Wie viel dabei notwendig sei, könne er jedoch nicht sagen. Aufsteigen muss der jetzige Kader.

Blick nach vorne

Damit das gelingt und man nicht Negativbeispielen, wie der Admira im Vorjahr, folgt – in der Schlussphase verloren die Südstädter sechs der letzten sieben Spiele – setzt man verstärkt auf die mentale Komponente. Denn gerade in so einer engen Liga entscheiden am Ende Kleinigkeiten.

"Wir legen im sportlichen Bereich großen Wert auf den Menschen hinter dem Spieler, wodurch Einzelgespräche eine große Rolle spielen", führt er aus. Dennoch gilt: Je klarer Spielidee und Abläufe sind und je authentischer diese vermittelt werden, desto leichter fällt es den Spielern, sich daran festzuhalten und ihre Leistung trotz Druck abzurufen.

Insgesamt wirkt vieles in St. Pölten mittlerweile durchdacht und stabil. Ein finanzielles Harakiri ist zwar nie ausgeschlossen, erscheint aktuell jedoch unwahrscheinlich – unabhängig von der Spielklasse.


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