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Die 7 ... Veränderungen im ÖFB unter Ralf Rangnick

Ohne lange Vorbereitungszeit stand Ralf Rangnick im Juni erstmals als ÖFB-Teamchef an der Seitenlinie. In wenigen Monaten hat sich im Nationalteam viel getan.

+ + 90minuten.at PLUS – Von Daniel Sauer + +

 

Es schadet ja nur äußerst selten, wenn man auch in einer Welle der absoluten Euphorie zwischendurch leicht auf die Bremse steigt. Unterm Strich ist der Verbleib der österreichischen Nationalmannschaft in der höchsten Liga der Nations League noch nicht gesichert, in den nächsten beiden Spielen gehört die Favoritenrolle jeweils dem Gegner. Wenn sich aber nach mehreren, von taktischem Stillstand und trotz einiger Erfolge Enttäuschung geprägten, Jahren einige Dinge in eine richtige Richtung bewegen, darf man das auch einmal ansprechen. 90minuten.at haben sieben Entwicklungen herausgesucht.0

Punkt 7: Neugefundene Euphorie bei den Fans

Kurz nach der Europameisterschaft war Franco Foda bei vielen Fans des Nationalteams so beliebt wie schon lange nicht mehr. Ja, die Latte lag nicht besonders hoch, aber das „historische“ Spiel gegen Italien ließ die schwachen Monate davor zumindest für kurze Zeit in den Hintergrund rücken. Nur drei Monate später sah die Welt dann schon wieder anders aus: nach einem (erneuten) Debakel in Israel schallten bei der Partie gegen Schottland „Foda raus!“ Rufe durchs Ernst-Happel-Stadion. Wenn Marko Arnautović die Diskussionen mit den Fans nach der Partie so kommentiert: "Die waren sauer. Zu Recht. Seit langem sind Zuschauer wieder im Stadion und sie haben genau das Spiel erwischt, in dem wir nicht gut drauf waren." Das wirkt zum einen ein bisschen betriebsblind, weil die offenbarten Defizite nichts Neues waren. Zum anderen aber war es auch ein Wink in Richtung leere Stadien während der Pandemie, die Foda letztendlich wohl zugutegekommen sind. Der Ex-Teamchef liest nach eigenen Angaben nur positive Zeitungsberichte über sich, die negativen landen im Mistkübel. Social Media nutzt er auch nicht, um eine Botschaft zu senden, bleibt dann eigentlich vor allem das Stadion – für mehrere Monate konnte auch dort keine Kritik an den Mann gebracht werden. Die Zuschauer:innennzahlen lassen sich nicht seriös auswerten, wenn das Freundschaftsspiel gegen Schottland im März 2022 (6.600 Fans) ein Indikator ist, wäre das zumindest kein Nachteil für Foda.

Das erste Heimspiel unter Ralf Rangnick war zwar auch nicht ausverkauft, die Stimmung gegen „Angstgegner“ Dänemark war aber trotzdem durch einen Stromausfall deutlich verspäteten Ankick gut – David Alaba befand sogar: „Die Stimmung war hervorragend.“ Vier Tage später war die Hütte dann gegen Frankreich zum ersten Mal seit vier Jahren wieder annähernd voll. Beim nächsten Heimspiel gegen Kroatien dürfte es wieder so sein, angesichts der vielen kroatischen Fans wartet wahrscheinlich ein Hexenkessel auf das Nationalteam. Mit neuem Teamchef kommt also auch neue Euphorie auf, so gesehen war der große Name Rangnick auch die richtige Wahl, um gegenüber den Anhänger:innen ein Zeichen zu setzen. Jetzt gilt es, die vielversprechenden Leistungen zu bestätigen - die Fans wären bereit.

Punkt 6: Klare Kommunikation

Selbstvertrauen ist gut. Wenn man dann Selbstkritik auch noch unterbringt, wirkt es gleich viel kompetenter: Dass das Team des ORF bei Übertragungen von Länderspielen gelegentlich – aus verschiedenen Gründen – aneckt, ist an sich nicht neu. Ein Teamchef, der sich nach einem 1:1 gegen Weltmeister Frankreich nicht gratulieren lassen will, ließ aber wahrscheinlich nicht nur Rainer Pariasek leicht verwundert zurück. Dabei wirkt es eigentlich erfrischend ehrlich, wenn die viel zitierten „schonungslosen Analysen“ und „klaren Worte“ auch einmal den Weg an die Öffentlichkeit finden. In den letzten Jahren ist ohnehin zu viel nach draußen gesickert, der Höhepunkt war die Geschichte um die Nationalmannschaft, die sich beim EM-Achtelfinale selbst aufgestellt haben soll. Diskussionen um die Wiener- oder Salzburger Fußballschule, oder den Punkteschnitt gehören hoffentlich der Vergangenheit an.

Der ÖFB hat sich für einen Weg entschieden, idealerweise führt er in Richtung eines moderneren Fußballs. Dazu gehört auch, die eigenen Erwartungen klar anzusprechen, um nach außen nicht langfristig das Gesicht zu verlieren. Rangnick ist wie seine Vorgänger erfahren genug, um nicht alle internen Überlegungen auszuplaudern und wird auch nicht ohne altbekannte Phrasen auskommen. Wenn zwischendurch aber einmal andere Töne angeschlagen werden sollten, wäre es sicherlich kein Nachteil.

 

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