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Schon wieder ein Supertalent [Momentum am Montag]

Derzeit wird der Name eines talentierten Nachwuchsrapidlers in den Medien herumgereicht. Der Umgang mit sogenannten Supertalenten ist hinterfragenswert.

+ + 90minuten.at PLUS - Von Georg Sander + +

 

Der Moment, in dem viele Medien den „neuen Demir“ erfanden, ist unser Momentum am Montag.

Das Fußballgeschäft ist beinhart. Wer es wirklich nach oben schaffen will, dem muss spätestens mit 13, 14, 15 Jahren bewusst sein, dass einem der Traum vom Profifußballer viel abverlangt. Das betrifft zum Beispiel das Privatleben. Während die Alterskollegen neben Ausbildung oder Schule Freizeit haben und das treiben können, was Jugendliche in der Freizeit so machen, ist das Leben von Nachwuchskickern eingeschränkter. Darüber hinaus gibt es allerhand Schulterklopfer, die „das Beste“ für einen Spieler wollen. Kurzum: Eine schwierige Aufgabe für Teenager. Vor allem, wen wir Medien Wind davon bekommen, dass hier ein neues Juwel heranwächst.

 

Shootingstar und mehr

„Hallenkönige“ bekommen da schon Portraits in großen Tageszeitungen, sie werden zu „Shootingstars“ oder gleich zum „neuen Demir“. Natürlich wissen große Fußballklubs stets recht früh, welcher Kicker aus dem eigenen Nachwuchs irgendwann im Kader der ersten Mannschaft aufscheinen wird. Der Schritt vom Talent zum Profi ist aber kein einfacher. Nicht wenige ehemalige „Supertalente“ haben das nicht geschafft. Ein Beispiel: Sinan Kurt, den vermutlich nur mehr Insider kennen. Er wurde 2014 um drei Millionen Euro von Mönchengladbach II zu Pep Guardiolas Bayern München geholt. 2019 verschlug es ihn zur WSG Tirol. 13 Mal lief er für die Tiroler auf, dann ging er wieder. 2020 heuerte er in der deutschen Regionalliga an, spielte später bei Nitra in der Slowakei und derzeit bei Karaman in der vierten türkischen Liga.

 

Lange Liste

Die Liste an Spielern, die als Supertalente gelten und dieses Versprechen dann nie einlösen konnten, ist gerade in Österreich nicht gerade kurz. Wer erinnert sich nicht an Roman Wallner und Roland Linz, ein Sturmduo, um das der ÖFB dann trotz gegenteiliger Annahmen des damaligen Teamchefs Hans Krankl nicht beneidet wurde. Die Öffentlichkeit ist dabei gnadenlos. Auch ein Andreas Ivanschitz wurde früh in höchsten Tönen gelobt. Er kann zwar auf eine gute Karriere zurückblicken, der eine oder andere hat ihn aber wohl statt in Mainz oder bei Levante als junges Talent zukünftig eher in München oder Madrid gesehen. All das ist aber kein Wiener Thema. Ein Dario Maresic schaffte es (noch?) nicht, die großen Versprechen nachhaltig einzulösen. In der glitzernden Red Bull-Welt gibt es neben den Haalands, Szoboszlais, Keitas und Co. eben auch Kicker wie Zymer Bytyqi oder Yordy Reyna, denen die ganz große Karriere verwehrt blieb. Die Liste der geplatzten Träume ließe sich noch lange fortsetzen.  

 

Große Verantwortung?

Mittlerweile versuchen Klubs, ihre größten Talente zu beschützen. Schwierig wird das aber vor allem bei Vereinen, die hohe Ansprüche an sich haben, diese aber gegenwärtig nicht wirklich erfüllen können. Das erscheint auch logisch: Wenn es rennt, dann kann behutsam aufgebaut werden. Kracht es im Gebälk, braucht es auch schnelle Erfolge. Dann setzen die Klubs entweder auf die arrivierten Spieler oder sie erwarten von den jungen Rohdiamanten unter Druck zu viel. Sie müssen dann (zu) viel Verantwortung tragen und das kann sich auf das jugendliche Gemüt auch negativ auswirken. Die körperlichen Anlagen reichen zusätzlich dazu nicht immer aus. 

Und da muss sich letztlich auch die beobachtende Öffentlichkeit – Fans und vor allem Medien – fragen, ob aus einem Nachwuchskicker immer sofort der nächste Shootingstar werden soll. Das ist leider vor allem beim Verein mit dem „alten Demir“ ein Thema. Dort ist schnell jemand der neue Heilsbringer. Auf lange Sicht einlösen konnten dieses Versprechen im Endeffekt nicht allzu viele Spieler.

 

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