Der Plan für ein neues GAK-Stadion im Grazer Norden [Exklusiv-Interview]
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Der Plan für ein neues GAK-Stadion im Grazer Norden [Exklusiv-Interview]

Die Rückkehr in den Profifußball ist beim GAK vier Jahre her. Wie sieht es sportlich und wirtschaftlich aus, wie hält man es mit Investoren und wie könnte ein eigenes Stadion für die Roten Realität werden?

Die wirtschaftlichen Vorteile eines Aufstieges wiegen so schwer, dass man die Chance, wenn sie sich bietet, nutzen muss. Alles andere kann man später nachbessern. Ich bin zudem der Meinung, dass die Topteams der zweiten Liga von den Nachzüglern der ersten Liga sportlich nicht weit entfernt sind.

Matthias Dielacher

Jene, die der Meinung waren im Investor das Allheilmittel zu finden, haben schnell gelernt, dass das so nicht funktioniert und die Sache meistens einen Haken hat. Ich sage außerdem: Einen Investor, der passt, den musst du dir selber finden. Wenn der Investor dich findet, ist das Modell in der Regel zu hinterfragen.

Dielacher

+ + 90minuten.at PLUS - Das Gespräch führte Jürgen Pucher + +

 

Vier Jahre sind schon vergangen, seit der GAK in die zweite Liga aufgestiegen und in den Profifußball zurückgekehrt ist. Zeit, einmal nachzufragen, wie es um die Dinge im Grazer Norden so bestellt ist. 90minuten.at hat dazu Matthias Dielacher getroffen, seines Zeichens Obmann-Stellvertreter bei den Roten und im Klub verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoring und die Akademie-Geschäftsführung. Wie sieht es aus mit den Bundesligaambitionen, wie ist man wirtschaftlich aktuell aufgestellt und wie hält es der GAK mit potenziellen Investoren, standen unter anderem auf der Agenda.

Die Causa prima im Grazer Fußball ist aber die Stadionfrage. Sturm will Liebenau alleine, das ist gemeinhin bekannt. Neuerdings positioniert sich aber auch der GAK mit einem klaren Bekenntnis zu einer eigenen Spielstätte. Dazu gibt es jetzt sogar eine Arbeitsgruppe mit dem Stadtrivalen, zarte Pflänzchen der Vertrauensbildung beginnen hinsichtlich einer gemeinsamen Vorgehensweise zum Thema zu wachsen. Dielacher äußert den klaren Wunsch, im Norden der Stadt, am besten in Weinzödl, ein Stadion zu realisieren. Wie der Weg dorthin in einer Gemengelage aus Standortsuche und einer sehr vorsichtigen, in Graz zusätzlich bettelarmen, Politik aussehen könnte, haben wir versucht zu skizzieren. Leicht wird es nicht, so viel sei verraten.

Abschließend haben wir noch erfahren, wie sich der GAK in nächster Zeit mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen will und was Dielachers Ideen für Geschichtsaufarbeitung im gesamten Grazer Fußball sind.

 

90minuten.at: Der GAK hat einen langen Weg zurück in den Profifußball hinter sich. Mittlerweile kickt der Klub seit vier Jahren in „Liga Zwa“ und spielt dort keine unwesentliche Rolle. Wie würden Sie nach dem Weg zurück in den Profifußball den Status Quo beschreiben?

Matthias Dielacher: Das Wiederankommen im Profifußball war härter und schwieriger, als wir uns das gedacht haben. In der ersten Saison waren wir etwas blauäugig, es ist ein großer Schnitt, es ist eine andere Welt. Zusätzlich hat sich die zweite Liga in den vier Jahren enorm weiterentwickelt. Wir durchlaufen noch immer die Mühen der Ebene, aber langsam nähern wir uns einem Bereich an, wo wir zu den Topteams gehören. Aber es ist eine brutal schwere Liga.

90minuten.at: Aktuell liegt der GAK auf Platz vier, vier Punkte hinter Tabellenführer St. Pölten. Ist der Aufstieg ein Thema?

Dielacher: Über einen Aufstieg heuer möchte ich nicht spekulieren, unmöglich ist er aber nicht. Sollte der Fall eintreten, wären wir bereit. Außerdem ist die zweite Liga wirtschaftlich um einiges schwieriger als die Bundesliga. Wir haben selbstverständlich noch Verbesserungsbedarf, ich meine aber, wir wären von der Gesamtstruktur nicht der am schlechtesten aufgestellte Verein in der höchsten Spielklasse.

 

90minuten.at: Der Buchautor und Podcaster Wolfgang Kühnelt, seines Zeichens GAK-Edelfan, hat bei BlackFM rund um das Grazer Derby gesagt, ihm wäre lieber, der GAK würde sich noch ein paar Jahre in der zweiten Liga stabilisieren und erst dann aufsteigen.

Dielacher: Die wirtschaftlichen Vorteile eines Aufstieges wiegen so schwer, dass man die Chance, wenn sie sich bietet, nutzen muss. Alles andere kann man später nachbessern. Ich bin zudem der Meinung, dass die Topteams der zweiten Liga von den Nachzüglern der ersten Liga sportlich nicht weit entfernt sind. Der Abstand wird immer kleiner.

 

90minuten.at: Sind im Winter Anpassungen im Kader vorgesehen?

Dielacher: Nein, derzeit gibt es keine konkreten Pläne. Wir haben die Verstärkung für den Winter schon im Sommer geholt. Da meine ich konkret Stürmer Atsushi Zaizen, der damals verletzt war und sich noch von seinem Kreuzbandriss erholen musste. Der wird jetzt fit und steht uns im Frühjahr zur Verfügung. Wenn sich aber eine sportlich sinnvolle und finanziell leistbare zusätzliche Verstärkung anbieten sollte, dann wird die sportliche Leitung sicher nicht abgeneigt sein.

 

90minuten.at: Nach Corona gab es einen Zuschauerrückgang von 35 Prozent. Das war bei einigen anderen Klubs nicht in dem Ausmaß der Fall. Woran liegt das?

Dielacher: Unsere Fans sind extrem kritisch. Wir haben 2021/22 außerdem keine konstant guten Leistungen gebracht. Es war immer ein Auf und Ab, es konnte keine Euphorie entstehen. Der Rückgang trifft uns hart, wenn über die Saison pro Spiel rund 500 bis 600 Besucher fehlen, geht das schwer ins Geld. Die Fans waren nach jahrelangen Aufstiegen verwöhnt und es gibt eine gewisse Klientel, die kommt nur, wenn wir unter den Top drei sind. Die, die den Weg von ganz unten mitgegangen sind, kommen ohnehin immer ins Stadion. Wir haben vor der laufenden Saison massiv unsere Abos beworben und liegen bei knapp über 2.000. Und die Zuschauerkurve geht diese Spielzeit wieder leicht bergauf.

 

90minuten.at: Wie allgemein bekannt, waren beim GAK Mitte der 2000er eher gröbere Probleme da. Wie ist man aktuell finanziell aufgestellt? Für die Saison 2021/22 weist die Bilanz einen Jahresverlust von 279.000 Euro auf.

Dielacher: Wir sind im Moment durch aufgebaute Reserven noch im sicheren Bereich. Aber wir müssen aufpassen, nach vielen Jahren mit einer schwarzen oder roten Null haben wir jetzt einmal ein Minus gemacht. Da spielt der angesprochene Zuschauerrückgang 2021/22 natürlich eine Rolle. Es ist alles insofern abgesichert, dass wir im Fall des Falles zu Saisonende reagieren können. Dann gibt es keine glamourösen Neuverpflichtungen und wir werden den Leuten sagen müssen, es geht um Platz acht oder neun und nicht um das obere Drittel.

90minuten.at: Man hört immer wieder, dass es im Verein zwei „Denkschulen“ gibt. Einmal das vorsichtige und konservative Entwickeln, wo Sie dazugehören, und eine zweite Gruppe, die in Richtung potenzieller Investoren schielt und „groß“ denkt. Ist das richtig?

Dielacher: Es stimmt, dass ich auf der vorsichtigeren Seite zu Hause bin. Zu potenziellen Investoren hat es Vorstellungsgespräche gegeben, bei denen ich dabei war. Auch diejenigen, die anfangs der Meinung waren, man könnte mit irgendeinem Investor das Allheilmittel finden, haben schnell gelernt, dass das so nicht funktioniert und die Sache meistens einen Haken hat. Ich sage außerdem: Einen Investor, der passt, den musst du dir selber finden. Wenn der Investor dich findet, ist das Modell in der Regel zu hinterfragen.

 

90minuten.at: Jetzt gibt es mittlerweile in sehr vielen Klubs Investoren, die den Klub nach erwartbaren Renditen ausrichten, siehe Austria Wien. Einige wenige wie Sturm oder Rapid deklarieren sich explizit als Mitgliedervereine und stellen sich gegen den Einstieg von Investoren. Wo sieht sich der GAK in seinem Selbstverständnis?

Dielacher: Wir sind ein erklärter Mitgliederverein. Als solcher haben wir den Neustart gemacht. Es ist nur so, bevor dir die Luft ausgeht und du keine Perspektiven mehr hast, musst du auch über Modelle mit Investoren nachdenken. Solange das nicht der Fall ist, bin ich froh darüber nicht zwingend nachdenken zu müssen. Aber dass es ein Thema ist, sieht man daran, dass es kaum noch Mitgliedervereine gibt. Neben Sturm, Rapid und uns, sind das im österreichischen Profifußball mit Abstrichen noch Blau-Weiß Linz und Steyr. In der zweiten Liga kommen wir von zwei Seiten unter Druck. Von den investorengeführten Vereinen und den Zweierteams der Bundesligisten, die sich über ihre Finanzen auch keine Gedanken machen müssen.

 

90minuten.at: Sind die zweiten Mannschaften der Bundesligisten ein Problem für die Liga?

Dielacher: Ich kann den sportlichen Gedanken der Erstligamannschaften verstehen, dass sie gerne ein zweites Team in dieser Liga haben wollen. Für uns ist es schwierig. In den Heimspielen kommen gegen Zweiermannschaften weniger Zuschauer, von der Atmosphäre auswärts will ich gar nicht sprechen. Da könnte man meinen, es gibt noch immer Coronaregeln. Andererseits heißt es, wir hätten ohne sie nicht genug Teams für eine 16er-Liga. Da ist eben die Frage, ob die Liga nicht zu groß ist. So richtig glücklich ist, denke ich, keiner mit diesem Format.

 

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