In drei Schritten zum Transferexperten [Momentum am Montag]
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In drei Schritten zum Transferexperten [Momentum am Montag]

Es ist ein neuer Trend, der in den letzten Monaten aufkam: Mehr oder weniger vertrauensseelige Männer, die Transfers und Gerüchte über Twitter verbreiten.

+ + 90minuten.at PLUS – Von Georg Sander + +

 

Das „Here we go“ von Transferexperte Fabrizio Romano ist unser Momentum am Montag.

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Was tut man nicht alles, um ein bisschen Internetfame zu bekommen.Man könnte sich als Influencer versuchen, tanzen, Musik spielen – oder auf Twitter „Transferexperte“ (o.ä.) in die Bio schreiben und dann Transfers, Gerüchte und Co. verbreiten. Einer der ersten, der das in der Fußball-Branche gemacht hat, ist Fabrizio Romano. Der 30-jährige Neapolitaner arbeitete unter anderem für Sky Italia, CBS Sports oder The Guradian. Es heißt, er soll sich gezielt in Restaurants und Co. aufgehalten haben, um an Informationen zu Transfers zu kommen. Mittlerweile hat er sich einen guten Ruf erarbeitet. Wenn Romano „Here we go“ schreibt, ist der Transfer durch. Zu finden ist er nebst Twitter auf Instagram, YouTube, Facebook und Twitch. In seinem Fahrwasser gibt es auch eine Reihe selbsternannter Twittertransferexperten.

 

Die vielen, vielen Romanos

Der Autor dieser Zeilen hat sich letzte Woche einen Spaß erlaubt und ein Gerücht der 'Oberösterreichischen Nachrichten' im Stile des Transferexperten veröffentlicht. Die Nakamura-Story landete umgehend in Fußballfrankreich und dort kennt man nun Georg Sander bzw. 90minuten.at besser als zuvor. Der Inhalt stimmte, aber es zeigt: Solange man halbwegs glaubwürdig aussieht – und das ist der Twitteraccount dieses Chefredakteurs eher eben nur halbwegs – gibt es Likes, Views und Co. Das kann schon sehr interessant sein, auch wenn man für diese Tweets kaum mehr als die Gerüchteküche auf transfermarkt.at und rudimentäre Photoshopskills braucht. Ob dann immer alles stimmt, ist dann zweitrangig.

Alles #inundaut

Schon vor Jahren etablierte 90minuten.at in einer Graswurzelbewegung den Hashtag #inundaut, wo Transfers und Gerüchte auch noch zusammen gefasst wurden. Gerade in der „Saure-Gurken-Zeit“ im Winter und Sommer interessieren sich eben viele Menschen, wo Spieler X hingeht oder an wem Klub Y interessiert ist. Gut und schön, auch 90minuten.at spielt dieses Spiel zuweilen mit. Mittlerweile sogar in Form eines Tickers, in dem die Redaktion die wichtigsten Geschehnisse aus glaubwürdigen Quellen zusammen fasst. Dazwischen konzentriert man sich auf Journalismus. Zuletzt etwa in Form von Interviews mit Peter Pacult oder Lion Schuster, Reportagen zu Stadionfragen, aber auch auf größere Schwerpunkte, wie gegenwärtig zum Thema Österreicher-Topf.

 

Das Wesentliche sehen

So verlockend der Internetfame auch sein mag, kritischer Journalismus ist hierzulande vonnöten, nicht nur, aber auch im Sport. Der Blick hinter die Kulissen ist langwierig, Recherchen verlaufen ins Leere, interessante Vorwürfe stimmen nicht; mäßig freundliche E-Mails, WhatsApp-Nachrichten und Anrufe sind Teil des Geschäfts. Im Wesentlichen geht es im Journalismus darum, Dinge aufzuzeigen, manchmal -zudecken oder auf jeden Fall Themen anzusprechen, die unrund laufen.

So sehr ein Fabrizio Romano Glaubwürdigkeit besitzt, so spannend mag es für den einen oder anderen sein, sich selbst als – in dem Fall Transfer- - Experte zu fühlen. Es reicht ein Twitterprofil, die Fertigkeit, sinnerfassend zu lesen und das zu verbreiten. Aber hoffentlich geht darüber nicht die Lust der Fans verloren, sich in der Tiefe mit den Themen auseinander zu setzen ….

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