Alle ADMIRAL Bundesliga-Klubs erhielten erstinstanzlich die Bundesliga-Lizenz, auch an der 2. Liga werden 2026/27 ausreichend Vereine teilnehmen. Hier geht es zur detaillierten Übersicht >>>
Doch nach der ersten Spielbetriebseinstellung nach 25 Jahren beim SV Stripfing und dem Aus für Austria Klagenfurt nach der Spielzeit, bleiben die Zeiten angespannt. Aktuell gibt es zwar Lizenzwerber aus allen drei Regionen, im Osten sind diese aber nicht auf einem zum Aufstieg berechtigenden Platz.
Das bedeutet: kein sportlicher Absteiger. Darüber hinaus befindet sich die Welt nicht nur seit Jahren in der Krise. Wer die Geopolitik in den letzten Wochen verfolgt hat, weiß: Es wird noch dauern, bis für die Welt und somit die Wirtschaft wieder ruhigere Zeiten anbrechen.
Also ist eine Einordnung vonnöten und diese macht Bundesligavorstandsvorsitzender Christian Ebenbauer im 90minuten-Interview.
Es ist wie das Pickerl beim Auto. Man fährt hin und lässt alles überprüfen. Das heißt aber nicht, dass dann nichts mehr passieren kann. Es sitzt dann jeder Klub in den nächsten zwölf Monaten selbst am Steuer und trägt die Verantwortung.
90minuten: 16 Klubs erhielten die Lizenz für die ADMIRAL Bundesliga, 15 Vereine die Zulassung für die ADMIRAL 2. Liga (inklusive fünf Amateurmannschaften) – das ergibt auf jeden Fall zwölf Teams für ganz oben und 16 in der zweiten Leistungsstufe. Wie bewerten Sie das Lizenzierungs- und Zulassungsverfahren für die Saison 2026/27?
Christian Ebenbauer: Es ist erfreulich, dass alle Klubs der ADMIRAL Bundesliga und vier Zweitligisten die Lizenz in erster Instanz erhalten haben. Gut ist ebenfalls, dass wir auf Basis der Zulassungserteilungen mögliche Aufsteiger aus allen Regionen haben. Allerdings reichen aktuell im Osten (Anm.: SV Horn befindet sich nicht unter den Top 2) die sportlichen Ergebnisse nicht aus; somit haben wir Stand heute aufgrund des Ausscheidens von Stripfing und Klagenfurt keine sportlichen Absteiger.
90minuten: All das steht im Kontext einer schwierigen wirtschaftlichen Lage: Haben Sie das in der Kommunikation mit den Klubs während des Verfahrens ebenfalls wahrgenommen, und unterscheidet sich die Situation von den Jahren zuvor?
Ebenbauer: Es war und ist schwierig. Wir befinden uns gesamtwirtschaftlich in einer mehrjährigen Rezession. Die Folgen in Kombination mit den jüngsten weltpolitischen Entwicklungen lassen sich derzeit noch nicht abschätzen. Das alles macht natürlich auch vor dem Fußball nicht Halt. Das Lizenzierungs- und Zulassungsverfahren ist ein wesentliches Tool für die Wettbewerbssicherheit. Die erste unterjährige Spielbetriebseinstellung seit 25 Jahren zeigt aber auch, dass das Verfahren keine Garantie ist.
Es ist eine Maßnahme der Qualitätssicherung, die vorab einen Ausblick auf die nächsten Monate gibt. Es ist wie das Pickerl beim Auto. Man fährt hin und lässt alles überprüfen. Das heißt aber nicht, dass dann nichts mehr passieren kann. Es sitzt dann jeder Klub in den nächsten zwölf Monaten selbst am Steuer und trägt die Verantwortung.
90minuten: Obwohl die Zeiten sind, wie sie sind, hinterfragen die Fans das Verfahren. Warum ist es so schwierig, diese Pickerlanalogie zu vermitteln?
Ebenbauer: Ich verstehe die Emotionen. Die Fans wollen – wie die Bundesliga auch – einen möglichst gesicherten Wettbewerb. Dahinter steht ja die Lizenzierung für die Bewerbe der UEFA. Die Spielerlaubnis im Europacup bekommt man nur, wenn man sehr hohe Anforderungen erfüllt. Viele haben in den letzten 30 Jahren den Eindruck gewonnen: Mit einer positiven Lizenzerteilung ist alles sicher.
Man hält sich als Fan gerne daran fest. Aber Fußballklubs sind Unternehmen wie andere auch und das Wirtschaftsleben ist komplex. Das Lizenzierungs- und Zulassungsverfahren bei uns im Fußball ist ja sogar noch eine Qualitätssicherungsmaßnahme. Aber wenn man sich die Insolvenzstatistiken in der Gesamtwirtschaft ansieht, dann schlägt das eben manchmal auch auf den Fußball durch.
90minuten: Dennoch gibt es nächste Saison genug Vereine für das seit 2018/19 bestehende Ligensystem. Ist das gerade angesichts der wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Signal an die Öffentlichkeit, dass das Ligensystem funktioniert?
Ebenbauer: Das ist erfreulich, aber wenn man sich die Einnahmenentwicklung ansieht, erkennt man die Auswirkungen der wirtschaftlichen Lage deutlich: wir müssen uns für die nächsten Saisonen wappnen. In der 2. Liga kommen nach der Kündigung des Kostenübernahmevertrags durch den ÖFB höhere Ausgaben auf die Klubs zu. Die Beiträge aus den TV-Erlösen sinken. Durch die schwache sportliche Performance in der Fünfjahreswertung gibt es weniger UEFA-Solidaritätsbeiträge. Der Aderlass beginnt also erst. Darum kann man bei den Gesprächen mit den Klubs auch immer nur betonen: Man kann nur ausgeben, was man hat.
90minuten: Reden wir so konkret wie möglich über Klubs: Einige bekamen Auflagen, drei Vereinen wurden Lizenz bzw. Zulassung verweigert. Einer davon ist der FAC, die Sachlage ist recht einfach.
Ebenbauer: Sinan Bytiqi hat nicht die für die höchste Spielklasse notwendige UEFA-Pro-Lizenz. Sprich: Der FAC muss, falls er die Lizenz in zweiter Instanz erhalten will, einen Wechsel am Cheftrainerposten durchführen. Das wäre rein vom Ablauf her keine allzu hohe Hürde.
90minuten: Es darf aber kein Strohmann sein.
Ebenbauer: Diese Sache wird genau beobachtet, solche Fälle gab es ja schon. Der Senat 5 schaut sich dabei alles genau an, wie etwa, wer beim Coaching an der Seitenlinie steht oder bei Pressekonferenzen und Interviews auftritt.
90minuten: Bei Schwarz-Weiß Bregenz ist die Sachlage anders, man suchte um die Lizenz an, weil man ein Bundesliga-taugliches Stadion hat, aber die Lizenz und der dazugehörende Bonus wurden just wegen der Infrastruktur verweigert.
Ebenbauer: Die Stadionzulassung für die höchste Spielklasse für die nächste Spielzeit liegt aktuell nicht vor. Der Klub hat uns aber signalisiert, dass dies eine lösbare Geschichte ist.
90minuten: Oberwart ist der Dritte mit im Bunde, den Burgenländern wurde die Zulassung verweigert, woran lag es?
Ebenbauer: Bei Oberwart handelt es sich um ein Kriterium rechtlicher Natur. Ob sie gegen die Entscheidung protestieren werden, muss man angesichts des Tabellenstandes abwarten (Anm.: Oberwart liegt als Tabellenneunter aktuell 15 Punkte hinter Rang zwei.).
90minuten: In dem Zusammenhang muss man noch einmal die Regionalligareform aufgreifen. Die, die sportlich überzeugen, tun sich mit einer Zulassung schwer, ab nächstem Jahr gibt es vier statt drei Regionalligen. Spricht die Liga mit dem ÖFB über diese nicht ideale Entwicklung?
Ebenbauer: Wir waren und sind in Austausch und nehmen die getroffene Entscheidung der jeweiligen Klubs zur Kenntnis. Wir werden unsere Anliegen weiterhin thematisieren und tun das auch in vielen Gesprächen. Das Nationalteam ist die Zuglokomotive, aber man muss die Fußballpyramide von oben bis ganz nach unten denken, denn in der Ausbildungsstrategie greifen viele Ebenen ineinander: der Nachwuchs bei kleinen Klubs, die LAZs, die Akademien und die höheren Spielklassen.
In der ADMIRAL 2. Liga gibt es für die Zulassung ja bereits jetzt niedrigere Zulassungsbestimmungen als bei der Lizenz. Das sind ja im Grunde jene, die für die dritte Leistungsstufe angedacht waren – in der aus unserer Sicht eine Qualitätssicherung auch sinnvoll wäre.
Eine einfache Lösung wird es nicht geben, es braucht Anstrengungen in alle Richtungen. Es braucht einerseits Einsparungen, andererseits müssen neue Erlöspotenziale geschaffen werden. Es ist wie ein Mosaik aus unterschiedlichen Bereichen.
90minuten: Mit Blick auf all diese Entwicklungen stellt sich auch die Frage nach der Zukunft: Ob sich all das - allen voran die wirtschaftliche Lage - in den nächsten Jahren bessern wird, ist fraglich. Haben Sie Angst vor der Zukunft?
Ebenbauer: Es wird überall gespart, auch wenn ich die einzelnen Sponsorenverträge der Klubs natürlich nicht kenne. Aber da gilt es gemeinsam, die Herausforderung annehmen und zu meistern, auch wenn der Gürtel enger geschnallt wird.
90minuten: Abschließend: Gibt es einen einfachen Ausweg aus dieser Situation?
Ebenbauer: Eine einfache Lösung wird es nicht geben, es braucht Anstrengungen in alle Richtungen. Es braucht einerseits Einsparungen, andererseits müssen neue Erlöspotenziale geschaffen werden. Es ist wie ein Mosaik aus unterschiedlichen Bereichen. Natürlich sind in den letzten 15 Jahren die Transfereinnahmen am stärksten angestiegen und in besserer Ausbildung und mehr Verkäufen liegt viel Potenzial. Aber auch die Medienerlöse sind ein Thema, sei es kurzfristig oder langfristig, auch in Richtung Eigenvermarktung gedacht.
In der Infrastruktur hat sich schon einiges getan. Gleichzeitig versuchen alle, mehr Zuschauer in die Stadien zu bringen – etwa durch mehr Spannung in der Liga und einen stärkeren Eventcharakter. Diese Überlegungen stellen wir alle an. Entscheidend wird aber sein, in der UEFA-Fünfjahreswertung wieder nach vorne zu kommen. Das würde vieles erleichtern.
90minuten: Wir danken für das Gespräch!
Georg Sohler