Der finanzielle Absturz zwischen der ADMIRAL Bundesliga und der 2. Liga ist kein kleiner. Wer einmal "oben" war, will dort nicht nur bleiben, sondern auch wieder hin. Das hat nachvollziehbare Gründe:
Wer einmal in der Bundesliga war, hat ein Stadion, das den aktuellen Anforderungen entspricht, eine Akademie, einen entsprechenden Staff und viele Personen im Backoffice. Dieser Apparat will aufrechterhalten werden. Es geht um Arbeitsplätze, Wertschöpfung in der Region – also um nachhaltige Strukturen.
90minuten hat die Bundesliga-Absteiger der letzten 14 Jahre analysiert und untersucht, wie es ihnen vor und nach der Ligareform ergangen ist. Die Gründe für den Abstieg sind dabei zwar unterschiedlich, aber ein Trend ist erkennbar: Seit der Ligareform tun sich die Absteiger in der Regel leichter als zuvor.
Bundesliga, Qualifikationsgruppe: Samstag, ab 17:00 Uhr im LIVE-Ticker >>>
Auf einen Blick:
Saison | Klub | aktuelle Liga |
|---|---|---|
2011/12 | Kapfenberger SV | 2.Liga |
2012/13 | SV Mattersburg | Landesliga |
2013/14 | Wacker Innsbruck | Regionalliga |
2014/15 | Wiener Neustadt | Landesliga |
2015/16 | SV Grödig | Landesliga |
2016/17 | SV Ried | Bundesliga |
2017/18 | SKN St. Pölten* | 2.Liga |
2018/19 | Wacker Innsbruck | Regionalliga |
2019/20 | WSG Tirol* | Bundesliga |
2020/21 | SKN St. Pölten | 2.Liga |
2021/22 | Admira Wacker | 2.Liga |
2022/23 | SV Ried | Bundesliga |
2023/24 | Austria Lustenau | 2.Liga |
2024/25 | Austria Klagenfurt | 2.Liga |
* = Sportlich Letzter, aber in der Liga geblieben
Kapfenberger SV: Der ewige Zweitligist
2008 stieg die Kapfenberger SV recht überraschend auf. Nach vier Spielzeiten ging es am Ende der Saison 2011/12 wieder eine Etage tiefer. Dort verblieben die Falken seitdem. Auch wenn man 2019/20 Stockletzter war: In der Liga verblieb man nur wegen des Abbruchs der Regionalligen aufgrund von Corona.
Eine zeitnahe Bundesliga-Rückkehr ist eher unwahrscheinlich, dafür ist das Budget zu klein und die Infrastruktur – insbesondere der Falkenhorst – zu sehr in die Jahre gekommen. Einen Rekord halten die Steirer auf jeden Fall: Kein anderer Verein hat seit der ersten Austragung einer eingleisigen zweiten Leistungsstufe 1950/51 mehr Zweitligapartien absolviert.
SV Mattersburg: Neu, am Weg zurück
Im Jahr darauf, 2012/13, erwischte es in einem Herzschlagfinish die Sportvereinigung Mattersburg. Damals konnte noch niemand ahnen, was acht Jahre später passieren sollte. Die Story ist gut dokumentiert: Martin Puchers Betrug flog auf, der Klub verschwand in seiner ursprünglichen Form und tritt heute als MSV 2020 auf.
2012/13 war der Verein punktegleich mit der Admira und nur je einen Zähler hinter Wacker und Wiener Neustadt. Nach zehn Jahren bodenständigen Burgenland-Kicks stand die Zweitklassigkeit an. Die Grün-Weißen stiegen 2015 wieder in die Bundesliga auf, ehe der Verein 2020 zerfiel. Heute kickt der neugegründete MSV 2020 in der Landesliga und wird nächstes Jahr Regionalliga spielen.
Wacker Innsbruck: Wieder einmal am Weg zurück
Der FC Wacker Innsbruck hatte schon mehrere Finanzdebakel hinter sich, die andernorts gut dokumentiert sind. Am Ende der Spielzeit 2013/14 war man nach vier Jahren Bundesliga wieder in der 2. Liga gelandet. Einmal gelang der Aufstieg 2017/18 noch, doch diese eine Saison blieb ein kurzes Intermezzo.
2022 musste man mangels Geld im Unterhaus neu starten und steht aktuell mit Investorengeld aus Los Angeles kurz vor der Rückkehr in die Zweitklassigkeit. Sollte dieses Kapital nachhaltig fließen, könnte Wacker mittelfristig wieder den Anspruch entwickeln, der WSG Tirol den ersten Platz im Heiligen Land streitig zu machen.
Wiener Neustadt: Mit anderem Namen in der Landesliga
2008 transferierte Frank Stronach die Lizenz von Schwanenstadt nach Wiener Neustadt. Nicht mehr in der damaligen Form existent ist der SC Wiener Neustadt. 2008/09 stieg der Klub als Zweitligameister auf, nach sechs Jahren ging es 2014/15 wieder runter. Nach drei Jahren "Liga Zwa" scheiterte der Verein 2018 an der Relegation gegen den SKN. 2019 folgte im Mai der Lizenzentzug.
Nach drei Jahren Regionalliga spielt man als Fortuna Wiener Neustadt heute in der Landesliga. Der historische, 1908 gegründete 1. WN SC war schon 2010 aufgelöst worden. Nach dem Neustart in der Ostliga 2019 folgte 2022/23 der erneute Abstieg, woraufhin sich der Verein strukturell neu ausrichtete. Der heutige Klub sieht sich mehr oder weniger in einer Traditionslinie.
SV Grödig: Der VIP-Zelt-Transfer
Noch eine letztlich eher wilde Episode im heimischen Fußball. Der Salzburger Umlandklub hatte 2012/13 am 21. Spieltag noch zwölf Punkte Rückstand auf Austria Lustenau. Aufsteigen sollte dennoch der von Adi Hütter betreute SV Grödig. Im ersten Jahr der Bundesliga-Zugehörigkeit führte Hütter Grödig sogar auf den dritten Rang.
2015/16 endete Grödigs Ära im österreichweiten Profifußball allerdings recht sang- und klanglos.
Mit dem Abstieg warf man auch den Hut auf den Profifußball und verzichtete auf ein Antreten in der 2. Liga. Am Ende bleibt die Verwicklung in den Wettskandal um Dominique Taboga und Sanel Kuljic sowie der vielleicht kurioseste Transfer: 2016 kaufte der LASK den Salzburgern das VIP-Zelt ab.
SV Ried: (K)Ein Fahrstuhl
2016/17 erwischte es mit der SV Ried die Mutter aller Dorfklubs, wiewohl Ried mit mehr als 12.000 Einwohnern die 59.-größte Stadt des Landes und damit größer als beispielsweise Enns, Lienz oder so mancher andere Bundesliga-Standort ist.
Die Rieder blieben drei Jahre in der zweiten Liga, stiegen nach weiteren drei 2022/23 wieder ab und wollen aktuell dafür sorgen, keine Fahrstuhlmannschaft zu werden.
Vom Umfeld her ist alles angerichtet und diese Saison deutet wenig darauf hin, dass es wieder hinunter geht. Die Architekten des Erfolgs sind an vorderster Front Trainer Maximilian Senft und Sportchef Wolfgang Fiala. Sie haben dem Verein eine Struktur gegeben, die auch ohne das Duo funktionieren sollte – es ist eher die Frage, wann sie gehen, nicht ob.
SKN St. Pölten: Zwischendurch im Multiklub-Universum
Der letzte sportliche Absteiger stieg gar nicht ab. 2017/18 war die letzte Zehnerliga-Saison, der SKN St. Pölten wurde Letzter, setzte sich aber in der Relegation gegen Wiener Neustadt durch. Die Niederösterreicher nutzten die zweite Chance nur bedingt und blieben lediglich drei Jahre in der Bundesliga. Seit 2021/22 spielt man zweitklassig. Der Abstieg zog auch finanzielle Probleme nach sich.
Der VfL Wolfsburg unterzeichnete 2021 im Mai einen lukrativen Kooperationsvertrag, in der Annahme, einen österreichischen Bundesligisten zu unterstützen. Der auf fünf Jahre anberaumte Vertrag wurde 2024 gelöst, nachdem ein weiteres Jahr in der 2. Liga nicht mehr mitgetragen werden sollte.
Der SKN kam im Netzwerk von FC32 unter, doch das Unternehmen stieg vor einem Jahr aus. Lokale Unternehmer retteten den Klub – finanziell deutlich schlanker, aber aktuell spielt man wieder um den Aufstieg mit.
WSG Tirol: Zweite Chance genutzt
Die WSG Tirol wäre um ein Haar zu einer Bundesliga-Randnotiz verkommen und hätte wie der SAK 1919, Simmering, SV St. Veit/Glan und Spittal/Drau nur eine Saison in der Bundesliga (seit 1974/75) verbracht. Aber der Fußballgott meinte es offenbar gut mit den Kickern aus dem Heiligen Land – schon abgestiegen, implodierte die SV Mattersburg.
Prompt kickten die Wattener im Jahr darauf in der Meistergruppe und halten sich seitdem in der Liga - mal mit mehr, mal mit weniger Bauchweh. Der Verein hat die Chance aber dennoch genutzt: Aktuell wird evaluiert, wann das Gernot-Langes-Stadion adaptiert wird, damit der Klub nicht mehr im Tivoli antreten muss.
Die Struktur des Vereins mit einer eher positionsspielbezogenen Taktik und Spielern, die einen zweiten oder dritten Anlauf im Profifußball starten wollen, wirkt stabil.
Admira Wacker: Eigentlich zwei Punkte mehr
In der an Kuriositäten nicht gerade armen heimischen Fußballgeschichte nimmt Admira Wacker einen besonderen Platz ein. Nach dem Grunddurchgang 2021/22 hatten die Südstädter 20 Punkte und lagen als Elfter deutlich vor dem SCR Altach mit 13 Zählern. Letztere holten in der Qualifikationsgruppe 16 Punkte, die Admira elf – nach der Punktehalbierung hatten die Vorarlberger aber sechs Punkte, die Admira derer zehn.
Das bedeutet: Die Regeln haben die Panther letztlich in die Zweitklassigkeit gestoßen, nicht das sportliche Abschneiden unter Andi Herzog. Nun könnte man sportlich wieder aufsteigen, doch aktuell hakt es plötzlich auf finanzieller Ebene. Den gegenwärtigen Betrieb mit Akademie und einem weiteren Jahr "Aufstiegskader" wird der Verein ohne zusätzliches Geld nicht überleben.
Austria Lustenau: Mit neuem Stadion nach oben
In der ewigen Tabelle der rot-weiß-roten Zweitklassigkeit ist Austria Lustenau hinter Kapfenberg und Leoben die Nummer drei und es ist gut möglich, dass die Vienna näher kommt.
Kurz: Die Ländle-Kicker können ihr im Sommer 2025 eröffnetes neues Heimstadion vielleicht bald in der höchsten Liga herzeigen. Die zwei Jahre in der höchsten Spielklasse zwischen 2022 und 2024 waren völlig gegensätzlich:
Im ersten Jahr schnupperte man gar an der Meistergruppe, im zweiten Jahr holte man in den 22 Runden des Grunddurchgangs nur zwei Siege und vier Remis. Die seit 2019/20 bestehende Kooperation mit Core Sports Capital mit den Partnerklubs Clermont und Biel-Bienne entpuppt sich als zweischneidiges Schwert: Mal funktioniert es mit Leihspielern, mal nicht. Derzeit sind zwei Clermont-Spieler im Kader – und es läuft.
SK Austria Klagenfurt: Wie konnte das passieren?
Sie hatten doch alles: Nach dem Aufstieg 2021 landete Austria Klagenfurt drei Mal in Folge in der Meistergruppe, der Verein lukrierte Transfererlöse, lotste immer wieder interessante Kicker in die Bundesliga, ist in einer Landeshauptstadt beheimatet, hat ein modernes Stadion und einen Lokalrivalen.
Umso unverständlicher wirkt es, dass man diese Voraussetzungen und Erfolge so schlecht nutzen konnte, dass am Ende der laufenden Saison der Abstieg aus der ADMIRAL 2. Liga droht, nachdem man 2025 sportlich aus der Bundesliga abgestiegen war und nun ein Insolvenzverfahren eröffnet ist. Wieso sich niemand gefunden hat, diesen Verein zu erhalten, ist ebenso unklar.
Erkenntnis: Mit der Zwölferliga fällt man sanfter
Ein eindeutiges Bild, dass die Zwölferliga jetzt viel besser ist als die Zehnerliga, ergibt sich nicht. Sehr wohl lässt sich aber eine Tendenz erkennen: Die sportlichen Absteiger der letzten Jahre haben sich – mit Ausnahme von Wacker Innsbruck – meist rasch wieder im oberen nationalen Bereich etabliert.
Das kann daran liegen, dass die Funktionäre besser geworden sind oder die infrastrukturellen Anforderungen so gesetzt wurden, dass Husarenritte wie Grödig kaum mehr möglich sind. Der Abstieg ist damit zwar weiterhin ein Einschnitt – aber seltener ein dauerhafter Absturz.
Georg Sohler