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Die 7 ... Veränderungen im ÖFB unter Ralf Rangnick (3)

Ohne lange Vorbereitungszeit stand Ralf Rangnick im Juni erstmals als ÖFB-Teamchef an der Seitenlinie. In wenigen Monaten hat sich im Nationalteam viel getan.

Punkt 2: Umbruch im Kader

Vor allem der Name Dragović sorgte bei der ersten Kaderbekanntgabe des neuen Teamchefs für Aufregung. Der 31-jährige Innenverteidiger hat immerhin 100 Länderspiele auf dem Buckel, war damit auf dem besten Weg Andreas Herzog als Rekordspieler abzulösen. Es kam anders, Aleksandar Dragović findet sich derzeit nur mehr auf den Abruflisten wieder - obwohl er Stammspieler beim Europa League Klub Roter Stern Belgrad ist. Die Konkurrenz drängt im Nationalteam auf keiner Position so sehr nach, wie in der Innenverteidigung. 

Mit Stefan Ilsanker war für einen weiteren Routinier kein Platz mehr im Nationalteam. Der Lieblings-Joker von Franco Foda kickt inzwischen bei Genua in der italienischen Serie B - auch dort kommt der 33-Jährige nur zu Kurzeinsätzen. Für Österreich war er 61-Mal im Einsatz und stand bei zwei Europameisterschaften im Kader. Ähnlich wie bei Ilsanker findet sich auch der Name von Alessandro Schöpf derzeit weder im Kader, noch unter der Kategorie "Auf Abruf". Der 28-jährige Mittelfeldspieler entschied sich im August für einen Wechsel in die MLS, seitdem kickt er für die kanadischen Vancouver Whitecaps. 

Zwei Spieler, die sich berechtigte Hoffnungen auf eine Rückkehr ins Nationalteam machen dürfen, sind Daniel Bachmann und Florian Kainz. Beide passen zwar nicht unbedingt in das geplante System, bringen aber in der englischen Championship beim FC Watford bzw. beim 1. FC Köln in der Deutschen Bundesliga gute Leistungen. Kainz' Teamkollege Dejan Ljubicic äußerte zuletzt bereits Unverständnis über die vorläufige Nichtberücksichtigung des 29-Jährigen, gut möglich, dass Rangnick ihn in den nächsten Monaten doch einmal einlädt. Derzeit wollte sich der Teamchef noch auf keine fixe Nummer 1 festlegen, mit Alexander Schlager ist diesmal ein neuer Keeper dabei. Somit sollte auch die Tür für Bachmann offen bleiben, erzählt weiterhin zu Österreichs besten Torhütern. Martin Hinteregger hat bekanntlich im Sommer seine Karriere beendet.

Punkt 1: Die Taktik

Über die Wahrnehmung von Spielsystemen- und Ideen spalten sich vor allem in den Medien regelmäßig die Geister. Der Grundtenor, dass unter Foda alles schlecht und unter Rangnick bisher alles gut war, urteilt eher an der Realität vorbei, verdeutlicht aber, dass sich österreichische Fans derzeit vor allem mit einem abholen lassen: einem Plan. Das Trainerteam um Ralf Rangnick - Lars Kornetka, Onur Cinel und Peter Perchtold - hatte für alle vier Spiele im Juni einen – zum Personal passenden – Plan beziehungsweise Pläne. 

Wenig überraschend setzt das ÖFB-Team vermehrt auf hohes und einigermaßen geordnetes Pressing. Das Ziel ist es, den Ball so hoch wie möglich zu erobern und den Gegner mit entsprechenden Läufen in die Tiefe schnell vertikal zu attackieren. Der Spielstil kostet Kraft, die Konsequenz war ein schlechter Auftritt im letzten Spiel gegen Dänemark – für die beiden Spiele im September kündigte Rangnick an weniger rotieren zu wollen. Im zweiten Lehrgang sollten dadurch einige Abläufe besser funktionieren, der Teamchef sah vor allem im Spiel mit dem Ball noch Verbesserungspotenzial. Eine weitere neue Eigenschaft des Nationalteams ist die dazugewonnene taktische Flexibilität. Die Dreierkette im ersten Spiel gegen Kroatien funktionierte augenscheinlich nicht nach Wunsch, vor allem die schlechte Abstimmung auf den Flügeln sorgte immer wieder für Gefahr. Zur Pause folgte ein Dreifachwechsel, der neuen Schwung brachte – auch gegen Dänemark wurde ähnlich reagiert. 

Auch unter Franco Foda wurde phasenweise Pressing gespielt, ihm gelang es in seiner mehrjährigen Amtszeit jedoch nicht, dieses taktische Element koordiniert einzusetzen. Das Nationalteam war vor allem unflexibel, der weitgehend ideenlose Ballbesitzfußball passte nicht zu den Stärken der Spieler. Rangnick wird sich weiter beweisen müssen, ein Sieg gegen Kroatien und ein Remis gegen Frankreich waren aber immerhin erste Achtungserfolge.

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