WAC-Routinier Mike Novak und warum Erfahrung im Abstiegskampf zählt
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WAC-Routinier Mike Novak und warum Erfahrung im Abstiegskampf zählt

WAC-Routinier Mike Novak war zu Gast bei „Talk & Tore“ bei Sky Sport Austria. Er sprach über den Zustand des WAC und vor allem über Erfahrung im Abstiegskampf.

Wir haben talentierte Spieler, wir haben Spieler mit Herz, wir haben ein super Trainerteam. Wir haben es bis jetzt noch nicht so auf die Reihe gebracht.

Michael Novak

Ist es vorher mehr darum gegangen, die Tiefe zu attackieren, ist es jetzt eher so, dass wir den nächsten Mitspieler suchen und Ballbesitzfußball spielen wollen.

Novak über Dutt und Schmid

Michael Novak (Spieler RZ Pellets WAC):
…über den Abstiegskampf in Österreich: „In Österreich hängt für einen Verein extrem viel dran, wenn er absteigt. Wenn man es mit anderen Ligen vergleicht, sind vielleicht mehr Fans betroffen, aber in Österreich geht es um Mitarbeiter, die nächstes Jahr vielleicht nicht mehr ihren Job haben, wenn man nicht in der Bundesliga spielt. Für die Spieler selbst geht es um viel. Wenn man noch Vertrag hat, ist das Gehalt nicht mehr überdurchschnittlich, sondern ist plötzlich am Minimum. Da hängt für Verein, Fans und Spieler sehr viel dran. Das beschäftigt einen.“

…über das letzte Spiel gegen Austria Lustenau: „Natürlich ist uns allen ein Stein vom Herzen gefallen. Vor allem, weil das Spiel davor einfach nicht das war, wie wir es uns vorstellen und wir eine Reaktion zeigen wollten. Wir haben uns vorgenommen, auf Rückschläge, die kommen werden, positiv zu reagieren. Genau das hat das Spiel gebracht, es ist nicht so gestartet, wie wir es wollten. Wir waren unsicher, aber wir haben uns zurückgekämpft. In diesem Sinne ist der Sieg wahrscheinlich noch mehr wert als die Punkte und die Tore, die wir dort geschossen haben.“

…darüber, was dem Wolfsberger AC derzeit fehlt: „In unserem Fall reden wir von Selbstvertrauen. Körperlich sind wir da und Qualität haben wir. Bei uns ist es einfach das Selbstvertrauen, der Glaube an die eigenen Stärken. Da ist das Gold wert. Aber natürlich ist das mit diesem Sieg kein Lichtschalter, den man einschaltet, sondern es ist ein Prozess.“

…über die Lehren aus dem Spiel gegen die WSG Tirol: „Wir haben es aufgearbeitet. Da sieht man, dass wir unter der Woche eine gute Arbeit mit dem Trainerteam gemacht haben. Wir haben in Tirol nicht die mentale Antwort im Kopf gehabt, mit einem Rückstand umzugehen. Wir haben uns dann zusammengesetzt und gesagt, Rückstände sind ganz normal. Wir müssen einen Weg finden, wie wir wieder aufstehen. Das hat die Mannschaft über die Woche sich sehr zu Herzen genommen.“

…über den Druck für Spieler: „Natürlich ist es etwas, das man immer im Hinterkopf hat. In Österreich hat es doch einen großen Einfluss auf Karrieren und Verläufe von Vereinen. Auf der anderen Seite als Spieler habe ich das Gefühl, dass man es sich nicht immer aussuchen kann. Du kannst es entweder als Chance oder als Risiko sehen. Wenn du es als Chance sieht, kannst du jede Woche entscheiden und deine Chancen erhöhen, indem man gut trainiert, indem man sportlich lebt, indem ich versuche, für meine Mitspieler da zu sein. Wenn ich viele dieser Dinge mache, kann ich meine Chancen erhöhen. Dann werde ich am Wochenende eher einen Sieg einfahren, als wenn ich es als Risiko sehe.“

…über die Situation beim Wolfberger AC: „Wir haben talentierte Spieler, wir haben Spieler mit Herz, wir haben ein super Trainerteam. Wir haben es bis jetzt noch nicht so auf die Reihe gebracht, aber an jedem Tag, an dem wir weiterarbeiten, werden wir stärker. Für unsere jungen Spieler, die wir haben, ist es eine Riesenchance. Sie lernen den Fußball von einer Seite kennen, die sie bisher nicht so gehabt haben, aber die gehört auch dazu. Es ist hart, es gibt oft eine auf die Nase und es gibt auch vielleicht ab und zu etwas Angst, die dabei ist. Aber wenn du das in die richtigen Kanäle bringst, macht es dich stärker. Ich sehe bei uns alles gegeben, damit wir da sehr stark herausgehen.“

…über den Einsatz von jungen Spielern im Abstiegskampf: „Es kommt auf die Qualität der Spieler an. Es müssen jene spielen, die dir die besten Chancen geben zu gewinnen. Natürlich hat ein routinierter Spieler schon mehr erlebt und auf den ein oder anderen Rückschlag die bessere Antwort. Das muss nicht so sein, aber es ist eine Hilfe. Ich denke schon, dass eine solide Basis an routinierten Spielern in diesen Momenten helfen kann, dass man nicht so tief ins Loch rutscht und auch den jungen Spielern helfen kann, schneller wieder in die Spur zu finden.“

…über den Einfluss von Trainerwechseln: „Es ändert sich meistens die komplette Denkweise, weil die Verantwortlichen den Trainer wechseln, weil sie mit der Spielweise nicht zufrieden sind. Meistens kommt dann jemand, der für etwas anderes steht. Da kommt ein komplett anderes Gedankengut auf einen zu. Die Hierarchien werden wieder durchgewürfelt. Eine festgefahrene Situation wird aufgelockert.“

…über den Unterschied zwischen Robin Dutt und Manfred Schmid: „In der Philosophie, wie man ein Spiel angeht, ist es ein Riesenunterschied. Ist es vorher mehr darum gegangen, die Tiefe zu attackieren, ist es jetzt eher so, dass wir den nächsten Mitspieler suchen und Ballbesitzfußball spielen wollen. Das ist ein komplett anderer Gedanke und das braucht eben Zeit. Wir haben jetzt eine andere Richtung eingeschlagen. Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, hat uns als Mannschaft nicht mehr gefallen, sie hat dem Trainer nicht mehr gefallen und auch den Fans und dem Verein als Ganzem.“

…über seine Situation beim Wolfsberger AC: „Glücklich, aber unzufrieden. Ich bin sehr happy, dass ich bei der Mannschaft sein und spielen kann. Das ist mit meiner Krankheit nicht selbstverständlich. Ich habe jetzt richtig gutes Vertrauen zu meinem Körper und in mein Können. Die Ironie ist, jetzt darf ich nicht spielen. Das ist etwas schwierig für mich. Ich versuche aber meine Rolle so gut wie möglich auszufüllen.“

…über seine Erkrankung Morbus Crohn: „Ich habe erst durch die Krankheit gemerkt, dass ich einen Kampf gegen meinen Körper geführt und nicht mit meinem Körper zusammengearbeitet habe. Im weiteren Sinne ist es eine Bereicherung, weil ich einen Zugang zum Leben gefunden habe, der ein ganz anderer ist. Ich kann die Spiele viel mehr genießen. Die Krankheit hat mir viel mehr Türen geöffnet als sie geschlossen hat.“

…über seine Vertragssituation: „Ich fühle mich sehr wohl in Wolfsberg und möchte unbedingt weiter Fußball spielen. Ich hoffe, dass es sich verwirklichen lässt, ansonsten wird sich etwas anderes auftun.“

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