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Spirito Italiano [Euro 2020, Tag 27]

Team Roberto Mancini übersteht auch das erste Spiel, wo man wirklich ganz nahe dran war, am Scheitern. Egal ob im Finale Dänemark oder England drankommt, diese Italiener zu besiegen wird einen nahezu unmöglichen Kraftakt benötigen.

++ Pucher schaut EM – der tägliche 12 Meter zur Europameisterschaft ++

 

Dramatik pur gestern im ersten Halbfinale zwischen Italien und Spanien. Zuerst scheint es, Italien frisst Spanien mit Haut und Haaren. Im Laufe der ersten Halbzeit kriegt Team Luis Enrique das aber immer mehr in den Griff und dann sogar ein bisschen die Oberhand. Beide Mannschaften hätten in der ersten Hälfte durchaus schon treffen können. Das erste Tor fällt aber erst nach einer Stunde. Der Italiener für den speziellen Moment war, wie schon gegen Österreich, Federico Chiesa. Enrique bringt dann die überraschend zunächst nur auf der Bank sitzenden Alvaro Morata, Gerard Moreno und Rodri und Italien gerät unter Druck. Roberto Mancini macht dann etwas, was bisher nur in den letzten Minuten gegen Belgien zu sehen war.

Er kehrt zurück zum alten Spiel und will die Führung über die Zeit bringen. Nur sind noch 20 Minuten auf der Uhr. Es war wohl der erste Coaching-Fauxpas der Azzurri in diesem Turnier und der wird bestraft. Morata gleicht aus und es geht in die Verlängerung. Mancini rudert wieder zurück und bringt Manuel Locatelli und Andrea Belotti für die Offensive. Die Geschichte neutralisiert sich wieder. Logische Konsequenz: Verlängerung und Elfmeterschießen. Italien sollte dieses für sich entscheiden und irgendwie hat man das vorher gewusst. 

"Egal ob der Finalgegner Dänemark oder England heißen wird, diesen italienischen Spirit zu besiegen wird eine Herkulesaufgabe. " - Jürgen Pucher

Es beginnt schon mit dem Münzwurf vor den Penalties. Giorgio Chiellini führt Schmäh, neckt Jordi Alba an der Grenze des für den Spanier erträglichen, dem nicht einmal ein gequältes Lächeln über die Lippen kommen will. Dann verschießt sogar Locatelli den ersten für Italien, aber trotzdem. Der Spirit, der seit Spiel eins spürbar war, trägt Italien auch durch dieses Spiel, das wahrlich an der Kippe war. Er verzeiht das blödsinnige Rückzugsgefecht nach der Führung. Die eingeschworene Mannschaft übersteht den Coaching-Fehler und triumphiert erneut. Es hätte schiefgehen können. Ist es aber nicht. Am Ende hatte noch jeder Sieger eines großen Turniers diesen einen Moment, wo auch alles anders laufen hätte können.

Wie sehr hier ein Team am Werk ist, zeigt sich auch noch unmittelbar bei den ersten Jubelszenen: Ein Trikot vom schwer verletzten Leonardo Spinazzola ist sofort zur Hand und alle, inklusive Trainer, feiern ihn mit „Spina“-Sprechchören. Egal ob der Finalgegner Dänemark oder England heißen wird, diesen italienischen Spirit zu besiegen wird eine Herkulesaufgabe. 

 

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