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Franco, der Falsche

Seit mehr als drei Jahren coacht Franco Foda jetzt die österreichische Nationalmannschaft und das ist sehr mühsam anzusehen. Er und sein Fußball sind nicht das, was dieses Team braucht. Spätestens nach dem vermurksten Auftakt zur WM-Qualifikation, müsste der Verband die Konsequenzen ziehen. Tut er aber nicht.

+ + 90minuten.at Exklusiv - ein 12 Meter von Jürgen Pucher + +

 

Österreich hat am Mittwoch die höchste Heimniederlage in einem Qualifikationsspiel kassiert. Vier Tore in wenigen Minuten sind eine Bankrotterklärung, wenn man den Anspruch verfolgt diese Gruppe erfolgreich zu beenden. Was sich gegen Schottland und Färöer abgezeichnet hat, wurde gegen den ersten wirklich starken Gegner sofort schlagend. Nach gegenseitiger Neutralisierung und Abtasten in der ersten Halbzeit, war Team Franco Foda der Meinung, das passt so und wir machen weiter, Team Kasper Hjulmand drehte an ein paar Schrauben und zeigte dem ÖFB-Team in weniger als 20 Minuten brutal seine Grenzen auf. Grenzen, die es nicht haben müsste.

“Nicht die angeblich zu defensive Spielweise lässt Österreich nicht in die Topriege aufsteigen, sondern fehlende Qualität”, kommentiert die 'Kleine Zeitung' am Tag danach. Die Spieler wären nicht gut genug, bei mittelklassigen Klubs engagiert und wenn ein paar Leute ausfielen, wäre das nicht zu kompensieren, schreibt Michael Lorber. Das ist eine Behauptung, die einer faktenbasierten Analyse nicht standhält. 

 

(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)

Foda funkt nicht

Ein österreichischer Teamchef hatte noch nie so viel Auswahl aus so vielen Kickern auf hohem Niveau. Noch nie waren derart viele Akteure in großen ausländischen Ligen im Einsatz und auch die (wenigen) Leute aus der heimischen Bundesliga waren vor einigen Jahren noch nicht auf dem Level von heute. Man nehme nur die Qualifikation für die Euro 2016 unter Marcel Koller. Ein kurzer Blick auf die  Kader von damals und heute zeigt sehr schnell den Unterschied. Damals holte der oberste Trainer der Nation zumindest bis zur Endrunde so ziemlich das Maximum aus seiner Mannschaft heraus. Heute steht ein Mann an der Linie, der im Grunde das Gegenteil macht. Nichtsdestotrotz hat sich Präsident Leo Windtner schon festgelegt, mit Foda in die Euro zu gehen. Sollte er aber nicht. Im Prinzip kann in einigen wenigen Punkten zusammengefasst werden, warum Franco Foda und das österreichische Nationalteam nicht funktionieren und warum man deshalb eher heute als morgen von Seiten des Verbandes die Konsequenzen ziehen müsste. 

 

1. Franco Foda war ein Klubtrainer, der durch extrem diszipliniertes tägliches Arbeiten mit der Mannschaft ein gewisses Niveau erreichen konnte. Automatismen waren sein Credo. Das hat funktioniert, und limitierte Kicker konnten so mit Akkordarbeit zum einen oder anderen Erfolg geführt werden. Das ist aller Ehren wert...

2. ...aber um Spitzenspieler, die längst weit über diesem Level spielen weiterzuentwickeln, ist das zu wenig. Das Problem ist, Franco Foda kann aber nur Punkt 1. Spieler wie Schlager, Baumgartner, Sabitzer oder Alaba in der Nationalmannschaft so zu positionieren, dass sie ihre Leistungen aus den Klubs auch hier bringen, überfordert Fodas Fußballhorizont. 

3. Man müsste dazu nämlich als Teamchef versuchen, die Qualität zu unterstützen und die Leute nicht wider ihrer Fähigkeiten und dessen, was sie tagtäglich in ihren Klubs trainieren, einsetzen. Jeder Spieler, der in eine Auswahl einberufen wird, braucht ein gewisses Maß an Flexibilität, keine Frage. Aber wenn man die komplette Spielanlage an allem, was die meisten wirklich gut können, vorbei ausrichtet, ist die Angelegenheit zum Scheitern verurteilt.

"Die ach so erfolgreiche Bilanz der bisherigen Ära Foda, baut im Grunde auf Siegen gegen maximal durchschnittliche Gegner und die Qualifikation für eine Europameisterschaft, an der so viele Teams wie nie zuvor teilnehmen dürfen. Gegen einige wenige Kaliber hat es ohnehin schnell anders ausgesehen, wie auch diese Woche gegen Dänemark. " - Jürgen Pucher über Franco Foda

4. Es gibt zudem einen Unterschied, ob man als Klubtrainer oder als Auswahltrainer arbeitet. Ein Teamchef müsste seine Besten fördern und sein System danach bauen. Oder zumindest einen ebenso flexiblen Zugang an den Tag legen, wie man es von den Spielern verlangt. Im Klub kann man nach und nach den Kader holen, den man braucht. Und bei mittlerer Qualität funktioniert der defensive Anzug ohnehin meistens am besten. Zumindest wenn man den kurzfristigen Erfolg sucht und braucht. 

5. Am Ende wird dann immer Realitätsverweigerung betrieben. Die ach so erfolgreiche Bilanz der bisherigen Ära Foda, baut im Grunde auf Siegen gegen maximal durchschnittliche Gegner und die Qualifikation für eine Europameisterschaft, an der so viele Teams wie nie zuvor teilnehmen dürfen. Gegen einige wenige Kaliber hat es ohnehin schnell anders ausgesehen, wie auch diese Woche gegen Dänemark. 

 

Der ÖFB müsste jetzt handeln

Das aufgezählt, lässt sich schnell die Brücke zurück zum ÖFB schlagen. Man wusste, wen man sich holt. Es war keine Überraschung, wenn man Fodas bisherige Arbeit verfolgt hat, welche Fußball-DNA wesentlich in ihm wohnt. Um den Stamm des Kaders und seine Fähigkeiten Bescheid wissend, ist die Entscheidung vom Herbst 2017 schlichtweg nicht zu verstehen. Will man sich zumindest ein noch böseres Erwachen bei der Europameisterschaft ersparen, wäre es jetzt an der Zeit sich nach etwas Neuem umzuschauen. Franco Foda und Nationalteam wird nicht funktionieren. Windtner und der Verband liegen falsch, wenn sie am Deutschen Festhalten. Um einem neuen Mann vor der Euro noch ausreichend Zeit zu geben, wäre es für den ÖFB genau jetzt an der Zeit, sich selbst, Foda und die Fans von diesem mühsamen Zustand zu erlösen. 

 

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