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Das reale WSG- und das verhinderte TSV-Wunder [Momentum am Montag]

Die hochdramatische Schlussphase der 22. Bundesligarunde beschwert der WSG Tirol die Teilnahme an der Meistergruppe. Wenig kam jemals unerwarteter, aber auch der TSV Hartberg wäre ein verdienter Teilnehmer gewesen.

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Der Moment, als Kofi Schulz in der Nachspielzeit in Hartberg das 3:3 gegen den TSV Hartberg erzielte, ist unser Momentum am Montag.

Was war das für ein hochdramatisches Fernduell um die Meistergruppe. Rund 15 Minuten vor Abpfiff führte der TSV Hartberg mit 3:2 gegen den SKN St. Pölten, Rapid lag am Tivoli gegen die WSG Tirol in Front. Die Ereignisse überschlugen sich: Tobias Anselm glich in Minute 84 aus, die Nachspielzeit brach an, Hartberg war noch immer in Front, die Wattener in der Qualifikationsgruppe. Dann der Elfer für Rapid, Kara vergibt, Abpfiff, 1:1. In Hartberg wurde noch gespielt, die Tiroler draußen. Am Feld noch werden die Smartphones rumgereicht, Thomas Silberberger vergrub das Gesicht in den Händen. Dann die Erlösung: Kofi Schulz glich aus. Die Wattener hatten in der Landeshauptstadt vor Corona nicht viele Fans, doch selbst die hätten den Tivoli in ein Tollhaus verwandelt.

 

Rückblende

Ende der Saison 2019/20 war die WSG Tirol sportlich abgestiegen, wie schon Wacker Innsbruck im Jahr zuvor als Aufsteiger direkt runter. Lange Jahre waren Bundesligaaufsteiger in Saison eins oft im Europacup zu finden. Die Ungewissheit über die Fortführung des durch Puchers Machenschaften implodierenden SV Mattersburg waren lähmend. Im 90minutenFM-Journal erinnert sich Thomas Silberberger: „Wir mussten den Trainingsauftakt drei Mal verschieben. Mit dem Abstieg hatten wir fünf gültige Verträge.“ Doch die WSG steckte den Kopf nicht in den Sand. Nach einem mauen Saisonstart mit nur einem Sieg aus den ersten sechs Spielen griffen Silberbergers Ideen. Zwischen den 7. und der 15. Runde holten die Tiroler sechs Siege, ein Remis, verloren nur zwei Mal. Nach einem sieglosen Februar folgte nun die Last-Minute-Qualifikation zur Meistergruppe. Etwas, was 90minuten.at übrigens auf Basis eines Formchecks bereits am 29. Jänner propheziehen hat – und ehrlicher hier nicht erwähnt werden würde, wenn es doch der TSV geschafft hätte.

 

Enttäuschung und Stolz in Hartberg

Apropos: Es war neben dem kleinen Wattens das kleine Hartberg, das es, der Bundespräsident würde „arschknapp“ sagen, um wenige Augenblicke wieder in die Meistergruppe geschafft hätte. „Wir sind zurückgekommen aus einer ganz schwierigen Situation. Elfmeter verschossen und paar Chancen vergeben“, sagte Markus Schopp nach dem dramatischen 3:3. Das lässt sich aber auf die gesamte Saison umlegen. Den ersten Sieg fuhren die Steirer in Runde 6 ein, richtig durchgestartet ist man in der zweiten Hälfte des Grunddurchgangs. Am Ende hat es knapp nicht gereicht. „Am Ende des Tages hat uns eine Minute getrennt von der Meistergruppe. Das ist natürlich emotional enttäuschend“, resümmierte Präsidentin Annerl.

 

Kontinuität schlägt Kapital

Beide Klubs krebsen mit deutlich unter fünf Millionen Euro Jahresbudget am Ende der Budgettabelle herum, befinden sich aber im Tabellenmittelfeld. Beide hätten sich die Meistergruppe verdient gehabt. Hinter ihnen stehen viele Klubs, die zum Teil deutlich mehr wirtschaftliche Möglichkeiten haben. Auf mehreren Ebenen gibt es bei den Klubs Kontinuität, Silberberger ist seit 2013 im Amt. In Hartberg ist Erich Korherr quasi Stadioninventar. Bei der Austria weiß man noch nicht, wie es weiter geht, man zahlt seit einiger Zeit den Preis für kaum Kontinuität. Altach griff aud den Ex-Coach zurück, die Admira ebenfalls, zudem holte man erfahrene Kicker. Ried überlegt, den Kurzzeittrainer zu chassen, auch beim SKN gibt es Fragen bezüglich der Personalie Robert Ibertsberger.

Aber egal, ob es im Fotofinish nun statt der WSG der TSV in die Meistergruppe geschafft hätte: Weil die Klubs gut aufgestellt sind, wäre auch das gar kein so großes Wunder.

 

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