FAC-Lizenz: Es wird die zweite Instanz brauchen
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FAC-Lizenz: Es wird die zweite Instanz brauchen

Die Floridsdorfer halten abermals mit deutlich finanzkräftigeren Teams an der Tabellenspitze mit, der Betrieb im Hintergrund hätte sich den Bundesliga-Aufstieg verdient. Der Lizenzerhalt könnte letztlich von einer Personalentscheidung abhängen.

Vor vier Jahren wäre es fast schon einmal so weit gewesen: Mit fünf Punkten Rückstand ging der Floridsdorfer AC in der Saison 2021/22 als Zweiter der ADMIRAL 2. Liga über die Ziellinie. Wie damals heftet man sich auch heute als erster Verfolger an die Fersen von Tabellenführer Austria Lustenau, hat es aber erneut nicht selbst in der Hand. 

Mit dem Aufstieg beschäftigt man sich im Wiener Norden trotzdem mit vollem Ernst. Beim Gespräch im Stadion bemüht sich das Geschäftsführer-Duo, bestehend aus Stefan Krainz (31/Wirtschaft) und Lukas Fischer (35/Sport), um die richtige Einordnung: "Wir wissen schon, dass viel zusammenpassen muss, damit wir ganz vorne mitspielen können. Wenn es so kommt, soll dann aber kein Deckel darauf liegen - weder für uns, noch für die Mannschaft."

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Wir wären in der höchsten Spielklasse der absolute Underdog.

Stefan Krainz

Vier Mal in Folge wurde dem FAC die Bundesliga-Lizenz in erster Instanz zuerkannt, trotz begrenzter Mittel: Die Floridsdorfer arbeiten mit einem der kleinsten Budgets der 2. Liga und einem Bruchteil der Personalkosten vieler Konkurrenten.

“Wir haben vor sechs oder sieben Jahren damit angefangen, die Lizenz anzusuchen. Ursprünglich haben wir das als Leitfaden zur Weiterentwicklung gesehen, um die Vorgaben Schritt für Schritt zu erreichen. Über die letzten vier Jahre haben wir sie bekommen und kennen uns gut aus. Ich erwarte keine großen Hindernisse", so die Prognose von Stefan Krainz.

Sollte man am Ende der Saison oben stehen, wäre man gerüstet: "Wir wären in der höchsten Spielklasse der absolute Underdog. Auch wenn oft nur die Themen Stadion oder Zuschauerzahlen wahrgenommen werden, sind wir im Hintergrund aber sehr professionell aufgestellt. Es wäre herausfordernd, wir könnten den Betrieb in der Bundesliga aber definitiv schupfen", versichert Krainz.

Personalrochade wäre unumgänglich

Dass es sportlich so gut läuft, wie es das derzeit tut, war im vergangenen Sommer nicht zwingend absehbar. Trainer Mitja Mörec wurde nach rund vier überwiegend erfolgreichen Jahren von Blau-Weiß Linz abgeworben.

Sein Nachfolger kam mit einem spannenden Lebenslauf, aber ohne Erfahrung: Sinan Bytyqi war als Spieler einst eine große Nachwuchshoffnung, musste seine Karriere aber früh beenden. Der FAC ist die erste Profi-Cheftrainer-Station des 31-Jährigen, der rasante Aufstieg könnte ihm jetzt kurzfristig zum Verhängnis werden.

FAC-Cheftrainer Sinan Bytyqi
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FAC-Cheftrainer Sinan Bytyqi

Wer an der Bundesliga-Seitenlinie stehen will, braucht eine UEFA Pro-Lizenz oder zumindest einen Nachweis über die aktive Teilnahme an einem entsprechenden Lehrgang. Beides fehlt Bytyqi aktuell. Sollte sich daran nicht in letzter Minute etwas ändern, bliebe dem FAC nur der Weg über die zweite Instanz mit einem neuen Cheftrainer - andere Vereine haben in den letzten Jahren Beispiele geliefert. 

Unvorbereitet getroffen ist der Verein von dieser Situation nicht: "Das war mit Sinan bei seiner Bestellung so abgestimmt. Wir werden die Entwicklungen in den nächsten Wochen genau beobachten", erklärt Stefan Krainz.

Wir kennen den ein oder anderen Trainer mit Pro-Lizenz, daran soll es nicht scheitern.

Lukas Fischer

Sportchef Fischer hat den Markt im Blick: "Wir kennen den ein oder anderen Trainer mit Pro-Lizenz, daran soll es nicht scheitern."

Bytyqi selbst durchläuft derzeit den Anmeldeprozess bei mehreren Pro-Lizenz-Kursen im Ausland, wartet aber noch auf eine finale Bestätigung. Die Bundesliga-Kriterien erfüllen würde er aber ohnehin erst mit dem tatsächlichen Start der Ausbildung.

Stadion-Pläne bleiben in der Schublade

Ein deutlich leidigeres Thema in Floridsdorf ist seit Jahren die Infrastruktur. Der FAC-Platz, eine rustikale Anlage, ist in die Jahre gekommen. Von Bundesliga-Tauglichkeit kann keine Rede sein. Im Lizenzantrag hat der Verein deshalb die Generali Arena der Wiener Austria als Ausweichstadion angegeben. Es wäre eine auf unbestimmte Zeit ausgelegte Übergangslösung. 

Der FAC-Platz ist derzeit nicht Lizenzkonform
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Der FAC-Platz ist derzeit nicht Lizenzkonform

Hinsichtlich eines Neubaus in der eigentlichen Heimat liegt der Ball seit dem vergangenen Frühjahr bei der Stadt Wien. Die Planungen sind bereits abgeschlossen: Ein neuer FAC-Platz wäre als modernes Zweitligastadion mit rund 3.000 Plätzen konzipiert.

Nur die Innenräume sollen bereits Bundesliga-konform gestaltet sein, um im Bedarfsfall mit dem Bau einer zusätzlichen Längsseiten-Tribüne zügig alle Anforderungen erfüllen zu können. Größere Pläne, wie die einst angedachte Integration des Stadions in ein Wohnbau-Projekt, wurden schon vor Jahren verworfen. 

Es hätte nur noch der letzte Stempel gefehlt. Aufgrund der angespannten Budgetsituation gibt es aktuell aber keine Freigabe.

Stefan Krainz

"Ursprünglich war für das Frühjahr 2025 eine finale Entscheidung anberaumt, es hätte nur noch der letzte Stempel gefehlt. Aufgrund der angespannten Budgetsituation gibt es aktuell aber keine Freigabe. Wir befinden uns gerade in der Warteschleife", sagt Geschäftsführer Krainz. Nachsatz: "Dass wir uns das Stadion nach zwölf Jahren als Zweitligist verdient haben, wird kaum jemand bestreiten."

Bei Heimspielen zählt der FAC im Schnitt 650 Fans - die Generali-Arena wird man kaum füllen können. Daraus ergibt sich eine erhebliche finanzielle Belastung, von der die WSG Tirol ein Lied singen kann.

Stefan Krainz erläutert nüchtern: "Dann müssen wir bei anderen Themen einsparen. Wir werden auch in der Bundesliga den Teufel tun, uns zu übernehmen. Sollten wir nach einem Jahr wieder absteigen, ist es so. So wie in den letzten zwölf Jahren auch, werden wir kein Risiko eingehen und jeden Cent umdrehen."

Gesunde Finanzen

Mit dem Aufstieg in die Bundesliga würde der Verein aus wirtschaftlicher Sicht in völlig unbekannte Fahrwasser steuern. Die Lizenz erhielt man in den letzten Jahren auch, weil mit Bedacht gehaushaltet wird. So halten sich zwar die Einnahmen in Grenzen, gleichzeitig aber auch die Ausgaben.

Wenn man in der 2. Liga wirklich wachsen will, geht es nur über neue Infrastruktur.

Stefan Krainz

Nennenswerte Altlasten gibt es nicht, in der vergangenen Saison wurde ein Rekordumsatz von 2,4 Millionen Euro erzielt. Das Potenzial ist allerdings gedeckelt: "Wenn man in der 2. Liga wirklich wachsen will, geht es nur über neue Infrastruktur. Uns entgeht natürlich viel Erlöspotenzial: Unsere VIP-Hospitality ist überschaubar, die Vermarktung des Stadionnamens ist mit unserer aktuellen Anlage schwierig, die Ticketing-Erlöse würden sich erst in einem neuen Stadion verbessern", so Krainz. 

Auch die Arbeit im sportlichen Bereich hat in den letzten Jahren Früchte getragen: Oluwaseun Adewumi (FC Burnley) und Evan Eghosa Aisowieren (SV Ried) wurden für sechsstellige Ablösesummen verkauft.

Evan Eghosa Aisowieren läuft seit dem Winter-Transferfenster für die SV Ried auf
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Evan Eghosa Aisowieren läuft seit dem Winter-Transferfenster für die SV Ried auf

Viel bleibt von diesem Geld nicht übrig, erklärt Stefan Krainz: "Ich bin ehrlich: Es ist nicht so, dass das Geld jetzt auf dem Konto liegt und wir gar nicht wissen, was wir damit tun sollen. Der harte Fakt ist, dass man diese Einnahmen in der 2. Liga einfach braucht, um den Spielbetrieb auf Jahre zu sichern. Große Investitionen wird es - wie davor auch - nicht wirklich geben können. Wir gehen mit jedem Euro überlegt um."

Trotzdem sollen junge Talente auch in Zukunft mit längerfristigen Verträgen ausgestattet werden, um Transfererlöse zu erzielen. Auch für den kommenden Sommer macht man sich in dieser Hinsicht Hoffnungen.

Klarer Fokus auf Nachwuchs

Sportchef Lukas Fischer hätte bei der Kaderplanung für die kommende Zweitliga-Saison keinen großen Stress, das Grundgerüst steht schon unter Vertrag. "Auch eine Liga höher würden wir uns als FAC nicht neu erfinden, sondern unseren Grundprinzipien treu bleiben", meint er. Den einen oder anderen Spieler mit Erfahrung müsste man wohl dazuholen, viele Bundesliga-Minuten auf dem Buckel hat nur Mittelfeldspieler Marcus Maier. 

Man darf nicht vergessen, dass bei unserer U13 und U14 auch die Akademien der großen Wiener Vereine zuschauen.

Lukas Fischer

In Zukunft sollen noch mehr Spieler aus dem eigenen Nachwuchs bei den Profis Fuß fassen, seit 2023 betreibt der Verein ein eigenes Nachwuchszentrum. Die Rekrutierung fällt angesichts der Konkurrenz im Einzugsgebiet nicht leicht:

"Man darf nicht vergessen, dass bei unserer U13 und U14 auch die Akademien der großen Wiener Vereine zuschauen. Wenn ein Spieler auffällt, ist er schnell weg. Wir bemühen uns, gute Argumente zu präsentieren und investieren dementsprechend viel. Die Möglichkeit, über den FAC-Weg Profi zu werden, besteht absolut."

Nach einem Aufstieg in der Vorsaison spielen die Amateure inzwischen in der viertklassigen Stadtliga, dort spielt eine verstärkte U18. "Wir müssen beim Aussortieren strikt sein, wenn wir merken, dass es sich nicht ausgeht, weil aus dem NLZ Spieler nachkommen. Alleine im Winter haben wir fünf U18-Spieler zu den Amateuren geschoben", schildert Fischer. Wer sich aufdrängt, soll möglichst schnell mit der Kampfmannschaft trainieren: Im Schnitt arbeiten fünf Amateure unter der Leitung von Sinan Bytyqi.

Der Sprung in den Profifußball bleibt trotzdem groß, das betont auch Lukas Fischer. Ein weiterer Aufstieg der Amateure wäre angesichts der finanziellen Belastung aber nur nach einem Bundesliga-Aufstieg denkbar.

Kein festes Nein zu Investoren

Die Rahmenbedingungen in Wien-Floridsdorf sind anspruchsvoll. Potenziell einfacher machen könnte man sich das Leben mit einem Geldgeber. Darauf angesprochen verweisen Krainz und Fischer rasch auf die vielen Negativbeispiele der letzten Jahre.

Natürlich sprechen wir im Hintergrund über alles.

Krainz über Anfragen von Investoren

Kategorisch schließen möchte man diese Tür aber trotzdem nicht: "Natürlich sprechen wir im Hintergrund über alles. Wir haben einen sehr bodenständigen Zugang zu diesem Thema, unser Vorstand geht damit sehr bedächtig um. Kurzfristiger Erfolg im Profifußball darf nie über dem Verein stehen. Wir haben über 300 Kinder im Nachwuchs, die hier spielen", sagt Stefan Krainz und ergänzt: "Viele haben gar nicht auf dem Schirm, dass es in Österreich die 50+1-Regel gibt. Einige Gespräche enden daher schon bei diesem Thema, bei anderen geht es eher um die Platzierung von Trainern oder Spielern."

Auch über Kooperationen mit anderen Vereinen wurde oberflächlich verhandelt, unter anderem mit einem deutschen Verein.

Lukas Fischer meint: "Im Verlauf dieser Gespräche kommt mehr und mehr heraus, was sich der Investor von einem Geschäft erwartet. Wenn es dann darum geht, wer Entscheidungen trifft - egal auf welcher Ebene - muss man sich fragen: Will man das aus der Hand geben?"

Die Antwort lautete - zumindest bis dato -  Nein. Eine abschließende Bemerkung vom Wirtschafts-Geschäftsführer: "Ich traue mich zu sagen, dass wir - wenn wir uns die 2. Liga irgendwann nicht mehr leisten können - lieber in die Regionalliga zurückgehen, als einen externen Befehlsgeber in den Verein zu holen."

Der FAC-Joker

Das direkte Duell im Heimspiel gegen Austria Lustenau ging vor der Länderspielpause verloren. Bis zum Saisonende warten Partien gegen Amstetten, die Vienna den SKN St. Pölten, den FC Liefering und die Amateur-Teams der Wiener Austria. Ein mögliches Entscheidungsspiel gegen die Admira ist für die letzte Runde angesetzt.

Auf das Restprogramm angesprochen meint Lukas Fischer:  "Für den FAC ist jede Woche anspruchsvoll." Die Anmerkung, dass davon in dieser Saison nicht viel zu merken war, bringt ihn zum Schmunzeln.

Geschäftsführer-Kollege Krainz blickt zuversichtlich voraus: "Wir wissen, wer wir sind. Der FAC kann, aber muss nicht aufsteigen. Dass wir in dieser Hinsicht keinen Druck haben, könnte am Ende unser Joker sein."

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