Amstetten will nicht, Vienna wird nicht, Bregenz kann nicht
Der Titelkampf in der ADMIRAL 2. Liga ist mehr als nur eng. Mittendrin ist der SKU Amstetten, der nicht rauf will. Umgekehrt suchen mit der Vienna und Bregenz zwei Klubs um die Bundesliga-Lizenz an, die keine Chance auf den Titel haben.
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Die Lizenzierung der Bundesliga verfolgt das Ziel, dass die kommende Spielzeit mit den Klubs zu Ende gespielt wird, mit denen sie angefangen hat. Ohne dieses zeit- und geldintensive Verfahren gibt es keine Lizenz und somit keinen Aufstieg.
Die Kernbereiche sind Sport, Infrastruktur, Personelles und Administratives, Rechtliches, Finanzielles sowie Kriterien für soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Wer all dies erfüllt, bekommt auch ohne Aufstieg einen finanziellen Ausgleich – vorausgesetzt, der Klub verfügt über ein Bundesliga-taugliches Stadion.
Zu lukrieren sind je nach Anzahl der Lizenzansuchen bis zu 300.000 Euro. Klubs wie Kapfenberg, Amstetten, der FAC oder Bregenz erwirtschafteten gemäß Finanzkennzahlen 2024/25 keine drei Millionen Euro Umsatz.
Die Budgets sind heutzutage sehr angespannt. Die Aussicht auf rund ein Zehntel des Jahresumsatzes ist also nicht schlecht – sechsstellige Einzelsponsorings abzuschließen, gelingt Klubs in dieser Preisklasse wohl nicht so einfach. Wie sieht es nun bei Amstetten, der Vienna und Bregenz aus?
Amstetten will nicht aufsteigen
Der SKU Amstetten hat schon früh klargemacht, dass er nicht aufsteigen will. Die Niederösterreicher kicken in der Spitzengruppe mit. Rein von der Größe her ist Amstetten als 23.-größte Stadt des Landes kein Außenseiter – Wolfsberg ist 20., von Hartberg und Wattens ganz zu schweigen. "Wir sind inzwischen sportlich stabil und haben bewiesen, dass wir vorne mitspielen können. Die Entwicklung passt", meint dazu der sportliche Leiter Harald Vetter.
Zur Wahrheit gehört laut ihm aber auch, dass man einige Vorgaben der Bundesliga nicht erfüllt. Aktuell fehlen infrastrukturelle Basisanforderungen wie eine höhere Kapazität von 5.000 überdachten Plätzen, ein Großbildschirm, eine Rasenheizung sowie gewisse TV-Produktionsstandards wie fix installierte Torkameras. Darum weiß er: "Stadionthemen sind langfristig, aber wir arbeiten Schritt für Schritt daran."
Ein möglicher Aufstieg muss aus Amstettner Sicht strategisch sauber und finanziell verantwortungsvoll vorbereitet sein. Wirtschaftlich will man noch breiter werden, mit mehrjährigen Partnerschaften und einer stärkeren Bindung der Sponsoren. Gleichzeitig, so Vetter, bleiben "Nachwuchs, Region und ehrliches Arbeiten unsere Basis".
Die Bundesliga ist für den SKU "kein Druck – sondern ein Potenzial, das wir sauber entwickeln wollen. Ohne finanzielles Risiko. Schritt für Schritt, wie wir es immer gemacht haben. Wir machen keinen Aufstieg um jeden Preis. Wenn wir einmal hinaufgehen, dann nur strukturell sauber und nicht auf Pump."
Vienna: Eigentlich sollte es raufgehen
Ganz anders ist die Lage bei der Vienna – hier fehlt es weniger am Willen als an der sportlichen Realität. Den Döblingern fehlen aber in erster Linie einmal 14 Punkte auf die Spitze. Rechnerisch ist es möglich, das aufzuholen, aber die Wahrscheinlichkeit auf einen blau-gelben Aufstieg liegt eher im Promille-Bereich.
Geschäftsführer Thomas Loy weiß auch, warum: "Unser Frühjahr hatte bisher Höhen und Tiefen. Sehr positiv war, dass wir mit St. Pölten und Lustenau zwei Titelkandidaten verdient schlagen konnten. Auf der anderen Seite haben wir auch Punkte gegen Liefering und die Young Violets liegen lassen." Das zeigt, dass die notwendige Konstanz fehlt und der Kader insgesamt noch nicht die Qualität hat, um über eine ganze Saison ganz vorne mitzuspielen. Demzufolge geht es nun darum, sich auf die nächste Saison vorzubereiten.
Unabhängig davon ist die Hohe Warte zwar altehrwürdig, aber nicht Bundesliga-tauglich. Lizenz und Stadion sieht er als zwei voneinander unabhängige Dinge: "Die Vienna erfüllt die formalen Voraussetzungen für eine Bundesliga-Lizenz." Ein Aufstieg wäre im Zweifel auch mit einer Ausweichspielstätte möglich.
An einer langfristigen Lösung für die Hohe Warte arbeitet man, aber "solche Infrastrukturprojekte benötigen Zeit. Klar ist auch, dass eine Investition in dieser Größenordnung nicht allein vom Verein getragen werden kann." Ein möglicher Partner sei die Stadt selbst. Die hat aber in den letzten zehn Jahren mittlerweile drei Fußballtempel mitgebaut. Und dann wäre da noch der FAC, der sportlich besser dasteht und bei einem Aufstieg vielleicht bessere Karten auf die spendable öffentliche Hand hätte.
Bregenz: "Wir werden nicht reich"
Noch einmal anders gelagert ist die Situation bei Schwarz-Weiß Bregenz. Die Vorarlberger sind Letzter und zittern um den Ligaverbleib. Dass um die Lizenz angesucht wurde, sorgte für Stirnrunzeln – der Hintergrund ist vor allem ein finanzieller. Predrag Zivanovic, sportlicher Leiter der Ländle-Kicker, erklärt das Ansuchen so:
"Das Prozedere startet ja im Herbst. Zwar waren wir in den letzten zwei Saisonen am Ende Zehnter und Elfter, aber in den letzten Jahren nach ein paar Runden zuweilen auf Rang zwei."
Seit Ende 2023 ist das Stadion in der Landeshauptstadt wegen des Neubau-bedingten Umzugs der Austria aus Lustenau nun Bundesliga-tauglich. Gerade deshalb ist es ja möglich, um die Lizenz anzusuchen und das Geld zu bekommen.
Allerdings: "Erstens wissen wir noch nicht, wie hoch der Lizenzbonus ist, und zweitens verursachen die Provisorien im Stadion auch Kosten. Das heißt, dass der Lizenzbonus uns nicht reich macht, sondern dazu da ist, die im Vergleich zu einem für die Zulassung für die 2. Liga tauglichen Stadion höheren Kosten abzudecken." Dazu kommen noch die Kosten für die durch die Lizenzierung teureren Betreuer. Steigt man ab, ist das ohnehin alles hinfällig.
Lizenz schafft Resilienz
Die drei Beispiele zeigen: Der Weg in die Bundesliga ist längst kein rein sportlicher mehr. Es sind unterschiedliche Gründe, warum Spitzenteams nicht aufsteigen wollen und Nachzügler dennoch die Lizenz haben wollen. Eine genaue Auskunft, was für einen etwaigen Aufstieg notwendig ist, ist jedenfalls hilfreich.
Und genau hier zeigt sich die eigentliche Stärke – und Schwäche – des Systems: Die Lizenz für die Bundesliga – im Unterschied zur reinen Zulassung für die 2. Liga – verhindert zwar leider nicht jeden finanziellen Schiffbruch, macht die Hürden dafür aber umso höher. Und erschwert umgekehrt wirtschaftliches Harakiri.
Im Endeffekt bleibt eine einfache Erkenntnis: Die Lizenz stellt höhere Ansprüche als die Zulassung. Und mehr Professionalität hat dem Fußball noch nie geschadet. Insofern darf man den – von Marketingsprech gefärbten – Schlusssatz Vienna-Geschäftsführer Thomas Loy überlassen. Denn so ambitioniert die jeweiligen Ziele sind, gilt für ihn: "Entwicklung im Fußball ist ein Marathon und kein Sprint."
Georg Sohler