Gebaut oder nicht gebaut: So steht es um Österreichs Stadionprojekte
Foto © Gepa / Fotomontage 90minuten.at

Gebaut oder nicht gebaut: So steht es um Österreichs Stadionprojekte

Über die kommenden Jahre sollen Stadionprojekte mit einem Volumen von mehreren hundert Millionen Euro realisiert werden, wenn es nach Österreichs Fußballvereinen geht. Nicht überall funktioniert die Umsetzung ambitionierter Ideen.

+ + 90minuten.at PLUS - Von Daniel Sauer + +

 

Hartberg droht der Zwangsabstieg aus der Bundesliga, wenn die Profertil Arena nicht bald ersetzt wird. Sturm Graz muss für mögliche Champions League Spiele nach Klagenfurt ausweichen und obendrein das "eigene" Heimstadion mit dem frisch aufgestiegenen Stadtrivalen teilen. Die Wattener Sportgemeinschaft hat seit dem Aufstieg 2019 noch kein einiges Erstligaspiel in Wattens ausgetragen, verliert stattdessen in Innsbruck aktiv Geld. Geht es nach den Vereinen und vielen Fans ist es übel bestellt um die Stadionlandschaft Österreichs, die Umsetzung vieler Projekte stockt - einige andere schreiten voran. 90minuten.at hat sich bei mehreren Klubs umgehört:

Foto © GEPA

TSV Hartberg - Neubau

Beim TSV Hartberg drängt die Zeit: Die mobilen Tribünen der Profertil-Arena sind von der Bundesliga noch bis 2025 zugelassen - damit wird es bei der Lizenzvergabe bald kompliziert. Aber selbst ohne dieses Problem wäre die Heimstätte der Steirer optimierungsbedürftig: Durch den Neubau des Lustenauer Reichshofstadions hat Hartberg mittelfristig die niedrigste Kapazität der Liga, außerdem macht eine Laufbahn um das Spielfeld die Arena unangenehm weitläufig. Auf das "Go" für einen Neubau im Sommer hat man schon im März 2023 gehofft, dieses Jahr soll es aber wirklich etwas werden. Ende April hatte Obmann Erich Korherr einen vielversprechenden Termin bei Sport-Landesrat Karlheinz Kornhäusl, ein weiterer ist vereinbart und soll demnächst Klarheit bringen. Geplant ist eine Multifunktionsarena für 8.500 Personen, in der auch Nachwuchs- und Frauenländerspiele ausgetragen werden können. Die Kosten sollen mithilfe von Bund, Land und Gemeinde getragen werden, 35 bis 40 Millionen Euro stehen im Raum. Mit der möglichen Europacup-Qualifikation und dem zweitbesten Zuschauer:innenschnitt (3.266) seit dem Bundesligaaufstieg hat man aktuell immerhin gute Argumente in der Hand.

Foto © GEPA

Wolfsberger AC - Umbau

Ambitionierte Neubaupläne hätte man auch beim WAC gehabt, musste diese allerdings inzwischen wieder verwerfen. Mit der Lavanttal-Arena erfüllt der Bestand die Anforderungen der Bundesliga, 8.100 Plätze reichen aktuell auch mehr als aus - der Handlungsdruck hält sich also theoretisch in Grenzen. Vereinspräsident Dietmar Riegler reizt das Thema trotzdem, er sieht das eigene Stadion gegenüber der 'Kleinen Zeitung' als "nicht mehr zeitgemäß". Auch die Lavanttal-Arena ist in mehrere Richtungen offen, der Gästesektor liegt dank einer Laufbahn weit weg vom Platz. Rieglers Wunsch nach einem reinen Fußballstadion für die Wolfsberger - Kostenpunkt zwischen 30 und 40 Millionen Euro - wird wohl unerfüllt bleiben: Gegenüber 'Meinbezirk.at' erklärt er die Grundstückssuche für gescheitert, in den nächsten zwei bis vier Jahren soll ein Umbau in die Wege geleitet werden, für den Riegler rund 20 Millionen Euro veranschlagt. Die Laufbahn soll weg, ein Presseraum und neue Sanitäranlagen müssen her, die Kapazität soll mit 8.000 Plätzen tauglich für Europacup-Gruppenphasen sein. Diesen groben Plan bestätigt der Verein auf Nachfrage von 90minuten.at, auch wenn die Auslastung mit dem aktuellen Schnitt (3.548) ausbaufähig wäre. Das eigene Potenzial schätzt der WAC auf rund 5.000 Zuschauer:innen pro Spiel, ähnliche Zahlen wurden nach dem Aufstieg aufgelegt.

Foto © SCR Altach
Altacher Multifunktionsgebäude

SCR Altach - Vision für 2029

Beim SCR Altach ist man mit der Cashpoint Arena grundsätzlich zufrieden, das Stadion wurde über die letzten Jahre nach und nach modernisiert. Fertig ist man mit diesem Prozess noch nicht ganz, das Areal wird um ein 13 Millionen Euro teures Multifunktionsgebäude - für Geschäftsstelle, Business Club, Spieltagskabinen und Presseräumlichkeiten - ergänzt. Um weitere zwei Millionen entstehen zwei neue Trainingsplätze, deutlich weniger kostet die Überdachung des Festplatzes hinter der Osttribüne. Ab Sommer 2024 soll für rund eineinhalb Jahre gebaut werden. Die Kosten tragen die Vorarlberger großteils selbst, nur drei Millionen werden aus Töpfen von Land, Gemeinde und Bundesliga gefördert. Außerdem stellt die Gemeinde die Grundstücke zur Verfügung, die in ihrem Eigentum bleiben und dem Verein zur Verfügung gestellt werden. Der aufgenommene Kredit läuft auf 20 Jahre, bei einem Verbleib in der Bundesliga wären jährliche Sondertilgungen möglich. Ein Umbau der Cashpoint Arena ist aber trotzdem angedacht, allerdings erst zum 100-jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 2029: Um die UEFA-Tauglichkeit zu sichern, wird die Osttribüne geschlossen.

WSG Tirol - Umbau

Seit dem Bundesligaaufstieg im Jahr 2019 muss die WSG Tirol ihre Heimspiele im Innsbrucker Tivoli Stadion austragen, das eigene Gernot Langes Stadion in Wattens ist im aktuellen Zustand nicht zugelassen. Aufgegeben hat man trotz mehreren Rückschlägen nicht, wie Geschäftsführer Julian Heiss gegenüber 90minuten.at erklärt: LINK

Foto © GEPA

Floridsdorfer AC - Neubau

Beim FAC dürfte das Thema Stadionprojekt in den nächsten Monaten konkret werden, so viel war aus einem Gespräch von 90minuten.at mit Geschäftsführer Wirtschaft Stefan Krainz herauszuhören. Da das aktuell bespielte Grundstück der Stadt Wien gehört, ist der Verein in vielen Punkten Passagier - inzwischen findet aber ein produktiver Austausch statt, man trifft sich zu regelmäßigen Sitzungen und steuert auf die finale Planungsphase zu. Sollten sich in Detailphasen keine Hürden mehr auftun, ist eine offizielle Ankündigung im Sommer denkbar, das 120-jährige Vereinsjubiläum im August wäre wohl ein idealer Zeitpunkt. Angedacht ist ein modernes Zweitligastadion, das bei Bedarf schnell an die Anforderungen der Bundesliga angepasst werden kann. Als mögliches Budget wurden von Sport-Stadtrat Peter Hacker schon vor Jahren 15 Millionen Euro genannt.

Foto © GEPA

Admira - Keine Auskunft

Die erst im Dezember umbenannte Datenpol Arena in Mödling ist bekanntlich in die Jahre gekommen, der Zweitligist wird sich in den nächsten Jahren mit dem Thema Stadion beschäftigen müssen. Ein Bericht von 'Laola1.at' im Juni 2023 brachte bereits konkrete Pläne ins Spiel: Ein neu gebautes, einrangiges und geschlossenes Stadion für rund 8.000 Zuschauer:innen könnte es demnach werden, wobei wichtige Punkte wie Finanzierung und Zeitplan offen blieben. Von 90minuten.at auf Pläne zum Thema Stadion angesprochen, gab die Admira zu verstehen, dass man aktuell keinen Bedarf für öffentliche Kommunikation sehe.

Foto © GEPA

First Vienna FC 1894 - Umbau

Die Vienna strebt in den kommenden Jahren ein Bundesliga-Comeback an, damit steht dem altehrwürdigen Platz auf der Hohen Warte einige Umbauarbeiten bevor. Unmittelbar bevor steht zwar nichts, wie der Pressesprecher des Vereins auf Anfrage von 90minuten.at erklärt, die sportlichen Ambitionen könnten aber schon bald das Tempo vorgeben. Konkret geht es um Adaptierungen, wie eine Rasenheizung und ein Umbau des Gästesektors - auch die Vienna ist bei derartigen Maßnahmen von der Stadt Wien abhängig, der das Areal gehört. Interessant ist, dass die Bundesliga der Vienna vor wenigen Wochen eine Lizenz nur aus personellen, nicht aber infrastrukturellen Kriterien verweigert hat. Daraus lässt sich schließen, dass der Verein entweder ein Ausweichstadion genannt hat - was Präsident Kurt Svoboda laut einer Aussage gegenüber Peter Linden vermeiden wollte - oder glaubhaft versichern konnte, dass notwendige Arbeiten innerhalb weniger Wochen erledigt werden könnten.

Foto © Austria Lustenau

Austria Lustenau - Neubau in Arbeit

Im Ländle rollen die Bagger schon, die Austria ist Mitte November 2023 aus dem alten Reichshofstadion ausgezogen. Der Spatenstich für den Neubau wurde am 4. Dezember absolviert, seitdem hat sich auf dem Gelände viel getan: Erste Komponenten der neuen Tribünen stehen bereits, auch die charakteristischen Flutlichttürme wachsen. Spätestens im Sommer 2025 will der Verein das Stadion beziehen, mit 5.138 Plätzen ist es kleiner dimensioniert als die Ideen anderer Klubs und sollte bei Bundesligaspielen eine Auslastung weit über 50 Prozent erreichen können. Als Gesamtkosten wurden rund 20 Millionen Euro vorgesehen - rund acht Millionen kommen vom Land Vorarlberg, den Rest trägt die Gemeinde als Eigentümerin. Der Bundesligist soll einen Anteil an den Kosten mittels Pacht abgelten, wie Vorstand Bernd Bösch schon 2021 gegenüber 90minuten.at darlegte: "Es ist wichtig, dass die Investitionen durch die Gemeinde durchgeführt werden, damit es die Möglichkeit gibt, jeden Verein, der in dem Stadion spielen will oder muss, spielen zu lassen. Es soll ein Gemeindestadion bleiben". Sollte sich der FC Lustenau irgendwann in wieder in Richtung Profifußball bewegen, könnte auch er im Reichshofstadion unterkommen.

Foto © GEPA

Sturm Graz und GAK - Neu- und Umbau?

Durch den Bundesliga-Aufstieg des GAK ist das Thema Stadion in Graz aktueller denn je. Die aktuell geteilte Merkur Arena erfüllt die Anforderungen der UEFA in ihrem aktuellen Zustand nicht, Sturm droht jährlich ein gezwungenes Ausweichen in ein anderes Stadion. Das gemeinsame Spielen unter einem Dach ist außerdem weder Anrainer:innen, noch den Klubs samt ihren Fans recht. Grundsätzlich liegen mehrere Optionen auf dem Tisch: Sturm Graz hat angeboten, das Baurecht für die Merkur Arena um einen zweistelligen Millionenbetrag zu kaufen und etwaige Umbauarbeiten selbst durchzuführen. Damit wäre das Problem aber nur halb gelöst, ein Neubau für den GAK wäre in diesem Fall unausweichlich. Auch ein Verbleib beider Klubs in Liebenau mit einer Anpassung des bestehenden Stadions ist denkbar. Mehrere Stadiongipfel mit allen betroffenen Parteien brachten bisher kein Ergebnis, ein für April vereinbarter Termin wurde zuletzt auf Mitte Mai verschoben. Zumindest für die kommende Saison ist alles klar, die Fansektoren der beiden Vereine wurden neu aufgeteilt und werden in den kommenden Wochen baulich verankert. 

Foto © Wiener Sportclub

Wiener Sport-Club - Neubau

Während FAC und die Vienna noch auf Lösungen warten, hat der Wiener Sport-Club seine bereits gefunden. Bis 2026 entsteht in Wien-Hernals ein Stadion für 5.700 Zuschauer:innen, international - beispielsweise bei Frauen-Länderspielen - hätten immerhin noch 4.700 Platz. Auch andere Sportarten wie Rugby und American Football wurden bei der Planung mitberücksichtigt, Hauptnutzer bleibt der Fußball-Regionalligist. In wenigen Wochen soll die Umsetzung des Projekts beginnen - wie teuer es wird, ist nicht bekannt, mehr als sechs Millionen Euro werden es aber jedenfalls. Besonders auszeichnen soll das neue Sportclub-Stadion seine Energieversorgung: Wärmepumpen und eine Photovoltaikanlage bringen 100.000 kwh Leistung, damit ist man kaum auf Ergänzungen von außen angewiesen.

Gleich exklusiv weiterlesen:

 

90minuten.at-exklusiv