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Teamchefsuche: Warum der neue Trainer auch "zwei, drei Millionen Euro" kosten darf [Exklusiv]

Die Suche nach einem neuen Cheftrainer für das Herrennationalteam ist die Causa Prima des heimischen Fußballs. WFV-Präsident Robert Sedlacek gewährt gegenüber 90minuten.at Einblicke.

+ + 90minuten.at exklusiv von Georg Sander + +

 

Rangnick, Herzog, Stöger, Hasenhüttl, Glasner – das Blätterrauschen ist laut (>> Alles rund um die Teamchefsuche im Liveticker). Im Gespräch mit 90minuten.at gibt WFV-Präsident Robert Sedlacek einige Einblicke in die Materie und nimmt auch dazu Stellung, was seine Kollegen in den letzten Tagen zur Arbeit des Präsidiums gesagt haben. Vorneweg: Das ÖFB-Präsidium trifft sich am Freitag. Dabei handelt es sich laut Sedlacek um eine „informelle Sitzung. Wir sprechen über das, was passieren soll.“ Die Entscheidung, das bestätigt er auf mehrfache Nachfrage, soll in der Sitzung am 29. April fallen; nur wenn es Sinn ergibt, möchte man sich früher treffen. Später, so Sedlacek, mache es keinen Sinn – im Juni startet die Nations League. Am kommenden Freitag werde Peter Schöttel nur informieren, wie der Stand der Dinge sei. Vielleicht auch, wer es werden könnte und was der bieten muss.

 

Das ominöse Anforderungsprofil

"Man muss überlegen, ob man eine Spielweise eines Vereines als Voraussetzung nehmen soll. Ein Nationalteam ist kein Verein" - Robert Sedlacek, WFV-Präsident

NÖFV-Präsident und Milletich-Vize Johann Gartner hatte in 'NÖN' von einem Anforderungsprofil erzählt, das Schöttel bereits im Dezember präsentiert haben soll. „Im Profil geht es um die Dinge, die wöchentlich in den Medien diskutiert werden, also ob Österreicher oder Ausländer, wie lange er schon arbeitet“, meint Sedlacek und mutmaßt, dass sein niederösterreichischer Kollege als Vizepräsident vielleicht mehr weiß. Von einer fußballerischen Richtung, die in dem Profil niedergeschrieben sein soll, wisse er eben nichts. Das Thema Red Bull-Fußball gegen Ballbesitzkick war aber just von Schöttel und Präsident Gerhard Milletich aufgebracht worden. Dass dies wichtig sei, wäre ihm klar: „Man prangert ja an, dass, egal wer Teamchef wird, er eine Vorstellung haben muss. Diese muss aber zum Präsidenten und Sportdirektor passen.“ Sedlacek geht davon aus, dass ein bis drei Namen vorgestellt werden, er könne dazu nur seine Meinung abgeben: „Wenn vorgeschlagen wird, muss darüber diskutiert werden.“ Mehrstündige Hearings mit verschiedenen Kandidaten vor dem Präsidium würden „wahrscheinlich nicht stattfinden.“

 

Die Fußballfrage

Noch immer kein Input wofür der ÖFB aber fußballerisch stehen soll. Direkt auf die Dominanz von Red Bull Salzburg angesprochen und dass viele Klubs in Österreich ähnlich spielen, meint der WFV-Boss: „Man muss überlegen, ob man eine Spielweise eines Vereines als Voraussetzung nehmen soll. Ein Nationalteam ist kein Verein.“ Das wird kritische Stimmen am Präsidium nicht verstummen lassen. Aber er weiß natürlich, wie über das Gremium öffentlich geredet wird: „Ich fühle mich bei Landesfürsten auch angesprochen, aber ich hüte mich, bei Dingen, von denen ich nicht genug verstehe, mich einzumischen. Zu Schiedsrichtern kann ich etwas sagen, über beispielsweise die U15 müssen die zuständigen Stellen entscheiden.“ Denn: Die Präsidenten sind für Breiten- und Amateursport zuständig und die Mischform Regionalliga. Alles andere würden die entscheiden, die die Richtung vorgeben: Präsident, Sportdirektor und – letztlich – der neue Teamchef: „Ich kann meine Stimme abgeben und meine Meinung sagen.“

 

Abgegebene Kompetenzen

"Es muss ein Gegenstück geben, wenn einer um ein, zwei, drei Millionen kommt. Wenn wir so in ein EM-Viertelfinale kommen, dann wäre das weniger ein Problem, weil wir das Geld herein spielen." - Robert Sedlacek, WFV-Präsident

OÖFV-Präsident Gerhard Götschhofer sagte neulich, dass es vielleicht an der Zeit sei, die Kompetenzen im Präsidium anders zu verteilen. Strukturänderungen aber, meint Sedlacek, gingen nicht nach einer halben Stunde Diskussion, das müsse eine Arbeitsgemeinschaft machen, die mehrere Sitzungen dazu abhält: „Herr Götschhofer hat schon recht, wenn er sagt, dass man sich ansieht, was gut läuft und was man verbessern könnte. Wenn wir was verändern, dann soll es ja verbessert.“ So richtig abgeben will er seine Kompetenzen in der Teamcheffindung aber offenbar nicht. Auch mehrmaliges Nachhaken führt nur zu dem Verweis, dass es eben schon Zuständige gibt, denn „ch finde es besser, wenn einerfür den Vorschlag verantwortlich ist. Wenn Schöttel nun beauftragt ist, wird er nach bestem Wissen und Gewissen einen bis drei vorschlagen. Dazu braucht der Sportdirektor nicht noch einen zweiten und einen dritten Menschen.“ Man diskutiere ja auch in der Sitzung. Das sei über die Jahre ein gängiger Weg, den man beibehalten kann, aber „wenn der Kollege aus Oberösterreich eine andere, bessere Meinug hat, wird er uns es vorstellen.“

 

Gibt es eine Obergrenze?

Definitv zuständig ist das Präsidium, um die Finanzgebahren in Bahnen zu halten. Generalsekretär Thomas Hollerer und ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH-Geschäftsführer Bernhard Neuhold wären als Führungsduo erfahren, sie berichten regelmäßig, wie es läuft. Und derzeit gibt es einige Dinge, denn das Nationalteam will ein neues Zentrum, das „eine Menge Geld kostet“ und „man sieht, wie sich die Preise entwickeln“. Generell gilt: Die Präsidiumsaufgabe ist sicherzustellen, dass nicht fahrlässig gewirtschaftet wird. Nun gibt es am internationalen Trainermarkt aber ein Problem: Trainer sind teuer, verdienen in größeren Ligen Millionenbeträge, ein Vielfaches von dem, was Foda und der teurere Vorgänger Koller bekommen haben soll. Eine klare Antwort gibt es: „Es gibt für mich keine Obergrenze.“ Die Frage wäre letztlich die Finanzierung. Wenn es mit einem teureren Trainer eine Aussicht auf vollere Stadien, mehr Sponsoren und größeren sportlichen Erfolg gebe, müsse man sich das überlegen: „Es muss ein Gegenstück geben, wenn einer um ein, zwei, drei Millionen kommt. Wenn wir so in ein EM-Viertelfinale kommen, dann wäre das weniger ein Problem, weil wir das Geld herein spielen.“ Umgekehrt würde es keinen Sinn machen, jemanden um mehr als eine Million zu wollen, wenn man nur eine halbe hätte.

Übrig bleibt die Erkenntnis, dass der ÖFB offenbar kein detailliertes Spielkonzept am Tisch hat, zumindest Sedlacek nicht unbedingt Kompetenzen abgeben will und dass Schöttel durchaus auch mit teureren Trainern sprechen kann.

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