René Aufhauser: "Ziele sind gleich geblieben: Bundesliga oder Ausland" [Interview]
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René Aufhauser: "Ziele sind gleich geblieben: Bundesliga oder Ausland" [Interview]

Was macht eigentlich René Aufhauser? Seit seinem Abschied von Liefering und Red Bull Salzburg wurde es still um den ehemaligen Nationalspieler. 90minuten.at hat ihn zum Exklusiv-Interview gebeten.

Ich habe nicht erwartet, dass es so lange dauert - es hat sich einfach so ergeben.

Aufhauser über Trainer-Comeback

Meine Art Fußball spielen zu lassen ist schon sehr geprägt von der, die in Salzburg gespielt wird.

René Aufhauser

Die Ziele sind gleich geblieben: Bundesligatrainer zu werden, oder ein stimmiges Paket im Ausland zu finden.

Rene Aufhauser

Es hat mit keinem Verein so Kontakt gegeben, dass man von fortgeschrittenen Gesprächen sprechen könnte.

Rene Aufhauser

Ich hatte das Glück, immer im Fußball zu tun gehabt zu haben. Jetzt gibt es zum ersten Mal eine Phase, in der nichts Spruchreifes hereinkommt.

Rene Aufhauser

++ 90minuten.at PLUS- das Gespräch führte Daniel Sauer ++

 

Knapp ein Jahr nach seinem Abschied vom FC Liefering und dem Red Bull Fußball-Universum bleibt es weiterhin still um René Aufhauser. Trainerwechsel gab es in Österreich zur Genüge, der Name des 58-fachen Nationalspieles fiel in diesem Zusammenhang aber nur selten. Ungewöhnlich, vor allem weil Trainer der Salzburger Schule inzwischen international Begehrlichkeiten wecken. Mit Lehrjahren als Co-Trainer unter Thomas Letsch, Marco Rose, Óscar García und Jesse Marsch, sowie erfolgreicher Arbeit bei Liefering und dem Youth League Team von Red Bull Salzburg mangelt es Aufhauser nicht an Erfahrung. Die UEFA Pro Lizenz hat er auch. 90minuten.at hat deswegen bei René Aufhauser nachgefragt, wie die Vereinssuche läuft und was er derzeit macht:

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90minuten.at: Seit dem Abschied aus Liefering ist es ruhig um dich geworden. Das letzte Interview stammt aus dem vergangenen Sommer. Du hast damals gesagt, dass du dir eine Auszeit nehmen möchtest. Wie geht es dir momentan, was machst du derzeit?

René Aufhauser: Das stimmt, ich habe die Zeit genossen. Ich konnte abschalten, hatte an Wochenenden Zeit, um etwas mit der Familie zu unternehmen. Meine beiden Söhne machen Sport, auch dafür habe ich mehr Zeit gefunden - sie mehr beobachten zu können als in der Vergangenheit.

 

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90minuten.at: War der Plan, ein ganzes Jahr auszusetzen?

Aufhauser: Ich habe nicht erwartet, dass es so lange dauert – es hat sich einfach so ergeben. Man kann im Leben nicht alles planen. Ich lasse alles ganz locker auf mich zukommen. Mit der aktiven Karriere und dann gleich nahtlos übergehend mit der Trainerkarriere waren es doch 25 Jahre Fußball mit wenigen Auszeiten. Es ist schon eine willkommene Zeit, um Abstand zu gewinnen und andere Dinge zu machen.

 

90minuten.at: Das klingt schon so, als wärst du heute auch noch zufrieden mit deiner Entscheidung.

Aufhauser: Es hat sich die Situation im letzten Sommer einfach so ergeben. Ich hatte immer wieder das Ziel, Cheftrainer bei Red Bull Salzburg zu werden, dieses Fenster ist dann im letzten Jahr zugegangen. Dann habe ich die Entscheidung getroffen, den nächsten Step machen zu wollen. Für den ein oder anderen war das überraschend, aber ich glaube, dass man irgendwann Entscheidungen treffen muss.

90minuten.at: Mit einem Jahr Abstand – was nimmst du mit aus deiner Zeit in Salzburg?

Aufhauser: Meine Art Fußball spielen zu lassen ist schon sehr geprägt von der, die in Salzburg gespielt wird. Mit einer sehr aktiven Spielanlage, einer sehr dominanten Spielweise – gegen und mit dem Ball. Dementsprechend mit hoher Intensität. Ich habe über die letzten Jahre gesehen, dass man mit diesem Ansatz Spieler und Mannschaften weiterentwickeln kann. Intensität, schnelles Umschalten, dominante Spielweise – das sind Schlagwörter, mit denen ich mich absolut identifizieren kann.

 

90minuten.at: Einige ehemalige Schützlinge spielen inzwischen auch in der Bundesliga und europäisch mit, wie sehr verfolgst du ihre Entwicklung?

Aufhauser: Das freut mich natürlich persönlich sehr für die Jungs. Wir haben gesehen, dass viel Potenzial vorhanden ist und es einfach den nächsten Schritt gebraucht hat. Von den Genannten hat Dijon Kameri inzwischen am meisten Spielzeit bekommen. Die Jungs sollen geduldig bleiben und an ihre Stärke glauben. Ich bin davon überzeugt, dass einige von diesen Spielern im nächsten Jahr öfter auf dem Feld stehen und den nächsten Schritt machen werden.

90minuten.at: Wie soll es nach der Auszeit weitergehen? Gibt es einen konkreten Plan für die nähere Zukunft?

Aufhauser: Die Ziele sind gleich geblieben: Entweder Bundesligatrainer zu werden, oder ein stimmiges Paket bei einem ausländischen Verein zu finden. Es müssen viele Faktoren zusammenpassen. Das Familiäre muss mitspielen, die Art und Weise Fußball zu spielen ist wichtig, die Chemie muss stimmen. Ich lasse das wie in den letzten Monaten auch auf mich zukommen. Wenn es ein interessantes Angebot geben sollte, bin ich natürlich bereit, mir das mit Feuer und Flamme anzuhören. Wenn dem nicht so ist, habe ich die Geduld noch zu warten.

90minuten.at: In der Bundesliga gab es zuletzt mehrere Trainerwechsel. Bei der SV Ried, dem WAC, dem SCR Altach, der Wiener Austria. Gab es in den vergangenen Monaten Kontakt mit Vereinen?

Aufhauser: Es hat mit keinem Verein so Kontakt gegeben, dass man von fortgeschrittenen Gesprächen sprechen könnte. Es hat einige lose Anfragen gegeben, sowohl innerhalb Österreichs als auch im Ausland. Es war aber nie so konkret, dass man weitergekommen wäre.

 

90minuten.at: Als möglicher Vorbehalt gegenüber dem Trainer René Aufhauser liest man immer wieder, dass die Erfahrung als Cheftrainer eigentlich noch fehlt. Wie begegnet man solcher Kritik am besten?

Aufhauser: Indem man es auch als Cheftrainer zeigt. In meinen ersten zwei Jahren als Co-Trainer bei Salzburg war noch viel Lehrzeit dabei, die letzten drei Jahre unter Marco Rose und Jesse Marsch hatte man auch als Co-Trainer große Verantwortungsbereiche. Ich glaube, das in dem Jahr als Cheftrainer in Liefering umzusetzen, war der richtige Schritt. Man hat auch gesehen, dass wir international ins Youth League Finale gekommen sind. Das kann man schon als Nachweis von einer Qualität sehen, die den einen oder anderen Verein überzeugen könnte.

90minuten.at: Bist du grundsätzlich enttäuscht, dass das Interesse in den letzten Jahren vielleicht nicht so konkret war, wie erwartet?

Aufhauser: In der österreichischen Bundesliga und bei den infrage kommenden ausländischen Vereinen ist die Auswahl eher klein. Außerdem gibt es sehr viele gute Trainer. Ich glaube, dass man in diesem Bereich auch einmal Geduld zeigen muss. Ich hatte das Glück, immer im Fußball zu tun gehabt zu haben. Jetzt gibt es zum ersten Mal eine Phase, in der auf gut Deutsch nichts Spruchreifes hereinkommt. Ich kann mit der gewonnenen Zeit aber gut umgehen - den Fußball auch einmal aus der Ferne beobachten und die Batterien für die Zukunft aufladen. Das Wichtigste ist, nicht die Geduld zu verlieren oder Schnellschüsse zu machen.

 

90minuten.at: In deiner ersten Station als Cheftrainer hast du in Liefering erfolgreich gearbeitet. Inwiefern ist die Arbeit dort vergleichbar mit der, bei einem „normalen" Verein?

Aufhauser: Mit einem „normalen" Profiverein kann man das vielleicht nicht eins zu eins vergleichen. Den anderen zweiten Mannschaften in der 2. Liga geht es aber ähnlich. Man hat mit Spielern zu tun, die noch in die Schule gehen und ihren Abschluss machen. Eine Trainingswoche unterscheidet sich schon - man darf sicherlich nicht vergessen, wie groß die Belastung für die Jungs ist. Einige spielen dann auch noch bei den unterschiedlichen Nationalmannschaften. Da muss man im Verein das ein oder andere Mal aufpassen und sehr individuell auf die Spieler eingehen.

 

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