Partnerschaft am Ende? Jetzt spricht Insignia [Exklusiv-Interview]
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Partnerschaft am Ende? Jetzt spricht Insignia [Exklusiv-Interview]

Luka Sur von Insignia und Aleksandar Bursac, Geschäftsführer FK Austria Wien International Marketing GmbH, brechen erstmals im Interview mit 90minuten.at/sportsbusiness.at ihr Schweigen und sprechen über angeblich ausgebliebenen Zahlungen, unterschiedliche Ziele in der Partnerschaft und eine mögliche, gemeinsame Zukunft.

In unseren Gesprächen ging es immer darum, den Klub als Ganzes zu entwickeln. Wie schon erwähnt geht es darum, neue Sponsoren zu bringen. Genauso ist es aber auch das vereinbarte Ziel, den Klub sportlich zu entwickeln, indem wir durch unser Netzwerk – Inter Mailand, Roma, Chelsea, West Ham, etc. - neue Spieler bringen. Die Austria war sich dessen auch immer bewusst …

Luka Sur

Es ist nicht fair, wenn ich dann in der Zeitung lesen musste, dass ich eigenständig ohne Zustimmung der Austria einen Vertrag gemacht hätte. Das stimmt einfach nicht, denn der gesamte Vertrag ist durch die Hände der Austria und der sportlichen Führung gelaufen. Es kam nie das Feedback, dass diese Spieler für die Austria nicht passen würden. In diesem Moment hatten wir erstmal das Gefühl, dass die Weiterentwicklung der sportlichen Qualität nicht die oberste Priorität bei der Klubführung ist.

Aleksandar Bursac

Im März präsentierte die Wiener Austria mit Insignia den lang ersehnten Partner, mit dem die Wiener die finanziellen Probleme hinter sich lassen wollten. Heute, gut sieben Monate später, scheint die Lage prekärer denn je: Lizenzunterlagen wurden nicht pünktlich abgegeben, die Suche nach einem Investor läuft erneut auf Hochtouren. Und was ist eigentlich mit Insignia? Zuletzt häuften sich die Medienberichte, wonach Zahlungen ausgeblieben sein sollen, Austria-Vorstand Gerhard Krisch stellte die Partnerschaft öffentlichkeitswirksam in Interviews in Frage. Sogar von einer letzten Frist war zuletzt zu lesen, die man Insignia nun gebe.

Luka Sur von Insignia und Aleksander Bursac, der Geschäftsführer der neu gegründeten FK Austria Wien International Marketing GmbH, haben sich in den vergangenen Monaten zu all den Gerüchten und Medienberichten kaum bzw. gar nicht zu Wort gemeldet. Bis jetzt: Im Interview mit 90minuten.at/sportsbusiness.at brechen Sie nun erstmals ihr Schweigen, sprechen über die gemeinsam mit der Austria vereinbarten Ziele, warum Medienberichte über fehlende Zahlungen nicht stimmen, was an den Gerüchten über eine geforderte Ablöse von Gerhard Krisch stimmt und wie die Partnerschaft in Zukunft fortgesetzt werden kann. Eines ist nicht zu überhören: Insignia erhöht in diesem Interview den Druck auf die Austria und spielt den Violetten den Ball zu, sich zu der gemeinsamen Partnerschaft zu bekennen.

 

++ Das Gespräch führte Michael Fiala ++

Hinweis: Das Interview ist auf zwei Teile aufgeteilt. Auf sportsbusiness.at lesen Sie Teil 2 des Interviews.

Teil 2 des Interviews ist auf sportsbusiness.at zu lesen: >> Zum zweiten Teil

Anfang März wurde Insignia als neuer Partner präsentiert. Formal sieht man das an der neuen FK Austria Wien International Marketing GmbH, an der Insignia mit 70 Prozent beteiligt ist und Aleksandar Bursac als Geschäftsführer eingesetzt hat. Die Austria hat von Anfang an Insignia als strategischen Partner in Sachen Vermarktung gesehen und kommuniziert, jedoch nicht als Partner für die sportliche Entwicklung. Passt dies mit den Vorstellungen von Insignia zusammen?

Aleksandar Bursac: Unser erstes Ziel ist es, die Austria zu internationalisieren und auf ein neues Level zu heben. Wenn uns dies gelingt, dann können wir auch alle anderen Themen angehen. Unsere Aufgabe ist es nicht nur, Sponsoren zu bringen, sondern auch mit unserem Netzwerk und unserer Erfahrung den Klub als gesamtes weiterzuentwickeln – und dazu gehört auch der Sport. Das gesamte Konzept geht nur auf, wenn der Klub auch sportlich erfolgreich ist. Wenn sich der sportliche Erfolg einstellt, dann werden auch die anderen Themen wie Vermarktung klappen.

Luka Sur: Wir wollen die Austria als internationale Marke etablieren, das wird uns vordergründig nicht als Vermarkter gelingen, sondern nur dann, wenn wir dem Klub gute Spieler bringen und sportlich weiterentwickeln. Das alles geht nur Hand in Hand.

 

Warum hat die Austria dann aber immer stets die strategische Bedeutung der Vermarktung angesprochen. Es scheint, dass es hier massive Differenzen zwischen der Sicht von Insignia und jener von der Austria gibt?

Bursac: Es gab damals in unseren Gesprächen und den gemeinsamen Zielen, die wir verfolgen, keine Differenzen. Auf diesen Gesprächen und Vereinbarungen haben wir unsere Zusammenarbeit aufgebaut. Es war stets unser gemeinsames Ziel, die Austria in unserem internationalen Netzwerk zu positionieren. Das geht aber wie schon erwähnt nur, wenn der Klub auch sportlich performt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass der Klub andere Ziele hatte als wir.

Sur: Die ganze Zeit im Frühjahr haben wir mit der Austria gemeinsam vereinbart, internationale Unternehmen der Austria näher zu bringen. Wir haben aber auch vereinbart, dass wir über unser Scouting junge Spieler nach Wien lotsen. Einerseits Spieler für die Akademie, aber auch Spieler, die sofort für die Kampfmannschaft einsatzbereit sind und die Austria weiterbringen.

Wurden diese Ziele – sportlich wie wirtschaftlich - auch schriftlich vereinbart?

Bursac: Die Verträge zwischen der Austria AG und der FK Austria Wien International Marketing GmbH sehen vor, Sponsoren und Investoren für den Klub zu finden. Aber die GmbH hat ebenso gemeinsam mit der Austria, den Auftrag den Klub als Ganzes zu entwickeln. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass wir hier unterschiedliche Ziele hatten.

Sur: In unseren Gesprächen ging es immer darum, den Klub als Ganzes zu entwickeln. Wie schon erwähnt geht es darum, neue Sponsoren zu bringen. Genauso ist es aber auch das vereinbarte Ziel, den Klub sportlich zu entwickeln, indem wir durch unser Netzwerk – Inter Mailand, Roma, Chelsea, West Ham, etc. - neue Spieler bringen. Die Austria war sich dessen auch immer bewusst …

Bursac: … ich möchte hier ein Beispiel geben: Im April und Mai hatten wir Gespräche mit der Austria über einen Spieler bei AS Roma. Wir hatten bereits einen fertige Vertrag mit diesem Spieler, dem auch das Scouting und die Trainer der Austria zugestimmt haben. Es ging um eine Leihe für zwei Jahre mit einer Kaufoption. Dann kam Mourinho und er entschied, dass dieser Spieler doch nicht gehen darf , da er nun in der Stammelf steht und fast immer spielt. Das war natürlich Pech für die Austria, aber das Beispiel zeigt: Ob die Austria einen Spieler holt oder nicht, ist nicht die Entscheidung von Insignia, sondern eine Entscheidung des Klubs. Ich will damit sagen, dass es in diesen Monaten sehr wohl einen gemeinsamer Prozess sowie eine gemeinsame Enzscheidungsfindung in Sachen Spielern gegeben hat.

 

Im Kurier war dann am Ende der Transferperiode zu lesen, dass Insignia am letzten Tag plötzlich mit Spielern gekommen sei mit der Info, man könne sofort Verträge unterzeichnen. Das klingt nach einseitigen Entscheidungen …

Bursac: Vorweg: Wir haben in den vergangenen sechs Monaten nie mit Schmutz um uns geworfen, weil wir hier einen professionellen Zugang haben. Es gab eine Vereinbarung, dass beide Seiten nicht mit den Medien sprechen, erst recht nicht zu Vertragsinhalten. Wir haben uns auch immer daran gehalten, bis heute. Natürlich haben wir aber mitbekommen, dass von Seiten der Austria sehr oft über uns gesprochen wurde – und das hat uns natürlich nicht gefallen und uns auch öffentlich geschadet. Wie oft mussten wir lesen, dass Luka oder ich uns nicht an die Vereinbarungen gehalten haben sollen. Das war nicht fair und auch nicht korrekt.

Sur: Diese Darstellung mit dem Transferfenster am letzten Tag ist so nicht richtig und auch verkürzt. Wir haben in den Wochen davor immer wieder Spieler angeboten: Junge Spieler für die Akademie oder Spieler für die Kampfmannschaft. Da waren Spieler dabei, die auch in der Premier League oder Champions League gespielt haben. Die Reaktion der Austria war immer extrem langsam bzw. desinteressiert. Und natürlich spitzt sich das Transferfenster dann gegen Ende hin zu, das ist aber überall so. Es gibt immer wieder Transfers, die erst am letzten Tag des Transferfensters eingefädelt werden. Wir haben einfach gegen Ende des Transferfenster das Tempo noch einmal erhöht, um gute Spieler zum Beispiel von Inter Mailand, Olympique Marseille, OSC Lille oder Valencia nach Wien zu bringen. Alle diese Spieler hätten die Kampfmannschaft der Austria wesentlich verstärkt.

Bursac: Was auch wichtig ist, zu erwähnen: Diese Spieler waren seit Juli auf dem Tablett. Es war also keine Überraschung, dass diese Namen irgendwann konkret werden. Es haben im Klub alle relevanten Personen davon gewusst, auch Sportdirektor Manuel Ortlechner. Das war also keine Überraschung. Überraschend war, dass wir zwei dieser Spieler am letzten Tag auch nach Wien gebracht hatten und die Bereitschaft zum Wechsel gegeben war. Es ist nicht fair, wenn ich dann in der Zeitung lesen musste, dass ich eigenständig ohne Zustimmung der Austria einen Vertrag gemacht hätte. Das stimmt einfach nicht, denn der gesamte Vertrag ist durch die Hände der Austria und der sportlichen Führung gelaufen. Es kam nie das Feedback, dass diese Spieler für die Austria nicht passen würden. In diesem Moment hatten wir erstmal das Gefühl, dass die Weiterentwicklung der sportlichen Qualität nicht die oberste Priorität bei der Klubführung ist.

Dh., braucht es mehr Kommunikation von Seiten der Austria in Richtung Insignia?

Bursac: Die Spieler, die wir vorgeschlagen haben und auch bereit gewesen wären auf Leihbasis mit Kaufoption zu kommen, hätten die Austria signifikant weitergebracht. Wir haben auch nie gehört, dass diese Spieler für die Austria nicht gut genug gewesen sein sollen.

 

Man hat in diesem Zusammenhang auch davon gelesen, dass sich die Austria diese Spieler nicht hätte leisten können?

Bursac: Das ist ein sehr merkwürdiges Argument. Es gab die klare Absprache, dass wenn wir als Partner einen Spieler vorschlagen von dem beide Seite überzeigt sind, dann ist dafür auch das Geld von unserer Seite verfügbar. Wir haben mit der Austria nie darüber gesprochen, wie groß das Minus in der Bilanz ist, wir wollten etwas für die Zukunft aufbauen. Also noch einmal: Wenn wir einen Spieler vorgeschlagen haben, dann auch immer im Zusammenhang damit, dass das Geld dafür auch verfügbar ist.

 

Lassen wir uns zum finanziellen Thema kommen: Bereits im Mai war zu lesen, dass Insignia seiner Zahlungsverpflichtung von drei Millionen Euro nicht nachgekommen sei. Später im Sommer war dann von einer weiteren Rate von vier Millionen Euro zu lesen, die nicht gezahlt worden sein soll. Ist Insignia seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen?

Bursac: Um es klar zu sagen: Es gibt keine Vereinbarung, die vorsieht, dass Insignia ...

 

>> Hier weiterlesen: Teil 2 des Interviews gibt es auf sportsbusiness.at

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