Elias Havel: "Hatte noch keinen Kontakt mit Didi Kühbauer"
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Elias Havel: "Hatte noch keinen Kontakt mit Didi Kühbauer"

Der Bundesliga-Topscorer spricht im 90minuten-Interview über das Nationalteam, seine Transfersituation und die Vorzüge des TSV Hartberg.

"So eine Rakete haben wir auch noch nie gehabt", lacht Hartberg-Obmann Erich Korherr. Dann wird der Steirer eine Spur ernster und merkt an, die Qualitäten seines besten Goalgetters in Zukunft wohl kaum ersetzen zu können.

Elias Havel musste einige Jahre auf seinen Durchbruch warten, ist jetzt aber die heißeste Aktie im Kader der Steirer. Mit 10 Toren führt der 22-Jährige die Scorerliste der Bundesliga an, an 58 Prozent aller Hartberg-Treffer war er als Vollstrecker, Assist- oder Pre-Assistgeber beteiligt.

Dass Havel eigentlich nur auf Leihbasis für den TSV spielt und offiziell noch dem LASK gehört, ist inzwischen nur noch auf dem Papier relevant. Wie Korherr im Gespräch mit 90minuten erklärt, ist mit den Linzern bereits offen abgesprochen, dass eine vereinbarte Kaufoption im sechsstelligen Bereich gezogen wird. Diese sei für Hartberg zwar eine finanzielle Herausforderung, aber stemmbar. Ernsthafte Bemühungen des LASK, die Option abzulösen, habe es nicht gegeben.

Wie sieht der Stürmer seine Entwicklung selbst? Im 90minuten-Interview steht er Rede und Antwort.

90minuten: Bis zur Ligateilung stehen noch fünf Runden auf dem Spielplan. Vier eurer Gegner liegen in der Tabelle hinter euch. Wie fest kann man euch schon für die Meistergruppe einplanen?

Elias Havel: Wir sind schon sehr zufrieden mit der Hinrunde, aber sicher sein können wir uns nicht. Die Abstände um uns herum sind nicht groß, wir dürfen nicht nachlassen, sondern müssen wahrscheinlich noch einmal eine Schippe drauflegen.  

90minuten: Im Gegensatz zu einigen Konkurrenten muss Hartberg nicht unbedingt Form aufbauen, sondern die gute Verfassung aus der Hinrunde konservieren. Wie soll das gelingen?

Havel: Nach drei Testspiel-Siegen können wir schon zufrieden sein. Das erste Spiel gegen Rapid gleich zu Beginn ist wichtig, ich habe sie aus der Hinrunde sehr stark in Erinnerung. Für sie ist es auch ein Heimspiel, das wird nicht leicht. Wir müssen ans Maximum gehen, um etwas mitnehmen zu können.

90minuten: Rapid hat in der Winterpause einen neuen Trainer gefunden. Habt ihr schon besprochen, worauf ihr euch einstellen müsst?

Havel: Vom neuen Trainer habe ich gehört. Er spielt gerne im 4-3-3, viel mehr weiß ich nicht. Alles andere besprechen wir erst in den Tagen vor dem Spiel.

Dass ich zu meinen Chancen komme, ist zum Großteil ein Verdienst der Mannschaft.

Elias Havel

90minuten: Du hast im Herbst die Führung in der Torschützenliste übernommen. Ist das aktuell die bisher beste Phase deiner Karriere?

Havel: Das kann man schon so sagen. Ich weiß trotzdem, dass ich vor allem in den ersten Runden auch einige Chancen habe liegen lassen. Es ist also noch mehr möglich, daran arbeite ich. Es wäre natürlich gut, wenn es im Frühjahr genauso oder noch besser aufgeht, als in der Hinrunde. Das ist das Ziel.

90minuten: Um Chancen zu vergeben, muss man sie sich zuerst erarbeiten. Das gelingt dir in dieser Saison besser, als bisher. Wie sehr hilft dir das System von Manfred Schmid?

Havel: Sehr, ich kann mein Tempo gut ausspielen. Dass ich zu meinen Chancen komme, ist natürlich zum Großteil ein Verdienst der Mannschaft. Wir stehen gemeinsam kompakt, die Umschaltmöglichkeiten passen perfekt zu meinem Spielstil und sind das, was mich gefährlich macht.

90minuten: Du hast vor ein paar Jahren schon erzählt, dass dir in Salzburg gesagt wurde, du wärst auf 30 Meter der schnellste Spieler, der dort bis zu diesem Zeitpunkt gemessen wurde.

Havel: Das hat man mir so gesagt, sogar vor der Mannschaft, als ich in Liefering verabschiedet wurde. Jetzt muss ich aber sagen, dass ich bei Hartberg noch einmal schneller gemessen wurde (lacht).

90minuten: Was ist der neue Stand? Wer ist dein erster Verfolger in Hartberg?

Havel: Auf 30 Meter waren es 3,65 Sekunden. Hinter mir kommt dann Damjan Kovacevic.

Ich hoffe er ist mir nicht böse: Außer Hans Krankl kenne ich wenige Spieler aus den älteren Generationen.

Havel über Co-Trainer Christian Mayrleb

90minuten: Du hast schon angesprochen, dass du weiter an deiner Effizienz schrauben möchtest. Trotzdem trifftst du in dieser Saison verlässlicher, als in deiner bisherigen Karriere. Gibt es dafür einen Grund?

Havel: Es ist eine Kombination aus vielen Dingen. Der Trainer spielt eine große Rolle. Wenn man drei-, vier- oder fünfmal hintereinander die Chance auf Spielzeit bekommt, baut sich Selbstvertrauen auf. Manfred Schmid hat einen extrem guten Umgang mit jungen Spielern. Bei mir persönlich ist auch die Fitness ein Thema. Es bringt nichts, wenn ich dreimal in einem Match schnell bin. Am besten ist es natürlich, wenn ich immer wieder gleich schnell sprinten kann. Damit geht es mir in dieser Saison dank Matchpraxis und gezieltem Training viel besser.

90minuten: Ein weiterer möglicher Faktor sitzt seit Sommer auf eurer Bank. Als Christian Mayrleb seine Karriere beendet hat, warst du noch in der Volksschule. Wieviel konntest du mit seinem Namen anfangen?

Havel: Ich hoffe, er ist mir deswegen nicht böse: Außer Hans Krankl und einigen Legenden kenne ich wenige Spieler aus den älteren Generationen. Nachdem er bei uns gelandet ist, habe ich mich umgehört und ein paar Videos angeschaut. Er war schon ein richtig guter Stürmer und hat natürlich einige Tipps auf Lager, die ich gerne annehme - vor allem im Eins-gegen-Eins mit dem Tormann.

90minuten: Du warst im Sommer 2023 ablösefrei zu haben, heute bereut wahrscheinlich der ein oder andere Verein eine verpasste Gelegenheit. Thomas Silberberger hätte dich gerne zur WSG Tirol geholt, du hast dann beim LASK unterschrieben. Wie viele Optionen hattest du damals wirklich?

Havel: Gesprochen habe ich eigentlich nur mit dem Herrn Silberberger, dem LASK und einem Verein aus der 2. Bundesliga in Deutschland. Es hat auch noch einige andere Vereine gegeben, die sich aber nicht so intensiv bemüht haben. Beim LASK hatte ich das beste Gefühl, weil ich Herrn Sageder schon in Liefering als Co-Trainer hatte. Das Stadion war damals noch ganz neu, mich hat das beeindruckt.

Elias Havel mit Liefering-Teamkollege Benjamin Sesko
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Elias Havel mit Liefering-Teamkollege Benjamin Sesko

90minuten: Wie realistisch war die Möglichkeit, bei Red Bull Salzburg zu bleiben? Deine letzte Saison in Liefering war nicht schlecht, obwohl die Mannschaft sich insgesamt schwer getan hat.

Havel: Das kann ich heute nicht mehr wirklich einschätzen. Ich bin eigentlich nur dankbar. Für die gute Ausbildung und für allem für die medizinische Abteilung, weil ich damals wirklich oft Probleme hatte und immer gut betreut wurde. Der Konkurrenzkampf in Liefering war eine tolle Erfahrung, ich habe mit einigen richtig guten Spielern (Anm: u.a. Benjamin Sesko, Karim Konaté) gespielt und viel mitgenommen. Trotzdem wollte ich weg aus Liefering und den nächsten Schritt machen.

90minuten: Unter Thomas Sageder hast du beim LASK regelmäßig gespielt, nach dem Trainerwechsel zu Thomas Darazs nicht mehr. Wann kam zum ersten Mal der Gedanke, dass du dich vielleicht wo anders nach Spielpraxis umschauen musst?

Havel: Ich habe vor dem Trainerwechsel sogar noch Spiele von Anfang an gemacht, mit meinen Leistungen war ich eigentlich zufrieden. Mit Thomas Darazs hatte ich ein offenes Gespräch, er hat mir erklärt, dass mein Stil weniger zu seinen Ideen passt. Damit war schnell klar, dass ich eine Station finden muss, bei der ich Spielpraxis sammeln kann.

Wir hatten noch gar keinen Kontakt.

Havel über Didi Kühbauer

90minuten: Sind häufige Trainerwechsel ein Nachteil für einen jungen Spieler?

Havel: Das weiß ich nicht genau. Ich glaube eher, dass es für eine Mannschaft schwer ist, sich immer wieder auf ein neues System und neue Ideen einzustellen. Da braucht es Führungspersönlichkeiten, damit immer alle an einem Strang ziehen und die neuen Vorgaben umsetzen.

90minuten: Du bist in Hartberg gelandet und hast gleich eine zweite Saison angehängt. Zwischendurch hast du die Vorbereitung in Linz mitgemacht. 

Havel: Ich habe den LASK schon ein Monat vor dem Ende der Saison gebeten, mich noch einmal nach Hartberg zu verleihen. Sie wollten mich dann aber doch einmal vor Ort sehen, deswegen hat es sich so ergeben. Mir war klar, dass eine weitere Saison mit Manfred Schmid, mit dem ich ein gutes Verhältnis habe, das Beste für mich wäre. Deswegen bin ich nach zehn Tagen auf die Verantwortlichen zugegangen und habe persönlich um den Wechsel gebeten.

90minuten: Im Sommer war noch Joao Sacramento LASK-Trainer, jetzt ist Didi Kühbauer - erfolgreich - im Amt. Ihr habt im Herbst auch gegeneinander gespielt, hattet ihr schon Kontakt?

Havel: Nein, wir hatten gar keinen Kontakt.

90minuten: Es ist denkbar, dass du kein Spiel mehr für den LASK absolvieren wirst. Hartberg plant, die in der Leihe vereinbarte Kaufoption zu ziehen. Gibt es einen neuen Stand, den du verraten kannst? Nervt dich das Thema schon?

Havel: Selbst wenn ich es wüsste, würde ich es nicht verraten (lacht). Mit mir hat noch niemand darüber gesprochen. Mich stört das Thema nicht wirklich, weil sowieso klar ist, dass ich bis Sommer in Hartberg bleibe.

Sollte die Option gezogen werden, bin ich Hartberg-Spieler. Es ist schon alles unterschrieben.

Elias Havel

90minuten: Hast du noch ein Mitspracherecht, sollte Hartberg die Option im Frühjahr wirklich ziehen?

Havel: Sollte die Option gezogen werden, bin ich Hartberg-Spieler. Das wurde alles schon im Rahmen der Leihe vereinbart und unterschrieben. 

90minuten: Du hast in diesem Interview und auch in den letzten Monaten immer wieder betont, wie wohl du dich in Hartberg fühlst.

Havel: Genau. Ich muss sagen, dass ich mir gar nicht viele Gedanken darüber mache, hier wegzuwechseln. Es ist wie eine kleine zweite Familie, wir lachen viel und haben außerhalb des Platzes viel Spaß. Ernsthaftigkeit gehört natürlich auch dazu, weil Hartberg dafür steht, das meiste aus sich herauszuholen. Wir sind viele junge, hungrige Spieler mit einigen älteren “Kapitänen”, die darauf schauen, dass alle bei der Sache bleiben.  

Havel beim Torjubel in der Generali-Arena
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Havel beim Torjubel in der Generali-Arena

90minuten: Wenn man nach Gerüchten zu deiner Person sucht, findet man aktuell überraschenderweise gar nichts. In der Bundesliga sucht zum Beispiel der SK Rapid nach einem Stürmer - käme das für dich überhaupt in Frage? Du hast einen Teil deiner Ausbildung bei der Austria absolviert.

Havel: Ich möchte keine Türen im Vorhinein schließen. Ich komme aus Simmering und habe in der Jugend für die Austria gespielt. Bei mir daheim in meinem alten Zimmer hängen, glaube ich, immer noch Austria-Poster an der Wand. Von Gerüchten bekomme ich nichts mit und will mit meinem Management auch gar nicht darüber sprechen. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen mich bitte in Ruhe lassen. Für mich geht es ums Hier und Jetzt, darauf liegt mein Fokus.

90minuten: Gibt es trotzdem Ziele, die du im Hinterkopf hast?

Havel: Ich würde natürlich gerne einmal in einer Top-5-Liga spielen, das ist ein großes Ziel von mir.

90minuten: Und das Nationalteam…

Havel: Genau! Ich glaube das wünscht sich jeder österreichische Spieler. 

90minuten: Im Herbst hat dich der Teamchef schon einmal auf die Abrufliste gesetzt. Hast du damals persönlich Feedback bekommen?

Havel: Persönlich Kontakt hatte ich nicht, aber mir wurde das, was er öffentlich gesagt hat, zugeschickt. Das ehrt und motiviert mich. Es ist aber nicht so, dass ich mich deswegen unter Druck setze. Wir werden im März sehen, ob es schon reicht. Wenn ich gute Leistungen bringe, ist das einfach eine zusätzliche Belohnung.

90minuten: Mit einer Einberufung würden für dich die Länderspielpausen wegfallen und die körperliche Belastung steigen. Fühlst du dich fit genug dafür?

Havel: Ja - jetzt klopfe ich aber auf Holz. Ich habe bei der Fitness noch Luft nach oben, im letzten halben Jahr ist aber alles gut gelaufen. Ich bin auf einem guten Level und habe inzwischen meine Routinen so entwickelt, dass es auch stabil bleiben sollte.



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