(Noch) Kein Profifußball in Traiskirchen: "Uns fehlt eine halbe Million"
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(Noch) Kein Profifußball in Traiskirchen: "Uns fehlt eine halbe Million"

Nur zwei Vereine der Regionalliga Ost haben um Zulassung für die 2. Liga angesucht. Der FCM Traiskirchen musste trotz großem Interesse einen Rückzieher machen. 90minuten hat nach den Gründen gefragt.

Zwei Vereinsnamen lang ist die Liste der potenziellen Aufstiegskandidaten in der Regionalliga Ost. Von einem Aufstiegsplatz trennen die Sportvereine aus Oberwart und Horn derzeit zwar nur wenige Punkte, von den Tabellenplätzen sieben und acht startend ist der Weg in die ADMIRAL 2. Liga trotzdem noch weit. 

Für den überlegenen Tabellenführer aus Leobendorf kam der teure Schritt nach oben in dieser Saison nie ernsthaft infrage - zu hoch wäre das Risiko gewesen, selbst wenn man Geldgeber hätte auftreiben können. Erster Verfolger ist der SV Gloggnitz, dessen To-Do-Liste in diversen Bereich noch zu lang ist, um Aufstiegsgedanken überhaupt aufkommen zu lassen. 

90minuten hat die Vereine bereits unter die Lupe genommen:


Dann folgt der FCM Traiskirchen. Zum Start ins Frühjahr auf dem dritten Platz gelegen, haben die Niederösterreicher gute Karten, mit Saisonende das beste Endergebnis seit dem Aufstieg aus der Landesliga 2016 einzufahren.

Traiskirchen hielt sich in den letzten Jahren als solides Mittelfeldteam, im vergangenen Sommer wurde aufgerüstet. Warum nutzt man also nicht die Gunst der Stunde, zumal man der 2. Liga nie kategorisch abgeneigt war?

Fakt ist, dass uns in etwa eine halbe Million fehlt, um das seriös bewerkstelligen zu können.

Manuel Trost (Sportlicher Leiter)

"Fakt ist, dass uns in etwa eine halbe Million fehlt, um das seriös bewerkstelligen zu können. Diese Summe müssten wir irgendwie aufstellen. In der aktuellen Wirtschaftslage ist das schwierig", erklärt der sportliche Leiter, Manuel Trost.

Aufgeschoben, nicht aufgehoben

Seit vier Jahren informiert sich der Regionalligist beim Zulassungsworkshop der Bundesliga im Herbst und weiß, was zu tun wäre: Der Platz müsste vergrößert werden, außerdem braucht es einen Gästesektor samt Eingang und Sanitäranlagen. Im Gegensatz zur Anlage in Leobendorf ist dafür ausreichend Platz vorhanden, auch ein zweitligataugliches Flutlicht hätte man schon. Für die Infrastruktur alleine bräuchte der Verein einen niedrigen sechsstelligen Betrag, dazu kämen Kosten für Personal und den laufenden Betrieb.

Es sei eigentlich eine Vernunftentscheidung, keine Zulassung zu beantragen, meint Trost: "Wir haben viele Sponsorengespräche geführt, aber es ist sich einfach nicht ausgegangen. Natürlich hoffen wir immer darauf, dass sich der ein oder andere in Zukunft überzeugen lässt, es bald einmal gemeinsam anzugehen."

Die WSG Tirol konnte den FCM in der Traiskirchner ARBÖ-Arena souverän bezwingen
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Die WSG Tirol konnte den FCM in der Traiskirchner ARBÖ-Arena souverän bezwingen

Im kommenden Jahr feiert Traiskirchen das hundertjährige Vereinsjubiläum. Es wäre eine runde Geschichte, sollte es mit dem Aufstieg gefeiert werden können.

Noch lebt die Hoffnung: "Wenn wir diese Saison gut abschließen können, steigert das hoffentlich das Interesse. Wir möchten uns natürlich attraktiv präsentieren."

Wirklich attraktiv ist der Aufstieg in die 2. Liga aktuell nicht.

Manuel Trost

Trost muss aber wie viele andere Vereine feststellen: "Wirklich attraktiv ist der Aufstieg in die 2. Liga aktuell nicht." Abschreckende Beispiele habe es in dieser Saison zuhauf gegeben, meint er. 

Rein sportlich hat sich der FCM Traiskirchen bislang gut präsentiert, auch wenn der Sportchef mit vergebenen Torchancen hadert. "Wir waren in fast jedem Spiel die bessere Mannschaft und sind die Tormaschine der Liga. Mit einem Platz in den Top fünf wären wir zufrieden, eigentlich würden wir gerne in den Top drei bleiben", lautet die Vorgabe für das Frühjahr.

Weil der Aufstieg kein Thema ist, wurde die Kaderbreite im Winter reduziert. Offene Plätze sollen von jungen Spielern aufgefüllt werden. 

Titel mit Nachteil

Weiter nach oben in der Tabelle soll es eher nicht gehen, gesteht Manuel Trost. Weil der niederösterreichische Verband einem Meister, der auf den Aufstieg verzichtet, den Startplatz im ÖFB-Cup entzieht, ist der Titel in dieser Saison mit einem großen Nachteil verbunden.

Wirtschaftlich - so beschreibt es der Traiskirchner - kommt die Auslosung zur ersten Cup-Runde einer Lotterie gleich. "Im Pot waren nur mehr Sturm Graz, die Wiener Austria, Red Bull Salzburg und die WSG vertreten", erinnert er sich. Die Tiroler kamen im Juli in den Ort südlich von Wien und setzten sich souverän mit 4:0 durch. Vom Spiel übrig blieb ein vierstelliger Betrag. Hätte man einen der großen Vereine erwischt, wäre er wohl deutlich fünfstellig gewesen, sagt Trost. 

Ich muss als Funktionär auf die wirtschaftliche Situation des Vereins achten. Deswegen hoffe ich eigentlich, dass Leobendorf das durchzieht.

Manuel Trost

"Einerseits will man Meister werden, diese Auszeichnung ist schon etwas Besonderes. Andererseits muss ich als Funktionär auf die wirtschaftliche Situation des Vereins achten. Deswegen hoffe ich eigentlich, dass Leobendorf das durchzieht", erklärt er sein Dilemma.

Wie der SV Leobendorf hofft er auf eine Reform nach der Saison, dann wäre das gerade erst aufgekommene Thema bald wieder vom Tisch: "Wir müssen uns alle an der eigenen Nase nehmen. So genau hat das vor dieser Saison niemand gewusst."

Profischmiede Traiskirchen

Einen Zweifel daran, dass Traiskirchen einen zweitligatauglichen Kader auf die Beine stellen könnte, gibt es nicht. Mit Elias Felber, Florian Fischerauer, Philipp Schobesberger, Max Sax und Thomas Ebner finden sich im Kader auch jetzt einige bekannte Namen - dazu kommen Spieler, die den Verein in den letzten Jahren verlassen haben: Niklas Szerencsi, Milos Jovicic, und Maximilian Entrup zum Beispiel. Erst im Winter an die Vienna abgegeben wurde Goalgetter Meguru Odagaki, Sturm Graz hat sich Innenverteidiger Bastian Maierhofer gesichert. 

Meguru Odagaki empfahl sich mit elf Regionalliga-Toren für einen Wechsel zur Vienna
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Meguru Odagaki empfahl sich mit elf Regionalliga-Toren für einen Wechsel zur Vienna

Den 19-Jährigen beschreibt Manuel Trost als großes Talent mit allen Voraussetzungen für eine Profikarriere: "Er ist schnell, groß und kann gut kicken. Er hat das Zeug dazu, zumindest ein guter Bundesliga-Verteidiger zu werden. Ich hoffe, dass der Weg für ihn noch weitergeht."

Neben Sturm sollen auch der LASK und die Wiener Austria Interesse am Kärntner bekundet haben. Bei Odagaki sei es eher darum gegangen, einem 28-jährigen Spieler die vielleicht letzte Chance auf einen Wechsel in den Profifußball zu gewähren. Für beide Spieler hat der Verein Entschädigungen erhalten. 

Man möchte auch in Zukunft eine Plattform für talentierte Spieler bleiben, egal in welcher Liga. Dank der örtlichen Nähe zur Admira samt Akademie dürfte die Pipeline auch in den nächsten Jahren gesichert sein.


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