Wenigstens hinten sicher [UEFA-Fünfjahreswertung]
Foto © FC Red Bull Salzburg via Getty Images

Wenigstens hinten sicher [UEFA-Fünfjahreswertung]

Der FC Salzburg gewinnt überraschend in Portugal bei Benfica Lissabon, der LASK und Sturm führen daheim lange, müssen sich Liverpool und Sporting CP aber geschlagen geben. Die Länder dahinter sind gnädig mit Österreich. Vorne nicht.

Es ist vielleicht auch spannend zu sehen, dass ein Spieler wieder dorthin zurückkehrt, wo es funktioniert hat und wo das Umfeld so sein kann, wie man es kennt.

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+ + 90minuten.at PLUS - Von Georg Sohler + +

 

Da ist dem FC Salzburg eine faustdicke Überraschung gelungen. Generell sagt man ja, dass man in einer Vierergruppe mit Hin- und Rückspielen zu Hause gewinnen sollte, auswärts vielleicht nicht verlieren. Es kam anders und das ist gut so. Dank des 1:1 im Parallelspiel zwischen Real Sociedad und Inter Mailand lachen die Bullen bis 3. Oktober von der Spitze. Sollte es mit dem Achtelfinale klappen, würden die Bullen fünf Punkte für die Fünfjahreswertung holen, also einen satten Zähler aufs Konto laden. Sowohl für die Gruppe, als auch für die Länderwertung ein unverhoffter Zuwachs.

Dem LASK ist das nicht geglückt. Zwar gingen die Athletiker in Führung, aber Liverpool konnte mit Spielern wie Dominik Szoboszlai, Weltmeister Alexis Mac Allister und Superstar Mo Salah eben noch andere Kaliber in die Schlacht werfen. Dennoch stimmt die Leistung positiv, vielleicht geht sich ja Rang drei aus, dazu muss man aber Union Saint-Gilloise oder Toulouse hinter sich lassen.

Bitterer verlief der Abend für den SK Sturm. Zwar war die Führung durch William Bøving etwas glücklich, die zwei Treffer durch Gyökeres und Coates waren wohl insgesamt verdient, wenn man bis Minute 75 führt, ist es schlicht schade, nichts mitzunehmen. Im Parallelspiel gewann Atalanta gegen Raków Czestochowa. Der polnische Meister ist wohl der Hauptgegner im Rennen um ein Überwintern.

 

Blick nach vorne

Belgien liegt uneinholbar weit vorne. Theoretisch könnte Österreich mit den Belgiern 2024 gleichziehen. Wenn diese alle Spiele verlieren und Salzburg, Sturm Graz und der LASK insgesamt 21 Siege feiern. Das belassen wir im Bereich der Fantasie, auch wenn Royal Antwerpen auswärts im Camp Nou fünf Trümmer ins Tor bekam und der LASK es gegen Union Saint-Gilloise (1:1 gegen Toulouse) sogar selbst in der Hand hat, den Rückstand zu verkleinern. Genk hat der Fiorentina daheim übrigens ein 2:2 abgetrotzt, Gent spielte gegen Luhansk ebenfalls remis, 1:1. Brügge erreichte dasselbe Ergebnis gegen Beşiktaş.

Womit wir bei der Türkei sind, die mit 3.450 Punkten deutlich vor Österreich liegt und aufgrund schlechterer Vorjahre ihre Punkte nur durch vier Starter dividieren muss. Die drei heimischen Vertreter müssten von den 15 Spielen in der Gruppenphase neun gewinnen und die Türkei null. Wie sieht es also aus? Galatasaray hat mit Kopenhagen einen Gegner, den man in einer Gruppe mit den Bayern und Manchester United durchaus hinter sich lassen könnte und man remisierte auch. Fenerbahçe hat mit Nordsjælland, Ludogorets Razgrad und Spartak Trnava eine unangenehme Europa Conference League-Gruppe, konnte aber die Dänen mit 3:1 besiegen, die Rumänen schossen Razgrad ab. Selbiges betrifft Beşiktaş' weitere Gegner Bodö/Glimt und Lugano remisierten. Die türkischen Klubs sind stark, sammelten in der Quali im Schnitt die meisten Punkte. Die beiden letztgenannten gewannen gar all ihre sechs Qualifikationsspiele, Gala remisierte einmal, nur das bereits ausgeschiedene Adana Demirspor fällt mit 3-1-2-Bilanz etwas ab. Vor den Gruppenspielen sind die 25 erspielten Punkte (inkl Galas 4 Bonuspunkte für die CL-Gruppenphase) aber die mit Abstand stärkste Leistung der Saison.

Einholbarer sind die Schotten, die zwar auch drei Teams in die Gruppenphasen brachten, aber bei denen wird durch fünf dividiert, weil genauso viele Mannschaften starteten. 1.650 Punkte bzw. vier Siege und ein Remis Vorsprung scheinen nicht uneinholbar. Celtic hat schon einmal seinen Auftakt gegen Feyenoord in den Sand gesetzt, Lazio und Atletico sind ebenfalls keine Jausengegner. Das sieht stark nach einer Europareise aus, die nach der Gruppe endet. Besser läuft es für die Rangers aus, die gegen Betis Sevilla 1:0 gewinnen konnten und mit Sparta Prag und Aris Limassol (3:2) formell einfachere Gegner als die heimischen Klubs haben. Aberdeen muss sich in der Eintracht Frankfurt-Gruppe wohl mit PAOK Saloniki um Rang zwei matchen, auf der Nudelsuppe daher geschwommen ist HJK Helsinki aber auch nicht. Die Schotten verloren gegen die Adler mit 2:1, PAOK gewann mit 3:2 in Finnland.

 

Blick nach hinten

Die Schweiz sitzt Österreich im Nacken, aber nicht allzu sehr. Die Young Boys Bern werden sich mit Roter Stern Belgrad um Rang 3 in der Champions League-Gruppe G duellieren. Beide haben ihre Spiele mit 3:1 verloren, die Schweizer daheim. Servette Genf steht das erste Mal überhaupt in einer Gruppenphase, mit AS Roma gibt es einen logischen Favoriten. Slavia Prag war 2019/20 in der Gruppenphase der Champions League, 2018/19 und 2020/21 schaffte man es in Europa League-Viertelfinale. Man weiß also, was man tut und bewies das mit einem 2:0 in der Schweiz. Sheriff Tiraspol ist das vierte Mal in Folge in einer Gruppenphase, 22/23 war in der ECL erst im Achtelfinale Schluss. Die Roma gewann nur mit 2:1 in der Republik Moldau. Lugano hat die erwähnte Gruppe mit Besiktas, Bodö/Glimt und Brügge, alle haben einen Punkt. Die Eidgenossen liegen mit 0.425 Punkten knapp hinter Österreich

Serbien ist wie erwähnt mit Roter Stern Belgrad im Infight mit den Young Boys. FK TSC Backa Topolka wird kaum Punkte sammeln. Freiburg, West Ham und Piräus ist ein ziemliches Europa League-Horrorlos für einen derartigen Klub. Nach dem ersten Spieltag und der 3:1-Niederlage in London wir es eher bzw. maximal um Rang drei gehen, der Gegner Piräus verlor indes gegen Freiburg mit 2:3. Cukaricki hat mit Ferencvaros, der Fiorentina und Genk eine Gruppe erwischt, in der der Gruppenphasenneuling wohl nur schwer Zweiter wird. Die Niederlage in Budapest unterstreicht das. Acht Siege mehr als Österreich schafft Serbien recht sicher nicht. Noch einen Tick weiter hinten liegen die Dänen, die nur vier Teams in den Bewerb entsandten und deshalb nur sechs Siege und ein Remis benötigen würden. Kopenhagen wurde bereits erwähnt, da geht es maximal um Platz drei. Nordsjælland hat eine unangenehme Gruppe, die Zwischenrunde könnte drinnen sein, insgesamt ist man aber zu weit weg.

 

Chancen wahrnehmen

Neben den Salzburgern haben Sturm und der LASK bewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist. Will man irgendwie an die Schotten ran kommen, müssen diese Teilerfolge aber natürlich in volle umgemünzt werden. Nach hinten sieht es besser aus, die Schweizer sind wohl im Schnitt schwächer als Österreich und die anderen Länder sind dann doch zu weit weg.

 

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