Der Europacup darf nicht nur ein Realitycheck sein

Der Europacup darf nicht nur ein Realitycheck sein

Die ADMIRAL Bundesliga hat noch immer die Chance, alle fünf Teams in die Ligaphase zu bringen. Drei Teilnehmer sind schon fix, auch wenn's nur dabei bleibt: Etwaigen Alarmismus kann man sich sparen, Selbstbetrug gehört aber weg.

Die Fünfjahreswertung ist aus österreichischer Sicht nicht rosig. Für 2026/27 gibt es noch fünf Teams; danach nur noch vier. Das hat nicht nur Nachteile: Je weniger Teilnehmer, desto mehr bringt ein Punktgewinn.

Ansonsten überwiegen die Nachteile bei weitem. Denn mit dem Wegfall der sensationell guten Spielzeit 2021/22 (10,400 Punkte!, Rekord!!, 8. Platz!!!) begann Österreich die Saison auf Rang 22. Die Aussicht auf Platz 15 und somit wieder mehr Starter ist eher gering, wie Kollege Simon Urhofer schon vorgerechnet hat: >>> HIER.

Im Vergleich zu Saisonbeginn hat Österreich Boden gut gemacht, aber Team Rot-Weiß-Rot muss eine Fabelsaison spielen, um sowohl Schottland, Ungarn, die Schweiz als auch Zypern zu überholen.

Um jedenfalls wieder einen Schritt nach vorne zu machen, müssen sich allerdings einige Dinge in eine andere Richtung entwickeln.

Champions-League-Playoff, Rückspiel: LASK - Celtic Glasgow, Dienstag, ab 21:00 Uhr im LIVE-Ticker >>>

Das Positive vorne weg

Zuerst muss aber gelobt werden. Bislang hat sich Österreich die aus der Vergangenheit bekannten Peinlichkeiten – Tampere, Vaduz, Breidablik oder Düdelingen – erspart. Dass der Sommerkick nicht immer ansehnlich ist und Abläufe noch nicht stimmen, es manchmal knapper wird als vermutlich im November – geschenkt.

Alle Jahre wieder stellen "wir" in Österreich fest, dass – um es in Didi Kühbauers Worten zu sagen – die internationale "Musik eine andere" ist.

Georg Sohler

Und die bisherigen Niederlagen gehen auch in Ordnung. Fenerbahce ist dem SK Sturm zu groß, wenn man keinen Ausnahmetag erwischt. Ähnlich muss man auch die Auswärtsniederlagen der Wiener Austria bewerten. Dass sich der Vierte der Vorsaison in der heimischen Liga gegen den israelischen Vizemeister schwer tun darf, ist in Ordnung.

Selbiges gilt für das Duell LASK gegen Celtic. Die schottische Ligaspitze ist auf Augenhöhe mit der Bundesliga, so lange man nicht untergeht, ist es in Ordnung, hier den Kürzeren zu ziehen. Denn die Schotten haben quasi ein Europacup-Abo und somit mehr Erfahrung, seit der Saison 2021/22 hat man stets zum Teil deutlich mehr als 25 Millionen Euro an Transfers verdient. Der LASK kam nicht einmal auch nur in die Nähe dieser Marke.

Was aber sehr wohl ein Thema ist: Der Umgang mit der Niederlage im Hinspiel. Dieser ist typisch österreichisch.

Intensität, Handlungsschnelligkeit, Problemlösungskompetenz

Der LASK reiht sich hier in eine längere Liste ein. Alle Jahre wieder stellen "wir" in Österreich fest, dass – um es in Didi Kühbauers Worten zu sagen – die internationale "Musik eine andere" ist. Was national reicht, so der Meistertrainer weiter, gehe sich im Europacup nicht aus.

Natürlich stimmt es, dass sich Celtic weder über einen frühen Rückstand hätte beschweren dürfen, noch über ein 2:2. Das hilft aber nichts, weil im Fußball zählen nur die geschossenen Tore.

Wenn es nach dem Celtic-Spiel so aussieht, ist vieles gut, aber nicht alles besser
Foto © GEPA
Wenn es nach dem Celtic-Spiel so aussieht, ist vieles gut, aber nicht alles besser

Die Athletiker registrierten selber, dass man in der einen oder anderen Situation die zweiten Bälle nicht handlungsschnell genug verarbeitet hat und dass die Schotten ihre Chancen einfach verwertet haben.

Aber dass die internationalen Spiele eine andere Nummer sind, ist keine neue Erkenntnis. Das hört man immer wieder, wenn Trainer österreichischer Mannschaften Niederlagen im internationalen Geschäft erklären müssen. Es ist in dem Punkt die eigene Nase, an die man sich nehmen muss, ohne auf den Gegner zu zeigen.

Intensität, Handlungsschnelligkeit und Problemlösungskompetenz sind in gewissem Ausmaß trainierbar: Wie gehe ich in dieser und jener Situation mit Druck um? Wann muss ich wie intensiv rausschieben oder zurücklaufen? Aus welchen Situationen entsteht Gefahr? Da kann der Trainer durchaus – auch während der Spiele – eingreifen.

Der Europacup kann dich weiterbringen

Umsetzen müssen das letztlich aber die Spieler. Zwei, drei, vier Goals in irgendeinem europäischen Wettbewerb können den Unterschied zwischen einer Bundesliga- und einer internationalen Karriere machen. Entsprechende Leistungen auf anderen Positionen kann sich jeder selbst ausmalen.

Weil es wird wohl kein Spieler mit zwölf, dreizehn Jahren den Plan fassen, Profi zu werden, um – bei allem Respekt – dann gegen Hartberg, Altach und Co. zu spielen. Klappt es mit dem Auslandswechsel nicht, ist es natürlich ok, wenn man Bundesliga-Kicker ist.

Europacup-Einnahmen sind mittlerweile eine wichtige Finanzierungssäule. Dabei geht es vielleicht gar nicht so sehr um die Teilnahmeprämien, denen ja auch Kosten gegenüber stehen. Sondern eben auch um höhere Zahlen am Preismascherl.

Aber wer sich den Traum vom Ausland erfüllen will, muss sich eben dann reinhauen, wenn es drauf ankommt. Das beginnt im Kopf und liegt bei jedem Spieler selbst.

Wer mit 35 Jahren nach der Karriere weniger Geldsorgen haben will, sollte sich dort präsentieren wollen, wo die Chance auf viele Zuseher am größten ist. Während die Hälfte der heimischen Bundesligaprofis laut Gewerkschaft weniger als 8.000 Euro brutto verdient, kann man das schon im unteren Drittel der 2. deutschen Bundesliga verdienen. Auch in exotischeren Ländern lässt sich in schwächeren Ligen einiges verdienen. Im Europacup kann man sich entsprechend präsentieren.

Der Inhalt muss stimmen

Das gilt auch für den Gesamtverein, der ja für die Auswahl des Personals verantwortlich ist. Hierbei muss darauf geachtet werden, dass sich die Ziele der Kicker und des Klubs decken. Denn Europacup-Einnahmen sind mittlerweile eine wichtige Finanzierungssäule. Dabei geht es vielleicht gar nicht so sehr um die Teilnahmeprämien, denen ja auch Kosten gegenüber stehen. Sondern eben auch um höhere Zahlen am Preismascherl: Europacup → Sichtbarkeit → Marktwert → Transfererlös → nächster Spieler.

Es ist kaum anzunehmen, dass Sturm ohne den Højlund-Transfer so viel Geld für nachfolgende Transfers lukriert hätte. Wer an diesen Millionen nicht dranhängt, hat ein Problem - siehe FK Austria Wien. Apropos: Die Veilchen haben seit Jahren die schlechtesten Karten und werden vermutlich auch im Herbst 2026 nicht europäisch spielen.

Betrachtet man aber die Causa Fünfjahreswertung aus gesamtösterreichischer Sicht, ist es so: Es gibt zwar Millionen, aber abgesehen von der Champions League nur dann Fixpunkte, wenn man es unter die besten 24 schafft. Sturm, Salzburg und Rapid holten in 22 Ligaphase-Spielen gemeinsam gerade einmal 14 Pünktchen – das muss, kann und soll nicht sein.

Der Anspruch von Trainer, Spieler und Verein muss sein, aus dem, was von Sommer bis Spätherbst international fehlt, tatsächlich etwas zu lernen.


Kommentare