Manchmal will es einfach nicht funktionieren.
Wenn ein Profi-Fußballer wechselt, dann ist immer Risiko dabei. In einigen Fällen weniger, in anderen Fällen mehr. Damit ein Transfer so richtig scheitert, dafür muss aber schon viel schiefgehen.
90minuten hat sich durch die letzten Jahrzehnte an Transfers von ÖFB-Kickern gewühlt und zwölf der schlechtesten Transfer-Entscheidungen näher angesehen. Erst in der Recherche kam übrigens heraus: Jeder dieser zwölf Akteuere spielte zumindest einmal im ÖFB-Nationalteam.
Yusuf Demir
SK Rapid zu Galatasaray Istanbul (2022)
6 Millionen Euro ließ sich der türkische Top-Klub die Dienste des damaligen Wunderkinds kosten. In Istanbul kam der Linksfuß aber nie nur ansatzweise an - unter anderem wegen immer wieder aufkehrenden Verletzungen und der recht strengen Legionärs-Regel in der Türkei.
Nach seinem Wechsel Anfang September stand er für Gala bis Saisonende nur 129 Minuten am Feld. In den ersten zwei Monaten der gleichen Saison spielte er für Rapid bis zum Abgang 353 Minuten.
Demir wollte bei Galatasaray nach einer schwierigen Zeit in Hütteldorf und Barcelona einen Neustart wagen. Das gelang ihm weder in den drei Jahren am Bosporus noch während seiner Leihe beim FC Basel. Schlussendlich löste der damals 22-Jährige 2026 seinen Vertrag auf und kehrte zu Rapid zurück.
Emanuel Pogatetz
Bayer 04 Leverkusen zu Spartak Moskau (2005, Leihe)
Wie kann eine zweimonatige Leihe eine der schlechtesten Transferentscheidungen sein? Indem sie fast einen Karriere-wegweisenden Wechsel verhinderte, lautet die Antwort im Falle von Emanuel Pogatetz.
Von März bis Mai spielte der "Mad Dog" für Spartak und war auch gesetzt. Bis zu seinem letzten Spiel, in dem er nach nur elf Minuten die Rote Karte sah. Sein Gegenspieler, Kharitonskiy erlitt dadurch einen doppelten Beinbruch. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass er die Moskauer verlassen wird. Ein Transfer zu Middlesbrough stand an.
So kam es auch. Doch es gab ein Problem: Für die Rote Karte fasste Pogatetz eine Sperre von sechs Monaten aus - und teilte das Urteil mit der UEFA, weswegen die Sperre auch in England gelten würde.
Mitte August dann die Erleichterung: Die Sperre wurde auf acht Spiele, wovon Pogatetz schon sieben fehlte, verkürzt. Bei Middlesbrough etablierte sich Pogatetz fortan im internationalen Fußball, sammelte für keinen anderen Klub mehr Spiele (158).
Andi Ivanschitz
SK Rapid zu Red Bull Salzburg (2006)
Bis heute ist es der teuerste Bundesliga-interne Transfer aller Zeiten. 4 Millionen Euro zahlte Salzburg für Ivanschitz, der damals sogar zum generellen Bundesliga-Rekordtransfer wurde.
Doch schon bevor der Wechsel fix war, sorgte er für großen Wirbel. Das Interesse der "Bullen" am Burgenländer wurde ausgerechnet vor dem Duell mit Rapid öffentlich. "Das ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Stillos!", schimpfte der damalige Rapid-Präsident Rudolf Edlinger.
"Kaperei!": Aufregung um Ivanschitz-Transfer vor 20 Jahren >>>
Beim Trainingsauftakt fehlte Ivanschitz, ein paar Tage später war der Abgang perfekt. Perfekt lief seine Zeit in Salzburg aber überhaupt nicht. Nach einer Halbserie musste Kurt Jara, der den Spieler unbedingt wollte, gehen. Trappatoni/Matthäus setzten nicht auf den Zehner, weswegen es leihweise zu Panathinaikos ging.
Seinen Status als Rapid-Fanliebling zerstörte er sich mit dem Wechsel. Sportlich lief es zumindest durch die Leihe und den anschließenden Transfer nach Athen gut. Bei der EURO 2008 war Ivanschitz sogar Kapitän.
Roland Kirchler
FC Tirol zu Beijing Guoan (2002)
So schnell kann es bergab gehen. Nach drei Bundesliga-Titeln en suite mit dem FC Tirol und dem Konkurs des Klubs verschlug es Roli Kirchler nach China - für ganze drei Wochen.
Im Juli erfolgte der Wechsel zu Beijing Guoan, einen Monat später war das Engagement auch schon wieder zu Ende. Während der einmonatigen Probezeit löste der chinesische Klub den Vertrag mit Kirchler nämlich wieder auf.
Kirchler blickte damals schon kritisch auf die Zeit zurück. "Das war kein Fairplay, sondern eine linke Partie", meinte er 2002. Laut dem Tiroler habe der Klubchef zu ihm gesagt: "Der europäische Spielstil passt nicht zum chinesischen."
Ein Testspiel bestritt der Mittelfeldmann für Guoan, bevor er seinen Vertrag auflöste bzw. auflösen musste. Jahre später spricht Kirchler nämlich von Erpressung des Vereins. "Ich wollte telefonieren, das haben sie nicht erlaubt. Das war eine Erpressung, ich hatte echt Angst. Was willst du anderes tun, als zu unterschreiben."
Erwin Hoffer
SK Rapid zu SSC Napoli (2009)
Drei Jahre nach Ivanschitz stellte der Rapid-Topstürmer (27 Tore, 10 Assists in 2008/09) den neuen Transferrekord in der Bundesliga auf und wurde zum teuersten Österreicher bis dato.
Die 5 Millionen Euro von Neapel garantierten ihm aber keinen Startplatz. Gleichzeitig kam nämlich ein gewisser Fabio Quagliarella, der die Nase klar vorne hatte. Das ernüchternde Fazit: 89 Minuten in der Serie A, kein Tor - mehr kam nicht mehr dazu. Zumindest in der Coppa Italia traf er immerhin ein Mal.
Vier Jahre lang war "Jimmy" Hoffer auf einer Leih-Odyssee (2x Frankfurt, 2x Kaiserslautern) unterwegs, ehe es 2013 fest zu Fortuna Düsseldorf ging.
Roman Wallner
Falkirk zu Kalamaria & weiter zu Skoda Xanthi (2008)
Gleich zwei von Roman Wallners Transfers, jeweils nach Griechenland, schaffen es in diese Flop-Liste.
Denn obwohl er für zwei verschiedene Klubs in zwei Saisons unter Vertrag stand, spielte er nur ein einziges Mal. Und zwar im Februar 2003, mit Apollon Kalamaria gegen Piräus. Apollon gewann sogar 1:0. Es gab aber ein Problem. Wallner hätte gar nicht spielen dürfen.
Laut Verbandsregelungen darf ein Spieler während einer Saison nämlich nur für zwei Klubs spielen. Da Wallner in derselben Spielzeit schon für die schottischen Klubs Falkirk und Hamilton auflief, legte Olympiakos Beschwerde ein - und der griechische Verband lenkte ein. Nachträglich wurde die Partie nach einer CAS-Entscheidung mit 3:0 für Piräus gewertet, wodurch Olympiakos am Ende sogar Meister wurde.
Bei Kalamaria durfte Wallner in der Saison 07/08 nicht mehr eingesetzt werden. Es folgte der Wechsel zu Shoda Xanthi innerhalb der Liga, wo Wallner keine einzige Minute zum Zug kam. Nach den gescheiterten Auslandsabenteuern ging es zum LASK. Dort spielte er sich wieder ins ÖFB-Team.
Arnold Wetl
SK Sturm Graz zu FC Porto (1996)
Alles begann mit einer vermeintlichen Zusage des Spielers. Laut Sturm hatte Wetl nämlich einen Verbleib zugesagt, er wechselte allerdings zu Porto. Darum forderten die Grazer 7,7 Mio. Schilling. Porto spielte nicht mit, wollte Wetl nur ablösefrei holen. Immerhin gelang die provisorische Anmeldung dem FCP, der Spielerpass lag nämlich noch in Graz.
Sturm schaltete die FIFA ein, Porto stellte Wetl offiziell vor und wollte ihn für die Champions League anmelden. Daraufhin forderte Sturms Manager Heinz Schilcher: "Erteilt die FIFA die Freigabe, gehen wir vor Gericht."
Die Champions-League-Anmeldung ging nicht durch, weshalb er die gesamte Gruppenphase - Porto blieb ungeschlagen - aussetzen musste. In der Liga spielte er am Anfang, langfristig setzte er sich aber nicht durch.
Mit der Zeit verhärteten sich die Fronten sogar so sehr, dass Sturm 30 Mio. Schilling forderte. Am Ende gab die FIFA Porto und Wetl aber Recht, Sturm erhielt keine Entschädigung und Wetl durfte im CL-Viertelfinale endlich spielen. Nach einer Leisten-OP fiel er aber im Hinspiel (0:4 gegen ManUnited, erste Niederlage) aus. Im Rückspiel (0:0) spielte er zum einzigen Mal für Porto in der "Königsklasse".
Wetl machte letztlich insgesamt 14 Spiele (586 Minuten) für Porto, am Ende der Saison ging es weiter zu Rapid. Die Hütteldorfer zahlten sogar eine Ablöse (5,5 Mio Schilling) für ihn.
Florian Grillitsch
TSG Hoffenheim zu Ajax Amsterdam (2022)
Vom gesetzten Bundesliga-Spieler zu einem Ergänzungsspieler in der Eredivise. Man könnte sagen, er hat sich klassisch verpokert.
Grillitschs Transfersaga, nachdem er seinen Vertrag bei der TSG nicht verlängert hatte, war wohl eine der unglücklichsten der letzten Jahre. Wenn er nicht ausfiel, war er in Sinsheim gesetzt, hatte einen Marktwert von 16 Mio. Euro.
Anfänglich gab es Gerüchte um Arsenal, Napoli oder AC Milan. Konkret wurde es dann mit der Fiorentina. Dieser Transfer platzte allerdings, offenbar wegen des Beraters von Grillitsch, der gleichzeitig auch sein Vater ist. "Wir mochten das Gerede des Vaters und seine Forderungen nicht", erklärte Sportdirektor Prade. Vor allem soll ein zu hohes Handgeld gefordert worden sein.
Ebenso scheiterten danach die Wechsel zu Brighton oder Galatasaray. Wieder gab es bei den Verhandlungen Probleme. "Gewisse Dinge sind zuletzt äußerst unglücklich gelaufen. Dafür übernehme ich natürlich selbst die Verantwortung", so Grillitsch, der seine Lehren daraus zog und zurück zu seinem vorherigen Berater wechselte. Selbst Teamchef Ralf Rangnick meinte: "Ich gehe mal davon aus, dass er sich das auch anders vorgestellt hat."
Am 1. September kam es dann endlich zum Wechsel nach Amsterdam, wo er kaum über Teileinsätze hinauskam. Am Ende sprang nur der dritte Platz in der niederländischen Liga heraus, sein Marktwert hatte sich um 10 Mio. Euro verringert und Grillitsch kehrte ablösefrei zur TSG zurück.
Stefan Stangl
SK Rapid zu FC Red Bull Salzburg (2016)
"Aus unserer Sicht haben wir mit Ulmer und Stangl die beiden besten Linksverteidiger der Bundesliga im Kader", sagte Christoph Freund nach der Verpflichtung von Stangl im Sommer 2016.
Zum damaligen Zeitpunkt hatte Freund damit wohl sogar recht. Doch der letzte direkte Überläufer von Rapid nach Salzburg sollte scheitern. Es war der Anfang vom Ende seiner Karriere. "Ich habe es mir hier anders vorgestellt", gab Stangl im Mai 2017 zu.
Erst im Jänner 2018, nach insgesamt 13 Einsätzen, wurde der Edelreservist ausgeliehen. Es kam zum nächsten umstrittenen Wechsel, in der Rückrunde spielte er nämlich leihweise bei der Wiener Austria. Danach löste Salzburg den Vertrag auf - zwei Jahre vor Vertragsende.
Der richtige Abstieg des Linksverteidigers ereignete sich natürlich erst Jahre später, als er im Gefängnis landete.
Kevin Wimmer
Tottenham Hotspur zu Stoke City (2017)
Der ÖFB-Teamspieler kam als Spurs-Rotationsspieler und war dem Premier-League-Klub 19,5 Mio. Euro wert. Er war damit - zum damaligen Zeitpunkt - der zweitteuerste Österreicher aller Zeiten.
Und zu Beginn wirkte das Engagement bei den Potters auch vielversprechend, Wimmer war unter Mark Hughes gesetzt. Stoke rutschte allerdings auf einen Abstiegsplatz, Hughes musste gehen.
Unter dem Interimscoach durfte Wimmer noch eine Halbzeit als Linksverteidiger ran, der neue Chefcoach Paul Lambart verbannte den ÖFB-Kicker aber aus dem Kader. Am Saisonende folgte der Abschied, wobei Wimmer im Frühjahr nur noch für die zweite Mannschaft spielte.
Eine Rolle bei Stoke sollte er danach nie mehr spielen. Von Fans wurde allen voran der Fitnesszsutand von Wimmer als "große Enttäuschung" gesehen, meinte ein Stoke-Reporter 2019. Es kam zu mehreren nicht wirklich erfolgreichen Leihen, erst 2021 verließ Wimmer den Klub endgültig und schloss sich Rapid an.
Gilbert Prilasnig
Zu Cambridge United, vorher vertragslos (2004)
Der zweifache Meister und dreimalige Cupsieger unterschrieb im Frühjahr 2004 überraschend in der vierten Liga Englands.
Prilasnig, immerhin 16-facher ÖFB-Teamspieler, kam mit zwei Zielen nach Cambridge: Den Abstieg zu verhindern und sich im englischen Fußball zu etablieren. Nur ersteres hat er geschafft.
Nach Vertragsende in England ging der damals 31-Jährige sogar einen extremen Schritt. Er beendete seine Karriere. Laut ihm hatte Kapfenberg während seiner Zeit in Cambridge Interesse, er sollte sogar nach Österreich fliegen.
"Als ich dann auf der Heimreise war, hat das Telefon geläutet und mir wurde erklärt, dass ich nicht mehr kommen brauche, weil mich der Präsident nicht will. Solange solche Leute bei den Vereinen das Sagen haben, will ich mit dem Fußball nichts mehr zu tun haben", erzählte er der "APA" im Dezember 2004.
Ein Monat später ruderte Prilasnig zurück - und unterschrieb beim DSV Leoben.
Marc Janko
FC Porto zu Trabzonspor (2012)
Er war Stammspieler bei Porto, Teil eines starken Trios mit James Rodriguez und Hulk. Aber nur für ein halbes Jahr.
"Bei Porto haben sie mir eine Woche vor Transferschluss gesagt, dass ich ab jetzt Stürmer Nummer zwei bin", erzählte Janko Jahre später am Stammtisch bei Andy Ogris.
Für ihn war als damaliger ÖFB-Teamkapitän allen voran die Spielzeit wichtig. Über seinen Manager wurde ein Wechsel zu Trabzonspor ausgehandelt. Dort mit dem Privatjet angekommen, wurde Janko böse überrascht. "Das erste Gespräch mit dem Trainer war: 'Wer sind Sie, wo können sie spielen?'"
Ähnlich ging es weiter, der Transfer in die Türkei wurde zum kompletten Missverständnis. "Ich hätte fast meine sportliche Karriere ruiniert", gestand Janko und offenbarte weitere Details: "Ich musste flüchten, weil sie ja auch angedroht haben, dass sie nicht mehr für die Sicherheit von mir und meiner Frau garantieren können." Nach zwei Saisons in der Türkei wechselte er zum Sydney FC.
Jonas Pamperl