These: Ralf Rangnick wollte Heavy Metal, bekommen hat er Jazz
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These: Ralf Rangnick wollte Heavy Metal, bekommen hat er Jazz

Nach der Pflichtübung gegen Israel diskutiert LAOLA1-Chefredakteur Harald Prantl mit 90minuten-Redakteur Georg Sohler die ersten Erkenntnisse.

Bewährte Kräfte mühten sich gegen disziplinierte und spielfreudige Israelis lange ab, gewann dann aber doch noch mit 3:1.

Welche Lehren aus diesem Spiel zu ziehen, sind, besprechen LAOLA1-Chefredakteur Harald Prantl mit 90minuten-Redakteur Georg Sohler anhand provokanter Thesen von Daniel Sauer.


These 1: Bei ihren letzten Auftritten hat die ältere Garde im ÖFB-Team wenige Argumente für sich gesammelt. Ein breiterer Umbruch ist dringender notwendig, als gedacht.

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Georg Sohler:

Ich geb's zu, ich war überrascht, dass Ralf Rangnick sich für diese routinierte und bekannte Startelf entschieden hat. Gut, der erste Lehrgang nach einem Großereignis ist immer schwierig und die Israelis sind schwierig zu bespielen.

Aber ist es notwendig, dass dann wirklich alle jahrelangen Leistungsträger aus der Kategorie 30plus auf dem Platz stehen? Oder jene, deren tatsächlicher Impact in den Rangnick-Jahren eher überschaubar war?

Hinten müssen die Affengrubers und Veratschnigs irgendwann Erfahrungen sammeln, sonst haben sie diese nicht, wenn man sie irgendwann braucht. Und selbst wenn der Teamchef primär an die EURO 2028 denkt, haben doch Kicker wie Wanner, Chukwuemeka oder auch Lang gezeigt, dass sie ein bissl andere Musik machen als die arrivierten Kräfte, die vorher am Platz gestanden sind. Ohne die bisher erbrachten Leistungen der letzten Generation zu schmälern, zeigte sich, dass es 2026 wohl andere Kicker braucht als 2022.

Harald Prantl:

Liebe Leute, wir sprechen hier von vier Spielen innerhalb von elf Tagen. Es ist logisch, dass alle ihre Chancen bekommen werden, wenn sie sich in den wenigen Trainings aufdrängen, keine Sorge. Dass aber zum Auftakt, vor dem so gut wie gar keine Zeit zum Trainieren war, jene Kicker aufgestellt werden, die die rangnicksche Spielweise schon verinnerlich haben, liegt da doch auf der Hand.

Das sind immerhin "jahrelange Leistungsträger" wie ich bei Kollegen Sohler lese. Lasst uns diesen Umbruch doch am Ende dieses Lehrgangs beurteilen, nicht nach einem Viertel davon.


These 2: Ralf Rangnick hat Heavy-Metal-Fußball gefordert, bekommen hat er Jazz. Auch über den Teamchef muss man diskutieren dürfen, wenn die Mannschaft an der Umsetzung seines Fußballs scheitert.

These 2: Ralf Rangnick hat Heavy-Metal-Fußball gefordert, bekommen hat er Jazz. Auch über den Teamchef muss man diskutieren dürfen, wenn die Mannschaft an der Umsetzung seines Fußballs scheitert.
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Harald Prantl:

Wie unglaublich toll wäre es doch, würde dieses ÖFB-Team Jazz spielen. Größtmögliche Kreativität in einem Rahmen, in dem am Ende des Tages alle gemeinsam funktionieren und irgendwie immer den Takt finden.

Aber ganz abgesehen davon, nein, Heavy Metal war das gegen Israel nicht. Nachdem Kollege Sohler mehr Freund der härteren Gitarrenmusik ist, überlasse ich ihm mit seiner Expertise, welches Genre die softere Vorstufe von Heavy Metal wäre. Ich finde aber, dass gegen technisch starke Israelis durchaus immer wieder Phasen zu sehen waren, in denen frühe Balleroberungen gelungen sind.


Georg Sohler:

Ich stimme hier natürlich zu, dass Jazz von Virtuosität geprägt ist und in der Anfangsphase eher von Israel gespielt wurde. Wenn Jazz aber fad sein soll und Heavy Metal aufregend, finde ich den Vergleich nicht so gut.

Die härtere Geschichte hat definitiv der Jazz – wenn man sich anschaut, unter welchen Umständen diese Musik entstanden ist. Die härtere Geschichte ist – nomen est omen – Heavy Metal.

Dieser Musikstil fetzt dir seine Härte direkt ins Gesicht, die Gliedmaßen und somit ebenfalls die Haxen, also passt das zum Rangnick-Kick ganz gut. Zumindest dann, wenn es funkioniert und man hat es zwischendurch auch gesehen. Blöd war es natürlich auch, dass die dann so ihre Irish-Pub-Punkmusik eingestreut haben...

Was Österreich zwischen den Metal-Phasen geboten hat, ist mehr so Lounge-Musik. Die erfüllt ihren Zweck, einen entspannten Abend nett zu machen. Und das Ergebnis war ja auch nett.


These 3: Paul Wanner hat dem ÖFB-Spiel mit seiner Kreativität dringend benötigten Schub gegeben. Er muss gegen den Kosovo in der Startelf spielen.

These 3: Paul Wanner hat dem ÖFB-Spiel mit seiner Kreativität dringend benötigten Schub gegeben. Er muss gegen den Kosovo in der Startelf spielen.
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Georg Sohler:

Niemand weiß, welchen Plan sich Rangnick und sein Trainerteam für diese vier Spiele zurechtgelegt haben. Vielleicht wollte der Teamchef sich einmal anschauen, wie Österreich-alt die Pflicht erledigt, um dann mit Österreich-neu durchzustarten – und da spielt Paul Wanner logischerweise eine wichtige Rolle.

Insofern stimme ich der These grundsätzlich zu. Allerdings kommt da heute doch einiges an Wucht auf Österreich zu. Denn die Kosovaren schwimmen qualitativ sicher nicht auf einer dünneren Nudelsuppe daher als die Israelis und wirken dabei eben noch körperlich eindrucksvoller.

Letzteres kann Wanner nicht so ganz von sich behaupten. Vielleicht wäre Team Österreich nicht so schlecht beraten, den Gegner einmal ein bisserl an- und sich müde rennen zu lassen. Nicht nur, aber auch weil Kosovo-Coach Franco Foda recht genau weiß, wie man wilden Pressing-Kick in seine Schranken weisen kann.

Harald Prantl:

Jeder, der ein bisschen Ahnung von Fußball hat, wird in Wanners ersten acht Länderspielen zur Erkenntnis gelangt sein, dass dieser junge Mann über Jahre hinweg eines der prägenden Gesichter des österreichischen Fußballs sein kann.

Er bringt ein spielerisches und kreatives Element mit, das das ÖFB-Team auf ein anderes Niveau hebt. Es steht außer Zweifel, dass das auch Ralf Rangnick bewusst ist, er wird sich nicht umsonst so lange so intensiv um ihn bemüht haben. Also keine Sorge, der wird noch mehr als genug spielen. Und es würde mich wundern, stünde er gegen den Kosovo nicht in der Startelf.


These 4: Gregoritsch, Schlager und Seiwald müssen in ihre Führungsrolle erst hineinwachsen. Dem ÖFB-Team fehlt ohne Alaba und Arnautovic ein echter Antreiber.

These 4: Gregoritsch, Schlager und Seiwald müssen in ihre Führungsrolle erst hineinwachsen. Dem ÖFB-Team fehlt ohne Alaba und Arnautovic ein echter Antreiber.
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Harald Prantl:

Ja, natürlich müssen sie in diese Rolle erst hineinwachsen. Das ist nach einer so langen Ära mit auch abseits des Rasens dominanten Superstars wie Marko Arnautovic, David Alaba und Marcel Sabitzer auch nur logisch.

Wenn sich in einer Gruppe Hierarchien verschieben, braucht das eben ein wenig Zeit. Ich bin mir gleichzeitig sicher, dass vor allem mich Gregoritsch und Xaver Schlager zwei Charaktere in diesem Team sind, die sehr rasch in die Fußstapfen treten können und werden.

Und an Antreibern hat es gegen Israel wohl nicht gefehlt. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass da ein mannschaftsinterner Motivationsschub gefehlt hätte.

Georg Sohler:

Die Frage nach Leadership und Teambuilding hat die deutsche Sprache mit Anglizismen und Denglish schon genug verhunzt, darum kommt hier meine Interpretation, was die alte Garde da ausgemacht hat:

Sie haben einfach alleine oder zu zweit hin und wieder was komplett Oages veranstaltet, das die Mannschaft aufgeweckt hat oder den Gegner am falschen Fuß erwischt. Ich erinnere hier nur an das 1:0 gegen Algerien bei der WM. Am besten ist es aber ohnehin, wenn es nicht diese zwei, drei Führungsspieler gibt und der Rest wartet, bis die etwas machen. Das beschreibt Harald ganz gut.

Es ist für ein Team im Umbruch besser, wenn die Last auf viele Schultern verteilt ist. Wenn ein Danso etwa dem Rest Sicherheit gibt, indem er Ball und Gegner (fair) dreimal in Folge wegräumt, ein Kalajdzic den Gegner seine Physis spüren lässt, Wanner einmal abzieht – dann ist das in Summe vielleicht besser, als in schwierigen Phasen einmal zu schauen, was den alten Hasen so einfällt.


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