Radikal war das nicht. Radikalität braucht es aber auch nicht.
Die ÖFB-Startaufstellung beim 3:1 gegen Israel bestand aus altbekannten Gesichtern. Sehr routiniert, sehr länderspielerfahren. Wer zum Auftakt der Nations League einen großen Umbruch erwartet hatte, wurde enttäuscht.
Abgepfiffen wird nicht nach 89 Minuten
Würde ein Fußballspiel nur 89 Minuten dauern, wären die Lamenti laut gesungen worden. "Nur ein Heim-Remis gegen Israel trotz 35 Minuten Überzahl, keine Lösungen in der Offensive", wäre die Conclusio eines enttäuschenden Abends gewesen.
Ein Fußballspiel dauert aber eben immer bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Schiedsrichter abpfeift. Und so war es dann doch ein Sieg, kein berauschender, aber ein letztlich einigermaßen zufriedenstellender Abend.
Noch kein Fazit möglich
Ob der Umbruch im ÖFB-Team funktioniert, lässt sich jetzt noch nicht beurteilen. Das muss es aber auch nicht.
Drei Spiele sind in diesem Lehrgang noch zu spielen. Danach lässt sich ein Fazit ziehen.
Eine logische Aufstellung
Dass Teamchef Ralf Rangnick zum Auftakt auf bewährte Kräfte setzt, ist nämlich durchaus logisch. Zwei echte Trainingseinheiten hat der aktuelle Kader in den Beinen. Da wäre es ein zu großes Risiko gewesen, eine komplett neue Mannschaft aufzustellen.
Bei all der berechtigten Enttäuschung über die schwachen Leistungen – bewusst Leistungen, nicht Ergebnisse – bei der WM 2026 sei in Erinnerung gerufen, dass der Stamm der Mannschaft sehr oft sehr gute Vorstellungen geboten hat.
Es braucht frisches Blut
Dass es frisches Blut braucht, liegt auch auf der Hand. Doch es muss kein radikaler Schnitt her, sondern der kontinuierliche Einbau jüngerer Spieler.
Es ist davon auszugehen, dass Rangnick in den kommenden Partien weiteren Neulingen ihre Chancen geben wird. Schritt für Schritt.
Wie gut das alles geklappt hat, wissen wir nach weiteren 270 Nations-League-Minuten.
Harald Prantl