These: Eine Bundesliga-Aufstockung wäre bequem, aber nicht zukunftsträchtig
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These: Eine Bundesliga-Aufstockung wäre bequem, aber nicht zukunftsträchtig

Hinter verschlossenen Türen wird über eine Reform des gegenwärtigen Systems von Bundesliga und 2. Liga gesprochen. Die 90minuten-Redakteure Georg Sohler und Daniel Sauer diskutieren.

Das derzeitige Ligensystem mit zwölf Klubs in der Bundesliga und 16 in der 2. Liga ist alles andere in Stein gemeißelt. Was immer mal wieder angedeutet wird, wurde dem "Kurier" zugetragen. Dieser titelte in Folge:

"Bundesliga-Reform: 16+12 statt 12+16 als Plan für die Zukunft"

Die 90minuten-Redaktion konfrontiert Georg Sohler und Daniel Sauer mit gleich fünf provokanten Thesen, ob das eine gute Idee wäre:

These: Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum die Top-Klubs der Bundesliga einer Aufstockung auf 16 Vereine zustimmen sollten.

These: Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum die Top-Klubs der Bundesliga einer Aufstockung auf 16 Vereine zustimmen sollten.
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Georg Sohler: Zuerst muss so etwas finanziell durchdacht werden: Du brauchst Einnahmen in der Höhe von rund zehn Millionen Euro, um in der Bundesliga mitzukicken. Ja, die WSG schafft das alles laut Geschäftsbericht auch mit 7,3 Millionen. Im Schnitt waren es 2024/25 aber über zwölf Millionen Euro. Zwar gibt es gemäß 90minuten-Berechnungen große Einnahmensteigerungen, beispielsweise durch TV-Gelder oder höher dotierte Sponsorenverträge, aber diese Zahlenspiele beziehen sich auf die Zwölferliga. Das würde ich nicht Eins-zu -Eins umlegen. In weiterer Folge braucht es vier zusätzliche Vereine für das Oberhaus und zwei bis vier weitere für einen Auf- und Abstieg. Diese müssen auch Qualität mitbringen, in allen Belangen. Unter den Top 4 ist mit dem FAC schon ein Klub ohne Stadion. Hinter der Admira liegen mit Amstetten, den Young Violets und Liefering drei Klubs, die nicht aufsteigen. Abgesehen von mittelfristig niedrigeren Einnahmen aus dem TV-Vertrag (das gilt auch bei 12 Vereinen): Warum sollte irgendein wirtschaftlich Verantwortlicher lieber am 8. Februar gegen den FAC kicken wollen, als um die Meistergruppe?

Daniel Sauer: Im Idealfall denkt auch die heimische Elite über die eigene Nasenspitze hinaus. Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation sollten sich alle Funktionäre einer konstruktiven Diskussion öffnen. Ist das größte Problem wirklich der Verlust von Top-Spielen, ließe es sich mit einem verkürzten Playoff lösen - in anderen Ländern teilt sich die Liga nach 30 Runden. Schauen wir der Realität ins Auge: Heuer finden sich erst zum zweiten Mal alle fünf Großklubs im oberen Playoff. Die Garantie, dauerhaft oben mitspielen zu dürfen, gibt es nicht. Ein Abrutschen nach unten ist für den jeweils betroffenen Verein aber fatal. Das ist doch ein vernünftiger Grund: Mit Blick auf die Halbwertszeit von Trainern und die damit verbundene Entwicklung von Spielern sollte eine Spur weniger Druck auch den Großen entgegenkommen.

These: Das Produkt Bundesliga verträgt den Spannungsabfall, der mit einer Aufstockung auf 16 Klubs einherginge, einfach nicht. Das mag für kleinere Klubs der bequemere Weg, aber sicher kein zukunftsträchtiger sein.

These: Das Produkt Bundesliga verträgt den Spannungsabfall, der mit einer Aufstockung auf 16 Klubs einherginge, einfach nicht. Das mag für kleinere Klubs der bequemere Weg, aber sicher kein zukunftsträchtiger sein.
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Daniel Sauer: Mit der Annahme, dass eine Aufstockung der Liga sämtliche Spannung entziehen würde, kann ich wenig anfangen. Nüchtern betrachtet liegt das Leistungsniveau zwischen einem Bundesligisten außer Form, einem Zweitligisten und guten Regionalliga-Klubs wohl näher beisammen, als man vermuten würde. Der ÖFB-Cup mag ein suboptimaler Maßstab sein, hat diese Sicht 2025/26 aber trotzdem untermauert. Es kann knapp hergehen - Fans von Sturm, Austria, Altach, Ried, GAK, WAC und Rapid werden sich erinnern. Möchte man auf Nummer sicher gehen, bliebe immer noch die Playoff-Option zum Saisonende. Solange sich kein Verein anschickt, Dominanz in Salzburger Manier zu entwickeln, würde es weiterhin genügend spannende Positionskämpfe geben.

Georg Sohler: Das Cup-Beispiel teile ich nicht wirklich, weil es logisch ist, dass Kleine in 90 gehypten Minuten in Volksfeststimmung über sich hinauswachsen können. Qualität ist ja das regelmäßige Ausschöpfen des Leistungspotenzials und demzufolge spielt Kalsdorf halt dritte Liga und Sturm führt die Bundesliga an. Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie spannend das Duell WSG Tirol gegen FAC Wien um Platz 12 sein soll. Wenn ich mir unser Nachbarland Tschechien anschaue, sehe ich in deren seit 1993/94 ausgetragener 16er-Liga jetzt auch nicht viel mehr Diversität. Sparta Prag ist mit 14 Titeln Rekordmeister, dahinter lauern Slavia (8) und Pilsen (5), Slovan Liberec hat auch noch drei. Die Verfolger sind außerdem enden wollend divers. In den letzten zehn Jahren gingen von den 30 Top-3-Plätzen nur drei nicht an die genannten Teams. Nach oben bringt das also nichts, und unten ist es bequemer...

These: Es ist ein Trugschluss, dass sich Talente im Falle einer Aufstockung der Bundesliga auf 16 Klubs besser entwickeln können, weil die Vereine im Tabellen-Mittelfeld ohne Druck vermehrt auf sie setzen würden. Die heißesten Zukunftsaktien finden so oder so einen Weg.

These: Es ist ein Trugschluss, dass sich Talente im Falle einer Aufstockung der Bundesliga auf 16 Klubs besser entwickeln können, weil die Vereine im Tabellen-Mittelfeld ohne Druck vermehrt auf sie setzen würden. Die heißesten Zukunftsaktien finden so oder so einen Weg.
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Georg Sohler: Das sehe ich auch so und die Zahlen geben mir Recht: Österreich liegt mit einem Durchschnittsalter von 24,9 Jahren in der höchsten Spielklasse in etwa im Bereich von Norwegen mit 16 Erstliga-Vereinen. Nationen wie Tschechien (25,9 im Schnitt/16 Klubs), Polen (26,0/18) oder Schottland (26,8/12) sind mit unterschiedlichen Ligengrößen älter. Sprich: Die Rechnung "Größere Liga ergibt jüngerer Kader und somit mehr Talente" geht nach nackten Zahlen nicht wirklich auf. Schaut man sich 16er-Ligen an, so gibt es Länder, die dann ohnehin wieder auf ein Playoff-System setzen (Belgien, Bulgarien) oder wo es zwischen den Europacup-Plätzen und dem Tabellen-Mittelfeld auch sehr knapp ist (Ukraine, Schweden 2025). Fakt schlägt hier Gefühl.

Daniel Sauer: Befindet sich das druckfreie Tabellen-Mittelfeld gerade mit uns im Raum? Im Ernst, ich greife Georgs Beispiel Tschechien auf: 16 Vereine teilen sich nach der nächsten Runde in drei Gruppen. Um beide Trennstriche wird hart gekämpft. Auch in Deutschland findet man in den höchsten Ligen jeweils sieben bis acht Vereine, die noch Abstiegssorgen hegen könnten. Für echte Jugendförderung gäbe es andere Konzepte. Der Österreicher-Topf wurde in der Bundesliga aber nahezu in die Irrelevanz degradiert. Regelungen hinsichtlich einer verpflichtenden Nennung von Eigenbauspielern im Kader, wie in anderen Ländern, gibt es hierzulande ebenfalls nicht. Manche Vereine setzen ungeachtet der Ligagröße auf junge Spieler, andere weniger. So wird es bleiben.

These: Sollte die Bundesliga auf 16 Klubs aufgestockt werden, muss die 2. Liga auf 12 Klubs reduziert werden. Mehr Profi-Vereine verträgt Österreich nicht.

These: Sollte die Bundesliga auf 16 Klubs aufgestockt werden, muss die 2. Liga auf 12 Klubs reduziert werden. Mehr Profi-Vereine verträgt Österreich nicht.
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Daniel Sauer: Gegenwärtig würde ich mich einer möglichen Lösung lieber von unten nähern. Die kleinste Liga der Welt wird auf den Scilly-Inseln vor Großbritannien zwischen zwei Vereinen ausgetragen - damit wäre der Bogen freilich überspannt. Aber wie wäre es denn mit einer 10er-Zweitliga, wie in der Schweiz? Ein Aufsteiger, eine Relegation zur ersten Liga, ein Absteiger, keine Zweitvertretungen. Aufstockungspläne haben die Nachbarn gerade verworfen, so unzufrieden dürfte man also nicht sein. Eine Reform hin zu 32 Profivereinen wäre Größenwahn, bei 28 tendiere ich zu einem ähnlichen Urteil. Eine Reduktion auf 26 Vereine hielte ich in wirtschaftlich angespannten Zeiten für die vernünftigste Variante.

Georg Sohler: Es gab ab 2006/07 bis 2009/10 schon eine Zwölferliga. Das hielt die Klubs nicht davon ab, finanziell Mist zu bauen, siehe Admira Wacker, GAK, Bad Aussee, Leoben und Kärnten. Ok, auch davor, danach und dieses Jahr hat es niemanden davon abgehalten. Aber ich stelle da einmal generell am unteren Ende des Profifußballs die Frage, ob die Anzahl an Profiklubs davon abhängt, ob es genügend Vereine gibt, die 23 Männern den kollektivvertraglichen Mindestlohn zahlen - oder ob es nicht doch um Strukturen rund um die erste Mannschaft geht. Aktuell definieren wir Profifußball aber nach der Bezahlung der Spieler. Also bin da bei Daniel, dass eine mögliche Aufstockung oben mit einer Reduktion der Klubs in der 2. Liga einhergehen muss, zumindest kurz- bis mittelfristig.

These: Auch bei 12 Vereinen in der 2. Liga müssen bis zu drei Zweitvertretungen zugelassen werden. Ansonsten verliert diese Liga ihren Sinn als Plattform für Talente komplett.

These: Auch bei 12 Vereinen in der 2. Liga müssen bis zu drei Zweitvertretungen zugelassen werden. Ansonsten verliert diese Liga ihren Sinn als Plattform für Talente komplett.
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Georg Sohler: Tatsächlich hätten – glaube ich – viele Zweitligisten nichts gegen Zweitvertretungen. Da die Zweitvertretungen beispielsweise beim TV-Geld nicht mitnaschen, bedeutet eine Reduktion von 16 auf zwölf, dass der Kuchen für die verbleibenden Klubs größer wird. Und ob ich als Vienna keine oder kaum Gästefans von den Young Violets oder Austria Lustenau zu betreuen habe, wird herzlich egal sein. Abgesehen davon ist jeder echte Verein dazu aufgefordert, schlichtweg sportlich besser zu sein als alle Zweitvertretungen und sich dabei nicht in den finanziellen Irrsinn reiten zu lassen. Auf einer ernsthafteren Ebene: Spanien erlaubt Zweitvertretungen in der zweiten Leistungsstufe, Deutschland in der dritten. Die Italiener schließen sie vom Profifußball aus. Wir werden ab 11. Juni bei der WM sehen, welches Modell überzeugender ist. Ich kenne alle Vorbehalte gegenüber Zweitteams, auch in den unteren Klassen. Fakt ist, dass man immer einen Spagat zwischen Jugendförderung und möglichst spannender Meisterschaft machen muss.

Daniel Sauer: Die Zuschreibungen “Plattform für Talente” und “Jugendförderung” ausschließlich an die Anwesenheit dreier Zweitvertretungen zu knüpfen, tut anderen Vereinen Unrecht. Auch reguläre Zweitligisten investieren viel in Nachwuchsarbeit und bieten Eigengewächsen eine Chance. Sofern das sportliche Niveau attraktiv bleibt, ließen sich Spieler über Leihen oder Kooperationen außerdem weiterhin in LigaZwa platzieren - ohne gleichzeitig die Zuschauerzahlen zu torpedieren. Es geht nämlich nicht nur um Gästefans, sondern auch um die bescheidene Atmosphäre in den leeren Heimstadien, die das Produkt LigaZwa insgesamt abwerten. Sinnvoll wäre eine möglichst kompakte und stabil besetzte 2. Liga. Bleiben nach Aufstellung aller ernsthaft am Profifußball interessierten Vereine Plätze übrig, dürfen sie gerne mit Zweierteams gefüllt werden. Diesen aber eine hohe Priorität einzuräumen, halte ich für vermessen.


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