Wer muss 2026 aus der ADMIRAL Bundesliga absteigen?
Diese Frage entscheidet sich am Samstag (ab 17:00 Uhr im LIVE-Ticker) im direkten Duell zwischen Blau-Weiß Linz und dem GAK. Gewinnt Blau-Weiß, bleiben sie erstklassig. Dem GAK würde ein Unentschieden für den Klassenerhalt reichen.
Während in Linz ums nackte Überleben gekämpft wird, hofft man andernorts auf eine Europacup-Teilnahme. Während sich die SV Ried im Duell gegen den SCR Altach einigermaßen entspannt auf das Europacup-Playoff einstimmen kann, wollen sich die Vorarlberger für ebendieses qualifizieren.
Auch im Duell zwischen der WSG Tirol und dem Wolfsberger AC geht es darum, mindestens eine weitere Partie bestreiten zu dürfen.
Die 90minuten-Redaktion konfrontiert Georg Sohler und Daniel Sauer vor dem spannendsten Samstag der Saison mit drei Thesen.
These: Ohne die Punkteteilung wäre der GAK bereits gerettet und Blau-Weiß abgestiegen. Ein Abstieg der Linzer wäre sportlich die fairste Lösung.
Daniel Sauer:
Unterm Strich hat die Punkteteilung den GAK zwei Punkte und einen Stern gekostet – streng genommen ist der Abstand vor dem letzten Saisonspiel exakt gleich groß, wie zum Auftakt der Qualigruppe. Eine sportlich fairere Lösung als ein direktes, entscheidendes Duell, kann es zum Abschluss eigentlich nicht geben.
Blau-Weiß Linz hat sich eine letzte Chance unter Trainer Michael Köllner vor eigenem Publikum redlich verdient und hart erarbeitet. In der Qualigruppe konnte seine Truppe alle vier Heimspiele gewinnen und teilt sich mit dem GAK und Ried ligaweit den besten Punkteschnitt ab Runde 23.
Auch die Grazer waren im Herbst schon einmal abgeschlagen Letzter. Wer diesen potenziellen Comeback-Stories nichts abgewinnen kann, hat den Fußball nie geliebt. Bitter - egal für wen - wird es allemal.
Georg Sohler:
Zum Glück ist die Punkteteilung mit Ende der Saison nur noch ein Fall für die Fußballarchive. Derzeit gilt sie und dann muss eben der runter, der nach den Regeln am wenigsten Punkte hat.
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal unterstreichen, wie unfair das System in Wahrheit ist. Schauen wir uns die WSG Tirol an: Die Wattener hatten nach Ende des Grunddurchgangs 31 Punkte, auf den TSV Hartberg haben nur zwei Zähler gefehlt – du gehst mit 16 (!) Punkten Vorsprung auf Blau-Weiß Linz in die Finalphase und musst dann bis zum vorletzten Spieltag zittern.
Acht Punkte Vorsprung sind mit der Drei-Punkte-Regel eben schnell passé und am Ende kann es sein, dass du in der Tabelle gleich viele Punkte wie der Absteiger hast.
Zwei Dinge stelle ich abschließend noch nebeneinander: Es kommt nicht allzu oft vor, dass Trainer von Kleinklubs ins Ausland geholt werden. Der Regelfall ist, dass sie wegen Misserfolgs vor die Türe gesetzt werden.
Ich stelle darum die These auf: Mit Gerald Scheiblehner wären die Oberösterreicher schon lange gerettet. Und umgekehrt muss man sich fragen, wie man es trotz Ronivaldo und Shon Weissman (je zehn Tore) schafft, da hinten drin zu stecken.
These: Egal ob wir nächste Saison auf das Grazer oder das Linzer Stadtderby verzichten müssen, es ist ein herber Verlust für die Bundesliga. Ein anderer Absteiger hätte der Attraktivität der Liga sicher nicht geschadet.
Georg Sohler:
Echte Derbys sind immer ein Gewinn für eine Liga. Ich kann den Gedankengang auch nachvollziehen, dass der eine oder andere dem WAC oder der WSG Tirol den Abstieg mehr gewünscht hätte. Ich denke aber, dass der Ausblick auf ein Vorarlberg-Derby nicht so schlecht ist.
Außerdem sollte man das Thema als Fan auch nicht so egoistisch sehen. "Verliert" die Bundesliga einen attraktiven Standort an die 2. Liga, gewinnt wiederum diese Liga einen. Darüber hinaus wäre es sowohl für den GAK, als auch für Blau-Weiß wohl nur ein Abschied auf Zeit.
Das zeigt sich in den letzten Jahren schon: Der Fall ist nicht mehr so tief, wie er einst war. Diverse Strukturen lassen sich ein paar Jahre aufrechterhalten, ohne ganz oben zu spielen. Weiters laufen aktuell Diskussionen über das Ligaformat, vielleicht wird die Bundesliga ohnehin aufgestockt.
Daniel Sauer:
Nach welchen Kriterien definieren wir Attraktivität? Georg führt die WSG Tirol und den WAC als Wunsch-Absteiger der breiten Masse ins Treffen und liegt mit dieser Einschätzung wohl nicht weit daneben.
Ja, der atmosphärische Beitrag der genannten Vereine bei Heim- und Auswärtsspielen hat Verbesserungspotenzial. Im Profisport geht’s dann aber schon um mehr. Eine vibe-basierte Bundesliga wird schneller langweilig, als viele denken.
Ich wünsche mir zwölf (oder mehr) Klubs, die attraktiv und konkurrenzfähig Fußball spielen. Das hat die WSG über weite Teile dieser Saison getan, der WAC zumindest im Vorjahr. Von GAK und Blau-Weiß konnte man das in den letzten Monaten kaum behaupten.
Freilich ist es ein herber Verlust, wenn ein Traditionsverein samt Derby verloren geht. Aber wie von Georg ebenfalls erwähnt: Es kommt ja etwas nach.
These: Jetzt, wo die schwere Abstiegs-Last endlich von den Schultern gefallen ist, wird der WAC beweisen, dass er die beste Mannschaft der Qualifikationsgruppe ist und ins Europacup-Playoff-Finale durchmarschieren.
Daniel Sauer:
Aus der Ferne würde ich dem WAC nach dem fixierten Klassenerhalt eher einen Druckabfall, als einen Energieschub diagnostizieren. Die feuchtfröhlichen Feierbilder aus der Kabine sprechen in dieser Hinsicht eine klare Sprache.
Auch der Partyurlaub auf Mallorca wird aus sportwissenschaftlicher Sicht nicht als Vorteil zu werten sein.
Ein Einzug ins Playoff-Finale würde zunächst einen Sieg gegen die WSG Tirol erfordern. Ein solcher ist den Kärntern 2025/26 noch nicht gelungen. Dann würde die überaus unangenehme SV Ried warten, für die es in der 32. Runde um nichts mehr geht. Max Senft wird nicht, könnte aber mit seinem Team den Fokus durchaus schon auf das Playoff legen und Kräfte sparen.
Thomas Silberberger hat den WAC erfolgreich wiederbelebt, die Vorzeichen für weitere Höhenflüge könnten aber trotzdem besser sein.
Georg Sohler:
Dass der WAC grundsätzlich besser als der Tabellenstand ist, wird wohl niemand bezweifeln. Von den bisherigen Saisonduellen mit der SV Ried konnten die Innviertler allerdings zwei gewinnen und spielten in der Qualifikationsgruppe dann einmal remis und verloren das letzte Duell.
Wenn man so will, weiß Thomas Silberberger also, wie man die spezielle Rieder Taktik aushebelt.
Der hat übrigens angekündigt, dass zehn Spieler den Verein verlassen werden – vermutlich die, die aufgezeigt haben und etwas überreif für einen weiteren Karriereschritt sind.
Dass denen das Playoff recht wurscht ist, ist menschlich nachvollziehbar. Warum dennoch niemand auf die Idee kam, erst nach Abschluss Partyurlaub zu machen, muss ich persönlich nicht verstehen.
Vielleicht rechnet Dietmar Riegler einfach eiskalt: Gewinnt man das Europacup-Playoff, stehen bis zu drei Qualifikationsrunden an. Nach einem Kaderumbruch könnte zusätzliche Trainingszeit gewinnbringender sein als UEFA-Gelder.
Für Einnahmen sorgen Abgänge: Thierno Ballo wird wohl bei Millwall bleiben. Mit Nikolas Polster, Dejan Zukic (beide Vertrag bis 2027), Erik Kojzek, Fabian Wohlmuth oder Boris Matic hat er genügend heiße Transferaktien.
Georg Sohler
Daniel Sauer