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Arnautovic' Trashtalk: Schöttels falsches Signal

ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel ordnet die verbalen Ausrutscher von und mit Marko Arnautovic rund um das Nordmazedonien-Match als „Trashtalk“ ein. Ein komplett falsches Signal.

++ Die 91. Minute - exklusiv von Michael Fiala ++

 

Es war ein schönes Gefühl am Montag, als ich zu „meiner U9“ am Tag nach dem 3:1-Sieg zum Training gekommen bin. Anders als sonst, sind einige Kinder nicht mit dem Barcelona-, Bayern-, Rapid- oder Salzburg-Trikot erschienen, sondern ein paar der Kids haben das ÖFB-Dress getragen. Das kommt nicht oft vor und es zeigt, welche Wirkung das Nationalteam erzeugen kann.

Es hat auch nicht lange gedauert und die Kinder haben über Marko Arnautovic gesprochen und zum Teil auch die Szene mit dem von David Alaba zugehaltenen Mund nachgespielt. Bei der Einordnung dieser Szenen tun sich die Kids natürlich schwer. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, aber auch eine klare Ansage, dass bei aller Euphorie und Emotionen um ein Tor so etwas im Fußball nichts zu suchen hat.

Bei unseren Trainings und Bewerbsmatches versuchen wir Woche für Woche darauf zu achten, den Respekt untereinander aber vor allem auch gegenüber dem Gegner hoch zu halten. Beschimpfungen sind tabu und bei Fouls folgt eine Entschuldigung, unfaire Aktionen werden versucht zu vermeiden. Dies ist schwer genug und die Beobachtung in den vergangenen Jahren in diesem Bereich hat gezeigt, dass es nicht leichter wird.

"Trashtalk gehört zum Fußball. Vor 30, 40 Jahren hat mir mein Gegenspieler zeitweise auch nichts Schönes gesagt und ich ihm auch nicht." - Peter Schöttel

Die Kinder saugen in diesem Alter die Verhaltensweisen der Stars wie mit einem Strohhalm auf. Torjubel werden kopiert und Trikots gekauft, „Moves“ nachgeahmt – meist sind es positive Emotionen, die die Kinder bewegen. Leider üben aber Trainer und Eltern Druck auf Kinder aus und fördern manchmal sogar unfaire Aktionen, wie mir immer öfters aus anderen Regionen berichtet wird. Ein Thema sind auch Angriffe gegenüber Schiedsrichter bei Nachwuchsmatches.

 

Rückendeckung von Schöttel

Ob und welche Konsequenzen die verbalen Entgleisungen von Marko Arnautovic durch die UEFA haben werden, ist noch offen und eine andere Geschichte. Die UEFA hat jedenfalls ein Verfahren eingeleitet.

Mich beschäftigt aber in dem Zusammenhang mit meinen U9-Kindern ein anderes Thema. Gestern Abend nach dem Training musste ich dann lesen: Rückendeckung für den Teamspieler gibt es von ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel. "Trashtalk gehört zum Fußball. Vor 30, 40 Jahren hat mir mein Gegenspieler zeitweise auch nichts Schönes gesagt und ich ihm auch nicht", meint der Wiener.

Die Szenen rund um Arnautovic mit „Trashtalk“ zu bagatellisieren ist leider eine Themenverfehlung. Klar, in jedem Spiel gibt es verbale Sticheleien, die man in der Schublade „Trashtalk“ ablegen kann. Das aber, was zwischen Arnautovic und den nordmazedonischen Spielern abgelaufen ist, bedarf einer differenzierten Aufarbeitung. Derartige verbale Entgleisungen gehören nicht verniedlicht, sondern als das angesprochen, was sie sind: Unnötig und sie haben im Sport nichts verloren. Marko Arnautovic hat dafür am Tag danach die richtigen Worten gefunden und sich entschuldigt. Ein wichtiges Zeichen.

Spieler, Trainer wie Zuschauer leben viel zu oft vor, wie es nicht geht. Und nach dem Match heißt es dann: Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und sei eine Schule fürs Leben. Peter Schöttel ist in seiner Rolle als ÖFB-Sportdirektor oftmals passiv und legt selten den Finger in die Wunde. Er agiert eher wie ein Pressesprecher als ein sportlicher Leiter des größten Verbandes. So auch dieses Mal, denn mit seinen Aussagen hat er für unseren Nachwuchs, die Betreuer, Schiedsrichter und Zuschauer definitiv das falsche Signal gesetzt.

 

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