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Es gibt keine absolute VARheit [Euro 2020, Tag 29]

England gegen Dänemark war ein würdiges Halbfinale, bei dem im Anschluss aber leider nur noch eine umstrittene Elfmeterentscheidung diskutiert wird. Das zeigt uns, dass uns auch der vielgepriesene VAR solche Dinge in Zukunft nicht ersparen wird.

++ Pucher schaut EM – der tägliche 12 Meter zur Europameisterschaft ++

 

Jetzt haben wir den Videoschiedsrichter und was passiert nach dem Halbfinale England gegen Dänemark? Das einzige, was zu diesem Spiel diskutiert wird, ist eine angebliche Fehlentscheidung beim vorentscheidenden Elfmeter für das Team von Gareth Southgate. Es ist wenig verwunderlich, dass sofort wieder jene hervorkommen, die sich laut fragen, wozu man denn das überhaupt braucht, wenn sich nicht alles restlos klären lässt. Und ganz von der Hand zu weisen sind die Argumente der Gegner natürlich nicht. Immer wieder bleiben Fragen offen, immer wieder wird der Flow in einem Match unterbrochen und gestritten wird genauso viel wie früher.

Das erste Argument der Befürworter ist immer, der VAR mache den Fußball gerechter. Das mag schon sein. Aber ob er auf einer Meta-Ebene den ganzen Fußball in eine bessere Richtung gelenkt hat, wage ich zu bezweifeln. Einige Fehler passieren noch immer und ich behaupte jetzt einfach, dass auch früher in den allermeisten Fällen, einzelne Fehlentscheidungen nicht das ganze Business aus seiner Umlaufbahn geschossen haben. Die reicheren Klubs haben auch schon früher meistens gewonnen, die großen Verbände gewinnen in der Regel die großen Turniere. Nimmt als Einzelfall nur das umstrittene Halbfinale in Wembley am Mittwoch, dann zeigt sich das sehr gut. 

"Kaspar Schmeichel beim Elfmeter mit dem Laserpointer zu blenden, hat mit dem viel gepriesenen „british sportsmanship“ leider nichts zu tun. Ciro Immobile hat im Finale einmal ohne Grund umfallen mit Blitzgenesung gut." - Jürgen Pucher

England hat, bei allen vielleicht berechtigten Diskussionen um eine Einzelentscheidung, dieses Spiel verdient gewonnen. Harry Kane und Co waren besser. Raheem Sterling war schon vor dem Elfer für die stehend k.o. herumlaufenden Dänen kaum noch zu stoppen. Es ist also der logische Lauf der Dinge eingetreten. Das außergewöhnliche wäre gewesen, hätten es die Dänen ins Finale geschafft. Daran ändert der VAR nichts. Daran hätte auch kein VAR etwas geändert. Die Sensation passiert meistens eben nicht. Diese Worte sollen die grandiose Turnierleistung der Dänen nicht schmälern. Und selbstredend ist es nachvollziehbar, dass man sich bei den Rot-Weißen jetzt enttäuscht die Wunden leckt. 

Der VAR wird uns wohl erhalten bleiben. Die Diskussionen um Fehlentscheidungen aber auch. Dazu haben wir jetzt noch eine Diskussion um den Videoschiri selbst. Haben wir das gebraucht? Ich weiß es nicht. Was man hingegen tatsächlich diskutieren sollte, sind Teile des Publikums in Wembley. Kaspar Schmeichel beim Elfmeter mit dem Laserpointer zu blenden, hat mit dem viel gepriesenen „british sportsmanship“ leider nichts zu tun. Ciro Immobile hat im Finale einmal ohne Grund umfallen mit Blitzgenesung gut.

 

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