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Das beste zweier Welten [Euro 2020, Tag 31]

Showdown in Wembley heute am Abend. Die beiden überzeugendsten Mannschaften der Endrunde stehen im Finale der Euro 2020. Wer auch immer den Pokal gewinnen wird, es wird jedenfalls nicht falsch gewesen sein. Es könnte ein großes Finale werden.

++ Pucher schaut EM – der tägliche 12 Meter zur Europameisterschaft ++

 

Der Titel meint nicht die aktuelle österreichische Regierungskoalition. Es geht vielmehr darum, dass heute diese in vielerlei Hinsicht spezielle Euro 2020 zu Ende geht. Und mit Italien und England stehen wahrscheinlich die beiden tatsächlich im Moment sportlich besten Auswahlen im Finale. Was Team Mancini und Team Southgate mit ihren Leuten auf den Rasen stellen, könnte unterschiedlicher nicht sein. Sozusagen trifft ein wenig das beste zweier Welten heute in Wembley aufeinander. Was spricht für die Azzurri, was für die Three Lions?

England wird Europameister, weil die Mannschaft in London Heimvorteil hat und das Publikum dort sehr motiviert ist. Bis hin zur Unsportlichkeit. Abgesehen vom Halbfinale hatten die Kicker von der Insel zudem in den letzten Wochen weit weniger Kräfteverschleiß als die Italiener. Auch vom Verletzungspech blieben sie verschont, beim Gegner fiel mit Leonardo Spinazzola der beste Außenverteidiger des Turniers mit einem Achillessehnenriss aus. Die Kompaktheit und die Offensive Power von Harry Kane und Raheem Sterling sind außerdem Features, die allein Spiele gewinnen können. Die Engländer bekommen kaum Gegentore und können jederzeit eines schießen.

"Die Pressingmaschine in blau bereitet jedem Gegner sofort Probleme und die Breite und Dichte im Kader bietet Roberto Mancini sehr viele Möglichkeiten und Varianten." - Jürgen Pucher

Italien hingegen hat bei der Endrunde den begeisterndsten Fußball gezeigt und hat mit der Abkehr von der reinen Kunst des Verteidigens zur bisherigen Stärke noch eins draufgesetzt. Die Pressingmaschine in blau bereitet jedem Gegner sofort Probleme und die Breite und Dichte im Kader bietet Roberto Mancini sehr viele Möglichkeiten und Varianten. Dazu kommt diese unglaublich verschworene Gemeinschaft, bei der offensichtlich tatsächlich ein Haufen Ragazzi gemeinsam am Feld steht. Je länger ein Spiel dauert und je herausfordernder alles wird, umso besser werden die Chancen für diese italienische Mannschaft mit ihrem Teamgeist. Im Extremfall macht dann Giorgio Chiellini eben den Gegner mit guter Laune vor dem Elfmeterschießen fertig. Der Spanier Jordi Alba träumt heute noch schlecht von den Minuten vor den Penalties im Halbfinale.

Wenn alles so verläuft, wie es die Vorzeichen aussehen lassen, könnte das ein schöner Abschluss dieser Euro 2020 werden. Wer auch immer den Pokal am Ende in Händen halten wird, es wird richtig sein. Die Unkenrufe bezüglich vermeintlicher englischer Vorteile hat dieses Team nicht verdient. Die Mannschaft kann auch nichts für ihren Premierminister, Diskussionen über die Deltavariante und die damit verbundenen Zuschauerzahldebatten. Am Feld wäre ein erster EM-Titel für England verdient. Für Italien mit seiner bisherigen Turnierleistung sowieso, darüber diskutiert aber auch niemand. Morgen gibt es hier dann noch ein Fazit zum Turnier und ein sehr subjektives Allstar-Team.

 

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