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Fledermäuse im Tiefflug

Valencia - Anspruch und Wirklichkeit klaff(t)en bei diesem Klub auseinander wie höchsten vielleicht noch bei Chelsea. Eine Analyse von Thomas Moch.

 

Ein Artikel in Kooperation mit Cavanis Friseur

cavanis friseur

 

Ein Wochenende, 14. und 15. Mai, ganz Spanien: Am letzten Spieltag verabschieden die Fans ihre Lieblinge nach mehr oder weniger erfolgreicher Saison in die Sommerpause. Freitag, 13. Mai, Valencia: Ein Pfeifkonzert empfängt die Mannschaften beim Einlauf, schon beim Verlesen der Mannschaftsaufstellungen wird der Großteil der Spieler mit Pfiffen bedacht. Ein Großteil der Spieler der Gastgeber wohlgemerkt. Es ist eine mehr als seltsame Atmosphäre an diesem letzten Spieltag der Saison, als der FC Valencia die Gäste von Real Sociedad empfängt. Das Mestalla ist nur halb gefüllt, selbst auf der Südtribüne, wo die Supporter stehen, klaffen große Lücken. Diejenigen, die da sind, drehen dem Spielfeld zuweilen demonstrativ den Rücken zu, Fangesänge werden keine angestimmt, es ist fast schon gespenstisch ruhig im Stadion. Nur drei Mal in 90 Minuten hallen Sprechchöre durchs weite Rund: „Menos campeones, más cojones“, so der Tenor (freie Übersetzung: Eier, wir brauchen Eier). Das Spiel tut wenig, um die Lage zu entspannen. Für beide Teams geht es um nichts mehr, in Hälfte eins sind die Gastgeber noch die bessere zweier wirklich schwacher Mannschaften. In Hälfte zwei sind es die Gäste aus San Sebastián, die sich berappeln und anfangen, Fußball zu spielen. Der Siegtreffer in der Nachspielzeit ist ebenso logische Folge wie Supergau für die Valencianer. Ohne Verabschiedung von den Fans flüchten die Spieler nach Abpfiff unter immer noch gellenden Pfiffen aus dem Stadion. Ein bezeichnendes Ende für eine absolut peinliche Saison.

 

Drei Chef- und ein Interimstrainer in einer Saison
Um dieses Saisonende zu verstehen zunächst einmal ein paar Fakten zu Valencias Bilanz im vergangenen Jahr: Platz zwölf, drei Chef- und ein Interimstrainer, 11 Siege, 16 Niederlagen, 44 Punkte, mehr Abstand zu den Europapokalplätzen als zu den Abstiegsrängen. Gleichzeitig im vergangenen Sommer Transferausgaben von über 140 Millionen, daraus resultierend ein Transferminus von über 90 Millionen Euro, beides Liga-Höchstwert, sowie das vierthöchste Gehaltsbudget der Primera División. Anspruch und Wirklichkeit klafften vergangene Saison im europäischen Spitzenfußball höchstens noch beim FC Chelsea so weit auseinander wie in Valencia.

 

Nun muss fairerweise gesagt werden, dass die Transferausgaben teilweise noch auf im vorigen Jahr geliehene und mit Kaufpflicht versehene Spieler entfielen, doch das Saisonziel war klar: Champions League, Halten von Platz vier und wenn möglich der Angriff auf die großen Drei. Platz vier hatte man mit Trainer Nuno Espírito Santo zuvor im Jahr eins nach dem Umbruch und der Übernahme durch Peter Lim ja sogar schon erreicht. Lim hatte durch seine Übernahme 2014 eine lange Investorensuche beendet und dem Verein dringend nötiges Kapital und Investitionsspielraum verschafft. Gleichzeitig brachte er allerdings auch seinen Freund, den Spielerberater Jorge Mendes. Nun helfen Freundschaften zwischen Spielerberatern und Investoren im Allgemeinen eher den Beratern als dem Investor oder dem beteiligten Verein. Tatsächlich stießen sogleich verstärkt Spieler aus der portugiesischen Liga, unter ihnen auch einige Mendes-Klienten, zum Team. Der ein oder andere entpuppte sich gar als Glücksgriff. André Gomes avancierte zum Leistungsträger und wurde diesen Sommer mit deutlichem Gewinn nach Barcelona weitertransferiert und auch der junge Rechtsverteidiger Joao Cancelo deutete bereits an, dass er sein Geld durchaus wert ist. Doch es häuften sich auch Probleme.

 

Schon die Einstellung von Mendes-Klient Nuno im Sommer 2014, für den der vorige Coach Juan Antonio Pizzi ohne wirkliche Begründung seinen Stuhl räumen musste, stieß im Verein auf Widerspruch. Der Erfolg gab ihm jedoch Recht und das Team lieferte eine ordentliche Spielzeit ab. Im Sommer 2015 kam es jedoch zu einem wirklich außergewöhnlichen Eklat. Auf der Suche nach einem neuen Mann für das defensive Mittelfeld verhandelten Sportdirektor Rufete und Präsident Salvo mit Marseilles Giannelli Imbula. Ein Transfer, der nie eine Chance hatte, denn gleichzeitig trieben Mendes und Nuno mit dem Einverständnis Lims den Transfer von Rodrigo Caio voran. Erst als dessen Wechsel kurz vor dem Abschluss war erfuhren Präsident und Sportdirektor davon und reichten umgehend ihren Rücktritt ein. Verpflichtet wurde schließlich keiner der Spieler. Die Verhandlungen mit Imbula waren durch den Rücktritt geplatzt, Caio fiel durch den Medizincheck, stattdessen kam der Brasilianer Danilo Barbosa, 19 Jahre und Mendes-Klient, per Leihe von Sporting Braga. Er riss in seinem einen Jahr in Valencia keine Bäume aus und wurde nicht fest verpflichtet, viel gravierender war jedoch der Verlust der Führungskräfte, allen voran Präsident Salvo, der einst noch selbst intensiv für „seinen“ Kandidaten als Investor geworben hatte: Peter Lim.

 

Keine guten Vorzeichen also für die neue Saison, auch wenn sich sportlich eigentlich nicht viel verändert hatte. Mit Nicolás Otamendi verließ genau ein Leistungsträger den Verein, in dessen Fußstapfen in der Folge weder die Neuzugänge Aymen Abdennour und Aderlan Santos, noch der junge Ruben Vezo treten konnten. Ansonsten wurde der Kader in der Breite verstärkt, um für die anstehenden Europapokalaufgaben gewappnet zu sein, großer Umbruch fand keiner statt, auf einen Absturz deutete eigentlich wenig hin.

 

Der Saisonstart gestaltete sich durchwachsen. Der Anschluss an die Spitzenplätze wurde schnell verloren, Nuno wurde ein schlechtes Verhältnis zu Teilen des Kaders nachgesagt. In der Champions League schockte eine Niederlage in Gent, gefolgt von einer Pleite gegen Zenit, die sowohl die Gruppenphase der Champions League als auch Nunos Job ernsthaft in Gefahr brachte. Am darauf folgenden Wochenende besiegelte eine weitere Pleite gegen den Konkurrenten Sevilla das Aus des Portugiesen. Er übergab das Team auf Platz neun, mit 19 Punkten aus 13 Spielen. Deutlich zu wenig für die Ansprüche Valencias. Hätte man den Punkteschnitt aus dieser Zeit allerdings aufrechterhalten, hätte dies am Saisonende für Platz sieben und die Qualifikation zur Europa League gereicht. Auch das wäre sicherlich nicht als erfolgreiche Saison gesehen worden, am Saisonende hätte man jedoch sicherlich einiges dafür gegeben.

 


Peter Lim musste nun also einen neuen Trainer herbeizaubern. Doch ein Peter Lim hat viele Freunde, zum Beispiel auch bei Manchester United. Und so kam es, dass Gary Neville, dessen Bruder Phil unter Nuno bereits Co-Trainer gewesen war, die Geschicke der Ches zu leiten bekam. Neville, 40, lange Jahre erfolgreicher Kicker bei United, der Landessprache nicht mächtig und ohne jegliche Erfahrung als Vereinstrainer. Eine eigenwillige Wahl des Investors, doch möglicherweise würde sich das Risiko ja auszahlen.

 

Dies geschah nicht. Unter Neville kam die Talfahrt erst so richtig in Schwung. In seinem ersten Spiel verabschiedete man sich mit einer 0-2 Niederlage zu Hause gegen die bereits ausgeschiedene Mannschaft aus Lyon endgültig aus der Champions League. In der Liga übernahm Neville eine Serie von drei sieglosen Spielen und baute sie auf sagenhafte zwölf Begegnungen aus. In dieselbe Zeit fiel, zwischen zwei Niederlagen gegen die Aufsteiger Sporting Gijón und Real Betis, eine 0:7-Pokalblamage gegen Barcelona. Praktisch nach jedem Spiel wurde eine Ablösung Nevilles erwartet. Doch diese kam nicht. Peter Lim vertraute seinem Freund Neville auch weiterhin die Geschicke des Clubs an. Bei den Fans dagegen hatte der Protest gegen den Trainer inzwischen absurde Ausmaße angenommen. Zugegeben, der Brite hatte schon von Beginn an einen schweren Stand, die ersten „Raus“-Rufe gab es bereits nach den ersten Misserfolgen. Doch Anfang Februar, mit nur noch vier Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge und angesichts absolut desolater Auftritte schlug die Skepsis in Panik um. Mehrere Fangruppen riefen zum Boykott der Heimspiele auf, um eine Entlassung Nevilles zu erzwingen. Mittels einer Internetkampagne wurde versucht, das Mestalla zu Heimspielen leer zu lassen. Der Verein antwortete mit der massenweisen Verteilung von Freikarten (an Vereine, Schulen und gefühlt jeden, den man gerade so fand), nicht jedoch mit der Entlassung von Neville. Dieser fuhr im zehnten Ligaspiel seit seiner Amtsübernahme endlich seinen Sieg ein und sollte sich noch fast zwei Monate im Amt halten. Erst als Mitte März das Stadtderby gegen ein als abgeschlagener Tabellenletzter antretendes Levante verloren ging, war Neville auch für Lim nicht mehr tragbar. Es folgte das Ausscheiden aus der Europa League gegen Athletic sowie eine letzte Ligapleite gegen Celta Vigo, dann musste der Engländer seinen Hut nehmen. Er hinterließ eine Bilanz von drei Siegen, fünf Unentschieden und acht Niederlagen in der Liga, sowie einen Hühnerhaufen von einer Mannschaft.

 

Bevor der Arbeit Nevilles ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt wird, soll an dieser Stelle zumindest ein wenig relativiert werden. Er übernahm einen Kader, der mit der „Hilfe“ von Mendes im Sommer sicherlich nicht optimal zusammengestellt war, sowie eine Mannschaft, in der schon vor ihm wenig zusammenpasste und die bereits reichlich verunsichert war. Dennoch muss der Zeit unter seiner Regie besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, wie ein Blick auf den Punkteschnitt zeigt. Dieser offenbart nämlich hochgerechnet auf die Saison ganze 33 Punkte und damit einen deutlichen Abstieg (Sechs Punkte auf das rettende Ufer). Lediglich Stadtrivale Levante hatte am Ende der Saison weniger Punkte (32) auf dem Konto. Bemerkenswert außerdem: in den 16 Ligaspielen unter Neville erzielte seine Mannschaft nur einmal das erste Tor (gegen Granada), die anderen 15 Male lief man einem Rückstand hinterher. Tatsächlich glichen sich die Bilder. Der frühe Rückstand nach verschlafener Anfangsphase wurde ebenso zum Standard wie der ebenso verzweifelte wie planlose Versuch, diesen im Anschluss wieder auszumerzen. In der Schlussphase wurde mit dem Rezept lang und hoch tatsächlich noch der ein oder andere Punkt gerettet, doch spielerisch kam man kaum zu Chancen. Ohne Ideen wurde der Ball im Spielaufbau hin und her geschoben, im Zweifel zu Dani Parejo, der in ungewohnt tiefer Rolle und mangels funktionierender Automatismen eine mehr als undankbare Aufgabe hatte, den Ball für gewöhnlich zu lange hielt und ihn dann entweder weiterschob oder häufig gar vertändelte. Eine ordnende Hand wäre angesichts dieses Bildes dringend nötig gewesen, doch auch im Winter wurde im Mittelfeld nicht nachgelegt, die einzig Neuen kamen in Guilherme Siqueira und Denis Cheryshev für die linke Außenbahn.

 

Dass es auf der anderen Seite die Gegner häufig so leicht aussehen ließen lag wiederrum daran, dass das Verhalten der Valencianer ohne Ball noch gravierender war. Zu Beginn von Nevilles Amtszeit spielte man ein seltsam passives Nicht-Pressing ohne wirklich defensiv sicher oder auch nur tief am Strafraum zu stehen. Nach einigen Wochen ließ er höher agieren und sein Team aggressiver pressen, was jedoch so stümperhaft umgesetzt wurde, dass sich sogar Teams aus dem unteren Tabellenbereich problemlos befreien konnten und danach viel Platz für ihre Angriffe vorfanden. Das Hinterherlaufen (der Begriff passt besser als Pressing) nahm teils so absurde Züge an, dass Teams aus dem Tabellenmittelfeld plötzlich auf „Verteidigen im Ballbesitz“ zurückgreifen und die Valencianer bei eigener Führung damit minutenlang über den Platz jagen konnten, Höchststrafe für die Spieler und Blamage in den Augen der Fans. Da diverse Trainer vormachen, wie gut man ein effektives Pressing einstudieren kann, ist an dieser Stelle wirklich die Zeit gekommen für das vernichtende Zeugnis: Gary Neville, das war von vorne bis hinten eine Katastrophe.

 

Um im Saisonendspurt nicht doch noch im Abstiegskampf zu versumpfen, musste also Ende April ein neuer Trainer her. Pako Ayestarán, zuvor bereits Co-Trainer unter Neville, wurde zunächst als Interimslösung vorgestellt, schon kurz darauf wurde jedoch bekannt gegeben, dass man mit dem Basken an der Seitenlinie auch in die neue Saison gehen wolle. Pako war lange Jahre Co-Trainer unter Rafael Benitez, unter anderem auch bereits in Valencia, wo er mit dem Team zwei Meisterschaften sowie den Gewinn des UEFA-Pokals feierte. Gute Erfahrungen also und tatsächlich schien sich zumindest kurzzeitig ein Effekt bemerkbar zu machen. Drei Siege in Folge, darunter ein eindrucksvoller Erfolg im Nou Camp, gelangen in den ersten vier Spielen des neuen Coaches. Doch die letzten Spieltage zeigten wiederum auf, dass er ein komplett verunsichertes Team ohne jegliche Struktur übernommen hatte. Ein Team, das vor allem auch bei den Fans kaum noch Kredit besitzt.

 

Um die eingangs beschriebenen Szenen des letzten Spieltages zu verstehen, muss man zwei Wochen zurück schauen. Im vorletzten Heimspiel der Saison steht das „Derbi de la Comunitat“ an. Zu Gast ist das gelbe U-Boot, der „kleine“ Nachbar aus dem 30.000 Seelen-Städtchen Villarreal, der in diesem Jahr allerdings ganz groß ist und von Platz vier der Tabelle grüßt. Diesen können sie schon drei Spieltage vor Saisonende klar machen, an diesem Tag im Mestalla, was ihnen in Valencia allerdings wirklich niemand gönnt. Sportlich ist die Saison für Valencia bereits gelaufen, in keinem Wettbewerb ist mehr etwas zu erreichen, es geht um einen einigermaßen versöhnlichen Saisonabschluss. Villarreal hingegen befindet sich zwischen zwei Halbfinalspielen der Europa League gegen Liverpool und hat noch zwei weitere Chancen, den vierten Platz klarzumachen. Trainer Marcelino schickt folglich größtenteils die zweite Garde aufs Feld, aus dem Kreis der Stammspieler starten lediglich Roberto Soldado, Manu Trigueros sowie der zuvor lange verletzte Mateo Musacchio. Das reicht. 14 Minuten braucht Samu García um sein ersten Tor seit dem dritten Spieltag zu erzielen, weder davor noch danach kommen Zweifel am Sieg der Submarinos auf. Was die Gäste zeigen ist kein Spektakel, es ist viel schlimmer, es ist souverän. Einer Mannschaft, die zusammen über 150 Millionen Ablöse kostete, fällt nichts ein gegen eine Abwehr, in der neben Musacchio der Ex-60er Antonio Rukavina, der 19-jährige Antonio Marín und Milan-Oldie Daniele Bonera auflaufen. Der Mann davor an der Seite von Trigueros ist nicht WM-Fahrer Bruno Soriano sondern Rodrigo Hernández, dessen Reiseziele normalerweise Alcoy oder Badalona mit dem B-Team heißen. Der 20-Jährige gibt ein tadelloses Startelf-Debut in La Liga. Das zweite Tor erzielt nach einer halben Stunde der zuvor bei Porto ausgemusterte Adrián López.

 

Villarreal macht an diesem Tag vor, was Valencia die ganze Saison über hat vermissen lassen. Sie spielen kollektiven Fußball. Fußball mit einem Plan, mit einstudierten Spielzügen, Fußball als Mannschaft. Die Mannen in den weißen Trikots schauen zu, wissen auch in der zweiten Halbzeit nicht, was sie dagegen machen sollen. Bei Abpfiff steht es immer noch 0-2 und die Gäste feiern auf dem Rasen des Mestalla ihren gesicherten vierten Platz. Für Valencia eine weitere Blamage in dieser Saison, deren Quittung es am letzten Spieltag geben sollte.

 


Dieses seltsame Spiel wurde oben ja bereits beschrieben. Pfiffe beim Einlaufen der Teams, Pfiffe bei den meisten Namen der verkündeten Aufstellung, ausgenommen davon lediglich die Eigengewächse Paco Alcácer und Jaume Doménech. Pfiffe bei einigen Spielern weiterhin auch während der Partie, Pfiffe für Pablo Piatti sogar, als er verletzt vom Platz humpelt. Es sollte sein letztes Spiel für Valencia sein. Nun sind sich auch in Valencia die Fans keineswegs einig über die Beurteilung ihrer Spieler. Häufig mischte sich auch Applaus in die Pfiffe, sei es, weil viele Spieler eben doch noch Anhänger haben oder einfach, um gegen die überzogene Pfeiferei zu demonstrieren. Besonders bei Ex-Kapitän Dani Parejo zeigte sich diese Spaltung in besonders lauten Äußerungen der Ablehnung und Unterstützung. Der 27-jährige stand sowohl stellvertretend für die junge Mannschaft des letzten Pizzi-Jahres, mit der sich viele identifizieren konnten und zu deren Kapitän er aufstieg, als auch für die überteuerte Truppe des letzten Jahres, in die er sich mit Lethargie und mangelnder Einstellung nur zu gut einfügen würde. Tatsächlich wurde Parejo vergangene Saison von mehreren Trainern in eine Rolle als tiefer Spielmacher gedrängt, einfach weil er als einziger Mittelfeldakteur zumindest einigermaßen das Anforderungsprofil dafür aufwies. Er zeigte allerdings deutlich auf, dass er dieser Rolle nicht gewachsen war, konnte nie wirklich eine dominante Rolle einnehmen und verspielte deutlich zu viele Bälle in gefährlichen Zonen, was seinem ohnehin angeschlagenen Ruf nicht zu Gute kam. In offensiverer Rolle konnte Parejo häufiger überzeugen, in Valencia wird er das allerdings wohl nicht mehr. Er soll inzwischen aufgrund seines schweren Standes bei den Fans den Wunsch zu Wechseln geäußert haben. Zudem wurde ihm zeitweise von Mittspielern öffentlich ein Einstellungsproblem attestiert und auch das Verhältnis zu Trainer Pako gilt nach seinem öffentlichen Wechselwunsch als belastet, ein Neuanfang dürfte für ihn dringend nötig sein.

 

Dabei ist das Mittelfeld ohnehin bereits eine einzige Problemzone bei den Fledermäusen. Mit André Gomes hat der zuletzt konstanteste Akteur Valencia bereits Richtung Barcelona verlassen, Danilo Barbosa wurde erwartungsgemäß nicht fest verpflichtet, mit Álvaro Medrán erst ein neuer unter Vertrag genommen, der zudem mit 22 erst eine Erstligasaison hinter sich hat (bei Absteiger Getafe).

 

Eine genauere Betrachtung des Kaders mit einem Ausblick auf die neue Saison gibt es in der Saisonvorschau von Cavanis Friseur, an dieser Stelle sei nur noch kurz die zweite Großbaustelle erwähnt. Es ist die Innenverteidigung, in der nach dem Otamendi-Abgang kein sicheres Duo mehr gefunden werden konnte. Hier stehen Pako zwar noch vier Spieler zur Verfügung, keiner davon hat jedoch seinen Platz sicher, alle könnten den Verein bei entsprechenden Angeboten verlassen.

 

Selbst ein Verkauf von Weltmeister Shkodran Mustafi ist im Gespräch, um den finanziellen Spielraum zu erhöhen. Nach den Investitionen der vergangenen zwei Jahre sieht es tatsächlich nicht so aus, als hätte Peter Lim das Interesse, auch dieses Jahr wieder Geld für Neuverpflichtungen zur Verfügung zu stellen, angesichts der vielen Baustellen im Kader kommt auf die sportlichen Verantwortlichen eine Menge Arbeit zu. Mittelfristig hat der Verein allerdings beste Voraussetzungen. Viele Hoffnungsträger sind erst Anfang 20 und noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen. Es sind diese Akteure, Gayá, Cancelo, Paco, Rodrigo oder Santi Mina, die das Team aktuell noch nicht wirklich tragen können, aber für die Zukunft die Hoffnung machen, dass die Fledermäuse bald auch wieder zum Höhenflug ansetzen können.

 

>>> Saisonvorschau La Liga auf Cavanis Friseur

 

Ein Artikel in Kooperation mit Cavanis Friseur

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