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Bickels Auftrag von ganz oben: Für die Rapid-Legionäre wird es eng

Neun Legionäre hatte der SK Rapid am Ende der Amtszeit von Andreas Müller. Damit wird künftig Schluss sein, wie Rapid-Präsident Michael Krammer im Interview mit 90minuten.at ankündigt. Von Michael Fiala

 

Mit Fredy Bickel wurde wie von Rapid angekündigt noch vor Weihnachten ein neuer Geschäftsführer Sport gefunden. Bisher hat sich Bickel verständlicherweise noch nicht sehr konkret zu seinen Plänen geäußert. Ein Thema dürfte aber jedenfalls der große Kader von Rapid mit 29 Spielern sein. In der Krone sagte der Schweizer etwa: "Es könnte der Mannschaft helfen, wenn der eine oder andere nicht mehr da ist. Das müssen wir intern besprechen."

 

„Künftig nur noch so viele Legionäre, wie der Österreicher-Topf vorsieht“
Schon deutlicher wurde da hingegen Rapid-Präsident Michael Krammer im ausführlichen Interview mit 90minuten.at. Zu etwaigen Spielerwünschen von Damir Canadi sagt Krammer: „Wir haben einen sehr großen Kader mit 29 Mann, es kommen im Jänner fast alle Verletzte zurück. Es gibt eine klare Vorgabe von mir: Mehr Spieler dürfen es im Kader nicht sein.“ 

 

Zudem wird es nach der Ära Müller auch wieder einen Paradigmenwechsel geben, der mit Bickel in den Bewerbungsgesprächen vor ab geklärt wurde. Im Sommer 2016 stand Rapid plötzlich mit neun Legionären da. Am Österreicher-Topf mitnaschen darf jeder Klub jedoch pro Quartal nur, wenn im entsprechenden Quartal pro Spiel maximal sechs Legionäre im Kader aufscheinen. Krammer stellt unmissverständlich klar: „Es wird künftig nach Ablauf der gültigen Verträge nur noch so viele Legionäre geben, wie es der Österreicher Topf vorsieht.“ (>>> siehe auch: Diese Legionäre kicken aktuell bei Rapid)

 

„Wie bei einem 2.-Liga-Unihockeyverein“
Interessante Einblicke zum Vergleich des Schweizer Klubfußballs mit dem österreichischen gab Bickel indes in einem Interview mit der Aargauer Zeitung. Dort merkt er an: „Der Blick von der Schweiz auf den österreichischen Fussball ist immer noch geprägt vom Denken des kleinen Nachbars. Dabei sind die Vereine, was Marketing und Werbung angeht, gut aufgestellt. Weiter gar als die Schweizer Vereine“, zollt Bickel in manchen wirtschaftlichen Bereichen dem Österreichischen Klubfußball Respekt. Weniger weit entwickelt sieht er den sportlichen Bereichen: „Dafür ist der Sport etwas weniger professionell aufgestellt als in der Schweiz. Ob Altach oder Rapid Wien – Unterschiede gibt es kaum. Die Spieler kommen direkt von zu Hause zur Besammlung, einfach irgendwie angezogen. Im Training fehlen manchmal Überzieher oder Hütchen, fast wie bei einem 2.-Liga-Unihockeyverein“, so Bickel.

 

„Es war, als würde mich Rapid seit 30 Jahren kennen“
Bickel erzählt in dem Interview auch über den Persönlichkeitstest, den er im Rahmen seiner Rapid-Bewerbung machen musste: „Als die Liste der möglichen Kandidaten noch drei Personen umfasste, durfte ich einen Test-Fragebogen ausfüllen. 50 Fragen habe ich beantwortet. Es ging immer darum, fünf Begriffe zu ordnen nach Wichtigkeit für mich selbst. Wobei es immer ähnliche Begriffe sind, manchmal fünf positive, manchmal fünf negative. Als sie mir die Auswertung zeigten, konnte ich es fast nicht glauben. Es war, als würden sie mich seit 30 Jahren kennen. Selbst meine Eltern waren ziemlich überrascht. Beispielsweise stand da, wie man mit mir am besten kommuniziert. Oder dass ich schon ziemlich stur und abweisend oder arrogant reagieren kann, wenn man mich nicht in Entscheidungen einbezieht oder etwas zu wenig ausdiskutiert.“

 

>>> Michael Krammer im ausführlichen Interview: "Muss man ein Hund gewesen sein, um ein guter Tierarzt zu sein?"

>>>  Artikel aus dem November 2016 - Welche Rapid-Legionäre haben eine Zukunft?

 

 

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