Nach Stripfing vielleicht Klagenfurt? So reagiert die Konkurrenz
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Nach Stripfing vielleicht Klagenfurt? So reagiert die Konkurrenz

Der SV Stripfing hat den Spielbetrieb schon eingestellt, nun droht der Klagenfurter Austria selbiges Schicksal. Der Mitbewerb schwankt zwischen Erleichterung und Wettbewerbsschaden.

Dieses Jahr hätte es das letzte Mal drei Absteiger gegeben. Durch den finanziellen Crash des SV Stripfing sind es nur noch zwei. Und entweder muss die Klagenfurter Austria den Spielbetrieb während der Saison einstellen oder danach absteigen. Alternativ könnten weniger Aufsteiger aus den Regionalligen kommen – dann könnte es sogar gar keinen Absteiger geben.

Dieser Fall tritt ein, wenn aus den Regionalligen nur zwei statt drei Vereine aufsteigen können bzw. wollen. Das Rennen bleibt eng.

Den aktuell Letzten, Schwarz Weiß Bregenz, und die achtplatzierte Salzburger Austria trennen nur neun Punkte. In 14 Spielen und mit der Dreipunkteregel ist dieser Abstand überschaubar.

Was sagen also all diese abstiegsbedrohten Klubs? 90minuten hat in der unteren Tabellenhälfte der 2. Liga nachgefragt.

Eh schlimm, aber...

Die Antworten auf die Frage, ob ein Ausscheiden eines zweiten Klubs viel erleichtern würde, wurden leider von Bregenz (10 Punkte) und Kapfenberg (15) nicht beantwortet.

Ehrlicherweise würde das den Abstiegskampf erleichtern.

Peter Huliak, FC Hertha Wels

Die Vienna möchte sich nicht äußern, hat aber auch höhere Ziele und zudem sechs Zähler Vorsprung auf den 14., Sturm II. Ob dies für Sicherheit reicht, bleibt abzuwarten.

Die angesprochenen Jungschwoazn wünschen sich "immer eine sportliche Entscheidung", wie Sportchef Michael Parensen erklärt. Allerdings ist es mit Sicherheit eine Situation, die Möglichkeiten bietet. Schon im Frühjahr kann sie größere Planungssicherheit für die neue Saison schaffen. Zudem lässt sich die Integration junger Spieler vorantreiben.

Klare Ansage

Deutlicher spricht das Peter Huljak, Geschäftsführer des FC Hertha Wels, an: "Ehrlicherweise würde das den Abstiegskampf erleichtern." Der Klub hat zudem auch ganz andere Ziele als nur den Klassenerhalt.

So will man lieber in die Top10 kommen. Der Wegfall eines Heimspieles wäre zudem finanziell nachteilig, mit nicht ganz abschätzbaren Folgen, zum Beispiel beim Ticketing, bei VIP-Karten und Ähnlichem.

Es kann absolut nicht im Sinne unseres Fußballs sein, wenn ein oder gar mehrere Klubs aus wirtschaftlichen Gründen wegbrechen.

David Rettenbacher, Austria Salzburg

Ganz gegensätzlich sieht Rapid-Geschäftsführer Markus Katzer das. Angesprochen auf eine "Erleichterung", wischt er dies beiseite, da es "absolut nicht im Sinne unseres Fußballs sein kann, wenn ein oder gar mehrere Klubs aus wirtschaftlichen Gründen wegbrechen".

Nicht im Sinne des Sports

Außerdem gilt für ihn: "Wir sind selbstbewusst genug, dass wir überzeugt sind, die Klasse zu halten, egal ob 16 oder 15 Vereine dabei sind."

"Es liegt auf der Hand, dass sowas sportlich natürlich etwas Druck wegnimmt", meint wiederum David Rettenbacher vom Aufsteiger Austria Salzburg. Sportvereine sollen sich dennoch sportlich messen. Es könne seiner Meinung nach nicht sein, dass man ab der dritten Runde schon spekuliert, dass ein, zwei oder drei Vereine aus wirtschaftlichen Gründen absteigen könnten.

Und das Wirtschaften ist in Österreich aktuell eher unangenehm. Das bekommen alle mit, die gelegentlich Zeitung lesen.

Ich denke, dass in der Relation zu den bescheidenen finanziellen Möglichkeiten in der 2. Liga sportlich trotzdem sehr gut gearbeitet wird.

Markus Katzer, SK Rapid II

Schlecht reden? Nein, danke

Auf die Fußballklubs wirkt sich dies unterschiedlich aus. In Wels entfachte sich Euphorie, auch wenn Huljak denkt, dass das erste, was gekürzt ist, das Sponsoring-Budget ist.

Die Zweitvertretungen sind davon nicht so betroffen. Sowohl Parensen, als auch Katzer formulieren viel Verständnis auf die Frage, dass die 2. Liga so "schwer wie nie" zu finanzieren sei. Auch Bundesliga-Boss Ebenbauer sprach das neulich an: Die Gehaltskosten sind stark gestiegen, die anderen Einnahmen nicht in demselben Ausmaß.

Katzer ist aber von einer Sache überzeugt: "Ich denke, dass in der Relation zu den bescheidenen finanziellen Möglichkeiten in der 2. Liga sportlich trotzdem sehr gut gearbeitet wird." Auch Rettenbacher will sich die Liga, in der man erstmals seit zehn Jahren wieder spielt, nicht schlecht reden lassen.

Die perfekte Plattform, sich national auf hohem Niveau präsentieren zu können, würde wegfallen, was extrem bitter für uns wäre.

Michael Parensen, SK Sturm II

Was passiert, wenn's einen erwischt

Was für ihn außer Frage stehe, ist, dass die gesamtwirtschaftliche und geopolitische Lage in den letzten Jahren nicht einfacher wurde. Es sei aber ligenunabhängig, dass es "herausfordernder ist, verlässliche Partner und Sponsoren zu finden. Dennoch wehre ich mich einerseits gegen den Ausdruck ‚Todesliga‘."

Der Abstieg aus der 2. Liga wäre in der Regel für viele Arbeitsplätze dennoch fatal. Während Zweitligisten aus sportlichen und regeltechnischen Gründen (Stichwort Wartungserlass) auf Profis setzen müssen, ist das in der Regionalliga nicht mehr der Fall.

Für Sturm und Rapid II ist das Finanzielle nicht ganz so ausschlaggebend. Es geht um die "perfekte Plattform" für Spieler (Parensen). Die Vereine wollen natürlich in der "höchstmöglichen" Liga spielen (Katzer).

Die Lizenzierung ist nicht schuld

In Oberösterreich wäre die neue Regionalliga mit Salzburg auf den ersten Blick für Wels attraktiv. Sie bringt finanzielle Erleichterungen durch geringere Distanzen und mehr Derbys, wie Huljak einräumt. Der Fokus des Vereins liegt klar auf der 2. Liga. Für ihn und die Austria ist der negativste Punkt beim Worst Case der schwierige Aufstieg. Dieser wird nach der Meisterschaft in einem Playoff ausgespielt.

Was dem einen oder anderen wichtig zu erwähnen ist: Die Lizenzierung bzw. Zulassung soll nicht schlecht geredet werden. Wenn wie in Stripfing ein einzelner Geldgeber Probleme bekommt oder ein Geschäftsmodell wie in Klagenfurt offensichtlich nicht funktioniert, heißt das nicht, dass die Überprüfung von wirtschaftlichen, infrastrukturellen und personellen Parametern nebst dem Sportlichen schlecht ist.

An derartigen Unglücken oder -trieben, so Huljak, nehme die gesamte Liga Schaden. "Die Regelungen können noch so streng und gut überprüft sein, es wird immer Platz für Misswirtschaft, Managementfehler oder unvorhergesehene äußere Einflüsse bleiben", meint dazu Rettenbacher.

Der Hintergrund klingt logisch. Je höher die Abhängigkeit eines Vereins von einem einzelnen Mäzen oder Investor ist, desto größer ist die Gefahr eines totalen Absturzes. Das zeigt dieses Jahr leider wieder einmal eindrucksvoll.


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