Die Krise des Serienmeisters erklärt [Momentum am Montag]
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Die Krise des Serienmeisters erklärt [Momentum am Montag]

Der FC Red Bull Salzburg ist in der sportlichen Krise angekommen, konnte seit drei Spielen nicht gewinnen. Aber warum passiert das jetzt und wie nachhaltig ist die Krise?

++ 90minuten.at PLUS – Von Georg Sohler + +

 

Das 0:1 durch LASK-Spieler Robert Žulj besiegelt die nächste Liganiederlage für Red Bull Salzburg und ist unser Momentum am Montag.

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Bis zum 20. September war die Welt von Red Bull noch in Ordnung. Neo-Coach Gerhard Struber hatte bis dahin alle Spiele bis auf das Auswärtsspiel beim Konkurrenten SK Sturm gewinnen können. Doch seit dem Sieg in Lissabon hakt es. Da kam die Niederlage gegen Aufsteiger Blau-Weiß Linz. Das Cupduell gegen Austria Salzburg war eine Pflichtaufgabe, auch über die strauchelnden Lustenauer muss man rüberkommen. Dass Real Sociedad in Salzburg gewinnen kann, ist definitiv entschuldbar. Ein Remis in Klagenfurt und nun die Heimniederlage gegen den LASK runden aber das Bild der sportlichen Krise ab. Woran liegt es?

 

Grund 1: Die Verletzungen

Der Salzburg-Kader ist natürlich groß und die individuelle Qualität hoch. Doch Fußball ist ein Mannschaftssport und Erfahrung hilft, elf bis 16 Charaktere am Feld zu dirigieren. Die Bullen sind einerseits selbst schuld, dass sie so unerfahren sind. Allerdings hat jedes Team der Welt eine erste und zweite Elf. Kein Verein der Welt hat bei zwei Innenverteidigern vier absolut gleich gute im Kader. Und der Verletzungsteufel wütet an der Salzach. Das Stamminnenverteidiger-Duo Solet/Pavlovic spielte nur in vier von elf Bundesligarunden zusammen, Routinier Andreas Ulmer ist derzeit mehr Teilzeitarbeitskraft, Mittelfeldrackerer Nicolas Capaldo verpasste den Saisonstart verletzt, die erfahrenen Stürmer Fernando und Koita haben beide noch kein einziges Ligaspiel durchgespielt. Dazu kommen immer wieder kleinere Verletzungen bei anderen Spielern sowie bei Talenten wie Dedic, Gourna-Douath, Gloukh oder Konaté Formschwankungen.

 

Grund 2: Die Kurzlebigkeit

Nun möchte man auch meinen, dass die Salzburger deshalb schwach sind, weil Sturm so gut spielt. Und es stimmt bis zu einem gewissen Punkt. Die Blackies sind stark wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht. 27 Zähler sind eine Ansage. Allerdings: 22/23 wäre Sturm mit der Leistung nach elf Spieltagen nur einen Punkt vor Salzburg gelegen. 21/22 hatten die Mozartstädter 31 Zähler, Sturm 23. 20/21 lautete die Reihenfolge RBS (25), LASK (23), Sturm (22). Vor Ilzer/Schicker 19/20: RBS (29), LASK (26), WAC (23), Sturm hinter Rapid (21) mit 17 Punkten. Überstark sind die Grazer also auch wieder nicht, man bringt schlicht eine Reihe an Schnittpartien knapp mit drei Punkten über die Zeit. Die letzten vier Siegen sind mit je einem Treffer Unterschied eingefahren worden. In Altach traf man erst in der Nachspielzeit zum Sieg, gegen den WAC und Hartberg lag man sogar zurück. Das spricht für den SK Sturm, kann aber auch genauso gut anders ausgehen.

 

Grund 3: Philosophiewechsel

Darüber hinaus liegt der Misere der Bullen auch an taktischen Umstellungen. Matthias Jaissle ist als Trainer um einiges zweckmäßiger unterwegs. Der Deutsche ist zwar kein Trapattoni, aber präferierte doch mehr defensive Stabilität. Die grundsätzliche Idee von Nachfolger Struber ist es, eher mehr Torchancen zu generieren. Wenn mehr Spieler in der Nähe des gegnerischen Tores sind, fehlen sie natürlich hinten. Diese Umstellung scheint noch keine Früchte getragen zu haben und auch die Offensive hemmen. In der gesamten Bundesligasaison 2022/23 gab es nur zwei torlose Salzburg-Spiele, die nicht verloren wurden und nur eine Niederlage. Von den letzten fünf Ligaspielen haben die Bullen dieses Jahr nur eines gewonnen und zwei verloren. Schuld ist daran dann am Ende meistens der Trainer.

 

Grund 4: Der Trainer

Natürlich könnte über Gerhard Strubers Vita per se diskutiert werden. Ein bisschen WAC-Erfolg hier, Abwehrkampf in der Championship, die MLS – das ist jetzt nicht gerade der Lebenslauf, den man von einem Champions League-Trainer erwartet. Allerdings haben Trainer wie Rose oder Jaissle schon bewiesen, dass man vor dem Engagement bei Salzburg wenig können muss. Struber steht schon für offensiven Fußball, aber es analysierte es nach dem LASK-Spiel schon selbst: Da wurden die Basics nicht auf den Platz gebracht. Diese müssen unabhängig von Verletzungen, Formschwankungen oder gar taktischen Vorgaben funktionieren und das liegt sehr wohl im Verantwortungsbereich des Coaches.

 

Mit oder ohne Struber

Die nächsten Bundesligaspiele für Salzburg bis zur Länderspielpause im November: Altach (h), WSG (a), Austria (a). Die Blackies: Austria (h), LASK (a) und Klagenfurt (a). Dem Feeling nach eine schwierigere Aufgabe für den aktuellen Tabellenführer. Vor allem, weil vier Punkte Vorsprung in Zeiten der Dreipunkteregel schnell weg sind und die Punktehalbierung den Verfolgern zugutekommt - obwohl dies gefühlt eher umgekehrt sein sollte. Wenn die Verantwortlichen in Salzburg darauf kommen, dass das Problem das sowieso schwächste Glied in der Kette sind, kann und wird jederzeit korrigiert. Erst dann würde ersichtlich werden, ob aus der aktuellen eine Dauerkrise wird.

 

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