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WSG macht eigenen Stürmer schlecht [Momentum am Montag]

Im Matchbericht auf der Vereinshomepage schreibt die WSG Tirol über den eigenen neun-Tore-Stürmer Giacomo Vrioni überhaupt nicht nett.

+ + 90minuten.at Exklusiv - Von Georg Sander + +

 

Der Spielbericht der WSG Tirol nach dem Spiel gegen Sturm Graz ist unser Momentum am Montag.

Fans des österreichischen Fußballs kostet es zumeist nur ein müdes Lächeln, wenn im internationalen Fußball aufregende Dinge passieren. Eine Insolvenz wie bei Türkgücü München? Süle wechselt zum schärfsten Konkurrenten? Ein Topklub wie Barcelona, Stichwort Demir, verheizt beinahe ein Talent? Been there, done that. Den vom Schnee und einem Bagger kaputten Rasen in Grödig wird aber wohl keine andere größere Liga so schnell schaffen. Genauso wie den skurrilen Spielbericht bzw. die Meldung über den Topstürmer des eigenen Klubs, wie es die WSG Tirol hinsichtlich Giacomo Vrioni rund um das Spiel gegen den SK Sturm schrieb.

 

Der Wehwehchen-Stürmer

„Nach Bekanntwerden der Tiroler Aufstellung war die Verwunderung dennoch groß“, lautet es im Spielbericht zum 2:2 gegen die Blackies, „Zumal 9-Tore-Stürmer Giacomo Vrioni den Angriff ins Frühjahr auf der Tribüne starten musste. Der 23-Jährige, der im Laufe der Woche aufgrund diverser Wehwehchen die Trainingseinheiten nicht so absolvierte, wie sich das sein Übungsleiter vorstellt, fand seinen Namen weder in der Startelf des Tabellenzehnten, noch am Personaltableau der Ersatzbank.“ Was auch immer die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit bei der WSG Tirol geritten haben mag, diesen Beitrag online zu stellen...Wie kommt ein Vereinsmitarbeiter eigentlich auf die Idee, derart herabwürdigend (?) über einen eigenen Spieler zu schreiben, noch dazu einen nicht ganz unwichtigen?

 

Ein bisschen Aufregung darf sein

Doch eigentlich ist das ein netter Einblick, dass auch in einer Top10-Liga des Kontinents kommunikatorisch alles geschliffen abläuft. Oder lechzt der Fußball nicht solchen Ereignissen nach, sind es nicht diese Geschichten, die den Fußball greifbar machen? Eine ähnliche spielte sich beim Remis zwischen dem LASK und Austria Klagenfurt ab, Stichwort „Typen“. Einer davon ist Turgay Gemicibaşi, der einmal über sich sagt: „Ich war das größte Arschloch.“ Der von größeren Klubs als Klagenfurt umworbene schaffte am Sonntag das Kunststück, nicht nur den spielentscheidenden Ausgleich per Elfer zu erzielen, sondern auch vom Platz zu fliegen, sicherheitshalber beides in der Nachspielzeit. Passt irgendwie.

Genauso passt es anscheinend zur WSG Tirol, dem eigenen Spieler medial eine mitzugeben, wenn ihn anscheinend nicht ganz so ernsthafte Verletzungen plagen. Immerhin sind die Wattener auch der Klub, die Trainer und Ur-Tiroler Thomas Silberberger für einen Radiosender seine eigenen Legionäre fragen Dialektwörter raten lässt.

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