Foto: © GEPA

Schon wieder keiner aus Österreich [Momentum am Montag]

Ralf Rangnick wird Teamchef. Die Säulenheiligen des heimischen Kicks rückten aus und kritisierten, dass es wieder kein Österreicher geworden ist.

+ + 90minuten.at Exklusiv - Von Georg Sander + +

 

Der Moment, als Peter Pacult meinte, Andi Herzog müsste sich verarscht vorkommen, ist unser Momentum am Montag.

Vermutlich reiben sich viele heimische Fußballfans nach ballesterischer Magerkost unter Franco Foda noch immer die Augen, dass Ralf Rangnick nächster Teamchef wird. Er gilt quasi als Erfinder des Pressingfußballs in Deutschland und somit auch Österreich. Offenbar war man auch beim ÖFB selbst überrascht, dass man ihn bekommt. Während viele in der Fußballbubble ausrückten und die Entscheidung ausdrücklich begrüßten, zeigten sich alte Größen enttäuscht. „Es ist enttäuschend und unverständlich, dass es zum dritten Mal in Folge kein Österreicher geworden ist. Andi Herzog muss sich ja verarscht vorkommen“, meinte etwa Peter Pacult. Sky-Experte Hans Krankl stieß ins selbe Horn: „Ich hätte gerne gehabt, dass der Peter Stöger oder Andi Herzog das geworden wären, eine österreichische Lösung.“

 

Faktisch richtig, ...

Ja, es stimmt, in der Sache haben sie recht. Es gibt hierzulande eher inländische Coaches. Nach dem 2. Weltkrieg hatte Österreich mit Béla Gutmann, Leopold Stastny, Branko Elsner und Otto Barić lange Jahrzehnte nur eine Handvoll ausländische Coaches. Zwei hintereinander kam eben erst einmal vor, Stastny auf Elsner im Jahre 1975, vulgo Jahre Schnee. 2008 übernahm Karel Brückner, dann war Didi Constantini an der Reihe, ihm folgte interimistisch Willi Ruttensteiner. Und dann eben wieder zwei „Ausländer“, Marcel Koller aus der Schweiz und Franco Foda aus Deutschland. Jetzt Ralf Rangnick, der offensichtlich nicht Peter Stöger oder Andi Herzog ist.

 

...aber

Die Sache mit dem Pass ist ohnehin eine relative, gerade in der EU. Und eigentlich gar keinen Konnex zu Österreich hatten in den letzten Jahrzehnten nur Brückner und Koller. Barić etwa feierte hierzulande 1970/71 seinen ersten Titel (Mit der SpG WSG Wattens-FC Wacker Tirol), den letzten 194/95 mit Salzburg, dazwischen mit Rapid, führte die beiden letzteren in Europacupendspiele und das ist noch nicht alles, was er für den heimischen Fußball leistete. Foda wiederum wechselte 1997 von Basel zu Sturm Graz, mit einer Ausnahme von 2012 bis 2013 (Kaiserslautern) arbeitete er immer in Österreich. Es liegt eben nicht nur immer am Pass.

 

Und die Alternativen?

Wer wäre denn noch eine Alternative? Stöger hätte derzeit wohl als einziger heimischer Trainer wirklich die Vita, um Österreich zu übernehmen, jene von Andi Herzog reicht einfach nicht, so ehrlich muss man sein. Und sonst? Ralph Hasenhüttl, in seinem Alter und bei dem Verdienst, wäre ein Ding der Unmöglichkeit, allein in finanzieller Natur. Adi Hütter oder Oliver Glasner sind noch den Tick zu jung, das gilt auch für Gerhard Struber. Markus Schopp blieb der große Erfolg im Ausland auch verwehrt.

Es stimmt: Die heimische Trainerausbildung ist gut. Noch ist aber schlichtweg nicht die Zeit für eine österreichische Lösung. Vor allem nicht, wenn man einen Rangnick haben kann.

Folge oder schreibe 90minuten.at-Chefredakteur Georg Sander:

Twitter: @sander_georg

E-Mail: g.sander@90minuten.at

90minuten.at-exklusiv