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Viktoria Schnaderbeck: „Es muss egal sein, ob ein Mädchen oder Junge Fußball spielt“

Viktoria Schnaderbeck, Legionärin beim FC Bayern München, wird das österreichische Frauenteam als Kapitänin in die anstehende EM führen. Im Interview mit 90minuten.at. spricht die 26-jährige Grazerin über die Erwartungen für das Turnier aber auch die Unterschiede zwischen dem deutschen und österreichischen Frauenfußball. Das Gespräch führte Stefan Berndl.

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90minuten.at: Nach fast einem halben Jahr Pause aufgrund einer Verletzung haben Sie gegen England Mitte April Ihr Comeback gegeben. Wie zufrieden waren Sie mit ihrer eigenen Leistung in dieser Partie?

Viktoria Schnaderbeck: Es war eines meiner ersten Spiele nach der Verletzung, daher habe ich auch gemerkt, dass ich nicht hundertprozentig im Spielfluss war. Und dann auch noch gegen einen Gegner, England, der an diesem Tag sehr viel richtig gemacht und sehr stark gespielt hat. Das war ein Test auf sehr hohem Niveau, um wieder gut reinzukommen. Gleichzeitig war mir bewusst, dass ich noch nicht bei hundert Prozent bin. Aber für mich war es - mit dem Wissen, dass ich ein halbes Jahr Verletzungspause und damit wenig Spielpraxis hatte - ok und als Test auch wichtig.

90minuten.at: Seitdem ist nun auch wieder etwas mehr als ein Monat vergangen. Wie weit sind Sie aktuell von Ihrer Bestform entfernt?

Schnaderbeck: Das ist schwer zu sagen. Ich habe die letzten Wochen beim Verein in München jedes Spiel gemacht, dafür bin ich sehr dankbar. Ich glaube, dass ich mittlerweile auf einem sehr guten Weg bin. Gerade bei der Fitness hat mich jedes Spiel, das ich machen durfte, weitergebracht. Wir hatten da auch einige Topspiele dabei, da bin ich auch sehr gefordert worden. Daher bin ich auf einem guten Weg. Ich fühle mich jetzt bereit für die Europameisterschaft. Einerseits was den Rhythmus anbelangt, aber auch was die Fitness betrifft.

 

90minuten.at: Das Spiel gegen England endete mit 0:3. Welche Lehren kann die Mannschaft aus dieser Partie ziehen? Gerade in Hinblick auf die anstehende EM.

Schnaderbeck: Das eine ist, dass wir bei der EM alle hundert Prozent brauchen, um dort bestehen zu können. Gegen so eine Topmannschaft, wie es England ist, muss man die Chancen, die man bekommt, nutzen und nach hinten alles richtig machen. Um dann auch gegen solche Teams bestehen zu können. Wir haben in gewisser Hinsicht vielleicht auch die Grenzen aufgezeigt bekommen. Wir wissen, an welchen Punkten wir noch feilen müssen, werden an unseren Fehlern arbeiten. Dafür war es ein wichtiger Test und Lernerfolg. Wichtig ist, dass wir bei der EM Kleinigkeiten noch besser machen.

 

90minuten.at: Was sind das für Punkte, die man in den nächsten Wochen und Monaten verbessern muss?

Schnaderbeck: Inhaltlich gesehen sind es sicher spielerische Punkte. Dass wir unser Spiel mit Ball noch einmal verbessern und zielgerichteter nach vorne ausrichten. Das ist aus meiner Sicht ein Punkt, den wir noch behandeln müssen. Und vielleicht auch in gewissen Situationen schauen, wie wir Konter noch besser verhindern und als Mannschaft verteidigen können. Es geht auch um individuelle und mannschaftstaktische Feinheiten. Vor allem aber gilt es, das Spiel mit dem Ball noch variabler und gezielter aufzuziehen.

"Es ist ein wichtiger Schritt, der uns wieder voranbringen wird. Egal, wie die EM am Ende laufen wird." - Viktoria Schnaderbeck

90minuten.at: Die EM-Teilnahme an sich ist bereits ein riesiger Erfolg für das Team. Wie sehen nun die Erwartungen für das Turnier selbst aus? Welche Rolle will man in den Niederlanden spielen?

Schnaderbeck: Wir sind erstmals bei einer EM dabei und haben noch null Turniererfahrung. Daher sind wir ganz klar jenes Team, das die wenigsten Erfahrungswerte hat. Und sind sicher auch gewissermaßen Außenseiter. Wir haben die Erwartung an uns selber, dass wir dort topfit sind und uns von unserer besten Seite präsentieren. Und dann muss man schauen, wie wir mit der neuen Situation umgehen und wie wir es umsetzen können. Das wird uns im Vorhinein keiner sagen können. Es ist ein wichtiger Schritt, der uns wieder voranbringen wird. Egal, wie die EM am Ende laufen wird.

 

90minuten: Die Herrenmannschaft war im letzten Jahr in einer ähnlichen Situation, hat sich erstmals aus eigener Kraft für eine EM qualifiziert, dann aber viel Lehrgeld bezahlt. Inwieweit kann das Frauenteam davon etwas lernen und mitnehmen?

Schnaderbeck: Es bringt uns insofern nichts, weil wir die Erfahrung selber machen müssen. Das muss man selbst erleben und das kann einem vor Ort - etwa die Drucksituation - keiner abnehmen. Natürlich kann man sich auf gewisse Dinge einstellen und ein Stück weit vorbereiten. Wie sind die Zustände und Bedingungen. Das kann man von den Herren schon lernen. Aber letztendlich müssen wir als Spielerinnen selbst die Erfahrung machen.

 

90minuten.at: Teamchef Dominik Thalhammer meinte im Interview mit 90minuten.at, dass eine der großen Stärken des Teams sei, dass man in einem Spiel zwischen mehreren Systemen wechseln könne. Was heißt das für die Spielerinnen selbst? Wie wird das auf dem Platz praktisch umgesetzt?

Schnaderbeck: Der Trainer kommuniziert, wenn es einen Systemwechsel oder einen taktischen Wechsel gibt. Dann wird dies unter den Spielerinnen, die auch auf dem Platz die Verantwortung übernehmen, kommuniziert und weitergegeben. Damit jeder weiß, was zu verändern ist.

 

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